Hallo ihr Lieben,
ich bin ein aktiver Mensch, geh viel raus, bin unternehmungslustig, spazieren, See, unter Leute,
Daheim bin ich auch gern und leg die Füße hoch, im Grunde aber nur abends, wenn mein Kind im Bett ist...
Nur ist es so, dass ich, wenn ich mal nichts im Kalender stehen habe, regelrecht unruhig werde.
Wenn ich nicht arbeiten muss, meine ich. In der Freizeit.
Momentan koste ich mit meiner Tochter voll den Urlaub aus, wir sind ständig unterwegs.
Heute waren wir bei Nieselregen im Unterholz, anschließend eine Kleinigkeit essen in einer gemütlichen Wirtschaft, danach noch wandern, anschließend mit Bekannten verabredet bei einer Freiluftaktion für Kinder, abends in der Wanne, Badekugel, Schaum,Kerzenlicht.
Eigentlich ein schöner Tag!
Nur habe ich langsam das Gefühl, mich treibt nicht nur die Freude am Leben, sondern ein regelrechter Aktionismus, und kaum, dass ich bei der einen Beschäftigung bin, bin ich schon wieder in Gedanken dabei, was ich/wir als nächstes unternehmen könnten.
Ich habe irgendwie Sorge, meine Unruhe überträgt sich auf meine Tochter.
Klar könnte ich einfach versuchen, mich auszubremsen, aber ich denke, dass es an der inneren Einstellung hapert.
Neulich habe ich diverse Buchläden durchforstet nach Literatur zum Thema: "Leben im Jetzt und Hier", bin dabei aber nur auf solche Eso-Sachen gestoßen, die mich intellektuell nicht herausfordern, wo ich das Gefühl habe, das ist fünf mal aufgegossener kalter Kaffee, nichts das mich irgendwie gefesselt hätte.
(So nach dem Motto: "Stellen Sie sich vor, das wäre der letzte Tag in Ihrem Leben..." oder "Gehen Sie in die Natur, seien Sie achtsam, lauschen Sie den Vogelstimmen..." - ja, ich war heute im Wald, richtig im Wald. Und selbst wenn ich meine Schuhe ausgezogen hätte, hätte ich dabei immer noch darüber nachgedacht, wo wir nachher Essengehen.
Ich vermisse bei mir so eine innere Grundhaltung. Da ist es ja schön, wenn meine Tochter im Unterholz Fichtenzapfen und Moos einsammelt und Pilze entdeckt, aber viel mehr wird sie meine Unruhe beeindrucken...
Kennt ihr irgendwelche wirklich guten Bücher zum Thema, irgendwelche Übungen, die man regelmäßig machen könnte, die nicht total schwachsinnig sind oder Sprüche/Weisheiten, die ich noch nicht kenne?
Grüße, Spatz
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 13
-
21.08.2016, 22:48Inaktiver User
Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
-
21.08.2016, 22:54Inaktiver User
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
läufst du denn vor etwas davon? wenn ja, von was?
und was wäre so schlimm, wenn sich deine haltung auf deine tochter überträgt?
-
21.08.2016, 23:04Inaktiver User
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Ich empfehle alle Bücher von Eckhart Tolle. Sein Hauptwerk ist "JETZT" Die Kraft der Gegenwart. Um mit Achtsamkeit in Kontakt zu kommen bzw. dies in einer Gruppe zu üben empfehle ich Dir einen MBSR Kurs. Adressen/Lehrer findest Du beim mbsr-verband.de.
Es wäre interessant herauszufinden was hinter dieser Unruhe so alles steckt. Dein als Beispiel geschilderter Tagesablauf empfände ich z.B als Freizeitstress.
-
22.08.2016, 00:30
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Abgesehen von etlichen Büchern esoterischen dh, in dem Fall spirituellen Einschlags empfehle ich bei der
JETZT Frage das Buch von
Arthur Laasen
"Heute ist mein bester Tag"
Ich bekam es geschenkt bei einem meiner vielen Krankenhausaufenthalte und ehrlich gesagt,
war das dann mein tollster Krankenhausaufenthalt ever ever ever ...
Es ist so leicht zu lesen und so einfach, dass es (fast) schon wieder zu schön ist, um wahr zu sein.
Durch dieses Buch änderte sich noch so vieles in mir, auch das, von dem ich dachte, dass es sich schon geändert hätte ...
Nix bleibt ja so, wie es ist, auch wenn ich mir manchmal wünschte, es wäre so geblieben, wie es war.
-
22.08.2016, 17:11
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Meine Erfahrung ist, das Jetzt muß man üben. Man ist so gewöhnt daran, an Zukunft und Vergangenheit zu denken, von einer Aktion zur anderen zu eilen, daß man, wie du beschreibst, nicht weiß, was man tun soll, wenn auf einmal nichts anliegt... Aber man *kann* das auch üben. Ob Bücher dabei allerdings helfen, oder ob das nur wieder eine Methode ist, was zu *machen*...
Ich finde, das wichtigste ist, sich zu *erlauben* Zeit mit etwas zu verbringen, was nicht aktiv oder produktiv ist. Sachen um ihrer Selbst willen zu tun, nicht um voranzukommen, aber auch nicht, um Zeit totzuschlagen.
Ich trickse mich oft damit aus, daß ich diese Sachen behandele, als wollte ich darüber schreiben/berichten. (Oder es sogar tue). Ich setze mich auf einen Hügel und gucke in die Landschaft, und benenne alles, was ich sehe, beschreibe alles, beobachte, wie es sich verändert. Mache mir vielleicht Notizen oder Zeichnungen. Höre dabei Musik und betrachte, wie diese Musik, diese Texte, mit dem zusammenspielen, was ich sehe, wie sie es vielleicht verändern, und umgekehrt. Oder ich träume mir Veränderungen in dem was ich sehe, und spinne sie aus.
Liege auf dem Sofa, sehe den Katzen zu und bewundere Katzen. Von den im Gegenlicht rosa durchscheinenden Ohren bis zur Schwanzspitze. Frage mich, was die Katze sieht, wenn sie den Menschen sieht.
Konzentriere mich auf ein Buch, weil ich eine Rezension schreben will. Vielleicht. Zumindest im Kopf. Oder jemandem davon erzählen. Tu ich das dann? Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Wenn ich Dinge sehe, die ich nicht richtig benennen kann, lese ich zuhause nach, was es ist und was es bedeutet. Der vorgegebene Nutzen ist, klüger zu werden oder besser Trivial Pursuit zu spielen, der tatsächliche Nutzen ist, daß man das sieht, was man kennt. Nächstes Mal sehe ich mehr.
Generell bin ich aber eher jemand, der bei Tätigkeiten im Jetzt ist. Klettern, Musik machen, Spielen, Kochen....
Von nahezu zwanghaften Gedanken an Alltagstrivialitäten versuche ich mich zu befreien, indem ich eine Gewohnheit entwickele, Entscheidungen zu treffen und beizubehalten. Wo man essen geht, ist nicht wichtig genug, um lange darüber nachzudenken. Es ist kein *Problem*. Es ist ein Entscheidung, die getroffen werden muß, und dann ist das abgehakt.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
22.08.2016, 17:33
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Die Herausforderung an der Sache ist keine intellektuelle :-)
Gelegentlich (eher zu selten) mach ich meine eigene Variante von Zen: aufs Sofa sitzen, eine Kerze anzünden (damit man was zum Gucken hat, einen Fokus) und dann einfach sitzen, den Atem beobachten.... Gedanken vorbei ziehen lassen... atmen. den Atem beobachten. Gedanken vorbeziehen lassen.
Viertelstunden sind selten so lang wie bei dieser Übung ^^ ... und die Herausforderung besteht darin, all den Impulsen, die auftauchen, NICHT nachzugeben.
Fortgeschrittene verzichten nicht nur auf "ich muss jetzt unbedingt den Kühlschrank putzen!" sondern auch auf "ich muss jetzt unbedingt eine Grimasse schneiden, oder mich am Handrücken kratzen."
Wenn ich die Übung mal mache, fühle ich mich danach meist sehr erfrischt. Länger ls 20 min hab ich allerdings noch nie geschafft.
gruss, barbara
-
22.08.2016, 19:18Inaktiver User
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Ich glaube einfach daran, dass alles seine Zeit hat und einen guten Grund.
Diese aktive Unruhe hat irgendeinen Zweck- scheint doch so, als ob Du genau den Stillstand im "jetzt" nicht haben möchtest!?
Ich kenne Tolle auch und kann ihn ebenfalls empfehlen- egal, was Du liest........die Zeit muss in einem reif sein damit es richtig in einen "hinein geht".
Wie lange geht das bei Dir denn schon so?
Wir haben immer Phasen und nicht ist für ewig........Floskel hin oder her- es stimmt nunmal.
Wie wäre es, wenn Du ALLES einfach nur ganz genau beobachtest??
Wann Du wie bist- dich wie fühlst- was wann willst- wie wann reagierst.......
DAS ist übrigens auch im hier-und-jetzt-sein
Der einfachste Anfang- würde ich nun sagen
lg kenzia
-
23.08.2016, 08:38
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Die Entscheidung liegt bei dir - Buch von R. Sprenger.
Wen musst du beschäftigen? Dich oder dein Kind?
Hast du das Gefühl nichts erlebt zu haben, wenn du nicht aktiv etwas machst?
Ist Tun deine Definition von Leben? Oder Sein?Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
-
23.08.2016, 09:30
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps
Spatz, ich hab noch mal über Wert und Unwert von Aktionismus nachgedacht. Das Folgende bezieht sich auf meine Situation, aber vielleicht erkennst du etwas darin wieder.
Mich stört nicht, daß ich viel mache, viel losmache, immer Pläne habe, was ich noch machen will. "Jetzt" ist für mich, wie beschrieben, mehr in der Aktion als in den Gedanken, und das ist OK so. Was mich stört, ist, daß auch in der Aktion oft kein "jetzt" mehr zugelassen wird, und die Gedanken sinnlos damit beschäftigt sind, Pläne für Sachen zu machen, die auf die eine oder andere Art irrelevant sind. Und das ist ein erlerntes Verhalten, eine schlechte Angewohnheit.
Die Ursache der Angewohnheit ist, daß ich vor allem im Job (aber nicht nur da) die Frau bin, deren Job es ist, Probleme zu lösen, bevor sie auftauchen, oder zumindest, bevor jemand merkt, daß sie da sind, oder die allerspätestens, wenn jemand merkt, daß die Probleme da sind, den Plan zur Lösung fix und fertig aus der Tasche ziehen kann. (Und wehe, nicht! Chaos, Drama, Untergang des Abendlandes, sinnlose Debatten, Zeitverschwendung!)
Und so läuft hinten im Hirn immer der Schachcomputer und versucht, zehn Züge im Voraus zu berechnen, macht viel Lärm, zieht viel Energie, und betrachtet die Entscheidung "was zieh ich heute an" also so komplex und kritisch wie die Frage "was mach ich, wenn der Zentralserver nach dem Stromausfall nicht wieder hochläuft". Ich bin ununterbrochen drei Schritt voraus, damit ich nicht zurückfalle.
Das ist gut für's Ego, wenn man wirklich die Lösungen aus dem Hut zaubert, (und um so mehr, wenn man dabei gesehen wird), aber verheerend für die Nerven, und ganz plötzlich ist wieder ein Jahr rum, und man kann sich an nichts erinnern, was man gemacht hätte -- außer dem einen Plan, der wichtig war. Was macht man also im nächsten Jahr? Mehr Pläne! Und wundert sich, daß im Kopf nie Ruhe ist, wo mal was Neues reinkommen kann.
Also sag ich mir, "das ist nicht wichtig, das ist nicht dringend, das ist bereits entschieden und bleibt so, daß sind alles erwachsene Leute, die auch mal selber ihren Kram regeln können, das muß man mal aushalten, das ist gut genug" und erlaube mir ungebundene Zeit, um über Katzen zu meditieren. Aber die Zeit muß, solange die Situation anhält, immer wieder energisch freigeschaufelt werden.
***
Eine andere Sache, die mir bei "eigentlich ein schöner Tag" noch einfiel, eine andere Ausprägung von Perfektionismus: Der Versuch, jeden Tag besser zu werden. Klingt toll, ist aber in der Umsetzung problematisch, weil man keinen schönen Tag so stehen lassen kann, sondern er nur die Anforderungen an Morgen erhöht. So wie bei einem Daddelspiel, wo die Belohnung dafür, daß du einen Level gemacht hast, ist, das der nächste Level schwieriger ist, so lange, bis du sie nicht mehr schaffst.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
23.08.2016, 10:28Inaktiver User
AW: Leben im Jetzt - Literaturempfehlungen und andere Tipps



Zitieren

