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  1. Inaktiver User

    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von distantdreamer Beitrag anzeigen
    Meint mit_punkten hier mit "Wahrheit" nicht einfach, dass man ehrlich ist? Dass man den anderen seine eigene subjektive Wahrheit ehrlich wissen lässt? Statt etwas anderes zu sagen, mit der Begründung für einen selbst, man wolle den anderen ja nicht verletzen, oder überhaupt nichts zu sagen und einfach unterzutauchen?

    Also, um ein etwas triviales Beispiel zu nennen: Statt "Ich mag diese Suppe nicht", sagt man "Ich habe keinen Hunger" oder "Ich hab Bauchweh" - und dann besteht halt die Gefahr, dass man die Suppe nächstes Mal wieder vorgesetzt bekommt - oder dass der andere losfährt, um Magentabletten zu besorgen...

    Wo das eine oder das andere (also die "weisse Lüge" oder Notlüge) am Platz ist, kann man wohl wie so oft nicht generell sagen...
    Wenn ich zum Essen eingeladen bin, lobe ich das Essen. Wenn es total scheußlich ist, schweige ich über das Essen und lobe zur Not die Tischdeko. (Darum bin ich auch immer total skeptisch, wenn bei einem Chefkoch-Rezept steht: "Meine Gäste fanden es total lecker!" ) Die Gefahr, dass mir der Gastgeber dasselbe Essen wieder vorsetzt, scheint mir gering, und wenn doch, kann ich damit leben.

    Anders sieht es aus, wenn der Koch meine Ehemann wäre und tatsächlich die Gefahr bestünde, dass er es ab jetzt einmal pro Woche kochen möchte. Dann würde ich sagen: "Diese Suppe ist nicht so meins" oder zur Not sogar: "Schatz, kochen ist nicht deine Stärke."

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Anders sieht es aus, wenn der Koch meine Ehemann wäre und tatsächlich die Gefahr bestünde, dass er es ab jetzt einmal pro Woche kochen möchte. Dann würde ich sagen: "Diese Suppe ist nicht so meins" oder zur Not sogar: "Schatz, kochen ist nicht deine Stärke."
    Cariad, ich meine in diesem Fall tatsächlich nähere Verbindungen - Verbindungen, in denen man sich tatsächlich um klare Kommunikation scheren sollte. In denen ein Nein oder Ja eben echt nicht ausreicht.

    Ich meine keine unverbindlichen Tinder-Dates, keine Kellner/Gast Situationen und kein Zusammentreffen mit dem Schaffner um ICE auf der Fahrt von Dortmund nach Berlin. Ich meine Situationen, die einen tatsächlich betreffen und beschäftigen. :)

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Es war nur ein Beispiel mit der Suppe, das erste, was mir grad eingefallen ist.. Aber da sieht man ja schon, dass es eben immer drauf an kommt - auf das Gegenüber, die Umstände, was auch immer.. Arnold Schwarzenegger hat mal in einem Interview auf die Frage gesagt, ob es stimme, dass er gut kochen könne: "Meine Freunde mögen es - aber was sollen sie auch sagen, es sei zum K***en??" Eben...

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von mit_punkten_und_so Beitrag anzeigen
    Hm, ja. Da ist sicher was dran. Ich empfinde es oft als schwer, wenn sich jemand so zurückzieht, so dass man keinerlei Möglichkeit hat, etwas zu lösen. Damit meine ich nicht, dass ich jemanden am Ende meine Sicht der Dinge aufzwängen will - ich möchte nur verstehen.
    Ich stimme dir ein Stück weit zu, wenn es um bestehende Beziehungen, Freundschaften etc. geht.
    Bei Unbekannten oder neuen Bekanntschaften sieht es etwas anders aus, dito bei Arbeitskollegen.
    Erstere sind mir die Mühe ehrlich gesagt nicht wert, meistens. Habe aktuell einen Fall, wo jemand beim ersten Treffen schon total pauschalisierend und dumm über Flüchtlinge geredet hat. Die Bekanntschaft werde ich nicht vertiefen, obwohl sie das wohl erwartet. Und ich werde ihr nicht erklären, warum. Da gibt es nichts zu lösen - sie sieht es halt so wie sie es sieht und es ist nicht mein Job, mit ihr fruchtlose Diskussionen darüber zu führen, wie der Islam an sich zu bewerten ist und ob 5 oder 95% der Asylbewerber reine Wirtschaftsflüchtlinge oder potentielle Terroristen sind.
    Bei Kollegen ist mir das Gelände zu vermint. Da geht es auch primär um berufliche Rollen und nicht um die Person an sich, daher sehe ich es selten ein, dort "Beziehungsgespräche" zu führen ,sondern beschränke den Kontakt auf das Erforderliche und den Ton auf Höflichkeit.

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Also wenn wir immer und überall mit "unserer" Wahrheit um uns schlagen, dann gäbe es wohl mehr Todesfälle, Selbstjustiz und dann heißt es gleich wieder, heutzutage ist alles furchtbar und alle sind unhöflich.

    Ich weiß genau, was du meinst, weil ich auch jemand bin, der nicht gerne um den heißen Brei redet. Jedoch die "Unwahrheiten" im Altag sind auch ein Schutz, um nicht gleich das Zwischenmenschliche eskalieren zu lassen. Schau dir mal die Japaner an. Die haben diese Strategie quasi perfektioniert.

    Von Bekannten, Arbeitskollegen, Menschen, die ich auf der Straße treffe, will ich keine Wahrheit erfahren, weil sie mir wurscht sind. Wenn es doch passiert und es gefällt mir nicht, dann kontere ich natürlich. Manchmal witzig, manchmal gereizt.

    Was die "Liebe" betrifft, dann ist es ja oft so, dass, wenn er dich anfänglich mag und dies auch zeigt, dann plötzlich von heute auf morgen verschwunden ist und du stehst da und zermarderst dir den Kopf. Die Wahrheit wird sein, dass er dich einfach nicht mehr mag/will. Warum dir also das sagen, wenn er sich nicht mehr meldet, ist das ja Aussage genug. Ich, als selbstbewusste Frau, würde mir wünschen, dass er genau das zu mir sagt. Damit kann ich nämlich umgehen, dann weiß ich Bescheid. Also reflektiere ich für mich in einer solchen Situation, aha, der Kerl ist einfach feige, gut das er weg ist.

    Von meiner Familie/Freunden erwarte ich mir manchmal ungeschminkte Wahrheiten. Wenn ein Essen nicht schmeckt (um das Beispiel aufzunehmen), dann sollte ich das wissen, sonst bekommen sie es tatsächlich wieder vorgesetzt. Wenn meine neue Frisur völlig daneben (für sie) ist, dann möchte ich auch darüber Bescheid wissen. Wenn die mir sagen, och wie schön und Monate später erfahre ich dann, dass sie froh sind, dass ich den Friseur gewechselt habe, dann fühle ich mich leicht verarxxxt.

    Es gibt also verschiedene Arten, Wahrheiten zu äußern oder gut zu verpacken. Ein empathischer Mensch sollte wissen, wann man es verpackt, wann darf man deutlicher werden.

    Jedoch ich bin ein Typ, wenn man mir gegenüber irgendwelchen unangenehmen Wahrheiten verpackt und ich bekomme es später raus, dann fühle ich mich in meiner Intelligenz beleidigt. Mich muss niemand schützen, ich kann MEINE Wahrheit auch gut entgegensetzen. Vielleicht entsteht ja daraus auch eine bereichernde Diskussion, für beide Seiten.

  6. Inaktiver User

    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von mit_punkten_und_so Beitrag anzeigen
    Cariad, ich meine in diesem Fall tatsächlich nähere Verbindungen - Verbindungen, in denen man sich tatsächlich um klare Kommunikation scheren sollte. In denen ein Nein oder Ja eben echt nicht ausreicht.

    Ich meine keine unverbindlichen Tinder-Dates, keine Kellner/Gast Situationen und kein Zusammentreffen mit dem Schaffner um ICE auf der Fahrt von Dortmund nach Berlin. Ich meine Situationen, die einen tatsächlich betreffen und beschäftigen. :)
    Ok schon mal.
    Gerade wenn es um Beziehungen geht, ist es für die meisten Menschen sehr schwer, Kritik zu formulieren - und Kritik anzunehmen. Oft ist es sogar für einen selbst sehr schwer, den genauen Kritikpunkt zu finden.
    Um beim Beispiel zu bleiben: Ist mein Mann tatsächlich ein schlechter Koch? Oder hab ich womöglich Angst, dass er mir mein ureigenes Expertengebiet streitig machen will? Oder war ich an dem Tag nur mies drauf und hätte alles schlecht gefunden, was er mir vorsetzt? Oder finde ich insgeheim, dass ich selbst ja nie für mein Essen gelobt werde, obwohl ich die letzten 20 Jahre immer gekocht hab? Wenn ich sage, das Essen schmeckt mir nicht, schaltet er vielleicht auf stur und kocht nie wieder?

    Sogar in so einem simplen Fall wie "Die Suppe schmeckt mir nicht" kann die Wahrheit sehr vielschichtig sein.

    Ein anderer Punkt: kann der andere überhaupt was ändern an dem Kritikpunkt? Wenn ich zu einem (ehemaligen) Freund sage: "dein Lachen geht mir auf die Nerven" - was soll der denn dann tun? Nicht mehr lachen? Letztlich kann er dann auch nur darüber grübeln, warum das Lachen früher in Ordnung war und jetzt auf einmal stört. Bei einem Kontaktabbruch ist es ja meistens so, dass man irgendwann die ganze Person ablehnt. Die Wahrheit ist dann entweder eine fünfseitige Liste mit Dingen, die schief gingen und die man in stundenlangen Gesprächen aufdröseln müsste - oder es läuft hinaus auf ein "Ich mag dich nicht mehr."

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von mit_punkten_und_so Beitrag anzeigen
    Cariad, ich meine in diesem Fall tatsächlich nähere Verbindungen - Verbindungen, in denen man sich tatsächlich um klare Kommunikation scheren sollte. In denen ein Nein oder Ja eben echt nicht ausreicht.
    Da liegt also (anscheinend) des Pudels Kern. Man/frau hat sich von dir zurückgezogen und dir nicht die Chance zu einer Aussprache gegeben, damit deine "Wahrheit" kundzutun.

    Das ändert doch immer noch nichts daran, dass die andere Seite deine Meinung nicht hören wollte. Damit driftet die Gesellschaft aber nicht in Richtung unehrlich.

    Die wenigen lieben Menschen, die mir was bedeuten, sind sehr direkt mir gegenüber mit ihrer Meinung und ich bin es genauso ihnen gegenüber. Alle anderen, die das versucht haben, wurden von mir aussortiert. Deren Meinung interessiert mich schlichtweg nicht und ob sie das jetzt Wahrheit nennen, oder nicht, ändert nichts daran.

    Kann es sein, dass du -wem auch immer- einfach nicht wichtig genug warst?

  8. gesperrt

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Ich hab schon Leute gekannt, die machten ein saures Gesicht, und auf die Frage "gibt es ein Problem, ist was?", kommt keine Antwort oder einfach ein "nein". Wobei die Spezialisten unter denen es zusätzlich schafften, beleidigt zu sein, weil ich ihnen ihr Unglück offenbar nicht an der Nasenspitze ansehe und keine Rücksicht darauf nehme.

    Auf solche Spielchen hab ich keinen Bock. Wer ein Problem hat, soll es sagen, dann kann ich auch entsprechend Rücksicht nehmen oder helfen, und mach das gerne; wenn nicht, dann eben nicht. Dann nehm ich aber auch keine Rücksicht auf beleidigte Leberwürste. Dann sind sie eben beleidigt. so what.

    Ich strebe an, wenn möglich nicht zu lügen; über viele nicht so tolle Dinge, wie Modeunfälle, kann man ja sehr gut auch schweigen. Auf direktes Nachfragen gebe ich Antwort, hoffentlich mit einem Minimum an Diplomatie; und wenn's um wirklich wichtige Dinge geht, gibt's auch mal Klartext. Wenn zB ein guter Freund wieder mal eher auf jener statt dieser Seite eines Suchtproblems steht, erlaube ich mir schon gelegentlich eine (eine!) Bemerkung, dass ich das kritisch finde, was grad passiert.

    gruss, barbara

  9. gesperrt

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    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von Makrele Beitrag anzeigen
    Das ändert doch immer noch nichts daran, dass die andere Seite deine Meinung nicht hören wollte. Damit driftet die Gesellschaft aber nicht in Richtung unehrlich.
    nein, aber unter Umständen find ich das feige und/oder unhöflich.


    Die wenigen lieben Menschen, die mir was bedeuten, sind sehr direkt mir gegenüber mit ihrer Meinung und ich bin es genauso ihnen gegenüber. Alle anderen, die das versucht haben, wurden von mir aussortiert. Deren Meinung interessiert mich schlichtweg nicht und ob sie das jetzt Wahrheit nennen, oder nicht, ändert nichts daran.
    Um neue Freunde zu gewinnen, scheint mir, sei es wichtig, sich gelegentlich ein bisschen mehr zu öffenen als man das bisher tat, und auch mal Dinge anzusprechen, die man mit oberflächlichen Bekanntschaften nicht anspricht.

    Aber ich lerne gern neue Leute kennen und ich halte Oberfläche für einen ersten Kontaktpunkt, nicht die Ebene, auf der ich länger bleiben will, mit egal wem.

    gruss, barbara

  10. User Info Menu

    AW: Nicht verletzen wollen?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    nein, aber unter Umständen find ich das feige und/oder unhöflich.
    Was ist denn an Desinteresse feige?

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