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  1. User Info Menu

    Ich möchte dazu gehören und Beziehungen aufbauen - auf Distanz

    Hallo Ihr!

    Ich glaube, ich bin hier im"Persönlichkeit"-Forum besser aufgehoben, als im "Job"-Forum, da es mir grundsätzlich um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und das Knüpfen von Beziehungen (auch gern freundschaftlich) geht, ohne mich persönlich verbiegen zu müssen. Sollte ich hier doch falsch sein, bitte verschieben :-) Und sorry für den langen Text :-D

    Nun zu meiner "Geschichte"

    Ich habe Anfang des Jahres nach 20 Jahren den Job gewechselt. Arbeite jetzt in einer Zweigstelle eines Unternehmens, jedoch trotzdem in einigen Projekten mit den Kollegen aus der Hauptstelle zusammen. Persönlich getroffen habe ich bisher noch immer nicht alle, mit denen ich zusammenarbeite - hatte bisher nur 3x die Gelegenheit, in die Hauptstelle zu fahren, und habe da natürlich auch nicht alle getroffen, geschweige gesprochen.

    In meinem eigenen Zweigstellen-Team nehme ich irgendwie eine Sonderrolle ein, die Kollegen sind (wie auch in der Hauptstelle) fast alle wesentlich jünger als ich und dadurch, dass ich täglich 2 1/2 Stunden pendle und somit inklusive Überstunden meist auf anstrengende 55 Wochenstunden komme, kann und möchte ich auch an gemeinsamen Unternehmungen nicht immer teilnehmen. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, ausgegrenzt oder weniger wertgeschätzt zu werden, die Situation ist daher absolut okay für mich. Ein anderer Kollege, der ein wenig eigenbrödlerisch, weinerlich und ziemlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, wird trotz der langen Zugehörigkeit zum Team wesentlich weniger einbezogen. Unser Team selbst nimmt - eben durch die räumliche Distanz - insgesamt wiederum eine Sonderrolle im Unternehmen ein - man hört oft "die" und "wir"...

    In meinem alten Unternehmen war ich der "alte Hase", erfahrene Fachkraft, Ansprechpartner für die Kollegen, oft auch für die Führungskräfte - im neuen Unternehmen eine ganz kleine Leuchte (was für mich aber ebenfalls absolut okay ist - ich wollte das so). Ich muss auch noch viel lernen, vor allem über die internen Prozesse (die allerdings scheinbar auch für die älteren Kollegen manchmal nicht so leicht zu durchschauen sind). Trotzdem möchte ich vor den Kollegen in der Hauptstelle natürlich nicht als inkompetent oder dumm da stehen und wertgeschätzt werden.

    Wir mailen und chatten viel, und haben mehrmals am Tag Telefonkonferenzen, bei denen die Kollegen der Hauptstelle zusammen in einem Raum sitzen und wir aus der Zweigstelle zugeschaltet sind. Oft wissen wir am Telefon gar nicht so recht, wer da nun so alles mithört und verstehen auch oft nicht alles (akustisch), vor allem die "Zwischentöne" entegehen uns leider völlig. Wenn man sich wegen irgendetwas zu Wort melden muss, ist man oft gezwungen, einfach "reinzugrätschen", was ich an sich unhöflich finde, aber was soll man machen? Ich habe dadurch große Schwierigkeiten einzuschätzen, auf wen ich wie wirke. Manchmal bin ich erstaunt, wenn ich merke, dass mich jemand mehr oder weniger von mir unerwartet auf Augenhöhe behandelt, manchmal denke ich (ich sehe es ja leider nicht), die Kollegen sitzen da, rollen mit den Augen und halten mich für eine ältliche, etwas vertrottelte, nicht wirklich nützliche Nervensäge.

    Zudem gibt es in der Hauptstelle einige seeehr von sich eingenommene Kollegen, die hofiert werden wie Diven (weil sie aufgrund ihrer Fachkenntnisse fast unersetzlich für das Unternehmen sind) - besonders beliebt sind die dort auch nicht, nach dem, was ich zwischen den Zeilen und innerhalb meines Teams so rausgehört habe, aber trotzdem... Ich bin vor einiger Zeit mal auf einen von denen "reingefallen", er hat mir zähneknirschend (was ich aufgrund der Distanz nicht bemerkt habe) geholfen, und sich hinterher in einem großen Meeting (in dem ich nicht dabei war) darüber beschwert, was für inkompetente Mitarbeiter in unserem Team sitzen, für die er die ganze Arbeit machen musste, obwohl er ja sooooo viel extrem wichtige Sachen zu tun hat, blabla...

    Jetzt befürchte ich natürlich, dass solche Leute durch entsprechende Aussagen schon mal dafür sorgen, dass die Kollegen, die mich nicht persönlich kennen, eine negative Einstellung mir gegenüber einnehmen könnten. Was wiederum dazu führt, dass ich nun wesentlich vorsichtiger bin, wenn ich jemanden um Hilfe bitten muss - zumal es aufgrund der undurchsichtigen Prozesse und Hierarchien nie so recht klar ist, ob ich denjenigen überhaupt um Hilfe bitten darf. Das kenne ich aus meinem alten Unternehmen so gar nicht, da konnte man auch Kollegen aus anderen Abteilungen um Hilfe bitten (z.B. bei so allgemeinen Sachen, wie Excel-Problemen o.ä.) ohne, dass jemand erstaunt oder gar genervt aus der Wäsche guckte. Wobei das "nicht dürfen" in erster Linie (und wohl historisch bedingt) in den Köpfen der Kollegen existiert und nicht von den Vorgesetzten so vorgegeben wird, daher wird man auch nicht die Ansage "Du, ich kann Dir da nicht helfen, weil ich mich um meinen eigenen Kram kümmern muss..." zu hören bekommen - das wird dann nur anderen Kollegen gegenüber kommuniziert (s.o.)..

    Bei ein paar Wenigen habe ich inzwischen zumindest das Gefühl, dass sie es ehrlich mit mir meinen und mich auch als Person wertschätzen (ich mache das an so Dingen fest, wie z.B. der Frage "Nanu? Bist Du immer noch da? Schei*-Tag gehabt, heute?" im Chat) - darüber freue ich mich wie Bolle. Allerdings möchte ich bei DENEN nun wieder nichts überstrapazieren, was genauso schwierig ist, wie bei den "anderen" das richtige Maß an Zurückhaltung zu üben, bis ich weiß, woran ich bin... Es wäre schön, wenn man den einen oder anderen Kontakt hätte, mit dem man sich ohne Hintergedanken befürchten zu müssen, auch etwas persönlicher austauschen kann - das fehlt mir derzeit noch ein bisschen zum Glück, und ich möchte gern jede Gelegenheit nutzen (vor allem, wenn ich doch mal vor Ort bin), um in dieser Hinsicht voranzukommen.

    Grundsätzlich bin ich ein sehr offenener, fröhlicher Mensch und gehe immer erstmal davon aus, dass ich einem netten, interessierten Menschen gegenüber stehe. Ich bin auch recht schlagfertig, allerdings oft etwas laut, und rede gern viel über mich. Da ich das weiß, veruche ich möglichst intensiv und interessiert zuzuhören, was mein Gegenüber so zu erzählen hat - allerdings fällt es mir schwer, die richtigen Fragen zu stellen (ich rede vielleicht auch deswegen viel über mich selbst, weil ich hoffe, dem anderen dann einen Einstieg über irgendeine Gemeinsamkeit zu bieten?). Allerdings lasse ich mich durch "Misstöne" schnell verunsichern und vergesse sowas auch nicht so leicht.

    Habt Ihr eventuell noch ein paar Tipps oder Hinweise für mich auf Lager? Ich weiß, dass es aufgrund der Umstände mit dem "Zugehörigkeitsgefühl" nicht so schnell gehen kann, wie in einem Unternehmen, bei dem alle Kollegen vor Ort sind, aber wenn es Möglichkeiten gibt, das Ganze noch etwas zu forcieren, wäre ich echt froh.

    Liebe Grüße,
    Meg

  2. Inaktiver User

    AW: Ich möchte dazu gehören und Beziehungen aufbauen - auf Distanz

    Fällt mir ehrlich gesagt schwer, das nachzuvollziehen. Ich habe eine ganze Reihe Kollegen oder Geschäftspartner, die ich eigentlich ausschließlich vom Telefon kenne. Wenn man sich mal persönlich trifft, ist das eher Zufall. Oder man verabredet sich halt mal bewusst für die Mittagspause.

    Ich hab mir da noch nie Gedanken drüber gemacht. Wir haben eine professionelle Beziehung, man macht mal ein paar Witze, aber mehr nicht.

    Um so mit Kollegen zu kommunizieren:

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Bei ein paar Wenigen habe ich inzwischen zumindest das Gefühl, dass sie es ehrlich mit mir meinen und mich auch als Person wertschätzen (ich mache das an so Dingen fest, wie z.B. der Frage "Nanu? Bist Du immer noch da? Schei*-Tag gehabt, heute?" im Chat) - darüber freue ich mich wie Bolle.
    ...müsste ich die schon wirklich gut kennen.

  3. User Info Menu

    AW: Ich möchte dazu gehören und Beziehungen aufbauen - auf Distanz

    Hi!

    Oh, das klingt sehr - hm - distanziert? Ich möchte den Menschen, mit denen ich meinen ganzen Tag verbringe (wenn auch hier nur auf Distanz) schon etwas näherkommen... Das ist bei uns auch so erwünscht, bzw. gern gesehen - es gibt z.B. jedes Jahr eine Mitarbeiterbefragung, bei der u.a. auch explzit abgefragt wird, ob man unter den Kollegen Freunde gefunden hat, oder auch ob man das Gefühl vermittelt bekommt, dass der / die Vorgesetzte sich auch für einen persönlich interessiert. Man duzt sich (was ich anfangs allerdings auch etwas merkwürdig fand - und schade, weil man sich das "Du" nicht mehr "verdienen" kann. Ist ja sowas wie ein Zeichen des Vertrauens, wenn einem jemand das "Du" anbietet, finde ich), und es wird viel Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter sich oft treffen, auch anlässlich entsprechender Events.

    Ich brauch das auch irgendwie...- als mir unlängst ein Kollege, der im Ausland sitzt (und mit dem ich mich nur radebrechend auf englisch verständigen kann) erzählte, dass er nächste Woche nicht Urlaub genommen hat, weil er sich auf die faule Haut legen will (so witzelten die anderen im Telefonmeeting), sondern weil seine kleine Tochter krank ist, war ich echt gerührt und habe mich sehr gefreut, dass er mir das anvertraut hat.

    Überhaupt hat sich in der letzten Zeit so einiges getan - wir haben einen neuen Teamleiter, mit dem man sich eher auf Augenhöhe fühlt, als mit dem vorherigen - das macht unheimlich viel aus. Bei dem Vorherigen waren wir aus der Zweigstelle (und dann auch noch Frauen und dann auch noch "Neue") nur unbeachtete Anhängsel am Telefon. Das wirkt sich natürlich auch auf die Kollegen aus, die da in der Haupstelle um ihn herum sitzen. Seit der neue Teamleiter am Zuge ist, hat sich das deutlich gebessert. Ich hoffe, ich kriege damit dann auch den Fuss in die Tür, um mit den anderen Kollegen ein bisschen wärmer zu werden.

    Ich würde mich freuen, wenn hier noch der eine oder andere berichten würde, wie er so einen Einstig in ein neues Team / in eine Gruppe erlebt hat.

    Grüßle!

  4. User Info Menu

    AW: Ich möchte dazu gehören und Beziehungen aufbauen - auf Distanz

    Das mit dem neuen Teamleiter klingt doch schon sehr gut.
    ich denke, du solltest aufpassen, dass du die unterschiedlichen Themen nicht zu sehr miteinander verknüpfst, auch wenn sie sich natürlich wechselseitig beeinflussen.

    Da ist einmal die persönliche Ebene: du warst sehr lange in einem anderen Unternehmen und da praktisch die alte, erfahrene Häsin, hattest also deine Position klar inne. Jetzt fängst du neu an (davor allen Respekt von mir ) und musst nicht nur alles erstmal kennen lernen, also die Arbeit selbst, aber auch die Hierarchien und die Leute, sondern bist auch jetzt in der Position der älteren AN. Das warst du ja vermutlich im vorigen Unternehmen auch nicht bzw. bist da eher reingewachsen.

    Ich kenne das so ähnlich, denn ich habe vor 2 Jahren innerhalb meines Unternehmens in ein neues Projekt gewechselt, was auch mit einem Regionswechsel verbunden war. Jetzt bin ich die Älteste im Team (was ich all die Jahre davor nie war) und ich habe es wieder mit neuen Leuten zu tun. Ich arbeite übrigens auch dezentral.

    So eine neue Situation verunsichert natürlich sehr stark und Ängste sind normal. Hör dir deine Ängste an, aber räume ihnen nicht zuviel Platz ein.
    Da nehme ich mal die Worte einer Kollegin von mir: einfach immer weiterschwimmen!

    Also nicht so viel rumhirnen, weiter machen. Wenn du eine wertschätzende Kommunikation hast, und so lese ich das, dann kann nicht viel passieren, und wenn einer blöd ist, dann bist nicht du im Fehler. Schleimer und Luftpumpen gibts leider überall. Ich finde, man muss die auch nicht umgarnen und hofieren - wertschätzende Kommunikation - also das, was man selbst ja auch erwartet, reicht völlig.

    Auf der fachlichen Ebene kannst du völlig dazu stehen, dass du neu bist und dich erst noch orientieren musst. Wenn du dein Wissen erweitern willst und entsprechend teamorientiert bist, dann kommt das bei den Leuten i.d.R. an und sie werden dir gern helfen. Nervig finde ich es nur, wenn Neue etliche Male das selbe fragen, weil sie sich bestimmte, sich wiederholende Dinge, einfach nicht aufschreiben.

    Wenn sich da welche auf deine Kosten profilieren, dann hast du da eh keinen Einfluss drauf, das ist eine Frage der Unternehmenskultur und - Führung, inwieweit solche Leute das Arbeitsklima und die Arbeit selbst beeinflussen und bestimmen können. Wie gesagt - geben tuts die mittlerweile so ziemlich überall.

    Und zum näheren Kennenlernen - dafür gibts bei uns Weihnachtsfeier und Betriebsausflüge. Ich nehme mal an, dass es bei euch auch irgend so was gibt?
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  5. Inaktiver User

    AW: Ich möchte dazu gehören und Beziehungen aufbauen - auf Distanz

    Och unter den Kollegen Freunde finden? Habt ihr nicht genug Freunde privat?

    Ich mag meine Kollegen alle, wirklich, aber privat will ich die nicht auch noch sehen. Nur wenn es sein muss bei Feierlichkeiten. Aber bitte das sieht jeder anders...

  6. User Info Menu

    AW: Ich möchte dazu gehören und Beziehungen aufbauen - auf Distanz

    ach ja, das hatte ich vergessen:
    das mit dem "freundschaftlich" würde ich auch schön lassen und mich statt dessen aufs Kollegiale konzentrieren.

    Das "Freundschaftliche" würd ich eher in privaten Gruppierungen suchen gehen, aber auch da nicht zwanghaft. Immer erstmal gucken, was uns mit anderen Menschen verbindet. Und bei der Arbeit ist es nunmal die Arbeit. Da würd ich nicht zu viel Erwartungen reinlegen, das kann zu schwierigen Verwicklungen führen. Und Arbeit ist was Existenzielles, da sind Verwicklungen nicht gut.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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