Tja, ich weiß nicht, ob es meiner Erziehung liegt, ich kann auch viel Zeit vertrödeln, verträumen, verdenken und in der Bricom verbringen, aber nebenbei brauche ich auch ein "ernsthaftes" Ziel. Dabei kann ich mich nur intrinsisch motivieren, es handelt sich also um selbst gesetzte Ziele und selbst gesuchte Aufgaben. Aber nur in den Tag hineinleben möchte ich auch im hohen Alter nach Möglichkeit nicht. Und von Routinen bin ich durchaus auch mal gelangweilt, die versuche ich weitestgehend zu vermeiden. Insofern kann ich die TE schon nachvollziehen. Ganz verstehe ich nicht, dass ich da die Einzige sein soll.
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20.11.2016, 14:13
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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20.11.2016, 14:24
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Ich kenne das Phänomen durchaus, dass mich eine Sache nicht mehr interessiert, nachdem ich weiß wie es geht. Dass man es noch besser machen könnte ist zwar klar, aber es ist einfach nicht mehr interessant genug um sich zu motivieren. Es gibt aber - für mich - auch Gebiete, die nicht aufhören, spannend zu sein. Die TE hat so etwas scheinbar noch nicht gefunden.
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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20.11.2016, 14:27
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Das Ziel kann sehr wohl ernsthaft sein, ohne dass ein bestimmter Zweck dahinter steht.
Man kann zum Beispiel sehr wohl ernsthaft Briefmarken sammeln, und eine bestimmte Form von Sammlung ernsthaft und vollständig aufbauen - ohne dass dahinter ein anderer Zweck steht als dass einen diese Sammlung halt fasziniert, dass das Empfinden von Vollständigkeit befriedigt wird wenn man eine seltene Serie vervollständigen kann, dass man womöglich interessante Dinge lernt über die Geschichte der Marken, etc.
Und das alles ohne dass man ein greifbares Ziel hat wie "bessere berufliche Qualifikation" oder "verbessert die Zukunft der Kinder" oder "spart Steuern" oder sonst etwas direkt Verwertbares.
"in den Tag hineinleben" muss ja nicht heissen "nichts tun". Es heisst nur, dass man keine Verpflichtung hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas Bestimmtes zu tun.Aber nur in den Tag hineinleben möchte ich auch im hohen Alter nach Möglichkeit nicht.
Die Mischung macht's; teils auch die Einstellung.Und von Routinen bin ich durchaus auch mal gelangweilt, die versuche ich weitestgehend zu vermeiden.
In der Kampfkunst gibt es diverse Routine, zB vorgegebene Bewegungsabläufe (Formen; Katas, abhängig vom Stil). Sich den groben Bewegungsablauf anzueignen, erfordert, sagen wird, ca 50-100 Wiederholungen der Form.
Doch wenn man diesen Ablauf erst mal hat - fängt das Interessante erst an, nämlich zu verstehen, was diese Bewegungen alles bedeuten, welche Nuancen und Subtilitäten sie besitzen, wozu sie praktisch verwendet werden können, etc. Es ist Routine, jedes Training mit dieser Form zu beginnen; doch gerade die Routine erlaubt es, in die Tiefe zu gehen. Und dieses in-die-Tiefe-gehen, scheint mir, ist nie zu Ende. Ich mach die erste Form nun seit 10 Jahren und habe inzwischen den Eindruck, ich hätte das Eine oder Andere daraus begriffen... so wie ich eine Tasse Wasser aus dem Ozean schöpfe.
Aber es gibt natürlich auch die tödliche Routine des Fliessbands, wo die Tiefe und Bedeutsamkeit gering ist, und das ist dann wenig befriedigend.
gruss, barbara
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20.11.2016, 14:27Inaktiver User
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Ein Leben ohne Sinn ist sinnlos.
Das ist die Qual der Gelangweilten, Abgebrühten und Steinreichen. Sie suchen sich dann "Kicks", die etwas toppen müssen, was sie gar nicht genau definieren können.
Wenn Du das kannst, dann gehörst Du zu den wenigen, wirklich Glücklichen auf dieser Welt.
Die Ziele, der Zweck, der Sinn des Lebens ist nicht intrinsisch zu erreichen, das kommt von außen, das sind die Ansprüche des Lebens, der Gesellschaft oder gar des Hungers.
Wenn man beides glücklich miteinander verbinden kann, dann ist dem nichts hinzuzufügen.
Ich frage nicht umsonst nach dem Kinderwunsch, nach der Lektüre von "Homo Faber", der Selbsterkenntnis und der Bildung.
Aber leider kommen keine Antworten. So wie auch keine Antworten erwünscht sind.
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20.11.2016, 14:45
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Das ist nicht, was ich meine.
Aber wenn man erst mal Geld hat, einen Beruf, eine Wohnung und generell alles, was man unbedingt braucht, um die grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen... ist man darüber hinaus frei. Mit der Differenz an verfügbarer Zeit und der Differenz an verfügbarem Geld und der Differenz an sonstigen Ressourcen, die man nicht auf die eine oder andere Weise in "überleben" stecken muss.
Frei. Nicht abgebrüht, zynisch oder auf der Suche nach dem immer extremeren Kick. Schlicht: frei zu tun und lassen, was immer man tun und lassen will.
Ein Leben braucht Sinn, da bin ich einverstanden; ein Mensch muss wohl früher oder später herausfinden, wozu er gemeint ist, und es tut ihm gut, wenn er tut, wozu er gemeint ist.
Das widerspricht aber nicht der Freiheit.
Da bin ich nicht einverstanden. Die extrinsischen Anforderungen sind die Pflicht; die meisten Leute müssen diesen extrinsischen Anforderungen einen gewissen Teil ihrer Zeit und Energie widmen.Die Ziele, der Zweck, der Sinn des Lebens ist nicht intrinsisch zu erreichen, das kommt von außen, das sind die Ansprüche des Lebens, der Gesellschaft oder gar des Hungers.
Doch wenn man in der glücklichen Lage ist, diese Anforderungen auf relativ leichte, einfache Weise zu befriedigen, sodass noch Ressourcen übrig bleiben (sprich: dass man früher oder später merkt, es ist einem langweilig), dann kann man beginnen, sich der Kür zu widmen.
Das kann ja was ganz Simples sein; ich hab mir letzthin ein paar neue Pflanzen gekauft, und ich freue mich daran, sie zu sehen und zu pflegen und hoffe, sie gedeihen gut und lange. Sie zu kaufen war keineswegs notwendig, das war ein reiner Akt des Vergnügens.
Ist doch nicht so schwer?
ich frag mich ja wirklich, was du dir davon erhoffst...? Wenn nie der Wunsch da war, Kinder zu haben, dann war der Wunsch eben nie da.Ich frage nicht umsonst nach dem Kinderwunsch, nach der Lektüre von "Homo Faber", der Selbsterkenntnis und der Bildung.
Ich hatte auch nie den Wunsch, Formel 1 zu fahren oder nach dem Nordpol zu reisen. Ich hatte und habe halt andere Wünsche, aber die kommen ja, wie sie wollen, da kann ich ja nicht viel steuern.
gruss, barbara
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20.11.2016, 15:23Inaktiver User
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20.11.2016, 15:40
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20.11.2016, 15:42Inaktiver User
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Das Kaufen sicher.
Aber um sie gedeihen zu lassen (und dann Freude daran zu haben), musst Du sie gießen, düngen, schneiden, Läuse entfernen o.ä., das sind extrinsische Aufgaben, Du musst. Oder Du wirfst sie nach kurzer Zeit auf den Müll und kaufst Dir neue, um wieder Freude zu haben.
Ist doch nicht so schwierig.
Du siehst keinen Unterschied zwischen der Entscheidung "nie Kinder zu haben" oder "nie Formel 1 zu fahren"?ich frag mich ja wirklich, was du dir davon erhoffst...? Wenn nie der Wunsch da war, Kinder zu haben, dann war der Wunsch eben nie da.
Ich hatte auch nie den Wunsch, Formel 1 zu fahren oder nach dem Nordpol zu reisen.
Ich erhoffe mir von der Antwort auf diese Frage, Erkenntnisse über die Persönlichkeit der TE.
Und wie sieht Deine aus?
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20.11.2016, 15:49
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Es ist schon klar. Aber manche Leute entwickeln einfach nie einen Kinderwunsch. Im Gegensatz zu denjenigen, die zwar einige Aspekte des Kinder habens reizvoll finden, es aber aufgrund von anderen lieber lassen.
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20.11.2016, 16:19Inaktiver User
AW: Die "bucket list" ist leer - und nun?
Es geht mir nicht um den Kinderwunsch. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Es geht mir um die Argumente.
Und es gibt keine guten oder schlechten Argumente, sondern nur das Sichauseinandersetzen mit sich selbst.
Es ist eben kein Wunsch oder Ziel, den oder das man heute hat, morgen aber nicht mehr, etwas, was man ausprobiert oder irgendwann wieder in die Schublade legt.
Es ist eine Verpflichtung für das ganze Leben (nicht den Kindern gegenüber, sondern sich selbst) und dafür gibt es Gründe dafür oder dagegen. Und diese sagen sehr viel über den Menschen aus.
Selbst wenn er sagt, ich denke nicht darüber nach, es ist einfach so.



, aber nebenbei brauche ich auch ein "ernsthaftes" Ziel. Dabei kann ich mich nur intrinsisch motivieren, es handelt sich also um selbst gesetzte Ziele und selbst gesuchte Aufgaben. Aber nur in den Tag hineinleben möchte ich auch im hohen Alter nach Möglichkeit nicht. Und von Routinen bin ich durchaus auch mal gelangweilt, die versuche ich weitestgehend zu vermeiden. Insofern kann ich die TE schon nachvollziehen. Ganz verstehe ich nicht, dass ich da die Einzige sein soll.
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