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    Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Hallo Ihr Lieben

    Ich habe bei meinem Arbeitgeber in der Abteilung eine Kollegin, die in den letzten zwei Jahren eine sehr enge Freundin geworden ist. Ich habe in der letzten Zeit gemerkt, dass sie mir nicht gut tut. Sie zieht mich mit ihrer Negativität runter, nimmt mir meine Energie weg, macht mich innerlich aggressiv. Es ist so weit, dass ich ein sehr beklemmendes Gefühl habe, wenn ich in die Arbeit fahre.

    Ihr sagt jetzt vielleicht, ich solle mich zurück ziehen, mich von ihr distanzieren, aber das fällt mir alles andere als leicht: Ich fühle mich schuldig, wenn ich das tue, habe ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen. Wir ticken sehr ähnlich, was unsere Gefühle angeht, wir sind beide sehr sensibel und verstehen uns da echt gut. Als ich sie kennengelernt habe, war ich in einer schwierigen Phase, habe da ein Hautmedikament genommen, was mich sehr negativ gestimmt hat. Sie war für mich eine Bezugssperson, da sie meine Probleme verstand, sich so toll in mich hineinfühlen konnte. Wir haben dann begonnen, uns auch ausserhalb der Arbeit zu treffen, manchmal mehrmals in der Woche, und ich habe ihr alles anvertraut. Sie war für mich wie eine zweite Mutter (25 Jahre älter).

    Nun, seit ein paar Monaten habe ich das Medikament abgesetzt, auch die Pille, weil ich gemerkt habe, dass mir beides nicht gut tut, und nun fühle ich mich wie ein anderer Mensch. Ich blicke zurück auf diese Zeit und denke mir: "Was war da bloss mit dir los?" Es wird mir bewusst, wie negativ ich war (habe das von einer anderen Freundin und auch von meinem Partner gehört, die die andere nicht mögen) und ich schäme mich zum Teil fast dafür, was ich mir für Probleme gemacht habe. Ich denke, sie hat dazu beigetragen, mich in meinem Pessimismus bestätigt.

    Ich versuche tagtäglich, ihr zu helfen, sage ihr "komm, Kopf hoch, es ist nicht alles so negativ, geniesse das Leben", will sie vom Schönen überzeugen. Aber es bringt nichts. Sie ist so felsenfest davon überzeugt, dass ihr alle nur Schlechtes wollen, dass ihr Leben so bescheiden läuft weil es so für sie vorgesehen ist. In der Firma ist sie als Nörglerin bekannt und sie lässt gerne die anderen an ihrer Wut und an ihrem Gemotze teilhaben.

    Ich fühle mich so hin- und hergerissen. Ich weiss, dass sich hinter diesem Pessimismus eine tolle Frau verbirgt, die einfühlsam ist, die einen versteht, mit der man eigentlich Spass haben könnte. Aber ich weiss auch, dass es mich sehr viel Kraft kostet. Ich bin immer wieder so gehemmt, ich möchte sie nicht verletzen, ich könnte ihr nie sagen, dass sie mich nervt, weil ich mich so schuldig fühle. Sie hat mir so oft guten Rat gegeben, sie hat mich verstanden, mich eingeladen. Ich fühle mich ihr gegenüber verpflichtet. Ich fühle mich schuldig, wenn ich sie mal nicht in die Kaffeepause begleite oder wir länger nichts unternommen haben.

    Kennt jemand sowas? Wie seid ihr heil aus dieser Geschichte rausgekommen? Oder hat mir jemand einen Rat?

    Danke, Lulu
    Geändert von lulu4 (15.11.2016 um 14:24 Uhr)

  2. gesperrt

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    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Zitat Zitat von lulu4 Beitrag anzeigen
    Ich versuche tagtäglich, ihr zu helfen

    Verstehe mich nicht falsch, ich saß hier und habe heftig genickt bei deinem Post ich kenne das. Ich bin auch eher jemand der mal zu weit optimistisch nach vorn fällt als jemand der ständig beklemmt ist.

    bis mir auch mal jemand sagte im Bezug auf eine Freundin, die ebenfalls ein gnadenloser Pessimist ist, wie wäre es mit Strategie ändern: sei mit Pessimistisch find alles sch**ße, sei antriebslos notfalls tu so.

    , sage ihr "komm, Kopf hoch, es ist nicht alles so negativ, geniesse das Leben", will sie vom Schönen überzeugen.
    Lass das erst einmal und schau was passiert.

    Mit diesem "vermeintlichen Helfen" stellst du dich über sie und bist keine Freundin auf Augenhöhe.

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    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Nicole 1965

    Vielen Dank für deine Antwort.

    Auch das habe ich schon versucht, ganz lange. Und anfangs, als ich in dieser schlechten Phase war, auch so gemeint. Sie war mir da so unglaublich nahe. Ich fühlte mich von niemandem so verstanden wie von ihr. Nun merke ich einfach immer mehr, wie mich das runterzieht. Dieses ewige Gejammer, die "alles ist schlecht"-Einstellung, das Selbstmitleid. Immer der Satz "ich verstehe gar nichts mehr auf dieser Welt". Ich kann es manchmal nicht mehr hören. Da habe ich angefangen zu versuchen, sie ein bisschen umzustimmen. Ihr zu sagen, dass wir doch das Leben geniessen sollten, so gut es geht. Aber du hast schon Recht, es hilft nicht.

  4. Inaktiver User

    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Warum versuchst Du nicht mal sie weder aufzumuntern noch sie in ihrem Pessimissmus zu untersützten ?

    Also - Die Kollegenfreundin fängt an" xxxxxxxxx". Dann nicht darauf antworten sondern "Ja ja, heute abend
    sehe ich mir meine Lieblingssserie im Fernsehen an. Da spielt xx mit und den finde ich immer zum Lachen ..."

    Du verabschiedest dich abends und sagst: "Ich werde nachher kochen, darauf freue ich mich schon den ganzen Tag."

    Wenn es Dir danach ist kannst du ja mal ein vier-Augen_Gespräch mit ihr suchen. Kurz - knapp: "Du xx, ich war eine Zeitlang sehr pessimistisch darauf, aber nachdem ich da einen Medikamentencocktail verändert habe geht es mir jetzt wieder gut. Wenn Du das nicht akzeptieren kannst- und mit akzeptieren meine ich, mich nicht
    10 mal ansprechen und 20 negative Dinge erzählen - dann werde ich den Kontakt mit Dir auf reine Funktionsgespräche am Arbeitsplazt - die mache ich natürlich mit Dir als Kollegin, weil mir die Arbeit Spaß mach und ich sie gut machen will - reduzieren. " Das Gespräch sollte vielleicht außerhalb der Arbeitszeit stattfinden.

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    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Danke Allesch

    Das mit dem Umlenken habe ich auch schon versucht. Klappt manchmal, aber nicht immer.

    Das mit dem Gespräch tönt zwar total einfach, aber würde mir so unglaublich schwer fallen. Es würde sie sehr verletzen. Ich glaube, ich bin ihre einzige Vertraute. Das fühlt sich manchmal so erdrückend an. Es ist schwer zu beschreiben und ich weiss nicht, ob man das verstehen kann.

  6. Inaktiver User

    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Lulu4 vielleicht kommst Du so zu einer Lösung: Du nimmst eine Chinakladde und schriebst Deiner Kollegenfreundin einen Brief. Mal wütend -( Du blöde Kuh, du bist uns ), mal "Liebe xx, dieser Brief fällt mir unglaublich schwer. Aber - ich muss in meinem Intersse mehr Distanz zwischen uns beide bringen. Ich finde - im Jahr 2016 - dass das Leben nicht grau ind grau und nur zum heulen ist. Aber wenn ich mit dir rede, dann höre ich da 99 mal etwas negatives. Das kann ich - weil wir befreundet sich - nicht einfach an mir abperlen lassen sondern es zieht mich t runter. Und da setzt meine Verantwortung mir selbst gegenüber ein, daß ich in Zunkunft nicht mehr Teil dieser Gespräche bin. Du darfst dich entscheiden, ob du weiterhin mit mir reden willst oder nicht. Falls Du weiterhin mit mir über nicht-berufliche Dinge reden möchtest müsstest Du dich anders verhalten - also die 99 Prozent Negativbemerkungen voll und ganz wegfallen lassen. "

    Ich habe deswegen Chinakladde geschrieben, weil ich glaube, daß Du 30 Anläufe brauchen wirst, um zu einem Brieftext zu kommen der Dein Brieftext ist. Nur eines - der Brief muss relativ kurz sein !

    Doch ich kann verstehen - daß Du ihre einzige Vertaute bist. Das ist klar - bei ihrem Sein entwickelt sich eine Einsamkeit
    - aber momentan bist Du diejenige, die für diese Einsamkeit "bestaft" wird. Wobei - bestaft ist nicht der richtige Ausdruck, denn es ist das Sein dieser Kollegenfreundin !

    Innere Kündigung der Freundschaft - kannst Du mit dem etwas anfangen ? Ihr beide wart eine Notgemeinschaft - die Notgemeinschaft hat gewärmt und geschützt - jetzt ist deine Not weg und du bist die unwillige Gefangene der Not - schlechten Laune- Lebenseinstellung - deiner Kollegenfreundin.

  7. Inaktiver User

    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Du hast beschrieben, wie du dich rückblickend selbst betrachtest und es ist dir im Nachhinein unangenehm.
    In Deiner Freundin erkennst du dich selbst wieder. Du lehnst Dein früheres Verhalten ab und daher triggert dich ihres im Moment so.
    Vielleicht solltest du da mal ansetzen.
    Wenn du Dein damal3iges Verhalten besser akzeptieren könntest, kannst du das deiner Freundin auch besser hinnehmen.
    Nur so eine Idee.
    Ich kann mir vorstellen, wenn das auf dich zutrifft und ihr das genauso erklärst, kann sie dich besser verstehen und erlebt es nicht als persönliche Ablehnung.

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    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Kenn ich auch. Ich würde pragmatisch vorgehen. Wie lange hat Deine Phase damals gedauert? Hast nur Du sie "vollgejammert" oder war es damals auch schon andersrum?
    (Ich finde, es ist ein Unterschied, ob sie x Monate sozusagen nur für Dich da war, oder ob es damals auf Gegenseitigkeit beruhte. Selbst wenn das Verhältnis vielleicht 25:75 gewesen ist, würde ich ein gewisses Geben und Nehmen festsstellen.)

    Dann würde ich überlegen, wie lange ich mir jetzt schon das Gejammer anhöre, ohne irgendwas davon zu haben und das entsprechend der vorherigen Zeit (je nachdem, wie es da war) bemessen.
    Könnte also sein, dass dabei rauskommt - wenn sie Dir damals sehr zur Seite gestanden hat, lange Zeit und intensiv -, dass Du einfach noch ein wenig Geduld mit ihr haben solltest. Wie lange, kannst Du Dir anhand der vorherigen Zeit überlegen.

    Es kann auch rauskommen, dass Du schon viel zu lange "gibst", weil z.B. die Zeit, in der Du meinst, sie habe Dir geholfen, eigentlich gar keine reine Helferzeit war, weil sie eben auch schon damals was von Dir gekriegt hat - selbst, wenn es nur die 25% waren.

    Es ist auch gar nicht notwendig, das alles so Kleinklein aufzudröseln. Wichtig ist, dass Du Dir darüber klar wirst, ob Du wirklich noch im "Soll" bist, was das Geben anbelangt, oder ob Du schon länger mehr gibst als zurückbekommst.
    Meistens, so habe ich es festgestellt, ist das nämlich so, wenn sich das Gefühl derartig meldet, wie in Deinem Fall.
    (Und nur das schlechte Gewissen versucht einem zu sagen, dass das alles ja ach so egoistisch sei.)

    Nun und dann musst Du handeln.

    Meiner Erfahrung nach, so bitter das ist, kann sich jeder nur selber helfen. Du hast das irgendwie verstanden und umgesetzt. Nun wäre es sinnvoll, wenn sie das auch machen würde. Das kannst Du aber nicht erzwingen. Es ist ihr Leben.
    Wenn Du weiterhin den Seelenmülleimer für sie spielst, kann sie Dampf ablassen und muss nichts ändern.
    Also vielleicht (bzw. sehr wahrscheinlich) würdest Du ihr sogar helfen, wenn Du sie mal freundlich "auf den Pott" setzt.

    Ja, die negativen Emotionen, die sie dann haben wird - und Dir vielleicht sogar mitteilen wird - musst Du dann aushalten. Aber jetzt musst Du ja auch schon einiges aushalten, oder?


    Alles Gute!

    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

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    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    Ich hatte auch eine Kollegin-Freundin mit der es immer, wirklich immer, irgendwie pessimistische Gespräche gab. Einerseits war es so, dass ich sie anfangs fast nur dann traf, wenn es mir schlecht ging. Das ergab sich leider unglücklicherweise so. Später, als wir uns regelmäßiger sahen, blieb es aber dabei. Sie machte stets ein bedrücktes Gesicht , und ich wußte auch um ihre Probleme zu Hause, die sie mit ihrem chronisch kranken Mann hatte und fragte darum jedesmal anteilnehmend nach. Weil sie aber sonst nichts sagte sondern zurückgezogen und still blieb, sank meine Stimmung, die morgens auch nicht so prickelnd ist und es kamen mehr negativ besetzte Themen zur Sprache als etwas Frohes und Leichtes.
    Jedenfalls war ich erleichtert als sie in ein anderes Haus kam. Die Umstände waren zwar nicht gerade angenehm, aber nachdem ich ihr in ihrer damaligen Misere sehr viel Unterstützung gegeben habe, materiell und durch viele andere Hilfen und sie mir dann gegenüber plötzlich illoyal auftrat, war es nur gut, dass diese berufsbedingte Trennung herbeigeführt wurde, die den Abbruch unserer Freundschaft zur Folge hatte.
    Ich weiß ja nicht, ob es mit deiner Freundin zu ähnlichen Problemen kommen könnte wie ich sie erlebt habe, aber ich würde doch dazu raten einen Abstand zu ihr einzunehmen gerade wenn es auch dir manchmal stimmungsmäßig nicht so gut geht.

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    AW: Pessimismus in der Freundschaft - wie komme ich davon los?

    @ allesch

    Danke, das mit dem Brief ist eine gute Idee.

    Ja, innerlich zu kündigen, das habe ich auch schon versucht. Und dann hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen und bin zurückgerudert.

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