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    Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Hallo zusammen!

    Mich treibt derzeit das Thema "Respekt" um. Und ich beobachte, dass Menschen, die eben nicht immer "everybodies darling" sind, eher Respekt bekommen, also solche, die es immer allen Recht machen wollen.

    Das ist nichts Neues.

    Mir geht es aber, typisch Frau, oft so, dass ich es als extrem überzogen und "arschloch"mäßig finde, wenn ich das tu, was ich für richtig halte.
    Weiß nicht, ob ihr das kennt. Bestimmt die ein oder andere von euch. Leider.

    Aktuell habe ich z.B. gerade etwas Ärger mit einem Mitarbeiter, der sogar etwas über mir steht, hierarchisch gesehen.
    Ich hatte keine Lust, mir den Schuh anzuziehen, den er mir hingehalten hat (der Schuh nannte sich "Du bist schuld")- und habe meines Erachtens freundlichst abgelehnt. Als er dann immer noch nicht damit aufhören wollte, habe ich, ganz unladylike, mal den Spieß umgedreht und IHN angeschuldigt, für irgendwas, wo er halt meiner Meinung nach Schuld hatte (was ich aber eigentlich gar nicht weiter ansprechenswert fand).
    Also, wirklichbewusst einmal: *spießrumdreh*
    Er ist wütend abgedampft.


    Zum Zweiten hatte ich vor ein paar Tagen so eine ewige Nachdenkerei über "Gefallen" am Laufen. Auch hier in der Bri. Es ging für mich darum, zu erkennen, dass es total okay ist, einer Bekannten, die man seit Jahren nicht gesehen hat, keinen Gefallen zu tun.
    Also auch in Richtung "A-Loch" sein, das tun, was man selbst für Richtig hält.
    Und nein, das nächste Mal mach ich es einfach nicht mehr. Basta.


    Nun frage ich mich, bin ich mit solchen Gedanken und Handlungen alleine auf weiter Flur oder wagt sich noch jemand aus seinem Schneckenhaus, ab und zu?
    Oder haben manche vielleicht gar kein Schneckenhaus mehr an?

    Ich bin wirklich sehr gespannt, wohin mich dieser Weg führt. Vielleicht gibt es ja eurerseits Erfahrungswerte?


    Viele Grüße!

    Susisa
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

  2. Inaktiver User

    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Für mich stehen gelegentliches Nein-Sagen und "Ar***lochsein" auf zwei ganz verschiedenen Blättern.
    Nein-Sagen finde ich ganz wichtig, um die eigenen Grenzen schützen zu können. Aber eben da, wo tatsächlich die eigenen Grenzen sind - heißt also nicht, dass man nicht einfach dann und wann anderen ohne Gegenleistung einen Gefallen tun kann, wenn es einen selbst jetzt nicht allzuviel kostet.

    Bei dem Thema Spießrumdrehen hab ich persönlich schlechte Erfahrungen gemacht. Egal wie man es dreht und wendet, ich bin ein friedlicher und freundlicher Mensch. Wenn ich versuche, anders zu sein, fühle ich mich blöd, falsch. Ich will ein friedlicher und freundlicher Mensch sein, ich mag friedliche und freundliche Menschen lieber. Es ist mein eigener Anspruch an mich, friedlich und freundlich zu sein. Auch wenn das manchmal bedeutet, dass man scheinbar kleine Niederlagen einfährt. Die wichtigen Dinge werden in meiner Erfahrung nicht da entschieden, wo man einander anbrüllt und an den Karren fährt.

  3. Moderation

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Hei Susisa

    Danke fuer Deine Erfahrungen. Ich glaube, ich weiss was Du meinst. Es geht eigentlich gar nicht darum, ein A-loch zu sein, sondern sich nicht gleich als eins zu fuehlen, nur weil man nicht ausnehmend nett ist. Ist das ungefaehr richtig?

    Da habe ich auch einen Lernprozess hinter mir und muss wirklich sagen, Uebung macht den Meister. Ich glaube, ich kann inzwischen ganz gut "Nein" sagen und mir nicht jeden Schuh anziehen, ohne mich "boese" oder auch nur "mutig" zu fuehlen. Ich kann es wirklich so sehen, dass etwas nicht meine Sache ist. In mancher Hinsicht. Ansonsten bin ich ja auch eher ein Harmoniemensch und moechte das nicht unbedingt aendern. Ich glaube schon, dass Nettigkeit siegt, so im grossen und ganzen, bzw. dass doch einige Baustellen der Menschheit abgeraeumt werden koennten, wenn nicht alle meinten, dass nur "Staerke" und Ellenbogengehabe zaehlt. Also, ich steh da auch gerne zu, dass ich lieber nett bin. Und in meinem Beruf ist das tatsaechlich auch ein Erfolgsrezept.

    Aber zurueck zum "Grenzen-ziehen-ohne-A-Loch-Gefuehl". Mir gelingt das tatsaechlich am besten durch innere Distanz. Einmal Distanz zu der jeweiligen Situation. Einfach sehen und glauben, dass die Person, die vielleicht einen Gefallen von mir wollte, gar nicht riesig verletzt ist und keine Riesenszene macht, wenn ich nett (!) sage, nee, geht gerade nicht. Ist in 99% der Faelle auch so.
    Distanz haben, um zu sehen, dass das Stoeckchen, was mir da jemand (vermeintlich?) hinhaelt, in Wirklichkeit meilenweit von mir entfernt ist und nicht der geringste Anlass fuer mich besteht, darueber zu springen, oder es auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

    Und manchmal brauche ich auch Distanz zu mir selbst. "Was wuerdest Du einer Freundin sagen, die in Deiner Situation ist", ist da eine sehr hilfreiche Uebung.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    "Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".
    Maxi Gstettenbauer

  4. gesperrt

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    Aktuell habe ich z.B. gerade etwas Ärger mit einem Mitarbeiter, der sogar etwas über mir steht, hierarchisch gesehen.
    Ich hatte keine Lust, mir den Schuh anzuziehen, den er mir hingehalten hat (der Schuh nannte sich "Du bist schuld")- und habe meines Erachtens freundlichst abgelehnt. Als er dann immer noch nicht damit aufhören wollte, habe ich, ganz unladylike, mal den Spieß umgedreht und IHN angeschuldigt, für irgendwas, wo er halt meiner Meinung nach Schuld hatte (was ich aber eigentlich gar nicht weiter ansprechenswert fand).
    Also, wirklichbewusst einmal: *spießrumdreh*
    Er ist wütend abgedampft.

    Eigentlich müssten "man" von selbst wissen, wenn man anfängt jemanden zu beschuldigen, dann könnten einige Kommentare zurückkommen ...über einen selbst. Andere mal kurz daran zu erinnern, dass es so sein kann finde ich nicht Ar*ch***artig, sondern schlicht wehrhaft.

    Du willst Ärger: hier bist du richtig. Willst du wirklich?
    Die wenigsten wollen Ärger.

    Und warum solltest du dich durch den Dreck ziehen lassen?
    Warum.

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Hmm, für mich sind "sich respektvoll verhalten", "tun, was man/frau möchte" und "sich wie ein Ar... aufführen" verschiedene Sachen.
    Ich persönlich möchte mich niemals wie ein Ar... benehmen. Was nicht ausschließt, dass irgendjemand mein Verhalten nicht schon mal so aufgefasst hat .

    Und noch was anderes ist "sich durchsetzen" - das ist meiner Meinung das, was Du bei Deinem Mitarbeiter versucht hast.
    Alles zu seiner Zeit.

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    Mir geht es aber, typisch Frau, oft so, dass ich es als extrem überzogen und "arschloch"mäßig finde, wenn ich das tu, was ich für richtig halte.
    Ein vollkommen unlogischer Gedanke ist für mich, dass ich mich "arschloch"mäßig verhalte, wenn ich das tue, was ich für richtig halte?

    Du meinst vielleicht eher, dass du dich nicht gut fühlst, wenn du deine Interessen wahrst in dem speziellen Fall, dass du damit gegen die Interessen eines anderen handelst?

    Letzteres sehe ich erstmal nicht automatisch als schlimm an. Es gibt fast immer Möglichkeiten, das zu verhandeln und einen Weg zu finden, der beiden Seiten gerecht wird.

    Im Fall des Kollegen würde ich aber ganz klar meine Grenzen setzen, wenn die Verhandlungslösung nicht funktioniert. Und damit habe ich Null Probleme.

    Ich kann ehrlich gesagt die Selbstanklagen nicht ganz verstehen. Wie kommst du drauf, dass du in diesem Fall das A-Loch bist? Schon allein diese Haltung impliziert, dass du von anderen gesagt bekommen willst, dass du es nicht bist und richtig handelst. Im Prinzip läuft das Ganze doch darauf hinaus, dass du lernen musst, deine Handlungen vor dir und anderen zu vertreten. Tatsächlich eben erstmal vor dir, der Rest kommt dann von allein.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    Zum Zweiten hatte ich vor ein paar Tagen so eine ewige Nachdenkerei über "Gefallen" am Laufen. Auch hier in der Bri. Es ging für mich darum, zu erkennen, dass es total okay ist, einer Bekannten, die man seit Jahren nicht gesehen hat, keinen Gefallen zu tun.
    Also auch in Richtung "A-Loch" sein, das tun, was man selbst für Richtig hält.
    Und nein, das nächste Mal mach ich es einfach nicht mehr. Basta.
    Warum bewertest du das so? Man könnte ja auch sage, die meldet sich nie, außer sie will was - und das als A-lochverhalten ansehen.
    Man kann aber auch diese Zweiteilung "A-Loch" - "Gutes Mädchen" rausnehmen. Sie fragt (legitim) und du sagst nein (legitim).

    Zur ersten Geschichte: Spieß-umdrehen und Beschuldigung mit Beschuldigung austauschen, ist selten zielführend (und trotzdem manchmal erleichternd). Überlegter wäre es sicher, herauszufinden, was genau dahinter steckt, wenn jemand Schuld zuweist. z.B. ist die dahinter stehende Kritik gerechtfertigt oder steht eigentlich was ganz anderes im Raum, wie z.B. das Gefühl als "Höherrangiger" nicht ernst genommen zu werden. Ob man immer so distanziert handeln kann, wage ich zu bezweifeln. Nobody is perfect.
    Letztlich hast du mit deinem Verhalten nichts gelöst - was aber auch nicht zwingend muss. Ob du dir Respekt oder einen "Feind" verschafft hast, wird die Zeit zeigen. Vielleicht ja auch weder noch und die Sache ist schon vergessen.

    Was ich ganz wichtig finde: Das zu tun, was man für richtig hält, hat nichts mit A... zu tun. Aber: Im Zusammenleben kann man das nicht immer und vollständig, will man nicht irgendwann alleine da stehen. Ich finde es auch wichtig, eine gewisse Kompromissfähigkeit zu zeigen (das heißt für mich, aushandeln, wie weit können wir uns entgegenkommen).
    Egal wieviel ich esse, es ist immer Platz für Nachtisch.

    Nachtisch geht nicht in den Magen, Nachtisch geht direkt ins Herz.

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Du hast den Kollegen mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Und dich von der Uraltbekannten schlicht nicht ausnutzen lassen. Es macht einfach Riesenspaß, gut zu sich selbst zu sein. (Ps.: Das geht nicht nur im Job. Sondern auch in der Liebe...).

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Du hast den Kollegen mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
    Man weiß es nicht.
    So etwas setzt meist nur eine Spirale in Gang und ist - wie auch hier - doch oft nur ein Zeichen von Hilflosigkeit.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

  10. gesperrt

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    AW: Einfach mal Arschloch sein - Sich Respekt verschaffen

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Man weiß es nicht. So etwas setzt meist nur eine Spirale in Gang und ist - wie auch hier - doch oft nur ein Zeichen von Hilflosigkeit.
    Einspruch Euer Ehren, es geht um die berühmt berüchtigte Augenhöhe. Wie ich dieses Wort hasse!

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