Am Wochenende war wieder mal eine Situation, da hab ich mich im nachhinein am meisten über mich selbst geärgert und mich gefragt warum ich es einfach manchmal nicht hingekomme schlagfertiger zu sein. Danach sind mir natürlich zig passende Sprüche und Antworten eingefallen.
Konkret war das die Situation, das uns eine Verwandte und deren Freundin bei der Neugestaltung des Kinderzimmers unseres Kindes geholfen haben. Sie haben Möbel und Spielsachen vermittelt - also Kontakte hergestellt usw. Das ist wirklich nett und ich weiß das zu schätzen. Da die Beiden am Wochenende bei uns in der Straße unterwegs waren, haben sie voher gefragt ob es ok ist kurz vorbei zu kommen, um das Kinderzimmer zu sehen. Das find ich auch total lieb und kann ich auch an deren Stelle total nachvollziehen.
Als sie dann da waren, fing es an. Ich hatte kaum die Möglichkeit Hallo und wie gehts zu fragen, da wurde ich schon todgequatscht und mir wurden 'Anweisungen' gegeben ('Geh doch mal rein, wir wollen jetzt die Tür hinter uns zu machen' usw.). Ich hatte keine Chance sie als Gäste richtig zu begrüßen und schon standen sie im Kinderzimmer. Ich wurde da quasi mehr oder weniger durch unsere eigene Wohnung geschoben übertrieben ausgedrückt. Bei uns zu Hause werden die Schuhe gewechselt und ich mag es einfach nicht wenn in Straßenschuhen in die Wohnräume gelaufen wird (gerade im Kinderzimmer - unsere Kinder sind noch klein und spielen da ja auf dem Boden) und ich frag, wenn ich irgendwo zu Besuch bin grundsätzlich nach ob ich meine Schuhe ausziehen soll.
Dann haben sie das Zimmer genau untersucht, was auch ok ist. Und dann waren sie auch recht schnell wieder weg.
Wie gesagt an und für sich verstehe ich deren Intention und freue mich über dieses Interesse und bin dankbar für die Hilfe. Und die Verwandte und deren Freundin stehen uns nicht so nahe, dass sie jemals bei uns waren.
Aber ich frage mich warum ich mir da so das Zepter aus der Hand hab nehmen lassen. Woher sollen sie auch wissen das bei uns die Schuhe ausgezogen werden, wenn ich ihnen das nicht sage zum Beispiel.
Daher die Frage: Wie kann ich das üben? Wie bekomme ich es hin da einfach schlagfertiger zu sein? Wie kann ich quasi gleich am Anfang klar stellen hier ist meine Wohnung. Ich 'führe' sie durch die Wohnung und ich sage in meinen vier Wänden an (klingt jetzt drastischer als ich es meine).
Ich merke immer wieder das ich total höflich erzogen wurde und gerade Menschen gegenüber, die deutlich älter sind als ich 'keine Ansagen' zu machen habe. Daher hab ich hier mal das Thema eröffnet, weil es was ich, was ich schon mehrfach bei mir an Verhalten (oder eben leider Nicht-Verhalten) an mir beobachtet habe. Ich möchte mir sozusagen diesen übermäßigen Respekt vor älteren Leuten abtrainieren.
Habt ihr Ideen, wie ich das am besten lernen kann?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 11
Thema: Schlagfertigkeit lernen
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25.01.2017, 10:07
Schlagfertigkeit lernen
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25.01.2017, 10:16Inaktiver User
AW: Schlagfertigkeit lernen
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25.01.2017, 10:18
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25.01.2017, 10:42
AW: Schlagfertigkeit lernen
Hallo Ritaswelt!
Da hattest Du wohl Besuch von einer Dampfwalze.
Ich glaube, in diesem Fall hätten nur deutliche (aber nicht genervte) Worte geholfen: "Halt, stopp! Bitte Schuhe ausziehen"!
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25.01.2017, 12:00
AW: Schlagfertigkeit lernen
Danke für eure Antworten.
Was bin ich für eine Persönlichkeit? Wenn ich meinen Mann fragen würde, würde er wieder sagen ich bin einfach zu höflich.
Harmoniesüchtig in dem Sinne bin ich nicht, aber mir fällt es schwer Leuten vor den Kopf zu schlagen. Und vor allem eben älteren Menschen.
Wenn ich Menschen in zwei Kategorien einteilen müssen (klar ist das Leben viel differenzierter), würde ich die Kategorien Hund und Katze wählen. Ich bin eher ein Katzenmensch und schau mir erst mal in Ruhe Situationen und Menschen an und dann öffne ich mich. Ich halte aber zu Menschen mit denen ich eher weniger zu tun habe eher Abstand (körperlich und auch bestimmte Dinge würde ich nicht fragen usw.). Und dann gibt es die Hundemenschen, die total offensiv sind und es fällt mir eher schwer mit so extrem offensiven Menschen in Kontakt zu kommen weil mir das oft einfach zu schnell zu viel ist. So könnte ich das vielleicht am besten beschrieben.
In der konkreten Situation am Wochenende war ich glaub ich einfach Schach matt gesetzt. Mein Mann hatte eine halbe Stunde bevor die beiden Damen kamen einen Anruf von seinem Vater erhalten das er schwer krebskrank ist und nicht klar ist wie lang er noch leben wird (je nachdem was die Untersuchungen diese Woche ergeben 3 Monate bis 5 Jahre). Das war ein riesiger Schock. Ich denk da hatten die beiden Damen einfach 'leichtes Spiel' mit mir weil ich da gerade noch im Begriff war zu erfassen was wir da für eine schreckliche Nachricht erhalten hatten.
Ansonsten hab ich mir nochmal Gedanken darüber gemacht, was mir so schwer fällt bei bestimmten Personen schlagfertig zu reagieren oder eben Grenzen zu setzen.
Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Es gibt einfach Menschen, die leben in ihrer eigenen Erlebnis- und Wertewelt, was ja vollkommen ok ist. Aber ich finds schwer bei solchen Menschen, die ihre eigenen Werte und Maßstäbe als allgemeingültig ansehen Grenzen zu setzen.
Als unsere Kinder noch Babys waren, durften die Raucher die Kinder erst anfassen und schmusen wenn sie vorher ihre Hände gewaschen hatten.
Mir war das außer der Gefahr des plötzlichen Kindstods einfach ein Anliegen weil ich das als Kind von zig Verwandten ertragen musste und ich mich noch heute daran erinnere wie ecklig ich das als Kind fand wie das gestunken hat.
Da hat man ja als Eltern mehrere Möglichkeiten nein zu sagen. Man kann nein sagen wir wollen das nicht ohne Begründung oder mit Begründung.
Bei den älteren Menschen hab ich da die Erfahrung gemacht, das da oft mit den Augen innerlich geleiert wurde und dann natürlich auch irgendwann der Spruch kam das wir Eltern heutzutage ja so empfindlich seien.
Und genau mit solchen Reaktionen kann ich nicht umgehen. Ich weiß nicht wie ich auf sowas antworten soll. Ich will mich ja nicht verstreiten und jeder darf gern seine Meinung haben. Aber diese Bewertungen nerven mich. Und mir fällt da auch kein guter Spruch dagegen ein, außer "Die Zeiten haben sich geändert. Das sieht man heute anders."
Oder jetzt im Falle der Neugestaltung des Zimmers meines Kindes hat die eine Dame dann sogar noch die Sachen gewaschen, was ich ihr gesagt hatte dass das gar nicht nötig sei. Nun raucht auch diese Dame in ihrer Wohnung und die Sachen rochen dann extrem nach Weichspüler und kaltem Rauch. Unsere Kinder haben die extrem empfindliche Nase meines Mannes geerbt (der nicht mal mag wenn ich ein gutes Parfum trage). D.h. wir haben die Sachen nochmal gewaschen und als sie dann da war (sie sieht sich als extrem gute Hausfrau und Muttertier), wollte sie sich dann gleich noch ein Lob abholen, da sie ja die Sachen extra nochmal gewaschen hat usw.
Ich finds total nett, dass sie sich da so viel Arbeit gemacht hat, die gar nicht notwendig ist und war, und das kann ich auch wertschätzen. Aber bei sowas weiß ich dann nie was ich antworten soll. Ich nicke das in der Regel ab und bedanke mich für das Engagement. Aber so richtig zufrieden bin ich mit solchen Lösungen nicht. Erstens lüge ich ja dann und zweitens bestätige ich ja dann auch deren Verhalten als gut und lobenswert, obwohl ich das gar nicht so sehe. Ist verständlich was ich damit meine?
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25.01.2017, 12:27Inaktiver User
AW: Schlagfertigkeit lernen
Das war in dieser Situation genau richtig.Ich nicke das in der Regel ab und bedanke mich für das Engagement. Aber so richtig zufrieden bin ich mit solchen Lösungen nicht. Erstens lüge ich ja dann und zweitens bestätige ich ja dann auch deren Verhalten als gut und lobenswert,
Man MUSS nicht immer jedes Konfliktfeld auftun. Ich meine ... es ist so was von egal, ob du ihr Verhalten lobenswert und gut findest, ob du sie darin bestärkst oder nicht. Was hast du ganz konkret für dich zu gewinnen, wenn du diesbezüglich eine Diskussion startest und zu verstehen gibst, dass du das nicht gut fandest? Was ist dein Benefit daraus, wenn du das sagst? Ich kann da keinen erkennen, für den es sich zu diskutieren lohnt, ganz ehrlich.
In einem Nachbarstrang zu einer ähnlichen Thematik hab ich geschrieben (und wildwusel zielt in die gleiche Richtung), dass man sich seine Schlachtfelder und Kämpfe sorgfältig auswählen soll und sich ausschliesslich auf jene beschränken soll, die für einem selbst wichtig sind, weil es um die Erreichung eines ganz konkreten, wichtigen Zieles geht. Schlachtfelder, bei denen es mehrheitlich nur ums Prinzip geht, sind Energieverschwendung.
Ein Schlachtfeld, bei dem es um ein ganz konkretes Ziel gegangen wäre, war jenes, dass deine Wohnung bitte nicht mit Schuhen betreten werden soll. Da hättest du vehement intervenieren sollen - aber sicher nicht nicht bei der nachträglichen Selbstbeweihräucherung bezüglich Sachen extra waschen.
Das war die Steilvorlage für dich, um sofort deutlich zu sagen: "vor dem Reingehen [oder sogar: wenn ihr rein wollt,] bitte Schuhe ausziehen!"und mir wurden 'Anweisungen' gegeben ('Geh doch mal rein, wir wollen jetzt die Tür hinter uns zu machen' usw.).
Oft steht und fällt der Erfolg einer solchen Intervention ganz simpel mit der Fähigkeit, schnell zu reagieren. Die lässt sich antrainieren.
(Und dass diese Fähigkeit durch den vorgängigen Schock der schlechten Nachricht beeinträchtigt war, ist auch klar. Sei diesbezüglich nicht zu streng mit dir. Es ist jetzt halt passiert - nächstes Mal lässt du dich nicht derart überrumpeln und gut)
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25.01.2017, 13:53
AW: Schlagfertigkeit lernen
@Horus: Danke dir für diesen Beitrag.
Das ist wirklich eine sehr gute Idee sich immer mal wieder zu fragen wo ziehe ich in den 'Kampf' und wo nicht, wo ist meine Energie tatsächlich gut investiert.
Und ich komme zum gleichen Ergebnis wie du. Welche Regeln in unserem zu Hause gelten, ist schon etwas, dass ich vertreten muss.
Und ich geb dir auch Recht. Ich hätte das gleich am Anfang klar stellen sollen. In dem Moment war ich einfach in Schockstarre (vermutlich aufgrund der schlechten Nachrichten zuvor).
Das war und ist mir eine Lehre das in Zukunft anders zu gestalten.
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25.01.2017, 14:06Inaktiver User
AW: Schlagfertigkeit lernen
Ich habe da ein sehr gutes Bauchgefühl... wenn es da brodelt ziehe ich in den Kampf... egal wo.
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25.01.2017, 16:45
AW: Schlagfertigkeit lernen
Überlege, was du erreichen willst.
Sag Leuten, was du von ihnen willst.
Sprich rechtzeitig.
Du brauchst nicht originell zu sein. Sei freundlich und entschieden.
Benutze deinen Körper und deine Position im Raum um deine Aussage zu unterstreichen. ("Könntet ihr bitte die Schuhe ausziehen" -- Breit im Flur stehen. "Jetzt trinken wir erst mal einen Kaffee." -- Einladende Geste Richtung Kaffee. "Danke, das war alles wunderbar" -- zur Tür geleiten.)** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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25.01.2017, 18:48
AW: Schlagfertigkeit lernen
Körpersprache ist auch wichtig. Entschiedenes Auftreten (Kopf hoch, aufrecht) oder Stehen (beide Beine hüftbreit am Boden) kann man lernen. Das zeigt nonberbal an, dass du der 'Chef im Ring' bist.
Ich war erstaunt, wie gut das wirkt, oft war es gar nicht nötig, weitere Worte zu verlieren.
Und - ganz wichtig - sei geduldig zu dir selbst. Wenn du schon merkst, dass etwas schiefläuft, bist du auf dem richtigen Weg.


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