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  1. Inaktiver User

    AW: Ein Denkfehler?

    Das mit dem katholisch Taufen wegen der Schwiegereltern finde ich nun nicht so schlimm. Es gibt nun mal spirituelle Traditionen. Das finde ich eher sehr liebenswürdig von Dir.

    So'n bisschen ist Leben immer Kampf. Auch mit denen, die man liebt und die man sonstwie gerne auf. Hört der Kampf auf, bedeutet es, man ist gerade und tatsächlich gestorben oder es ist einem alles egal oder man hat Depressionen und betrachtet sich völlig vom Leben untergebuttert.

    Wer schafft es schon, immer gelassen durchs Leben zu gehen? Die meisten wohl nicht.

    Ich habe mich mal ein Vierteljahr mit einem meiner damals jungerwachsenen Kinder verstritten gehabt. Da hatte ich Angst, dass es nie wieder mit mir spricht und war furchtbar dadurch selbst in der Krise. Und siehe da - jetzt - Jahre später (vertragen hatten wir uns schon viel eher) ließ es mal so nebenbei fallen, dass es das im Nachhinein gut findet von mir, mich damals durchgesetzt zu haben.

    Insofern würde ich denken, Du bist ein völlig normaler, engagierter und verantwortungsbewusster und wahrscheinlich liebender Mensch.

  2. Inaktiver User

    AW: Ein Denkfehler?

    Hallo Daisy!

    Ich habe den Eindruck, Du versuchst, Dir Zuneigung und Akzeptanz zu "erkaufen", indem Du versuchst, anderen zu gefallen oder zumindest alles zu akzeptieren, Dich selbst anzupassen; Akzeptanz für Deine Vorstellungen zu gewinnen, indem Du ihre Vorstellungen akzeptierst und teilweise sogar adaptierst.

    Das wird nicht passieren. Dadurch verlierst Du allein ihren Respekt - und gewinnst keine tiefe Zuneigung, keine echte Akzeptanz. Die sind nämlich nicht käuflich, schon gar nicht durch Selbstaufgabe. Darüber hinaus versuchst Du, Leuten zu gefallen, denen Du mit Deinen Einstellungen, Deiner Lebensart, Deiner Persönlichkeit anscheinend genau so NICHT gefällst. Sonst würden sie Dich ja sein lassen, wie Du bist.

    --> DU bist nicht verkehrt, Du suchst Dir die falschen Leute aus.

    Teilweise ist das Problem sicherlich hausgemacht: der Mensch, nicht nur Kinder, mag klare Grenzen und Konturen bei anderen Personen und allgemein in seinem Lebensumfeld. Ein Lebensumfeld und Gegenüber ohne Strukturen verunsichern - werden einem diese nicht von außen angeboten, schafft man sie sich selbst und etabliert im Zweifelsfalle die eigenen Maßstäbe, Regeln und Grenzen. Kurz: Deine zu große Toleranzbereitschaft wirkt nicht positiv - darüber ist weiter oben ja schon geschrieben worden.

    Aber prinzipiell denke ich: im richtigen Umfeld geht man interessiert und sorgsam miteinander um. Leben muß nicht immer Kampf sein. Und Du hast ja durchaus klare Vorstellungen. Die ich übrigens sehr positiv finde:

    - Religion scheiße, aber die anderen können ja glauben und machen, was sie wollen --> aber bitte nicht mit Deinen Kindern! (voll Deiner Meinung - WIESO läßt Du Deine Kinder, die sich nicht wehren können, katholisch taufen, um die Bedürfnisse der Mutter Deines Mannes zu befriedigen?!)

    - ein respektvoller Umgang miteinander ist wichtig, klare Grundstrukturen auch, aufgeräumte Kinderzimmer sind dagegen unwesentlich, und vor allem sind Freiräume und Eigenständigkeit auch für Kinder wichtig, und nicht zuletzt sind Eltern dazu da, ihre Kindern zu unterstützen, auch dabei, in ihrer Eigenständigkeit zu wachsen

    - Kleinkrämerei ist nervig, Streitereien um Belanglosigkeiten und Rechthaberei auch, Anderen permanent reinzureden ist respektlos, ebenso ist es unangemessen, zu versuchen, Andere vor den eigenen Karren zu spannen und für die Lösung der eigenen Probleme und Bedürfniserfüllung verantwortlich zu machen

    Da hast Du Deine Grundsätze! Warum lebst Du nicht danach?

    Kurz: Wenn Du möchstest, daß man Deine Grenzen und Grundsätze respektiert, erreichst Du das nicht, indem Du die Grundsätze, Grenzen und Grenzverletzungen (!) der Anderen respektierst. Sondern indem Du für Dich einstehst. Kompromißloser wirst - und Dich abgrenzt. UND Dir für Deine engeren Kontakte Menschen suchst, die zu Dir passen.
    (Den Töchter-Konflikt jetzt mal außen vor - da sind Konflikte normal. Aber auch da gilt, was ich weiter oben über selbstgemachte Probleme und das Bedürfnis nach Grenzen schrieb.)

    Alles Gute!

    Sin

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    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von Alwa Beitrag anzeigen
    Das deutliche Positionieren birgt meiner Erfahrung nach aber auch immer wieder Konfliktstoff , der sich sehr unangenehm auswirken kann. Dann nämlich wenn sich das Gegenüber mit jemandem verbündet zu dem man selbst eigentlich eine gute Beziehung zu haben glaubte.
    Ich habe es leider erlebt, dass aus einem Mißverstehen plötzlich ein großer Krach wurde, weil meine gute Bekannte sich durch meine klare Positionierung so stark angegriffen gefühlt hat, dass sie sich mit einer anderen sehr guten Bekannten hinter meinem Rücken zusammentat und beide sich gegen mich stellten. Das war so schade, weil eine gut funktionierende Gruppe dadurch auseinanderfiel.
    Aber ich weiß leider auch nicht, wie man Dinge lösen kann ohne sich der Gefahr einer Trennung oder eines unkittbaren Streits auszusetzen. Das Risiko ist einfach da, wenn man Grenzen zeigt, wenn man die eigene Meinung sagt, wenn man sich zeigt so wie man ist.
    Hier sind tatsächlich viele Denkfehler drin. Ich fang mal an:

    1.
    Das deutliche Positionieren birgt meiner Erfahrung nach aber auch immer wieder Konfliktstoff , der sich sehr unangenehm auswirken kann.
    An einem Konflikt sind stets 2 Parteien beteiligt. Daher tragen beide die Verantwortung für die Lösung des Konflikts und nicht du einseitig, indem du stets nachgibst. Ein Konflikt ist übrigens nicht weg, wenn du seine Austragung verweigerst - er arbeitet verdeckt in dir weiter und kostet Kraft.

    2.
    weil meine gute Bekannte sich durch meine klare Positionierung so stark angegriffen gefühlt hat
    Eine Positionierung ist kein Angriff. Wenn sich jemand angegriffen fühlt, ist das sein Problem, so lange du selbst sicher bist, nicht angegriffen zu haben. Für manche mag es wie ein Angriff erscheinen, wenn man sich abgrenzt. Das sind übergriffige Leute.

    3.
    dass sie sich mit einer anderen sehr guten Bekannten hinter meinem Rücken zusammentat und beide sich gegen mich stellten.
    Wenn du das "gute Bekannte" nennst, dann sei froh, dass sie sich geoutet haben, keine solchen zu sein. Danke ihnen dafür und such dir Menschen, die sich erwachsen und loyal verhalten.

    4.
    Aber ich weiß leider auch nicht, wie man Dinge lösen kann ohne sich der Gefahr einer Trennung oder eines unkittbaren Streits auszusetzen.
    Benenne es um von "Gefahr einer Trennung" in "Chance einer Trennung" - denn wenn es zu dieser kommen sollte, weil du zu dir selbst stehst, dann passte der andere Mensch nicht zu dir oder hat selbst das Persönlichkeitsproblem, Grenzen anderer nicht achten zu können (Übergriffigkeit). Sei du selbst, wie es so schön heißt, und du wirst die Welt kennen lernen wie sie ist. Verstell dich und du wirst in einer Pappwelt leben, weder über sie noch über dich etwas erfahren.
    Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Franz Kafka

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    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das mit dem katholisch Taufen wegen der Schwiegereltern finde ich nun nicht so schlimm. Es gibt nun mal spirituelle Traditionen. Das finde ich eher sehr liebenswürdig von Dir.
    Ich seh darin einen Verrat am eigenen Glauben. Und einen Verrat an sich selber.

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    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von Quirin Beitrag anzeigen
    Ich seh darin einen Verrat am eigenen Glauben. Und einen Verrat an sich selber.
    Das finde ich sehr streng, denn eine Taufe schadet ja keinem. Ich bin selber auch nicht religiös, mag aber Kirchen und hin und wieder auch Gottesdienste und Feierlichkeiten, einfach weil mir die Atmosphäre gefällt. Jemand der sehr gläubig ist, würde das evt als Heuchelei interpretieren, einfach weil derjenige eine ganz andere Haltung zu seiner Religion hat.

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    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von farrah79 Beitrag anzeigen
    Das finde ich sehr streng, denn eine Taufe schadet ja keinem. Ich bin selber auch nicht religiös, mag aber Kirchen und hin und wieder auch Gottesdienste und Feierlichkeiten, einfach weil mir die Atmosphäre gefällt. Jemand der sehr gläubig ist, würde das evt als Heuchelei interpretieren, einfach weil derjenige eine ganz andere Haltung zu seiner Religion hat.
    Der "Verrat" liegt nicht in der Sache, sondern im Bruch der Integrität.
    Jedesmal, wenn ich etwas tue, das ich ablehne oder etwas nicht tue, obwohl ich es tun wollte, verrate ich meine Integrität.
    Das kann ein Stück Apfelkuchen sein, das ich esse, obwohl ich Apfelkuchen nicht mag, jemand mir den aber auf den Tisch stellt. Und, noch schlimmer, dann sage: "Mmh, lecker!"

    Mit jeder solchen Handlung füge ich meiner Selbstachtung eine Verletzung zu.
    Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Franz Kafka

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    AW: Ein Denkfehler?

    Mir fallen beim Lesen des Eingangsbeitrages einige Parallelen zu meiner Partnerschaft auf - allerdings von der anderen Seite betrachtet. Mein Freund ist ähnlich wie Du, daisymiller, und ich habe einige Probleme damit.

    Mir fehlt häufig ein Gegenüber, die Positionen, die er vertritt, sind für mich wegen der ganz, ganz weiten Grenzen oft nicht fassbar, und dann wirkt er auf mich konturlos. Und auch desinteressiert. Es resultiert darin, dass ich mich mit vielen Entscheidungen und Reibungspunkten einfach allein gelassen fühle. Denn MIR sind ja diese Dinge wichtig, da möchte ich dann auch nicht von ihm SEIN Modell ("Kleinigkeit - nicht wichtig") übergestülpt bekommen. Für ausgeprägtes Leben-und-Leben-Lassen braucht man meiner Meinung nach keine Partnerschaft, dann kann auch jeder einfach seins machen, und gut ist.

    Insofern trifft es Original-Sin: da passen dann wohl einfach die Lebensmodelle nicht zueinander.

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    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von tabbi Beitrag anzeigen
    Der "Verrat" liegt nicht in der Sache, sondern im Bruch der Integrität.
    Jedesmal, wenn ich etwas tue, das ich ablehne oder etwas nicht tue, obwohl ich es tun wollte, verrate ich meine Integrität.
    Das kann ein Stück Apfelkuchen sein, das ich esse, obwohl ich Apfelkuchen nicht mag, jemand mir den aber auf den Tisch stellt. Und, noch schlimmer, dann sage: "Mmh, lecker!"

    Mit jeder solchen Handlung füge ich meiner Selbstachtung eine Verletzung zu.
    Ich kann nur für mich persönlich sprechen - und bei dem Apfelkuchen Beispiel gebe ich dir recht - aber bei der Sache mit der Religion ist es mir schlicht egal. Wenn ich Kinder hätte und einen katholischen Mann, dem die Taufe wichtig wäre, würde ich meine Kinder vermutlich auch taufen lassen.
    Nun muss ich aber sagen, ich bin kein Atheist im engeren Sinne, vielleicht eher Agnostiker, von daher sähe ich meine Integrität da nicht im geringsten beschädigt.

  9. Inaktiver User

    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von farrah79 Beitrag anzeigen
    Ich kann nur für mich persönlich sprechen - und bei dem Apfelkuchen Beispiel gebe ich dir recht - aber bei der Sache mit der Religion ist es mir schlicht egal. Wenn ich Kinder hätte und einen katholischen Mann, dem die Taufe wichtig wäre, würde ich meine Kinder vermutlich auch taufen lassen.
    Nun muss ich aber sagen, ich bin kein Atheist im engeren Sinne, vielleicht eher Agnostiker, von daher sähe ich meine Integrität da nicht im geringsten beschädigt.
    Kuchen wichtiger als Religion?!

    Ich marschiere auch nicht bei einer politischen Partei mit, deren Überzeugungen ich nicht teile, und rufe Parolen oder bekenne mich und mein Kind öffentlich mit einem Gelöbnis zur Mitgliedschaft, weil die immer so hübsche Kaffee-Kuchen-Kerzenschein-Veranstaltungen in ach so netter Atmosphäre machen.

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    AW: Ein Denkfehler?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Kuchen wichtiger als Religion?!

    Ich marschiere auch nicht bei einer politischen Partei mit, deren Überzeugungen ich nicht teile, und rufe Parolen oder bekenne mich und mein Kind öffentlich mit einem Gelöbnis zur Mitgliedschaft, weil die immer so hübsche Kaffee-Kuchen-Kerzenschein-Veranstaltungen in ach so netter Atmosphäre machen.
    Ich würde auch keiner Partei beitreten, deren Programm ich nicht vertreten kann.
    Religion ist mir schlicht egal. Ich habe nix gegen (gemäßigte, also nicht fanatische) Katholiken, Protestanten, Juden, Moslems, Buddhisten, was auch immer, meinetwegen können sie alle recht haben oder auch nicht, ich weiß es einfach nicht. Ich habe, wie viele andere Menschen auch, eben keine eindeutige Haltung zur Religion, also weder dafür oder dagegen, von daher könnte ich nach der Integritäts- und Selbstverrat-Logik es sowieso nur falsch machen: wenn ich mein nicht vorhandenes Kind taufen lasse und wenn ich es nicht tue, genauso.

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