Hallo ihr Lieben,
bin ganz neu hier und weiss nicht so recht, mit wem ich über dieses Thema reden soll, daher habe ich mich hier angemeldet.
Ich bin mit meinem Partner nun 7 Jahre zusammen, wir sind Mitte 30. Unsere Beziehung - also das, was sich zwischen uns abspielt - ist super und genau so, wie ich mir meine Beziehung immer wünschte.
Aber mich beschäftigt ein Thema: bevor ich meinen Partner kennenlernte, lebte ich einfach so vor mich hin. Ich pflegte Freundschaften, studierte ein Fach, was mich nicht begeisterte, in welchem ich jedoch gute Noten hatte und welches mir Anerkennung brachte, hatte also ein ganz normales, durchschnittliches Leben.
Dann kam er und brachte eine neue Perspektive in mein Leben. Er ist ein Mensch, der wahnsinnig viel im Leben hinterfragt.
Beispiele:
Die meisten Menschen konsumieren nur, die meisten machen doch gar nichts mehr, was sie berührt, sondern "erkaufen" sich Hochgefühle. Viele Menschen - und ja, es ist die Wahrheit - wollen sich nicht mehr anstrengen, Sport machen, sich auf die Natur einlassen, sondern liegen nach der Arbeit nur auf der Couch.
Sie machen eine Arbeit, die sie nicht erfüllt, weil sie keine Lust haben bzw. nicht wissen, wie sie das ändern könnten. Sie sind passiv und um sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen leisten sich viele dann halt Annehmlichkeiten im Alltag, die wiederum Geld kosten und sie somit in ihrem Job festzementieren.
Mein Partner ist eher der Mensch, der wirklich viel anpackt, einen anspruchsvollen Job hat, Leistungssport macht etc. Er hat eine sehr hohe "Schlagzahl", mit der viele nicht mithalten können. Für ihn (und mich) ist das normal und er versteht die anderen Menschen nicht und grenzt sich dann von ihnen ab. Sie langweilen ihn.
Anderes Beispiel: Freundschaften/ Familie. Er hatte noch nie viele Freunde. Er meinte die meisten kreisen nur um sich, erzählen nur von sich, interessieren sich gar nicht aufrichtig für ihr Gegenüber, Eine echte Nähe kommt nicht auf. Daher zieht er halt alleine sein Ding durch.
So. Und jetzt komm ich. Ich finde, er hat mit allem recht, was er sagt. es ist tatsächlich so.
In meiner Vergangenheit habe ich, wie oben angesprochen, ein Studium absolviert, bei dem ich während der Praktika merkte, dass die Arbeit eigentlich nichts für mich ist. Trotzdem wäre ich ohne ihn nie auf den Gedanken gekommen, mich anderweitig beruflich zu orientieren. Das habe ich durch ihn aber getan.
Freundschaften: auch da hat er recht, ich hatte viele Freundinnen, die ausschließlich um sich selbst kreisten und für die ich nur so lange interessant war, wie ich das Spiel mitspielte. Ich ahnte das bereits auch vor der Beziehung, habe das aber so akzeptiert.
Man könnte also sagen, er hat in vielen Bereichen die Wahrheit mal ausgesprochen und die Karten auf den Tisch gelegt.
Warum schreibe ich also hier? Solche Gedanken machen sehr einsam. Früher lebte ich viel ungezwungener, leichter. Ja, es war vielleicht nicht so knallhart ehrlich, aber ich fühlte mich integriert und spielte halt mit.
Ich kann nicht mehr unterscheiden, ob diese ganzen Erkenntnisse, die weh tun, z.B. mit Freunden, auch gekommen wären, einfach durchs Erwachsen werden, oder ob seine Art zu denken meine Leichtigkeit genommen hat. Die Zeit früher im Studium war halt viel leichter.
Er hat halt alles mal knallhart hinterfragt und das tut schon weh.
Ich merke, dass ich nicht mehr so leicht und "blind" durchs Leben gehen kann, sondern dass seine Art und Weise zu denken natürlich auf mich abfärbt.
Ich finde das einerseits gut, weil ich natürlich die Wahrheit sehen und leben will und andererseits auch schlecht, weil ich merke, dass die Gesellschaft halt so funktioniert. Viele Freundschaften sind halt oberflächlich, zu den wenigsten hat man richtig tiefen Kontakt. Die wenigsten ticken genau so wie ich. Seine schlussfolgerung: "was soll ich dann mit solchen Leuten?" Das macht halt einsam.
Versteht ihr was ich meine? Ich bin im Gedankenkarussell.
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13.12.2016, 11:12
Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
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13.12.2016, 11:28
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Interessanter Beitrag. Mein erster Gedanke dazu war: Wenn er alles im Leben streng in Frage stellt (was man so machen kann, wenn man sehr analytisch veranlagt bzw. kritisch ist) und wenn Du das von ihm gelernt/übernommen hast, dann gehört auch dazu, dass Du ihn und seine Lebensphilosophie kritisch hinterfragst. Das tust Du gerade. Muss ja nicht alles für Dich passen, oder?
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13.12.2016, 11:28Inaktiver User
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Bisschen weit oben aufgehängt, oder? Die "Wahrheit" sehen? Wessen Wahrheit?
Ich kann es verstehen, dass es mal gut ist, von außen auf sein Leben zu schauen. Und dann eventuell Änderungen herbeizuführen.
So erinnert es mich sehr an Rechthaberei. An meinen Ex-Mann. Der hatte immer Recht. Seine Weltanschauuung und Sicht waren die einzig Richtigen.
Aber so ist es seeeeehr einsam.
Freunde sind auch dazu da, um einmal Spaß zu haben. Nicht um ständig über Probleme zu reden. Oder die Welt retten zu wollen.
Mir wäre ein "Gutmensch" zu wenig im Leben. Langweilig.
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13.12.2016, 11:32Inaktiver User
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Klar verstehe ich was du meinst.
Und nun hat der "Godfather" dir die Welt und das Leben erklärt...ist ja prima.
Und irgendwann, wenn du mal erwachsen bist/wirst fängst du an die Welt so zu sehen wie du willst?
Oder willst du sie nur durch die Augen deines Freundes sehen?
Ob er Recht hat? Keine Ahnung - aber ich glaube jeder sieht die Welt anders oder?
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13.12.2016, 11:32
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Danke ihr zwei!
Darum geht es mir. Ich finde das ja alles in Ordnung, so es denn für ihn passt. ich selbst bin nicht so streng mit meinen Mitmenschen, ich beurteile den Kontakt mit Leuten nicht ausschließlich danach, was er mir "bringt".
In der Tat ist mein Partner ein sehr disziplinierter, leidensfähiger und ehrlicher Mensch, der niemandem ein schlechtes gefühl oder sonstwas geben will. Zu anderen Menschen ist er sehr freundlich.
Aber er sagt, er kann halt nichts mit ihnen anfangen.
Wie schaffe ich es, mich gegen seine Denkweise abzugrenzen? Ich merke, dass es mir nicht gut tut. Dadurch geht mir persönlich Lebensqualität verloren. Ich möchte das nicht mehr.
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13.12.2016, 11:33
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Wenn mir gegenüber jemand diese Haltung und die (oft enttäuschte) Erwartung nach echtem Interesse und Nähe äußert (was schon recht oft passiert ist in meinem Unfeld), frage ich mich immer (zwecks kritischer Analyse
), ob derjenige, der sich da so beklagt, okay: meist: diejenige, ob diejenige selber soviel Aufmerksamkeit und echtes Interesse gegenüber anderen hat oder nicht. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Wer selber interessiert ist, darf von anderen Interesse erwarten. Sonst wäre es nur vorgeschoben, um andere Menschen auf Distanz zu halten, finde ich. Und das langweilt mich wiederum.
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13.12.2016, 11:34
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13.12.2016, 11:36
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Es ist ganz einfach bleib Dir und Deiner Persönlichkeit treu, denn genau dass tut er auf sehr egoistische Weise wie Du schreibst, alles zu seinen Konditionen, geringe Kompromissfähigkeit.
Dass ist völlig O.K so zu leben, aber Du bist ein anderer Mensch, Du darfst und sollst anders sein! In diese Frau hat er sich ja auch verliebt!
Stoss ihn von Deinem inneren Sockel und stell ihn neben Dich...Das Leben macht was es will und ich auch!
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13.12.2016, 11:37
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Weißt Du an was mich das erinnert? an die nächtelangen Diskussionen in der der WG während der Studentenrevolten um 1968.
Klugscheißer ohne Ende, alle anderen sind doof und haben null Ahnung, kein politisches Bewusstsein, autoritätshörig und stützen das Establishment.
Selbst unfähig ein halbwegs vernünftiges Essen auf den Tisch zu bringen, Einkaufen ist nicht ihr Ding, denn da trifft man ja nur Konsumidioten. Aufräumen, abspülen, Klo putzen zeigt nur, dass man bürgerlichen Normen anhängt.
Und sehr begabte, fast charismatische Redner, denen akademisch gebildete Frauen zu Füßen lagen, die ihnen diese überflüssigen Niederungen des Lebens vom Leibe hielten.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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13.12.2016, 11:38
AW: Abgrenzung zum Partner/ Lebensgefühl
Das muss ich eindeutig mit Ja beantworten. Wann immer wir zu seinen Eltern z.B. fahren fragt er immer, wie es ihnen geht etc. Also er möchte über ihr Leben reden. Sie wollen aber lieber über das Wetter, die Nachbarn, die neusten Angebote im Möbelhaus sprechen.
Sie definieren die Beziehung zwischen Eltern und Kind einfach anders. Eine persönliche Ebene gibt es da nicht, Austausch findet nur auf der Sachebene statt.
Ich kann seine Enttäuschung schon verstehen.


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