Vielleicht kennt ihr die Situation, wenn einem etwas immer wieder passiert, mit unterschiedlichen Leuten und man sich dann irgendwann fragt, liegt es womöglich an mir und eben nicht an den anderen, dass das immer wieder auf eine ähnliche Art abläuft?
Nachdem ich heute morgen schon zum zweiten Mal innerhalb dieser Woche eine Situation hatte, die mich ziemlich nervt, bin ich ins Grübeln geraten... ich habe das Gefühl, ein sehr umgänglicher Mensch zu sein, aber von anderen oft bedrängt zu werden, wo ich gar keinen Sinn und keine Notwendigkeit sehe.
Mein "Lebensmotto" geht in die Richtung "leben und leben lassen" (etwas, das ich mir nach einer Phase von starkem jugendlichen Idealismus und resultierend aus den Erfahrungen mit meinem Vater im Laufe der Jahre angeeignet habe). Aber ich stelle immer wieder fest, dass andere mich im Gegenzug nicht "leben lassen". Beispiele ziehen sich durch die ganzen letzten 20 Jahre meines Lebens... ich habe z.B. mit Kirche nichts am Hut, hatte in jungen Jahren im Gegenteil eher eine Wut auf Kirchen und Religionen, die in meinen Augen oft viel Unheil angerichtet haben. Dann habe ich in eine katholische Familie eingeheiratet. Meine Ex-Schwiegermutter war im Kirchenchor und daher jeden Sonntag in der Kirche. Immer wieder grummelte sie darüber, dass wir nie in die Kirche gingen (mein Ex-Mann war als Jugendlicher sogar Ministrant, aber irgendwann ließ das Interesse nach, was dann später mir in die Schuhe geschoben wurde). Richtig schlimm wurde es, als die Kinder da waren. Da ich irgendwann erkannt hatte, dass Kirche und Religion für manche Leute auch eine sehr positive Wirkung hatten, hatte ich meinen "Frieden" damit geschlossen und ´konnte zwar selber immer noch nichts damit anfangen, respektierte es aber, wenn es anderen Leuten wichtig war. Daher ließen wir auch unsere Kinder katholisch taufen. Damit war es aber nicht getan, regelmäßig durfte ich mir anhören, warum ich denn nicht mit den Kindern in den Kindergottesdienst ginge, es wäre ja so schön gewesen etc. Ich wollte keine freche, vorlaute Schwiegertochter sein und versuchte es sachlich. Ich erklärte, dass mir das fremd wäre, ich nichts damit anfangen könnte, dass sie aber (Schwiegereltern oder Paten) gerne mit den Kindern in die Kirchte gehen könnten, sie könnten sie einfach sonntags abholen. Was keiner tat, aber das Genörgel hielt weiter an und nervte. Und Kirche war nicht das einzige, das an mir anders und daher nicht in Ordnung war. Es war auch meine Art einzukaufen, zu kochen oder die Arbeitsteilung in meiner Beziehung. Ich konnte das nicht verstehen, denn letztendlich betraf es die anderen doch nicht. Und ich versuchte auch keinen von meiner Art zu bekehren noch fühlte ich mich durch meine Art, diese Dinge zu tun, als "was besseres" und ließ das die anderen spüren. Ich hatte nur in meiner Jugend gelernt, dass es viele Wege gibt und dass der Weg des einen nicht unbedingt der ideale für jemanden anderen sein musste. Auf jeden Fall fühlte ich mich aber bedrängt, wich immer mehr aus und ging dann irgendwann komplett aus dem Ort (und aus der Familie) weg.
Mit weniger engen Beziehungen hatte ich keine Probleme, aber ich glaube, es liegt da einfach in der Natur dieser Beziehungen, dass man sich da normalerweise nicht anmaßt, dem anderen vorzuschreiben, wie er leben sollte. Bei der Erziehung meiner Kinder versuchte ich, eine Richtung vorzugeben, mit ein paar wenigen absolut wichtigen Regeln und einem eher lockeren Umgang mit Differenzen. Wie gesagt, ich versuchte deutlich zu zeigen, was mir wirklich wichtig war und war sonst in anderen Dingen eher großzügig. Das bedeutete z.B. dass mir eine liebevoller und vertrauensvoller Umgang miteinander sehr wichtig war, wozu auch Ehrlichkeit und Offenheit gehörten und ich meine Kinder dazu ermutigte, aber wenig davon hielt, meine Kinder zu "dressieren" und auf Kommando irgendwelche Dinge machen zu lassen. Oder dass ich die Regeln für die Ordnung in den Gemeinschaftsräumen vorgab, aber dafür keinen Aufstand machte, wenn sie das in ihren eigenen Zimmern anders handhaben wollten. Oder wenn wir gemeinsam unterwegs waren und z.B. auswärts essen gingen, dann war es mir wichtig, dass Rücksicht auf andere genommen wurde, man nicht in einem Restaurant herumrannte, laut grölte oder auf sonstige Art andere Gäste störte, aber ich regte mich nicht auf, wenn mal einer nicht stramm und aufrecht am Tisch saß oder womöglich den Ellenbogen auf dem Tisch hatte. Ich erwähne gerade diese Dinge, weil sie beispielhaft für Streitthemen in meinen Beziehungen sowohl zu meinem Ex-Mann als auch zu meinem jetzigen Partner waren. Manches davon sahen sie anders, mein Ex-Mann konnte sich furchtbar über die unaufgeräumten Kinderzimmer aufregen und darüber lamentieren. Was nur ein Ergebnis hatte: Stress. Die Kinder waren genervt, es gab Geheul und Streitereien, er hatte ein bisschen seinen Frust abgelassen und das Kinderzimmer sah genauso aus wie vorher. Aber Hauptsache, wir haben uns darüber aufgeregt. Mir wären natürlich aufgeräumte Kinderzimmer auch lieber gewesen, aber ich merkte irgendwann an meiner Tochter, dass sie sich mit 6 oder 7 davon überfordert fühlte, das alleine zu bewerkstelligen ("ich weiß nicht, wo ich anfangen soll..."). Daher half ich immer wieder mit, eine Grundstruktur reinzubringen, und übersah großzügig ein paar herumliegende Klamotten oder Spielsachen, die nicht in die Kisten eingeräumt waren - ich hatte schlicht und einfach keine Energie und keine Zeit dafür, mich über solchen "Kleinkram" aufzuregen, ich studierte anfangs noch und später beanspruchte mich mein Job ziemlich. Die verbleibende Zeit wollte ich uns nicht auch noch mit Stress wegen "Peanuts" verderben.
Ich konnte es aber auch akzeptieren, wenn meine Partner das anders sahen und ließ ihnen den "Freiraum", das auch anders zu handhaben. Das blöde ist nur, dass sie von mir erwarteten, dass ICH IHRE Überzeugungen vertreten und bei den Kindern durchsetzen würde. Inzwischen sind die Kinder mehr oder weniger erwachsen, die letzte zieht in ein paar Wochen zum studieren aus und noch immer haben wir ähnliche Konflikte. Da hat jemand seine eigenen Vorstellungen, die ich nicht teile. Die ich aber auch nicht als so schlimm empfinde, dass ich dagegen angehen müsste. Oder wo es um Dinge geht, die mich nichts angehen, weil sie ein Problem zwischen zwei anderen sind (dabei geht es eigentlich immer um meine Töchter oder um meinen Partner, mit meinem Sohn habe ich das Problem nicht, da wir beide nach dem oben genannten Motto leben, uns gegenseitig respektieren und so sein lassen, wie wir sind - gerade auch mit unseren Unterschieden). Dieser andere versucht dann aber immer wieder mich auf seine Seite zu ziehen, erwartet von mir, dass ich für seine Sache Partei ergreife, mich dafür einsetze und im Falle dass ich das nicht mache, mir den Vorwurf mangelnder Loyalität und Liebe macht. Ich habe viele Jahre versucht einerseits zu vermitteln und gleichzeitig meinen Standpunkt zu erklären. Was aber nicht viel gebracht hat. Da die anderen nicht verstehen, warum ich nicht nach ihren Vorstellungen handle und ich die individuelle Freiheit eines anderen nicht einschränken möchte, nur weil es jemandem anderen so besser gefallen würde (wie gesagt, meiner Meinung nach sind das "Peanuts", wie die Frage, ob die eine Schwester mit xy reden darf, wo doch die andere gerade furchtbar viel Stress mit ihr hat oder ob das Kind, welches gerade das Abi gemacht hat und die Zeit zwischen Schule und Studium mit Faulenzen verbringt und bis 11 Uhr schläft, dazu genötigt werden muss, morgens früh aufzustehen, weil die Erwachsenen schließlich auch früh aufstehen).
Inzwischen bin ich so gereizt und gehe meinem Partner und meiner Tochter aus dem Weg. Wir hatten diese Woche zwei solcher Situationen, die aus einer Nichtigkeit einen ziemlichen Stress entstehen ließen und ich merke immer mehr, dass ich nicht mehr mag. Bevor ich aber nun meine Koffer packe und auf eine einsame Insel auswandere, dachte ich, ich frag mal hier nach. Vielleicht erkennt ihr von außen eher, wo da der Wurm drin sein könnte? Ziehe ich solche Menschen und Situationen womöglich an? Manchmal frage ich mich, ob mein Gefühl von "bedrängt werden" womöglich das Problem sein könnte? Denn, wenn ich mich "bedrängt"' fühle, versuche ich zuerst sehr sachlich den anderen meinen Standpunkt zu erklären. Aber das wird offenbar nicht gehört. Dann ziehe ich mich zurück, baue eine Schutzmauer um mich auf. Meistens führt das aber nicht dazu, dass die anderen auf Abstand gehen, sondern mir noch mehr auf die Pelle rücken, manchmal so sehr, dass ich dann irgendwann fast irrational "um mich schlage", sie anbrülle, oder notfalls aus dem Haus gehe und so Abstand schaffe. Wie gesagt, ich lasse die anderen in sehr vielen Dingen so sein, wie sie sind. Egal, ob es da um meinen Partner oder die Kinder geht. Für mich "passt" es trotzdem. Aber die anderen tun das nicht. Und nicht nur, dass sie mir mit ihrem Gejammer und Genörgel Stress bereiten, sie bedrängen mich auch noch, Positionen zu vertreten und Dinge zu tun, hinter denen ich nicht stehe. Was kann ich tun, dass sie mich auch so leben lassen, wie ich es für mich für richtig halte?
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Ergebnis 1 bis 10 von 32
Thema: Ein Denkfehler?
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24.09.2016, 00:30Inaktiver User
Ein Denkfehler?
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24.09.2016, 00:43
AW: Ein Denkfehler?
Hallo, nur ein kurzer Gedankenblitz, bevor ich müde umkippe: du lässt dich leimen. Das Thema kommt immer wieder. Du gibst nach, du machst deine Grenzen kleiner.
du lässt deine Kinder gegen deine Überzeugung katholisch taufen, damit die Schwiegermutter befriedigt ist, das ist ja schon ein Klopper. "Solchen" Leuten reicht ein kleines Zugeständnis nie. Sie wittern, dass da noch mehr zu holen ist (du bist überredbar!) und hören nie auf.
Da hat jemand seine eigenen Vorstellungen, die ich nicht teile. Die ich aber auch nicht als so schlimm empfinde, dass ich dagegen angehen müsste.
Du positionierst dich vielleicht nicht genug.
Denn, wenn ich mich "bedrängt"' fühle, versuche ich zuerst sehr sachlich den anderen meinen Standpunkt zu erklären. Aber das wird offenbar nicht gehört. ...
Ich habe viele Jahre versucht einerseits zu vermitteln und gleichzeitig meinen Standpunkt zu erklären.
Das geht in dieselbe Richtung: du wirst nicht gehört. Man übergeht dich. Vielleicht erklärst du zu viel rum statt dich mal wirklich durchzusetzen. Und Krach zu riskieren. Das hast du mit deiner Schwiegermutter nicht gemacht, du hast nachgegeben und bist gegangen.see you on be friends online!
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24.09.2016, 00:47
AW: Ein Denkfehler?
Witzig. Ich finde mich zu 100 % in deiner Beschreibung wieder.
Ich habe für mich entschieden, alleine zu leben mit meinen Kindern. Und da sie auch so "drauf" sind, klappt es gut. Das war meine Konsequenz.
Das einzige was ich dir empfehlen würde, wäre dir ein noch dickeres Fell anzuschaffen, gar nicht mehr zu diskutieren oder dich zu erklären, sondern einfach sagen "Ich mache das aber lieber so, kann und werde mich nicht ändern. Ich versuche dich ja auch nicht zu ändern und dir Vorschriften zu machen. Wenn du mit mir so leben kannst, bitte, wenn nicht...da ist die Tür".
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24.09.2016, 03:29Inaktiver User
AW: Ein Denkfehler?
Hier ist noch jemand, dem es ähnlich geht

Ich würde das jetzt aber nicht als "Denkfehler" betrachten.
Ist es wirklich so, dass du deine Grenzen nicht setzen kannst, oder ist es eher so, dass deine Grenzen deutlich weiter gesteckt sind als bei anderen Leuten? Das merken andere Leute, die engere Grenzen haben, nicht unbedingt und verwechseln es gerne mit "gar keine Grenzen" haben. In ihren Augen können sie somit deine Grenzen gar nicht überschreiten, weil du ja offenbar keine hast. Und da das ja etwas seltsam erscheint, wenden sie ihre eigenen Grenzen auf dich mit an. Das verunsichert dich dann, weil du ja eigentlich eigene Grenzen hast, aber du lässt dich trotzdem jedes Mal überrumpeln. Verstehst du, was ich meine?
Du solltest inzwischen ja genug Erfahrung haben, welche Leute dir so auf die Pelle rücken und wann solche Situationen stattfinden können...könntest du da nicht quasi "präventiv" auf deine Grenzen hinweisen? Also nicht lange alles erdulden und mitmachen, weil die persönliche Grenze ja noch weeeeeit entfernt ist, sondern, sobald du merkst, daß es in eine entsprechende Richtung geht, deine eigenen Grenzen verbal verdeutlichen.
Außerdem: komm ja nicht auf die Idee, dass das eine schlechte Eigenschaft wäre! Es braucht auch Leute, die sich alles in Ruhe anschauen, sich Gedanken dazu machen und dann zu einem Schluss kommen, zu dem sie auch längerfristig stehen können. Und wenn dein Toleranzbereich größer ist, heiß das auch, dass du flexibler auf neue Situationen reagieren kannst, weil du schon in mehreren Richtungen Erfahrungen gesammelt hast und deshalb besser abwägen kannst. Leute, die ihr Leben in engeren Bahnen leben, werden von neuen Situationen leichter aus eben jener geworfen und reagieren verunsichert. Sie versuchen dann, alles in ihre gewohnten Bahnen zu lenken, indem sie anderen Leuten ihre Ansichten überstülpen wollen. Leute wie du wiederum können das nicht nachvollziehen, weil ihre gewohnte Bahn sehr breit ist und Hin- und Herbewegungen auf dieser Bahn ebenfalls normal und unauffällig sind. Das ist alles eher ein Kommunikationsmissverständnis, würde ich sagen.
Ich bin auch eher wie du und verstehe oft nicht, in welche Dinge sich andere Leute reinsteigern können und wieviel Energie für in meinen Augen nutzlose Diskussionen aufgewendet wird. Bei mir ist es inzwischen so, dass ich zwar innerlich immer noch gerne verständnislos den Kopf schüttele, äusserlich aber schon sehr bald (eher als früher) meinen (Maximal)Standpunkt in die Diskussion einbringe. Ansonsten halte ich mich aber zurück. Das verstehen wiederum meine Diskussionspartner nicht, für die das Thema wohl sehr wichtig zu sein scheint. Es wird wohl als Kommunikationsverweigerung gesehen und sie fühlen sich durch mich nicht wertgeschätzt, nehme ich an. Deshalb versuchen sie auch, mich in die Enge zu treiben und eine Reaktion von mir zu bekommen. Früher war ich auch so, dass ich dann ganz entgegen meiner sonstigen Art wie ein in die Enge getriebenes Tier auf einmal komplett irrational wurde und verbal ausgeteilt habe, also wohl so ähnlich wie du. Inzwischen (ehrlich gesagt seit ich Mutter bin und mein Geduldsfaden nicht mehr so unendlich ist wie früher) sage ich ganz deutlich (und rechtzeitig, bevor es ausartet), dass ich das so nicht kann, deshalb jetzt rausgehe, dass das aber nicht an der Person des Gegenübers liegt, sondern an meinem persönlichen Charakter. Ich ziehe mich also rechtzeitig zurück, versuche aber, das der anderen Person mitzuteilen und sie nicht mit ihren Emotionen im Regen stehen zu lassen. Wichtig dabei ist aber, dass man es nicht dabei belässt, sondern später, wenn die Gemüter wieder etwas abgekühlt sind, einen Schritt auf die Person zu macht und nochmal erklärt, warum man das jetzt so gemacht hat. Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, ich hab es auf diese Art aber irgendwie hinbekommen, mit meinem Partner und dem Rest seiner sehr temperamentvollen Familie eine Streitkultur aufzubauen. Es hat allerdings seeeehr lange (mehrere Jahre) gedauert, aber ich bin ja eher geduldig
Du meinst auch, dass du wohl gerne Leute anziehst, die dir ihre Überzeugungen aufdrängen wollen. Ich habe das Gefühl, dass solche Leute auf mich anziehend wirken (also genau umgekehrt), weil sie oft auch sehr temperamentvoll sind. Ich persönlich brauche solche Menschen, weil ich selbst eher kopfgesteuert bin und wohl auch eher unterkühlt wirke. Ich "stehle" mir also etwas Temperament, "erdulde" dafür mit Hilfe meiner weitgesteckten Grenzen das komplette Ausleben dieser Temperamente inklusive nutzloser Diskussionen.
Oh je, wenn ich mir das jetzt nochmal durchlese, klingt es alles irgendwie total bescheuert. Ich muß gerade seeeehr seltsam wirken. Aber eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass es Leute gibt, denen es ähnlich geht wie dir. Das wichtigste meiner Meinung nach ist Akzeptanz: Das mit den Meinungen anderer Leute akzeptieren kannst du ja schon seeeehr gut, aber du musst auch dich und dein Verhalten akzeptieren und für dich als normal hinnehmen. Und das nach außen ausstrahlen. Vor allem letzteres scheint dir nicht gut genug zu gelingen.
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24.09.2016, 05:32
AW: Ein Denkfehler?
Ein Faktor ist sicher, wie man ist und von den anderen erlebt wird. Wie man sichtbar wird mit seinen Standpunkten, Eigenheiten, Eigenschaften, und wie man deutlich macht, wo die eigenen Grenzen liegen.
Ein anderer Faktor ist jedoch auch, wie man das soziale Miteinander selbst erlebt. Ein bisschen liest sich das für mich auch so, als ob dir die Komplexität des Zusammenlebens und die Dauerhaftigkeit von Konfliktpunkten nicht so normal und selbstverständlich vorkommen, wie sie sind. Als müsse man nicht immer wieder neu sich einander deutlich machen und das Zusammenleben immer wieder neu verhandeln. Als könnte man einmal alles klären (in deinem Fall vielleicht auch durch einen eher zu weit gehenden Kompromiss) und sei dann "durch" und fertig damit, als könnten dann Lamm und Löwe (bildlich gesprochen) fortan friedlich beieinander liegen und es kuschelig haben.
Ich halte es für normal, dass man unterschiedlich ist und immer wieder neu auf einen gemeinsamen Nenner kommen muss.
Das heißt nicht, dass man immer streiten muss, aber es heißt, dass man immer wieder neu nachspüren muss, wo man selbst steht, wo der andere steht (noch komplexer, wenn Kinder mit im Bild sind, noch einmal mehr, wenn es sich um eine Patchworkkonstruktion handelt), und wie man zusammenkommt. Von beiden Seiten.
Das klingt mühsamer, als es ist. Aber es kann sein, dass es für dich auch mühsamer ist, weil du vielleicht eigentlich eine Vorstellung davon hast, ohne Konflikte zusammenzuleben. "Leben und leben lassen" ist ein freundliches und großzügiges Motto - aber es kann in konfliktscheu und zu wenig abgegrenzt übergehen, wenn man kein eher positives inneres Konzept von sich Positionieren und von verhandeln hat.
My early morning two ørethat was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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24.09.2016, 10:23
AW: Ein Denkfehler?
hallo daisy,
vielleicht empfindet dein umfeld dein "leben und leben lassen" einfach als "desinteresse" - manchmal sollte man einfach klar farbe bekennen und gerade bei der Kindererziehung würds mich glaub ich auch sehr frustrieren, wenn einer alles schleifen lässt und der andere sich um die feinheiten der erziehung kümmert, da sollte man an einen strang ziehen.Liebt Menschen und benutzt Dinge, weil das Gegenteil niemals funktioniert - The Minimalists
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24.09.2016, 13:27Inaktiver User
AW: Ein Denkfehler?
Ich habe eure Beiträge gelesen und versuche gerade, die verschiedenen Aspekte, die mich berühren zusammenzubringen und zu verstehen.
Ich glaube aber, dass der letzte Punkt am wenigsten zutrifft, da ich ja die Kinder alleine erzogen habe, mein Ex Mann sich da gerne herausgehalten und die Kinder immer an mich weitergereicht hat (wenn es z. B. darum ging Grenzen zu setzen oder Regeln aufzustellen und durchzusetzen) und mein Partner später sich lange nicht "legitimiert" sah zu erziehen (aber wie gesagt, beide schauten mich dann erwartungsvoll und enttäuscht an, wenn es darum ging, ihre Vorstellungen umzusetzen).
Was mir aber auch an dem Punkt auffällt, dass da ein "gemeinsamer Nenner" fehlte 😕
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24.09.2016, 16:51Inaktiver User
AW: Ein Denkfehler?
Ich fand marys Beitrag ganz aufschlussreich.
Habe gerade auch ein Thema im Umgang mit Menschen und dabei alle Nase lang ein Deja vu, dass ich mich frage, was Herrgottnochmal mit den Leuten los ist.
Vielleicht IST das bei den meisten einfach so und ich bin mit meiner Einstellung in der Minderheit.
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24.09.2016, 18:19
AW: Ein Denkfehler?
Das ist so ein Punkt den ich schon oft mit bestimmten Familienmitgliedern erlebt habe. Mir sind bestimmte Dinge einfach nicht so wichtig, ich setze Prioritäten anders, nehme bestimmte Dinge auch gar nicht so wahr... und vom Gegenüber wird das, bewusst oder unbewusst, als "du gehst mir am Allerwertesten vorbei" interpretiert.
Für diese Menschen ist anscheinend das, was ich als Einmischen oder renitente Neugier erlebe eine Form von Zuneigung zeigen. Seit ich das erkannt habe ich zumindest etwas besser damit umgehen und eine bewusste Entscheidung treffen, wie ich damit umgehe.
Was hier schon geschrieben wurde bezüglich der eigenen Positionierung ist sicherlich ein wichtiger Punkt. Mit meiner Schwiegermutter klappt es zum Beispiel viel besser, wenn ich mich deutlich abgrenze. Dazu gehört für mich, dass ich mich bei Entscheidungen nicht rechtfertige oder erkläre. Denn das führt nur zu ellenlangen Diskussionen ohne Ergebnis.
Konflikte gibt es trotzdem immer wieder, denn - siehe oben - sie kann glaube ich nicht anders und meint, mir etwas Gutes zu tun indem sie mir Ratschläge gibt und meine Lebensweise kommentiert.
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24.09.2016, 19:01
AW: Ein Denkfehler?
Das deutliche Positionieren birgt meiner Erfahrung nach aber auch immer wieder Konfliktstoff , der sich sehr unangenehm auswirken kann. Dann nämlich wenn sich das Gegenüber mit jemandem verbündet zu dem man selbst eigentlich eine gute Beziehung zu haben glaubte.
Ich habe es leider erlebt, dass aus einem Mißverstehen plötzlich ein großer Krach wurde, weil meine gute Bekannte sich durch meine klare Positionierung so stark angegriffen gefühlt hat, dass sie sich mit einer anderen sehr guten Bekannten hinter meinem Rücken zusammentat und beide sich gegen mich stellten. Das war so schade, weil eine gut funktionierende Gruppe dadurch auseinanderfiel.
Aber ich weiß leider auch nicht, wie man Dinge lösen kann ohne sich der Gefahr einer Trennung oder eines unkittbaren Streits auszusetzen. Das Risiko ist einfach da, wenn man Grenzen zeigt, wenn man die eigene Meinung sagt, wenn man sich zeigt so wie man ist.


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