Diese Briefe sind ja nur ein Mittel, und keine Lösung an sich. Um was geht es denn eigentlich?
So wie ich das lese ist folgendes passiert: du hast nach deinen schlechten Erfahrungen in der Schulzeit dir erst einmal einen Platz der Ruhe und Stabilität gesucht (bzw einfach gefunden), und Abstand zu den ganzen Sachen gewonnen. Das hat für mich nix mit verdrängen oder vermeiden zu tun, sondern ist erstmal eine Not-Wendigkeit.
Denn nur aus der Sicherheit heraus kann man seine Themen aus der Distanz heraus betrachten und den Blick entsprechend weiten, dass auch ein Umgang damit gefunden werden kann.
Jetzt kommst du in eine Stress-Situation, die dir aufzeigt, dass du noch keine griffigen Lebensstrategien für Stress-Situationen gefunden hast, zumindest keine, die deinem heutigen Alter entsprechen. Mein Eindruck ist der, dass es aber nun darum geht und dass deshalb auch der alte Stress sich aufdrängt und neu betrachtet werden will.
Wie, mit welchen Mitteln du das machst, das ist deine individuelle Sache. Schreiben hilft mir da auch immer immens. Aber das muss kein Ritual sein wie solche Briefe, das kann auch einfach nur unzensiertes Tagebuchschreiben sein. Oder Malen, oder Tanzen, oder Trommeln (manches lässt sich da besser reinpacken als in Worte). Probier es aus, was dir gut tut.
Das Ehemaligentreffen - ich fände es nicht schlecht, weil du vielleicht daran dann sehen kannst, dass die Welt sich weitergedreht hat und dass ihr alle erwachsen geworden seid. Oder du merkst, dass du seltsame Leuten heute mit mehr Distanz begegnest und dich nicht mehr so reinziehen und schon gar nicht runtermachen lässt. Oder du kriegst sogar eine Idee davon, was es konkret ist, was dich runterzieht und wo deine Knöpfchen sind. Aber für all das brauchst du nicht zwingend ein Ehemaligentreffen. Wenn du keinen Bock drauf hast, dann geh nicht hin. Ich bin mal zu so was gegangen und meine Kindheitseindrücke haben sich dann doch immens relativiert, auch wenn die alle wieder in den selben Cliquen zusammen saßen wie im Klassenzimmer.Aber andererseits hast du gerade genug Stress an der Backe, daher ist sind die Ehemaligen vielleicht auch eher unter "ferner liefen.." einzuordnen.
Mit Versagensängsten umzugehen, wenn man eine neue Herausforderung annimmt, ist nochmal eine Sache für sich. Ich glaube, das kennt mehr oder weniger jeder und so ganz wird es wohl nie damit aufhören. Die Werkzeugkiste, wie man dem begegnen kann, wird im Laufe des Lebens aber voller und vor allem sinnvoller bestückt.
Grundsätzlich hilft es mir auch immer wieder einzuordnen in welche Zeit welche Gefühle gehören. Nicht alles, was wir heute fühlen, gehört wirklich zur Gegenwart. Also wenn du dich jetzt verunsichert fühlst, weil du früher diesen Stress hattest, dann sag dir, das gehört in eine andere Zeit. Dann bleibt immer noch Unsicherheit, aber sie ist weniger von den Verletzungen von damals verblendet, und du kannst dich mehr mit der jetzigen Herausforderung auseinandersetzen.
Psychologische Beratungsstelle kann ich aus eigener Erfahrung auch empfehlen. Wenn dann wirklich mehr Therapiebedarf besteht, dann kann das hier klarer werden. Aber Therapieplätze haben halt auch lange Wartezeiten und helfen i.d.R. nicht sofort. Eine Beratung kann aber schon helfen vieles zu sortieren und zu klären.
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Thema: Briefe an die Vergangenheit?
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15.07.2016, 06:37
AW: Briefe an die Vergangenheit?
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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15.07.2016, 06:45Inaktiver User
AW: Briefe an die Vergangenheit?
Wieso??
Jede Suggestion ist manipulativ- das soll es ja auch sein
- man will ja bewusst was erreichen!
Wegwerfen ist übrigens NICHT verbrennen-- das gilt es ganz deutlich zu unterscheiden! - vor allem in der Wirkung.
Ein wichtiger Faktor ist das Loslassen der Geschehnisse.
Das kennt schon jeder, der sich einfach mal den Frust von der Seele geredet hat-- danach ist dann die Unruhe in sich weniger und man hat das Erlebte los- gelassen.
Schreiben ist langsamer, beim Schreiben kann man sich Zeit lassen und alles hinein packen- man kann sich Zeit für die richtige Formulierung lassen. Man kann ALLES loswerden, was man sich womöglich im Gegenüber dann doch nicht trauen würde- sich so zeigen, wie man IST.....wütend, verletztlich, etc.
Das Ganze hat eine durchaus symobilische Kraft und die sollte nicht unterschätzt werden!
kenzia
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15.07.2016, 07:02
AW: Briefe an die Vergangenheit?
dann würd ich aber lieber noch verbrennen. Dann kann ich sicher sein, dass mit den Schnipseln nicht irgendwer irgendwo puzzle spielt

Es hat die Kraft, die man ihm gibt. Ansonsten ist es einfach erstmal nur - wegwerfen bzw verbrennen. Man kann ein Symbol für sich draus machen. Würd ich aber genau in mich reinhören, ob das stimmig für mich ist. Nicht einfach nur nachmachen.Das Ganze hat eine durchaus symobilische Kraft und die sollte nicht unterschätzt werden!
Und schon gar nicht auf Hokuspokus hoffen. Wirken kanns dann, wenn ich im Herzen wirklich bereit bin mich drauf einzulassen. Es ist der große Balanceakt zwischen innerer Auseinandersetzung und loslassen wollen. Wie ich diesen Balanceakt ausdrücke und symbolisiere ist aber eigentlich egal.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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15.07.2016, 08:17Inaktiver User
AW: Briefe an die Vergangenheit?
Guten Morgen!
Erstmal Danke an euch und eure Einschätzungen.
Es ist ja nicht so, dass ich die letzten Jahre GAR NICHT daran gedacht hatte. Da kamen durchaus mal Momente, in denen mal wieder etwas hochkam. Weil ich jemanden gesehen habe auf der Straße oder weiß ich was.
Aber oft waren die Sachen dann ganz schnell wieder vergessen.
Ja, ich habe nicht wirklich Strategien, wie ich mit Stress umgehen soll. Stress haut mich ganz schnell aus der Bahn und dann bin ich überfordert, verwirrt und weiß nicht mehr weiter.
Ich habe vorgestern einfach mal angefangen mit solchen Briefen. Einen ersten habe ich an mein vergangenes Ich geschrieben. Aber schon nach wenigen Zeilen konnte ich nicht mehr weiterschreiben. Ich war plötzlich so aufgewühlt, dass ich den Brief erstmal beiseite gelegt hatte. Gestern Nachmittag verfasste ich dann einen Brief an eine ehemalige Klassenkameradin... Und seitdem, seit ich diese zwei Briefe geschrieben habe, rührt sich noch mehr in mir.
Ich habe jetzt Angst davor, was ich damit vielleicht rauslasse. Und dass das alles nur noch schlimmer macht.
Ich werde heute mal herumtelefonieren, wann hier die nächsten Therapieplätze frei sind bzw. ob es hier in der Gegend Beratungsstellen gibt, die einschätzen können, ob ich wirklich eine Therapie nötig habe.
Denn ich glaube, es wird Zeit, dass ich mal wirklich mit jemandem Rede... Es scheint da doch noch mehr in mir zu brodeln, als ich mir selbst vielleicht eingestehen möchte.
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16.07.2016, 08:37
AW: Briefe an die Vergangenheit?
Dann lass das doch erstmal bleiben und besprich das später mit nem Profi. Es reicht auch völlig Tagebuchschreiben, wenn du schreiben magst. So wie du das hier machst: beobachten was da alles gerade in dir rumwabert. Das musst du nicht bewerten und auch nicht "wegmachen". Einfach mal wahrnehmen. Das fällt natürlich auch leichter, wenn man weiss; ich kann das ja dann mit dem Profi besprechen". Dann machts weniger Angst.
Wenn schon ein Ritual oder Symbol, dann würde ich mir eher ein haltgebendes suchen. Das kann ein Stofftier aus der Kindheit sein oder das Besuchen eines Ortes, der sich für dich heimelig anfühlt, oder ähnliches.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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16.07.2016, 09:19Inaktiver User
AW: Briefe an die Vergangenheit?
ich bin etwas skeptisch, was das aufrühren alter geschichten angeht, ehrlich gesagt...
wenn es für dich machbar und gut ist, würde ich nicht abraten. aber wenn es dir zu viel wird, hätte ich den alternativvorschlag, dass du die probleme lieber mit blick auf die gegenwart sortierst - also, da dass du dich mit den heutigen folgen des desasters befasst. das wirst du ja sowieso tun müssen.
du hast ja jetzt versagensängste, wenn du auf den neuen job schaust, wenn ich es richtig verstehe. mein vorschlag ist, lieber darüber zu schreiben.
also auflisten, wovor du angst hast. was könnte schief gehen? was könnte misslingen? warum?
und dann überlegen, was du dagegen tun könntest und was dabei die schwierigkeiten wären;
überlegen, wo du dir ggf. hilfe suchen könntest bei einer überforderung.
ich bin kein profi für sowas und dies ist nur eine skizze, in welche richtung ich denke. deshalb möchte ich dir auch noch vorschlagen, dir einen coach zu suchen - für diese analyse und ggf. als begleitung für den ganzen prozess.
(das geht auch schneller als einen therapieplatz zu finden!)
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17.07.2016, 06:41
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17.07.2016, 07:04Inaktiver User
AW: Briefe an die Vergangenheit?
Ich habe nirgends gesagt, dass man nicht verbrennen sollte!
Es ging mir um die Bedeutung des Loslassens, um das es bei diesem Vorgang geht.
Mit welcher Intension wir etwas machen- ganz egal was- hat IMMER einen Einfluss auf unser Denken und Fühlen. Und wir machen NIE etwas ohne Intension.
Unser Handeln hat also auch IMMER eine Kraft auf uns -- das zu unterschätzen ist allerdings sehr üblich
kenzia
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17.07.2016, 07:14Inaktiver User
AW: Briefe an die Vergangenheit?
gut möglich, dass Du immer in einem Stress-Dauerzustand bist und das kaum spürst- weil halt anhaltend vorhanden- aber dann eben dazu führt, dass zusätzlicher Stress schnell als viel zuviel empfunden wird.
was doch nur zeigt, was für ein großes Thema es in Dir ist!
Wenn Du Dich sicherer fühlst mit Begleitung- dann mache das! Ein guter Weg!
lg kenzia


Aber andererseits hast du gerade genug Stress an der Backe, daher ist sind die Ehemaligen vielleicht auch eher unter "ferner liefen.." einzuordnen.
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