Wenn diese überhaupt ausreichend lang war.
Wie lange dauert es das Selbstbewusstsein wieder so aufzurichten, dass man Ziele sich zu traut? Dass man ja zu sich sagt und sich eigene Wünsche getraut, auch in Bezug auf Partnerschaft? Den Fokus nur auf der Krankheit zu haben, wird nicht reichen, um gesund zu werden.
Ich könnte es jedenfalls so nicht. Habe zwar keine Essstörung, aber darf bald wieder in Bezug auf meine Allergie wunderbar Diät halten mit sehr vielen Einschränkungen und da muss einfach das Ziel / die Lebensqualität stimmig sein, sich nur darauf konzentrieren und Disziplin/verbieten allein reicht nicht. Das würde wahrscheinlich sogar dazu führen, dass ich es jeden Tag auf den nächsten Tag schiebe. Warum sollte ich mir nur was Negatives antun wollen? Wenn ich das andere, also das Positive daran nicht sehe, nicht mein Ziel, hat es keinen Sinn für mich, warum sollte ich da auf so vieles verzichten, was ja einigermaßen geht. Dass es nicht geht, merke ich ja auch teilweise erst, wenn ich draußen bin und die Kopfschmerzen nachlassen, die ich vorher weggedrängt habe.
Auch in Bezug auf Abgrenzung sehe ich das mittlerweile als gute Übung an. Ich schlucke nicht mehr, was jemand anderes unbedingt will, was ich sollte um ihm zu gefallen oder weil er mein Problem nicht versteht. Weiß nicht, ob man das hier auch irgendwie übertragen könnte? Und ja, da gibt es Menschen, welche dies verstehen, akzeptieren und ggf. sogar unterstützen und dann welche, die dies nicht tun und sogar noch was drauf setzen an Gemeinheiten. So lernt man auch Menschen kennen und das ist gar nicht mal schlecht.
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21.07.2016, 18:12Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Geändert von Inaktiver User (21.07.2016 um 18:17 Uhr)
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22.07.2016, 13:52Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Hallo Veranoazul,
danke für dein Geschriebenes.
Ich glaube, du hast ganz oft den Nagel auf den Kopf getroffen, dadurch, dass du selbst betroffen bist/warst.
Ja, ich möchte einerseits leben, andererseits nicht mehr SO! Und mir ist das bewusst, dass ich es, zwar mit Unterstützung, alleine schaffen muss. Das Essen (und vor allem das drinbehalten) kann keiner für mich übernehmen.
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22.07.2016, 13:54Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Liebe Drottning,
es baut mich sehr auf, dass du es geschafft hast aus dem Teufelskreis und dass es dir so gut zu gehen scheint!
Das Thema was mich in die Bulimie treibt/getrieben hat, das kann ich schon relativ klar benennen: Kaum wirkliche Wärme erfahren haben als Kind, Leistung und Ansehen und Funktionieren waren wichtiger. Das schleppe ich bis heute herum. Ein innerliches Gefühl des Verlassen-Seins begleitet mich (fast) permanent.
Eine erneute Therapie? Diese läuft ja aktuell noch bei mir... Oder meinst du stationär?
Warst du selbst in einer Klinik?
Weil du die Familientherapie angesprochen hattest… Wir sprechen auch viel über meine Familiengeschichte. Ich empfinde die Verhaltenstherapie nicht als reine VT, sondern finde durchaus, dass meine Therapeutin tiefenpsychologische Aspekte mit reinbringt, das wollte ich nochmal anmerken ;-)
Auf jeden Fall wünsche ich auch dir, dass du weiterhin so stabil bleibst und ich danke dir für deine Worte voller Zuspruch.
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22.07.2016, 14:10Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Hallo Windweib,
den Auslöser sehe ich darin, dass ich meinen Eltern (vor allem Mutter) ständig etwas beweisen musste, bzw. das Gefühl hatte, dies tun zu müssen. Die eigene Unzulänglichkeit schon als Kind vor Augen gehalten zu bekommen. Der Leistungsgedanke ist bei mir sehr ausgeprägt .Das sich-nicht-angenommen fühlen.
Das merke ich auch dadurch, dass ich mich sofort ausgeschlossen oder einsam fühle, wenn eine (selbst nur kurze) Bekanntschaft sich im Winde verläuft oder sogar, wenn jemand (Freunde/Bekannte) eine „nur“ kurz angebundene Nachricht schreibt oder sich länger nicht meldet. Da kommt sofort der Gedanke „Hab ich was falsch gemacht?“, ist die Freundschaft/Bekanntschaft nun beendet?! Muss ich mich entschuldigen? Falls ja, für was eigentlich? Zerdenke und hinterfrage dann alles und dann ess ich lieber wieder, weil ich sonst aus dem Gedankenkarussell gar nicht mehr aussteigen kann.
Der Alkoholkonsum ist jetzt nicht gravierend. Ich trinke meist am Wochenende etwas mehr, wenn ich feiern gehe, hab dann mal mehr, mal weniger einen guten Pegel.
Unter der Woche trinke ich vielleicht jeden 2. Tag (im Sommer häufiger) ein bisschen oder mal 1 Bier, meist, wenn ich mit anderen was unternehme.
Wie wirke ich auf mich selbst? Das ist eine gute Frage.
Eine Mischung zwischen total langweilig („stinknormales Leben“), durchaus aber mitreißend an manchen Tagen/übeschwänglich und positiv, gerade, wenn es mit dem Essen/der Bewegung gut läuft.
Vielleicht drehe ich so auf, weil ich dann unbedingt die Bestätigung der anderen möchte, dass ich was „Besonderes“ bin.
Ja, das ist. Das habe ich gerade nach dem Suizidversuch gemerkt. Es tat irgendwo auch mal ganz gut, nicht mehr funktionieren zu müssen.
Hm, ich denke mir oft, „was bin ich, wenn ich die Bulimie nicht mehr habe“? In gewisser Weise definiere ich mich wohl darüber.
Es könnte also gut sein, dass ich „sie“ vermissen würde.
Anders mit den Problemen umgehen, wäre sicherlich atmen und aushalten, sich selbst gut zureden und sagen „Das ist nur ein Gedanke/ein Gefühl“.
Aber soweit kommt es leider meist gar nicht, weil ich einfach nichts spüren möchte. Da brauch ich schon viel Sensibilität, um überhaupt in den Prozess des sich-Bewusst-werdens darüber, dass das vorbeigeht, zu kommen.
Richtig ausgehalten hab ich meine Probleme wohl noch nie.
Als Kind habe ich Fingernägel gekaut, die Fingernagelhaut abgezupft, Haare ausgerissen… Zuviel gegessen, vor allem heimlich Süßigkeiten.
Als junge Erwachsene, als ich die Bulimie mal für ein paar Jahre los hatte, hab ich mich in der Selbsthilfeliteratur verloren, immer auf der Suche nach dem ultimativen Tipp, wie mein Leben einfach dauerhaft gut wird, ich zufrieden, dankbar, etc. bin.
Mittlerweile eben wieder Bulimie und ich zupfe zum Teil zwanghaft an der Haut herum mit der Pinzette oder kratze auch mal Pickelchen/Wunden auf.
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22.07.2016, 14:16Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Hallo Oranga,
danke dir für deine ausführliche Antwort. Es freut mich, dass dir die Medikamente helfen und du dadurch deinem Leben wieder eine positive Wendung geben konntest!!
Ich habe bereits ein AD ausprobiert, leider hat dies meine Suizidgedanken verstärkt.
Einen Stimmungsstabilisierer habe ich ebenfalls versucht, ohne großartige Wirkung, bzw. wollte ich einfach keine Chemie mehr in mich reinstopfen, ohne merkliche Veränderung der Stimmung.
Vielleicht hätte ich wirklich noch länger testen müssen, ob es dauerhaft was bringt, aber ich bin wirklich skeptisch und in gewisser Weise auch zu „stolz“ vielleicht, nochmal AD´s zu nehmen.
Dir weiterhin alles Liebe!
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22.07.2016, 14:17Inaktiver User
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22.07.2016, 14:22Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Hallo Bae,
ich mache meist was, damit ich nicht nur einsam zu Hause sitze, ja.
Es geht mir gar nicht so sehr um die Leute, manchmal schon, klar, aber nicht immer.
Die Personen, mit denen ich was unternehme, sind in den meisten Fällen, Leute, die ich schon seit sehr langer Zeit kenne, aber enge Freundschaften in dem Sinne sind es nicht (mehr).
Eine Freundin habe ich, die ich wirklich als sehr gute Freundin bezeichnen würde, wobei die auch viele andere sehr gute Freundschaften hat.
Mir wird das dann auch ganz schnell „zuviel“, darum hab ich lieber locker-lässige Bekanntschaften, mit denen man sich mal hier, mal da trifft, schöne Dinge unternimmt und sich durchaus tiefgründiger unterhält. Aber ob die zu mir stehen würden, wenn ich wirklich darauf angewiesen wäre, durch Umzug/Krankheit/etc. weiß ich nicht. Der ein oder andere vielleicht. Aber da müsste ich ja um Hilfe fragen und das find ich auch schwierig.
Da musste ich wirklich lachen, denn es ist tatsächlich so, dass ich bei dem ein oder anderen durchaus lieber zu Hause geblieben wäre.
Dadurch, dass ich aber meistens mit Einzelpersonen was unternehme, schaut das anders aus. Dann kann ich nicht immer (spontan) nach Lust und Laune, absagen.
Ich hoffe es ;-)
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22.07.2016, 14:30Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Hallo binmalwiederda,
einen Allergietest habe ich vor ca. 3-4 Jahren mal gemacht, da war nichts auffällig.
Blutbilder lasse ich regelmäßig anfertigen, beim letzten war nur ein Wert auffällig, durch Tabletten ist es aber nun wieder besser geworden.
Elektrolyte passen also wohl auch.
Selbsthilfegruppe möchte ich nicht mehr, ich war immer die „Ratschlaggebende“ und war voll in meiner beruflichen Rolle, schwierig.
Zudem sind in den Selbsthilfegruppen, die es bei mir gibt, eher jüngere und ich muss sagen, dass es mir damals viel gebracht hat, als ich zuerst akut bulimisch war, jetzt mit knapp 30 hab ich das schon alles durch…
Der Weg zum gesunden Leben wäre für mich: Zack, Essen funktioniert, fertig!
Ich mag einfach nicht noch hunderttausendmal alles durchkauen. Ich fühle mich wirklich austherapiert und therapiemäßig ausgelaugt.
Ich schreibe täglich ein Essprotokoll, ja. Und auch, was der Auslöser war/gewesen sein könnte.
Ich suche übrigens deshalb hier Rat, weil ich hoffe, dass jemand eine Erfahrung gemacht hat, die mich weiterbringt. Ich habe nicht das Gefühl, voranzukommen; vielleicht aus Unfähigkeit, aus Faulheit, aber vielleicht weil das bisher versuchte einfach (noch) nicht das Richtige war und jemand von euch hier mir einen wegweisenden Tip geben könnte.
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22.07.2016, 14:30
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Ich interpretiere das mal so: auch wenn du das Ausgehen runterschrauben würdest, würdest du keineswegs die Kontakte verlieren. Du würdest Leute halt vielleicht nur noch alle drei Wochen treffen, statt einmal wöchentlich.
Solche Empfindungen kann man bewusst wahrnehmen und sich sagen "wenn ich das nächste Mal was ähnliches plane, soll diese Empfindung ihr Wort mit dazu sagen." Somit respektierst und achtest du dich selbst und gewinnst eine breitere Datenbasis, was er erlaubt, bessere Entscheidungen zu treffen.Da musste ich wirklich lachen, denn es ist tatsächlich so, dass ich bei dem ein oder anderen durchaus lieber zu Hause geblieben wäre.
Kann man auch beim Essen machen; man kann sich sagen "ich erlaube mir jetzt, genau wahrzunehmen, was in mir alles geschieht, wenn ich esse. Und breche".
Das schnelle Tempo beim Reinstopfen und Rauswürgen führt ja unter anderem auch dazu, dass man eben NICHT mitkriegt, was alles in einem drin geschieht; und dass diese Faktoren bei der nächsten Entscheidung unberücksichtig bleiben.
gruss, barbara
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22.07.2016, 14:35Inaktiver User
AW: Nicht wissen, was man im Leben will, „Fähnchen im Wind“ und Bulimie
Heute merke ich, dass meine Stimmung besser ist. Vielleicht, da das Wochenende ansteht? Weil ich viele schöne Treffen ausgemacht habe? Weil ich mich wieder in Ruhe bewegen kann, meine Zwänge ausleben kann?
Tief in mir drin ist dennoch dieses Sinnlosigkeitsgefühl. Warum lebt man überhaupt? Morgens, arbeiten, heimkommen, schlafen, ein bisschen Freizeitgestaltung hier und da, alt werden oder auch nicht, sterben.
Muss das Leben überhaupt einen Sinn haben?
Ich weiß es nicht.
Ich habe mir gestern nochmal Gedanken gemacht, ich mag meine Arbeit, ja, ABER: immer wieder komme ich an den Punkt, wo ich merke, dass es mich entweder überfordert (zuviele tatsächliche Anforderungen oder durch meine eigene psychische Instabilität) oder unterfordert und ich mich langweile. Die Überforderung tut mir gut, dann muss ich die Leere nicht spüren. Wenn ich kaum etwas arbeite, bin ich lethargisch und werte mich selbst ab. Aber wird das nicht in jedem Job sein, dass es auch ruhigere Zeiten gibt?!
Ich hatte schon überlegt, Stunden zu reduzieren und mir eine Nebentätigkeit (mit körperlicher Anstrengung evt.) zu suchen, damit ich da ausgelasteter bin. Aber so richtig den Drive, das durchzuziehen, habe ich auch nicht.
Was, wenn mir das dann auch nicht gefällt?
Wo wir wieder beim Punkt „Entscheidungen treffen und dazu stehen“ wären.
Ach, dieses Hin- und Hergehopse meiner Selbst geht mir grad schon wieder auf die Nerven :-)



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