oder: Was nützt die Liebe in Gedanken?
Hallo,
ich bin ja schon einige Zeit hier dabei, mit langen Pausen und dann wieder äußerst intensiven Phasen. Zu Zeiten großen Leidensdrucks wurde mir hier geholfen, und es haben sich intensiver Austausch ergeben genauso wie gesalzener Schlagabtausch.
Seit langem befinde ich mich in einem herrlich ausbalancierten Leben, ich kann und will nicht klagen.
Gerne will ich mich mit Interessierten hier über die Sehnsucht austauschen. Allgemein oder konkret - wie es sich ergibt. Manche behaupten, Sehnsucht wäre Ausdruck unbefriedigter Bedürfnisse. Aber ein Leben ohne Sehnsucht käme dem Tod gleich, denn was triebe uns dann noch voran? - Manche behaupten, in Sehnsucht steckt die Sucht. Aber wem hilft dieses Pathologisieren, dem Behaupter oder dem Beurteilten? Und wenn ja: Warum? Und wenn nein: Was dann?
Ich habe jedenfalls ganz viel Sehnsucht, und sie erstreckt sich über viele Gebiete. Ich sehne mich nach Liebe & Geborgenheit (Wer tut das nicht?) Aber aus bestimmten Gründen erfülle ich sie mir lieber nicht. Dennoch, manchmal gönne ich mir eine Phantasie-Affaire...
Auch Sehnsucht nach bestimmten Zielen spüre ich häufig. Manche verfolge ich, mehr oder weniger stringent, manche lasse ich in mir wabern, wenn ich weiß, dass sie nie erfüllt werden könnte oder sollte.
Welche Sehnsüchte habt ihr?
Glaubt ihr, dass Sehnsucht nur bedingt konstruktiv ist?
Oder seid ihr davon überzeugt, Sehnsucht ist etwas für Träumer?
Die Fragen lassen sich endlos fortsetzen, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine
Ich stelle mir einen kleinen Persönlichkeitsplausch vor, der gerne positiv gefärbt sein soll. Aber Kritik ist überhaupt nicht negativ...
Neulich habe ich von einem Psychologen folgende Aussage gelesen, die mich nämlich etwas traurig gestimmt hat, sie ging in etwa so: Menschen, die sich in Unerreichbares verlieben, würden aus einem Film, der ihr eigenes Leben zeigte, vorzeitig gehen vor lauter Langeweile
Das als Einstieg.
Viele Grüße in die Runde
Schlaflos
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Thema: Sehnsucht
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17.01.2017, 17:04Inaktiver User
Sehnsucht
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17.01.2017, 17:14Inaktiver User
AW: Sehnsucht
Sehr kluger Psychologe, und kann ich für mein Leben bestätigen. Sehnsucht kam immer nur dann auf, wenn sich in mir und um mich herum nichts bewegte. Der Sehnsuchtsstrick ist, daraus Bewegung zu generieren und sie zu konkreten Zielen werden zu lassen. Heute meide ich Sehnsucht, wo es nur geht.
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17.01.2017, 17:17Inaktiver User
AW: Sehnsucht
Ich glaube, dass Sehnsucht nichts mit Sucht sondern mit Suche zu tun hat.
Die Suche nach etwas, was im Mangel ist und aufgefüllt werden möchte.
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17.01.2017, 17:27
AW: Sehnsucht
Gute Idee, Schlaflos.
Um an den Psychologen anzuknüpfen. Sehnsucht = Unereichbares. Stimmt ja irgendwie. Wenn man den Partner sehnsüchtig erwartet, dann ist er ja gerade nicht erreichbar, aber kommt bald. Wenn ich den Sommer vermisse, dann ist er nur bedingt erreichbar (es sei denn ich buche einen Flug in die Karibik).
Wenn man sich in seiner Phantasie Sehnsüchten hingibt, dann ist das auch unerreichbar. Sehnsüchte sind dann keine Sehnsüchte mehr, wenn man sie sich erfüllt. Sehnsüchte auf ein nahes Ziel können annimierend und kurzfristig befriedigend sein.
Anders sieht es für mich nach Nähe mit einem Menschen aus. Warum, wenn du Sehnsucht nach Nähe und Sex hast, erfüllst du dir diese nur in der Phantasie? Warum beginnst du nicht eine echte Affaire? Eine Affaire in der Phantasie kann doch nicht wirklich für Erfüllung sorgen?! Es sei denn, man hat dermaßen Angst vor Nähe oder ist in einer (vielleicht gerade unglücklichen) Partnerschaft. Dann kann diese Phantasie/Sehnsucht aber auch hemmen, nämlich sich mit den Problemen in der Partnerschaft auseinander zu setzen.
Wenn ich im Winter Sehnsucht nach Sommer habe, dann stelle ich mir das tatsächlich als schön vor, in der Phantasie von Palmenstränden und Cocktails an der Bar zu träumen.
Wenn ich aber in Liebesdingen nur von Sehnsüchten träume und nichts darauf folgt, wird das mich über kurz oder lang eher frustrieren.
Es kommt wohl auf die Intensität einer jeden Sehnsucht an. Wenn es zur fixen Idee wird, dann wird´s kritisch.
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17.01.2017, 17:58Inaktiver User
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17.01.2017, 18:20
AW: Sehnsucht
Hmm das macht mich nachedenklich mit dem Spruch des Psychologen. Ich glaube ich kann dem so nicht zustimmen.
Sehnsucht kenne ich auch, vor allem nach Nähe und Geborgenheit, das kann ich leider auch gar nicht so spontan ändern, ich habe seit langem keinen Mann mehr getroffen, der mich wirklich anspricht emotional. aber mein Leben ist ansonsten alles andere als langweilig, da gibt es Leben in anderen Kulturen, Erfüllung eines langen Wunsches nach beruflichem Neuanfang, Umbrüche, Staunen, erleben, Leben ... wenn ich Menschen meine Geschichte erzähle, sind die meistens eher erstaunt, gebannt aber nicht gelangweilt. Trotzdem habe ich Sehnsucht nach einer erfüllenden Beziehung, einem Lebenspartner der die Seele und den Intellekt stimuliert, körperlich und im Alltag passt, mit dem man Lachen und Weinen kann, morgens dümmlich grinsend Zähne putzen kann und abends angekuschelt den Tag reflektieren kann, der aber meine Freiheit nicht einschränkt, mich wachsen und entwickeln lässt und selbst seine Entwicklung weiter pflegt und den Austausch aber nicht das Ausbremsen braucht.
Ich habe auch immer Sehnsucht nach Reisen, anderen Farben, Gerüchen, Kulturen, Menschen ...
Aber macht das wirklich das Leben langweilig ?
Sehnsucht ist für mich auch ein Antrieb, zu schauen was ich da ersehne, was ich suche und ich freue mich über Begegnungen und Erleben dass dieses Gefühl temporär abstellt.
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17.01.2017, 18:22Inaktiver User
AW: Sehnsucht
"Sehnsucht" widerspricht dem Leben im Hier und Jetzt,
denn wir haben immer nur den jeweiligen Augenblick:
das Gestern ist vorbei und das Morgen noch nicht da-
d.h. vor lauter Sehnsucht/denken an die Zukunft
verpasse ich laufend den jetzigen Moment
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17.01.2017, 18:52Inaktiver User
AW: Sehnsucht
sehnsucht habe ich nach menschen oder orten, die ich liebe, was voraussetzt, dass ich sie schon kenne. manchmal auch nach einem bestimmten lebensgefühl, das vergänglich war.
alles andere würde ich als träume oder wünsche bezeichnen, je nachdem, wie realistisch die umsetzung ist.
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17.01.2017, 19:29Inaktiver User
AW: Sehnsucht
Das geht mir ganz genauso. Sehnsucht verbinde ich ausschließlich mit Jemandem oder auch einem ganz bestimmten Tier, das nicht mehr da ist und mir fehlt, etwas das in der Vergangenheit liegt und war. Verbunden mit einmal gehabt aber nicht mehr da, sprich Verlust. Ab und an würde ich auch sagen, dass ich mich an einen schönen Ort (zurück)sehne, an dem ich schon war, meist aber auch verbunden dann mit den Erinnerungen an die Personen / Tiere, mit denen ich da war.
Nach einem neuen Partner oder zB auch einem neuen Haustier das würde ich auch als intensiven Wunsch bezeichnen. Diese Gedanken haben aber nicht das traurige und irgendwie schwere Gefühl, wie wenn ich mich nach etwas sehne, was nicht mehr da ist aber einmal da war, sondern eher dann für mich etwas Leichtes und Freudiges.
Ich denke daher, Sehnsucht interpretiert und fühlt sicher jeder Mensch auch ein Stück weit auch auf seine Weise.
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17.01.2017, 20:12Inaktiver User
AW: Sehnsucht
Vielen Dank für eure Gedanken!
Ich überlege gerade über diese Differenzierung zwischen Sehnsucht und intensivem Wunsch. Woher kommt das? Was soll das unterstreichen?
Zum Beispiel sehne ich mich nach der menschlichen Nähe, die einem nur ein Mann (in meinem Fall) geben könnte; trotzdem habe ich keinen intensiven Wunsch nach einer Beziehung. Oder, ich kenne auch so ein sehr ziehendes Gefühl, wenn ich manche Gerüche aufnehme, die mich emotional erinnern, an die ich aber gar keine Bilder der Erinnerung knüpfen kann.
Die Aussage des Psychologen empfinde ich als abwertend. Niemand will ja ein langweiliges Leben geführt haben. Andererseits: Was wäre denn so schlimm daran, wenn dem so wäre? Es wäre der Blick eines anderen auf mich - etwas Äußeres. Haben Menschen mit beschränkten Möglichkeiten kein lebenswertes Leben???




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