Huhu,
ich wollte den Thread eigentlich 'verfrühte Midlife-Crisis?' nennen und habe dann ergoogelt, dass es wohl mittlerweile auch den Begriff der Quarterlife-Crisis gibt, also ca mit 20-30 Jahren...
es ist so, dass ich irgendwie noch nie einen wirklichen Plan hatte, was ich denn mit dem Leben anfangen will. Ich hatte keine Traumberufe oder ähnliches. Ich wusste nach dem Abi überhaupt nicht, was ich machen sollte. Hatte vage Lust auf irgendwas mit Musik, hatte aber auf das ganze Theoriekrams keine Lust. Nach ein paar Monaten Nichtstun hat meine Mutter mich dann immer mehr geschubst, doch endlich mal zu studieren. Ich habe dann Informatik gemacht, weil ich irgendwie schon immer son 'Computermensch' war. Das war auch ok aber auch nix was mich 'erfüllt'. Und nu arbeite ich auch in der Branche, was halt auch irgendwie ok ist aber mich auch nicht grade mit Begeisterung aus dem Bett springen lässt.
In den ersten 3 Jahren Job ging es noch, weil dort die Atmosphäre auch noch so ein bisschen locker, studiums-ähnlich war und viele tolle Leute rumliefen. Aber jetzt habe ich grad den Job gewechselt und bin umgezogen und frage mich, wie das eigentlich alles weiterlaufen soll. Wenn ich mir zB vorstelle, bis zur Rente IT-Krams zu machen, kräuselt sich alles bei mir. Die Stadt in der ich wohne finde ich auch so naja. So richtig angekommen bin ich hier nicht, obwohl ich nun ca 3 Jahre hier lebe.
Die neue Wohnung ist an sich schön aber eigentlich ein Bisschen zu hellhörig, als dass ich mich dort dauerhaft wohlfühlen könnte, glaube ich. Aber vor einem erneuten Umzug in den nächsten Jahren graut es mir auch schon wieder. Vor allem macht mir der Gedanke zu schaffen, dass ich vllt. alle paar Jahre umziehe und was neues anfange und nie irgendwo richtig sesshaft und zufrieden werde.
Ich hänge gefühlsmäßig immer noch sehr an meiner alten Heimatstadt und kann mich nicht so richtig auf neues einlassen. Es fühlt sich nicht an als wäre ich erwachsen und hätte mein eigenes Leben in der Hand, sondern eher als hätte ich das Beste schon hinter mir und schwebe jetzt irgendwie orientierungslos im nichts. Nichts gefällt mir so richtig, aber was mir besser gefallen würde, kann ich auch kaum definieren. Es fühlt sich an als wenn ich mich immer weiter 'ins Verderben' reinmanövriere.
Ich habe schon ein paar Kontakte und auch 1-2 gute Freunde, und auch einige Ziele, auf die ich mich freue. Aber das ist eher sowas wie ein bestimmter Urlaub zB, also nichts wirklich längerfristiges oder größeres. Ich bin einfach so generell unzufrieden im Moment. Hin und wieder habe ich das Bedürfnis alles hinzuschmeißen und in ein ganz anderes Land zu ziehen, oder aber im Gegenteil mich für immer im Bett zu verkriechen.
Ich habe da so ein Bisschen die Wunschvorstellung im Kopf, ein sehr ruhiges, zurückgezogenes Leben zu führen. Heißt: irgendwo auf dem platten Land in einem gemütlichen kleinen Häuschen wohnen, am besten mit Tieren. Ich habe als Kind eine Buchreihe über das Leben auf einem schottischen Pferdehof gelesen, und seither geistert mir das immer im Kopf rum als das 'ideale Leben'. Ich nehme aber an, dass das irgendwie ziemlich kindisch ist. Das Leben auf dem Land habe ich schon als Ziel im Kopf für irgendwann. Allerdings wird das beruflich dann ein Problem, denn IT-Jobs gibt es auf dem Land kaum und sonst müsste ich ja nochmal was anderes anfangen und was wäre das dann?
Ich geh mir schon selber auf die Nerven mit dieser Unsicherheit, kann aber auch gefühlt grad nix daran ändern. Wenn mich jemand fragt wie mir denn der Job und die Wohnung usw gefallen sage ich meistens 'jaaa.. ganz gut' aber es kommt wohl auch nicht sehr überzeugend rüber.
Kennt ihr das? Ist sowas normal, in meinem Alter (23)? Ich habe einfach im Moment gar keine Lust aufs Erwachsensein und auf die Zukunft.
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Ergebnis 1 bis 10 von 19
Thema: Quarterlife-Crisis
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03.11.2016, 12:37
Quarterlife-Crisis
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03.11.2016, 13:41
AW: Quarterlife-Crisis
Ich kenne das auch gut. Ich überlege auch oft, einfach hinzuschmeißen und in die Wildnis zu ziehen
Mir gehts genauso, in meiner Stadt bin ich eher zufällig gelandet und fühle mich nach mehreren Jahren hier immer noch nicht zu Hause.
Allerdings schwebte mir ein IT-Job als erstrebenswert vor, weil mir das am flexibelsten schien. Programmierst du? Wie sieht es aus mit Homeoffice - das könntest du ja vom Reiterhof aus machen.
Was heißt "gibt es kaum"? Wenn du örtlich flexibel bist, kannst du ja dem Job hinterherziehen.
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03.11.2016, 14:06
AW: Quarterlife-Crisis
Ich mache so eine Mischung aus Programmieren und Qualitätssicherung. Flexibel ist IT wohl, und gerade in größeren Städten bekommt man die Jobs geradezu hinterhergeworfen. Allerdings kommt es mir in letzter Zeit so sinnfrei vor. Ich denk mir dann: was macht es jetzt für einen Unterschied, ob Button X auf Seite Y nun richtig angezeigt wird oder 2 cm zu weit links? Das ist mir ja eigentlich völlig banane! Will ich mich wirklich langfristig um sowas kümmern?
Homeoffice hatte ich auch schonmal ins Auge gefasst, leider gibt es tatsächlich kaum Arbeitgeber, die das auf Dauer anbieten. Die meisten wollen, dass man - zumindest als Programmierer - da ist und zu Meetings erscheint usw... außerdem sähe ich da bei mir auch ein Bisschen die Gefahr, dass ich dann zuviel zu Hause versumpfe und nicht genügend soziale Kontakte finde, klar, dagegen müsste man dann aktiv anarbeiten...
Ich glaube, im Moment ist mein Hauptproblem: ich habe den Job gewechselt weil ich mit dem alten nicht so richtig zufrieden war (fürchterlich bezahlt und mieses Management), das war aber eher Kopfsache. Ich bin immer noch ganz gern hingegangen morgens, vor allem wegen der Kollegen, aber ich hatte das Gefühl, ich müsste mich jetzt mal langsam beruflich verbessern; und ich habe die Wohnung gewechselt, weil die alte nicht soo toll war (klein und muffig), dafür aber sehr ruhig, was wiederum ein Vorteil war. Ich bin wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei beidem um Verbesserungen handeln wird und dass ich mich dann auch gleich wohler fühle. Jetzt bleibt das aber aus bzw das Gegenteil tritt ein. Gerade was die neue Wohnung angeht, ertappe ich mich beim Gedanken schonmal weiterzusuchen. Dann hab ich auch gleich schlechtes Gewissen zB den Umzugshelfern gegenüber (soviel Aufwand für nichts). (Natürlich versuche ich es noch eine Weile, vllt wirds ja doch gemütlich).
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03.11.2016, 14:57
AW: Quarterlife-Crisis
Ich finde es nicht schlimm, zu wechseln, wenn es nicht passt (egal, ob Job, Wohnung oder Partner). Grade in der Zeit zwischen 20 und 30 muss man noch einiges ausprobieren und sich finden - war bei mir zumindest so. Und man ist unabhängig, das würde ich an deiner Stelle ausnutzen.
Gäbe es für dich die Möglichkeit, dein Fachwissen einer NGO zur Verfügung zu stellen, also dort einen Job zu suchen oder auch ehrenamtlich? Könntest du so mehr "Sinn" in der Tätigkeit finden? IT-Leute werden ja überall gebraucht.
Oder mal ein bisschen Geld sparen und ne längere Reise/Auszeit?
Das mit dem Versumpfen bei homeoffice verstehe ich. Wäre für mich glaube ich auch nichts, zumindest nicht in Vollzeit. Als Zubrot zu einer Lieblingstätigkeit aber sehr wohl.
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03.11.2016, 19:07Inaktiver User
AW: Quarterlife-Crisis
Schon mal daran gedacht, Verantwortung zu übernehmen? Ein kleines Familienunternehmen zu gründen vielleicht.
Erwachsen wird man durch Selbstbestimmung und Verantwortung.
Dahindümpeln und Nabelschau betreiben bringt nicht weiter.
Wenn Du mit Tieren auf dem Land leben möchtest, dann lerne doch reiten (da könntest Du auch das passende Mädel dafür finden) und freunde Dich mit den großen, gefährlichen Tieren an.
Oder befasse Dich mal mit Schafzucht oder Bienenhaltung, da gibt es viel Literatur.
Ein ausgleichendes Hobby hat noch nie geschadet, es bildet Geist und Kräfte.
Und man muss nicht so viel Zeit in einer ungemütlichen Wohnung verbringen.
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03.11.2016, 19:28
AW: Quarterlife-Crisis
Das Ding ist, dass ich oft auch Probleme habe zu fühlen, was ich eigentlich will und was evtl auch nicht, bzw ich kann meiner Wahrnehmung da nicht so richtig vertrauen. Will ich wirklich auf dem Land abgeschieden leben - wäre das wirklich was für mich - oder habe ich nur diesen Impuls, weil ich grade weglaufen und was anderes machen will? Habe ich wirklich ein Problem mit dem Stadtleben, oder hängt das Problem ganz woanders? Was ist, wenn ich hier alles abbreche und meinetwegen irgendwo aufs Land ziehe und es dann bereue bzw. das auch nicht hilft? Gefällt mir mein aktuelles Leben wirklich nicht oder bin ich nur verunsichert, weil grad alles neu ist?
Da hilft vermutlich nur begrenztes Ausprobieren, ich weiß...ich überlege schon wie das aussehen könnte... im Urlaub fand ich so ländliches Leben immer toll, tatsächlich kommen meine schönsten Erinnerungen vom Urlaub auf einem dänischen Reiterhof samt idyllischer Umgebung.
Dazu kommt der Frust, dass ich mich evtl. grade umsonst verändert habe, also dass der neue Job und die Wohnung meinen wirklichen Zielen kein Bisschen näher sein könnten. Außerdem habe ich die Wohnung auf mindestens 1 Jahr gemietet. Gut, ein Jahr lässt sich sicher so oder so irgendwie durchstehen. Ein Bisschen Angst habe ich auch dafür, dass es niemand nachvollziehen können würde, falls ich mich wirklich dazu entscheiden sollte, nochmal was ganz anderes zu machen. Sicher, es ist mein Leben, werdet ihr sagen, und das stimmt auch vollkommen - aber diese Stimme ist leider stark...
Es gibt nicht allzu weit von hier einen Reiterhof, ich habe schon überlegt, ob ich mal anfrage, ob man auch nur hin und wieder mal an Ausritten teilnehmen kann oder ähnliches. In letzter Zeit kommt mir auch die Idee, ob ich nicht irgendwann mal eine Hundepension aufmachen kann... ich liebe Hunde über alles, kann aber keinen haben, weil allein und berufstätig.
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03.11.2016, 19:45Inaktiver User
AW: Quarterlife-Crisis
Nee, nicht hin und wieder und nur mal so an Ausritten teilnehmen.
Etwas richtig und gründlich machen und was lernen. Soliden Reitunterricht nehmen, 1 mal die Woche. Dann sich eine Reitbeteiligung suchen, alle zwei Tage hin, misten, bewegen, Unterricht.
Leute kennenlernen, mithelfen und Verantwortung übernehmen. Den Hintern aus dem Sessel an die frische Luft und große, gefährliche Tiere dressieren.
Da wirst Du im Handumdrehen zur Führungspersönlichkeit und steckst Dir größere Ziele.
Eigenes Pferd? Turnierteilnahme? Heiraten? Tochter kriegen? Pony kaufen? Gemeinsame Ausritte?
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03.11.2016, 19:55
AW: Quarterlife-Crisis
Ich war als Kind schon jahrelang im Reitverein. Heute ist das leider dann mit der Zeit so ein Ding. Müsste ich mal sehen, ob das irgendwie zumindest einmal in der Woche ginge. Als gefährliche Tiere nehme ich Pferde übrigens nicht wahr :D
Heiraten und Kind? Eher nicht so. Generell habe ich auf Beziehungen eher keine Lust und Kinder bisher auch nicht.
Ich muss mir wohl mal ne ernsthafte Liste aufstellen. Wirklich in mir forschen, was ich mag und was nicht. Was mir Kraft gibt und was eher belastet. Und dann sehen was man damit machen kann. Bisher hab ich dann öfter mal einfach irgendwas gemacht, weil ich mich nicht entscheiden konnte.
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03.11.2016, 20:00Inaktiver User
AW: Quarterlife-Crisis
Mir fällt auf, dass du permanent neue Threads aufmachst, und dass dein hauptsächlicher Lebensinhalt die Beschäftigung mit dir selbst zu sein scheint.
Kann man ja machen, aber ich glaub, dieses Um-Sich-Kreisen macht niemanden glücklich. Egal in welchem Alter.
Ich kann dir nur raten, mal was zu machen, für andere - anstatt dauernd über die eigene Befindlichkeit zu sinnieren. Das kann ja kein befriedigender Lebensinhalt sein.
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03.11.2016, 20:14
AW: Quarterlife-Crisis
Ich habe vor kurzem Psychotherapie angefangen und dadurch fallen mir jetzt so einige Dinge auf, die mir vllt nicht gefallen und über die ich mich mal autauschen will. Es sind dadurch jetzt viele Threads auf einmal, aber wem das zu viel ist, der muss ja nicht antworten.
Außerdem würde ich sagen, dass letztendlich jeder Mensch hauptsächlich um sich selbst kreist. Aber das wäre ne andere Diskussion.


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