Ich habe darauf erstmal nicht wirklich etwas gesagt - überwiegend aus dem Grund, das ganze nicht zu zerreden. Es lässt sich aus meiner Sicht noch nicht einmal als Beziehung bezeichnen, geschweige denn er als mein Freund. Und ich werde definitiv nicht dazu übergehen, jetzt immer mehrmals bei allem nachzufragen. Vielmehr kam ich ja u.a. dadurch an meine generelle Frage meiner Einstellung, meines Verhaltens. Der Mann ist eben gerade der Aufhänger und eher als symptomatisch zu betrachten.
Wie herbstblatt schrieb: auch die unsensiblen melden sich, wenn sie denn wollen. Und wenn nicht, dann passt es nicht zu mir.
Kenzia, ich habe in das Buch von Chopich mal reingelesen. Ja, durchaus sind da einige Gedankengänge, bei denen ich mich ertappt fühle. Dieses "ich möchtengemocht werden und bin dafür bereit, total bescheuerte Dinge zu tun". Ich habe es heute mal versucht, meinem inneren Kind zu sagen, dass wir heute erstmal arbeiten müssen und Zeit zum grübeln und andere Aktionen erst später heute Abend ist. Aber am interessantesten fand ich die Aussage, dass man "kindlich" Eigenschaften wie Enthusiasmus und Neugier als Erwachsener unterdrückt... im Kollegenkreis wurde meine begeisterungsfähige positive Art immer sehr geschätzt, aber bei Fremden oder unnahbaren interessanten Männern setzt das irgendwie aus. Ich werde da total unsicher. Nächste Baustelle: Unbefangen bleiben und Selbstsicherheit zurückholen...
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Ergebnis 11 bis 13 von 13
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02.05.2017, 22:58
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
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10.05.2017, 05:17
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Mittlerweile ist eine Woche vergangen und es lässt mir keine Ruhe. Ich habe versucht, bei mir zu mir bleiben, alle Ratschläge, die ich mir selber als Freundin gegeben hätte, zu beherzigen.
Ich habe nicht dreimal gefragt, sondern zu einem konkreten Datum, für das ein Treffen im Raum stand, darum gebeten dass er mir bis zu einem gewissen Zeitpunkt sagt, ob es passt. Das ist natürlich nicht passiert, der Tag verstrich, ich hielt ihn mir auch nicht frei für den Fall, sollte er sich spontan melden (ja, das fiel mir sehr schwer, aber ich war froh, dass ich abends unterwegs war). Ich war auf einmal so unglaublich stinkig und habe den Kontakt gelöscht, es kamen noch ein paar belanglose Nachrichten von ihm, die ich zunächst unbeantwortet ließ. Meine Wut wurde aber von Tag zu Tag immer größer, bis ich irgendwann antwortete, wie scheiße ich das von ich fand. Ich könnte es einfach nicht so stehen lassen, auch wenn es nichts an der Sache geändert hat. Was ich mir davon erwartet habe? Keine Ahnung... wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, vermutlich die plötzliche Einsicht und das sofortige Ändern seines Verhaltens. Die Reaktion fiel auch entsprechend sparsam aus, er habe halt viel zu tun und es täte ihm leid blablabla. Meine letzte Nachricht lautete dann, er möge sich dann bitte einfach nicht mehr melden,
Zudem bin ich beruflich gerade auf einem anstrengenden Projekt, dessen Leiter ähnliche Verhaltenszüge aufweisen. Ein direktes Ansprechen der Probleme aus Teamsicht wurde durch "ich weiß gar nicht, was ihr habt, es klappt doch alles" vom Tisch gewischt und wir müssen es jetzt ausbaden. Und nein, wir können es nicht eskalieren lassen, da es alles sehr politisch ist. Ich fühle mich dadurch gerade sehr fremdbestimmt in meiner Arbeit, täglich wird die Planung umgeworfen. Direktes Ansprechen führt eher dazu, dass sich der Leiter auf den Schlips getreten fühlt.
Ich weiß nicht... im Rahmen der therapeutischen Begleitung hatte ich gelernt, dass es nichts bringt, schweigend auf das Zukommen zurückhaltender Menschen zu warten. Stattdessen sollte ich meine Bedürfnisse klar formulieren, da man mir meine Wünsche schließlich. Ich von den Augen ablesen könne, das war in diesem Fall anscheinend auch nicht richtig.
Vermutlich arbeite ich mich einfach gerade an ein paar Personen ab, die mir nicht gut tun. Normalerweise schätzt mein Umfeld meine direkte und unkomplizierte Art. Aber im Moment befinde ich mich in einem ganz anderen Umfeld und habe das Gefühl, mich komplett zu verstellen. Bzw. wenn ich mich nicht verstelle und klar formuliere, was ich will, reagiert mein Gegenüber ganz anders, als ich es gewohnt bin. Im beruflichen würde ich normalerweise mit den Schultern zucken, im privaten den Menschen sausen lassen. Aber hier kommt gerade einiges zusammen und mein trauriges kleines ich versteht die Welt nicht mehr.
Und jetzt sitze ich hier im Hotel, habe die letzten Nächte schlecht geschlafen und versuche auseinanderzudröseln, was mein größtes Problem ist. Wo ich ansetzen kann, damit sich der Knoten löst - aktuell fühlt es sich tatsächlich so an, als würde es mir den Brustkorb abklemmen. Ich sitze tagsüber da und könnte in manchen Momenten einfach losweinen. Und abends, wenn ich dazu die Möglichkeit hätte, kommt irgendwie nichts mehr aus mir raus.
Ich denke, es werden mir einige raten, mir einen Therapeuten zu suchen. Ich werde es auch nach meiner Rückkehr an den Heimatort in Erwägung ziehen, aber ich bin noch einen Monat unterwegs. Es tut sehr gut, das einfach mal aufzuschreiben und ich hoffe, ich erhalte ein paar Denkanstöße zur Überbrückung dieser besch... Phase. Ich versuche es mit Sport, Yoga, guten Büchern, aber nichts will so richtig helfen. Das Gedankenkarussell dreht sich weiter...
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11.05.2017, 21:25Inaktiver User
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Hallo liebe Palimpalim, ich möchte dich gerade einfach nur drücken und dir ein wenig Trost geben, denn es liest sich so verzweifelt. Ich kann gerade nicht viel schreiben, aber lese dir vielleicht Kenzia's Post noch ein paar Mal durch, der ist sehr klug, finde ich. Ich glaube, diese Menschen sprechen so gewaltig was an in dir, das du dir tatsächlich etwas besser (vielleicht auch im Rahmen einer Therapie) anschauen solltest. Denn mit dem Kopf verstehen (z.B. warum dein Vater damals so (re)agiert hat) ist das Eine, das Gefühl oder halt das Innere Kind muss es begreifen, um es dann wieder über das Gefühl auflösen zu können. Der Verstand ist hier leider nicht der richtige Weg. Ich mache gerade eine Schematherapie und lerne genau das - da ich auch immer wieder an meine Grenzen stoße und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, es könnte der richtige Weg sein.
Wie gesagt - ich verstehe dich zu gut und wünsche dir, dass du dich nicht allzu einsam fühlst, weg von zu Hause. Fühl dich umarmt - liebe Grüße Panamissy




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