Hallo ihr Lieben!
Lange ist es her,dass ich mich hier anmeldete,weil ich auf eure Hilfe angewiesen* war. Dafür war ich sehr dankbar.* Wer sich noch erinnert, ich war mit einem sehr gestörten kranken Menschen zusammen.Seitdem ist viel passiert. Ich bin kurz darauf tatsächlich in stationäre Behandlung gegangen. Fast 3 Monate war ich dort wegen einer ptbs und es ging mir danach wesentlich besser. Erst in der Klinik wurde mir bewusst, wie schlimm es eigentlich wirklich war. Ich konnte keine Menschen um mich herum ertragen, Männer gleichen Alters lösten Panik und Angst aus. Die Angst bestimmte mein Leben, vor ihm, vor den Erinnerungen vor allem. Ich kam nie zur Ruhe. Ich bin weiterhin in Therapie und habe sogar im Sommer einen Prozess gegen ihn gewonnen.
Nur habe ich das Gefühl, dass es einfach nicht weg geht... Leider sind jetzt Feiertage und ich habe 4 Wochen keine Therapie. Ich dachte bisher das macht mir nicht aus...Die Trennung ist in wenigen Monaten 2 Jahre her und ich werde immer noch von Erinnerungen und Schmerz an diese Zeit heimgesucht. Nach wie vor sind wir in der gleichen Firma ,haben aber dort keine Berührungspunkte. Wäre es so, würde ich flüchten . Habe aber immer noch Angst! Warum? ? Wenn Kollegen erzählen sie haben xy gesehen, wird mir sofort extrem schlecht. Wenn ich darüber rede, dann reagiert mein Körper immer noch.. Wann hört das denn auf? Neulich erzählt mir jemand ,xy wäre mit seiner Neuen bei mir in der Stadt gewesen. Ich wohne dort, nicht er! Eigentlich sollte mich das nicht stören. Sie ist vielleicht gerade 18 und damit 12 Jahre jünger als ich. Und trotzdem hat es einiges wieder hoch geholt. Ich bin ziemlich weit davon entfernt jemanden zu daten. Beim letzten Versuch hab ich kurz vorher alles abgebrochen.
Zurzeit habe ich vielmehr das Problem,dass ich mir alles so unwirklich vorkommt. Manchmal kann ich mir einreden,das wäre alles nicht passiert und manchmal holt es mich so schnell wieder ein,dass ich denke ich bin keinen Schritt weiter.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 11
-
29.12.2016, 21:44
Ist das nach all der Zeit noch normal?
Geändert von Chirocee (30.12.2016 um 21:25 Uhr)
-
29.12.2016, 21:54
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Oje. Wäre es nicht eine Option, mit Job und Wohnung an einen anderen Ort zu wechseln, damit er nicht ständig wieder in deinen Blickwinkel gerät? Das wäre bestimmt einfacher für dich.
-
30.12.2016, 07:34Inaktiver User
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Käme ein Jobwechsel für Dich in Frage und wurde konkret eine Traumatherapie gemacht nach dem Prozess? Das klingt mir schwer nach immer noch bestehenden Triggern oder würde es reichen, wenn Du die Kollegen darum bittest ihn nicht vor Dir zu erwähnen? Was hast Du in der Therapie gelernt, wie Du Deinen Schutz wiederaufbaust oder Dich beruhigst, wenn die alten Gefühle hochkommen? Ist dieser Strang überhaupt so gut für Dich, wenn kein Therapeut in greifbar ist? Wären Medikamente ggf. zusätzlich eine Lösung für Dich, einfach um wieder in ein entspannteres Feeling reinzukommen? Gibt es sonst etwas, was Du jetzt für Dich tun kannst? Sauna, Meditation, Sport, was auch immer, was Dir gut tut? Sorge gut für Dich.
-
30.12.2016, 15:58
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Danke, für die Antworten. Ich möchte meinen Job und mein Leben nicht einfach aufgeben. Ich hab bisher wieder soviel zurückerlangt von dem was mir mal wichtig war. Irgendwann werde ich mich sicher beruflich verändern wollen,aber doch nicht wegen dem! Zudem bin ich länger im Unternehmen als der. Dann hätte er im nachhinein doch noch mein Leben ruiniert. Gut, hat er irgendwie so oder so schon. Einige Kollegen wissen davon, aber kaum einer wie schlimm es wirklich noch ist.
Einiges habe ich aufgearbeitet,habe die verschiedenen Techniken gut drauf, damit ich da rauskomme. Ich bin schon ziemlich weit gekommen. Aber mir reicht das nicht. Ich will einfach das es weg bleibt. Das es an Bedeutung verliert. EDMR habe ich nicht gemacht. Es ist ja nicht ein Erlebnis sondern sehr viele.Tabletten möchte ich nicht. Hab es bisher gut ohne geschafft.
Ich weiß dass man mir hier auch nicht helfen kann, aber gibt es hier niemanden der so ähnlich fühlt? Das die Verbindung zum alten Leben fehlt, dass etwas fehlt? Dauert das wirklich Jahre an?
-
30.12.2016, 16:15Inaktiver User
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Hallo Chicorée,
ich kenne deine Geschichte nicht, denke mir aber beim Lesen einfach mal meinen Teil. Ich glaube, dass du in einem öffentlichen Forum mit so einem schweren Thema wenig Antworten bekommen wirst, die dir wirklich weiterhelfen, weil hier ja auch nur vereinzelt Menschen mit der entsprechenden Ausbildung unterwegs sind. Und Betroffene, die sich rausgeboxt haben aus so einer Situation, die sind bestimmt froh, wenn es vorbei ist, wenn der Deckel drauf ist und sie nicht mehr darüber nachdenken müssen. Und so ein Strang würde bei den Lesenden und evtl. dann Schreibenden alte Wunden wieder aufreißen, genau die Wunden, die du so verzweifelt schliessen möchtest.
Dein Therapeut hat dich doch sicher nicht ohne einen Ratschlag in eine vierwöchige Therapiepause, wo auch noch solche Ereignisse wie Weihnachten und Jahreswechsel anstehen, aus der letzten Stunde entlassen? Erinnere Dich mal.
Und in jedem Ort gibt es Telefonseelsorge oder einen sozialpsychiatrischen Dienst, wenn es ganz schlimm wird. Nummern kennst du sicher, oder du findest sie im Telefonbuch.
Vielleicht wärst du auch in einem anderen Forum, eher unter Gesundheit (?), mit deinem Thema besser aufgehoben, kannst ja mal bei den Moderatorinnen nachfragen. Soweit ich weiß, ist @maryquitecontrary sogar "vom Fach".
Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen.
Und dies noch:
Manchmal ist die Entscheidung, den Ort zu wechseln, um zu heilen, keine Niederlage sondern ein Sieg! Weil es ein besseres Leben durch Abstand und Wiedererlangung des seelischen Gleichgewichtes ermöglicht.
-
30.12.2016, 21:22
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Danke, für die lieben Worte☺ Ich versuche einfach weiter allein damit klarzukommen
-
30.12.2016, 21:28Inaktiver User
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Zwei Jahre sind keine so lange Zeit. Du hast viel geschafft! Der Rest wird auch noch kommen. Vertraue weiter auf Dich, daß Du das (mit aller Unterstützung, die Du bekommen kannst und willst) packst.
-
30.12.2016, 21:35Inaktiver User
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Du hast mich missverstanden.
Du musst da nicht allein durch. Es gibt Hilfe. Wahrscheinlich nicht allzuviel hier in diesem Forum, auch wenn wir versuchen können, dich über die Feiertage zu bringen.
Und die Zeit heilt alle Wunden. Ist ein blöder Spruch, stimmt aber trotzdem. Je tiefer die sind, desto länger brauchen sie zum Heilen. Alte medizinische Weisheit ;-)
Lass den Kopf nicht hängen. Mach was Schönes diese Tage. Gönn dir was!
-
30.12.2016, 22:04
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Natürlich ist es wichtig, sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. Das hast du die letzten Jahre sicherlich ausführlich getan.
Aber das möchtest du doch nicht ewig? Vielleicht ist es richtig, seinem Gehirn irgendwann mal einen Schlusspunkt zu setzen bzw. zu gönnen, damit die Synapsen sich anderen, besseren und neuen Erfahrungen zuwenden können.
Soll heißen: Ablenkung, neue schöne Dinge erleben, gute Erfahrungen machen.
Den Ratschlag, deine Kollegen zu bitten, den Namen nicht mehr zu erwähnen, finde ich sehr gut, es ist sicherlich ein erster Schritt. Verbanne Nobody aus deinem Leben. Gib diesem Mann nicht mehr die Möglichkeit Bedeutung für dich zu haben. Er hat es nicht verdient, wichtig zu sein, egal in welcher Form, auch nicht mit schlechten Erinnerungen. Daher nenne ich ihn jetzt Nobody. Vielleicht übernimmst du das? Er ist es einfach nicht wert, dass du dich länger mit ihm befasst. Auch wenn Nobody sich alle Mühe gegeben hat - er wird dich nicht kleinkriegen. Du bist stärker. Besser: DU BIST STÄRKER! Du hast sogar einen Prozess durchgestanden und gewonnen! WOW!
Den Rest schaffst du auch noch. Ergreife so viele Maßnahmen wie möglich, keine Berührungspunkte mehr mit diesem Nobody zu haben und suche dir liebe Menschen, mit denen du Zeit verbringen kannst. Hast du eine liebe Kollegin oder Freundin, mit der du gerne etwas unternehmen würdest? Würdest du gerne verreisen? Gibt es Hobbys, Wünsche, Ziele? Was willst du einmal erleben? Gibt es Menschen, die dir wichtig sind? Setze dir Ziele für die Zukunft, es können ruhig mehrere sein. Gehe mit kleinen Schritten darauf zu, bis du sie geschafft hast. Wie oben schon jemand geschrieben hat: Sorge für dich. Suche gezielt positive Dinge. Die Zeit heilt die Wunden vielleicht nicht, aber zusammen mit vielen neuen Erinnerungen werden sie unwichtiger. Shit happens, aber du hast zukünftig besseres zu tun, als dich noch länger mit der Vergangenheit zu befassen. Mache dir die kleinen Dinge im Alltag bewusst, die schön sind. Sonnenschein? Schneefall? Ein Lächeln? Jedesmal ein neuer schöner Gedanke. Sammle so viele davon wie möglich. Du gewinnst!Geändert von ylli (30.12.2016 um 22:33 Uhr)
-
01.01.2017, 14:24
AW: Ist das nach all der Zeit noch normal?
Liebe Chirocee,
eins vorweg: Es dauert Jahre.
Dieser traumatische Teil Deines Lebens wird Dich wahrscheinlich immer begleiten.
Die gute Nachricht: Es wird besser, ja sogar richtig gut. Du kannst lernen mit dieser Geschichte umzugehen und daraus sehr viel Stärke gewinnen. Das ist allerdings ein langer Prozess, doch wenn Du ihn bewusst gehst und "es" nicht nur "weg haben" willst, ist es Dein persönlicher Weg zu Dir selbst.
Ich habe mit Anfang 20 ca. drei Jahre diverse Traumatas erlebt. Anschließend lange Therapie, vor ein paar Jahren noch mal eine tiefenpsychologische mit Imaginationen (das war sehr gut!). Bin jetzt 42, habe damals mit Mitte/fast Ende 20 eine neue Ausbildung gemacht und bin über Umwege zu meinem Traumjob gekommen (was ich nie geglaubt hätte...). Nach dem ganzen Schlamassel hatte ich mit Therapeuten, Ausbildung, Umzug und dem heutigen Job sehr viel Glück. Das entschädigt für vieles - und die Reife, die man irgendwann gewinnt und die Welt mit tieferen Augen sieht, zwischen den Zeilen liest, lernt, gut für sich selbst zu sorgen, Freunde und Wegbegleiter findet.... alles nach und nach.... So ein Trauma ist nicht zu unterschätzen, der Schmerz ist im Körper gespeichert - das habe vor drei Jahren ich durch Zufall auf einem so genannten stillen Tag mit Meditationen etc. tränenreich herausgefunden ;-) Hätte ich nicht gedacht, ich war der Meinung alles ist gut.... Allerdings spielte da auch meine Familiengeschichte und Kindheit mit hinein, beides bildete ja auch den Grund für mein destruktives und selbstzerstörerisches Verhalten in jungen Jahren.
Gib Dir Zeit, versuche Dich und Deine Erfahrungen anzunehmen... schare liebevolle Menschen um Dich (ganz wichtig). Ich hab das Leben und den Willen, glücklich zu leben, Stück für Stück entdeckt, bin immer noch dabei und das wohl bis ans Lebensende. Lange hab ich mich selbst für alles Geschehene verurteilt, das geht jetzt und ich hab mir gesagt, ich mache meine vermeintlichen Schwächen zu Stärken...
Sport, Bewegung, Auspowern hilft übrigens ganz viel, da der Körper so auch Gefühle verarbeitet. Ich boxe ganz gerne auf dem Trampolin zum Beispiel, ist super. Mir hilft das auch gegen die Angst, die halt ebenso Teil meines Lebens ist (und die ich oft genug auch einfach nur weghaben will ;-) ).
Mach einen Schritt nach dem anderen... Verwöhne Dich während der therapiefreien Zeit, so gut es geht. Du bist nicht allein mit Deinen Erfahrungen, Ängsten und Flashbacks... Letztere werden schwächer irgendwann... doch es braucht wirklich einfach Zeit. Es ist keine vertane Zeit, sondern Zeit zum Heilen.
Ich wünsche Dir das Beste.
„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)


Zitieren

