Genau, so sollte es ja auch irgendwie immer sein, warum eigentlich nicht - am besten alles nacheinander - damit man auch in den Genuss des Flows kommt. Dieses Flow lässt sich auch einfach nicht einfangen und festhalten - ich bin auch gerne auf der Lauer was das Flow betrifft
Ein Perspektive -Spiel von Christian Morgenstern:
"Vice Versa - damit ich etwas Glück kenne im Leben...
Ein Hase sitzt auf der Wiese,
des Glaubens, niemand sähe diese.
Doch, im Besitze eines Zeißes
betrachtet voll gehaltnen Fleißes
vom vis-a´-vis gelegnen Berg
ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.
Ihn aber blickt hinwiederum
ein Gott von fern an, mild und stumm"
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Ergebnis 21 bis 30 von 68
Thema: Etwas läuft falsch
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07.06.2016, 15:59
AW: Etwas läuft falsch
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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08.06.2016, 08:16
AW: Etwas läuft falsch
Seltsamerweise hatte ich bisher immer nur Panikattacken, wenn es mir nicht gut ging, wenn ich viel unter Stress stand und nicht wusste, wo mir der Kopf steht.
Dass es jetzt auch passiert, wenn es mir gut geht, ist irgendwie ein beunruhigendes Gefühl.
Wie hat er daraus gefunden?
Ja, da gab es ein Vorkommnis, für das ich mich tatsächlich immer noch schäme - irgendwie. Auch, wenn ich das eigentlich gar nicht müsste. Ich habe nach diesem Ereignis vieles hinter mir gelassen und geglaubt, ein Neuanfang würde es schon richten. Die Zeit hat zwar die tiefen Wunden geheilt, aber Narben sind immer noch da. Eine richtige Aufarbeitung hat es nie wirklich gegeben. Ich habe die Zeit für mich arbeiten lassen.
Ohjee, das klingt ja schon ziemlich dramatisch. Dabei würden die meisten, wenn sie es hören, sagen, dass das doch alles halb so wild ist... Wenn ich damals stärker gewesen wäre, hätte ich es vielleicht auch anders gesehen.
Das ist ein sehr schönes Gedicht
Ja, liebe Leute, was soll ich sagen?
Eure Beiträge haben mich doch sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe in den vergangenen Stunden viele, viele Szenarien durchgespielt... So langsam beschleicht mich da ein Verdacht, was mein "Problem" sein könnte.
Ich muss jetzt nur einen Weg finden, um dieses "Problem" nicht mehr als Problem zu sehen, sondern als Chance, etwas an meinem Leben zu verändern. Ich glaube auch nicht, dass ich auf etwas in meinem Leben verzichten müsse. Ich muss gewisse Dinge nur anders strukturieren und mein Leben mit neuen Dingen bereichern.
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08.06.2016, 08:47
AW: Etwas läuft falsch
Das hat wohl was damit zu tun; es gibt keine unmittelbaren dringenden Probleme zu lösen, nur können jene angepackt werden, die etwas weniger dringend sind und die sich in den letzten Jahren angestaut haben. Das ist grundsätzlich eine gute, gesunde Sache :-)
Entscheidungen treffen zu können, ist eine wichtige Fähigkeit. Ich halte mich an folgende Regeln:Ich fühle viel mit dem Herzen, überprüfe aber jedes Gefühl mit dem Kopf und suche Argumente für ein Pro und Contra. Dann habe ich eine Entscheidung (es fällt mir sehr schwer, Entscheidungen zu treffen). Und dann versuche ich, diese Entscheidung vor mir zur rechtfertigen, weil ich innerlich vielleicht doch irgendwie das Gefühl habe, nicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
- der Kopf darf seine Argumente bringen, aber das Gefühl trifft die Entscheidung. Gelegentlich auch GEGEN alle vernünftigen Gründe, die der Kopf angebracht hat. Entscheidungen müssen nicht immer vernünftig sein. (sie sollten nur nicht allzu unvernünftig sein und die Existenz all zu sehr, oder für nichts, in Frage stellen)
- Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann bleibe ich dabei und hinterfrage sie nicht mehr. Ich lass mir gelegentlich VOR einer Entscheidung unendlich viel Zeit; aber wenn die Entscheidung getroffen ist, dann stelle ich sie nicht mehr in Frage und wenn nötig zwinge ich mich auch mental dazu. Ich kann lang im Bahnhof stehen und mich fragen, Rom ist schön, aber auch Hamburg, oder doch lieber Moskau? und wie wär's mit Paris? - doch wenn ich mich dann für den Zug nach Moskau entscheide, freu ich mich auf Moskau und beschäftige ich mich mit Moskau, und denke NICHT mehr über Hamburg, Rom oder Paris nach. Sich entscheiden heisst auch immer, sich GEGEN eine ganze Menge Dinge zu entscheiden (wenn ich mich für ein Studienfach entscheide, schliesse ich die 50 andern Fächer, die möglich wären, aus) - aber das ermöglicht es erst, sich auf eine Sache im Detail und in der Tiefe einzulassen. Das hat etwas Befreiendes.
Die Vergangenheit ist die Vergangenheit. Immerhin hat sie dich an einen Ort geführt, wo du schon eine ganz gute Basis gelegt hast - guter Beruf, finanzielle Stabilität, lieber Mann... das ist doch schon was :-) So schlecht waren sie ja nicht, und das Leben ist noch lang. Und du hast doch bestimmt in jedem Fall die Entscheidung getroffen, die dir in dieser Situation nach allem Abwägen als die beste erschien.Es ist einfach ein Gefühl. Und wie du schon sagtest, es will sich nicht einstellen, weil ich innerlich mit mir hadere, ob ich wirklich die Entscheidungen getroffen habe, die ich habe treffen wollen. Oder ob ich diese Entscheidungen nicht einfach aus Vernunft und Rationalität getroffen habe.
Aber du kannst beschliessen, dich ab sofort nur noch für Dinge zu entscheiden, die du tatsächlich willst; man trifft ja täglich sehr viele kleine Entscheidungen, besonders im Bereich "was esse ich heute?", es gibt mehr als genug Gelegenheit, um zu üben. Und auch um nachzufühlen, ob die getroffene Entscheidung wirklich gut war und wieso.
Da hat dein Schwager wohl eine Tür geöffnet in dir, die sowieso nur angelehnt ist im Moment.Mein Schwager erzählte eigentlich nur, dass er im kommenden Herbst etwas am Garten verändern wolle. Und plötzlich schossen tausende Bilder durch meinen Kopf und ich bekam diese Panik. Aber so richtig weiß ich gar nicht mehr, was für Bilder da waren. Das war alles so wirr und durcheinander und bevor ich ein Bild wirklich fassen konnte, war es auch schon wieder weg. Tatsächlich wie ein ziemlich wilder Traum, an den man versucht, sich zu erinnern.
Meditation kann helfen, das zu sortieren. Zum Beispiel: setzt dich in eine ruhige gemütliche Ecke, zünde eine Kerze an, um einen Fokus zu haben für den Blick, und sitzt einfach eine Weile - eine Viertelstunde, eine halbe Stunde - da; und beobachte, welche Gedanken kommen und gehen. Ohne zu bewerten "das ist ein guter Gedanke, das ist ein schlechter Gedanke" - einfach "aha, ich denke an dies, ich denke an das"; und lass die Gedanken wieder gehen.
Das gibt den Inhalten eine Chance, nicht wirr und superschnell zu kommen, sondern schön langsam und so, dass dein bewusstes Bewusstsein was damit anstellen kann.
Aus dem, was du erzählst, sehe ich keineswegs eine Krankheit, sondern eine gesunde und sinnvolle Entwicklung.Naja, Depressionen treten bei uns häufiger in der Familiengeschichte auf. Aber ob es bei mir jetzt soweit ist, weiß ich nicht.
gruss, barbara
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08.06.2016, 11:14
AW: Etwas läuft falsch
Dann wird das schon stimmen und Dein/ein "Problem" sein.
Es kann sehr anstrengend sein, eine Kiste mit Gewalt zuzuhalten, wenn das, was einmal in die Kiste hineingestopft wurde, eigentlich nicht in die Kiste passt. Und wenn es nicht in die Kiste gehört, kann man's auch mal aufräumen.
"Scham" (vielleicht gehört das zu einem anderen Thema) finde ich übrigens ein sehr auffälliges Gefühl. Es hat viel mit (selbst-)Beobachtung, hohen Ansprüchen und Perfektionswünschen zu tun, auch mit Unsicherheit. Vor wem schämt man sich schon - vor sich, vor anderen, vor dem "lieben Gott" oder den Ansprüchen der Erziehung? Meine Erfahrung mit Scham ist, dass dieses Gefühl stets "hausgemacht" und eigentlich immer übertrieben ist.
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08.06.2016, 13:15
AW: Etwas läuft falsch
Das Bild mit der Kiste gefällt mir. Ungefähr in Deinem Alter ist bei mir nämlich auch ein Deckel von einer Kiste geflogen, der jahrzehntelang zugenagelt war, während es darunter unbemerkt vor sich hin gegärt hat. Das hat sich auch in Unzufriedenheit geäußert, einem Eingesperrtsein-Gefühl, obwohl in meinem Leben von außen betrachtet alles in allerbester Ordnung war.
Kann es sein, dass es Dir schwerfällt, für Dich einzustehen, zu sagen, was Du möchtest oder nicht möchtest oder dass Du es Dir gar nicht zugestehst, etwas anderes zu wollen als das, was Du hast, weil das doch eiiiigentlich alles oberflächlich gesehen gut ist? (Vergiss meine Worte einfach, wenn ich falsch liege, vielleicht projiziere ich da jetzt auch bloß eigene Erfahrungen.)
Gibt es etwas, wobei Dir so richtig das Herz aufgeht, was Dich begeistert? Oder etwas, was Du schon immer mal machen wolltest? Etwas Schönes, Neues, Aufregendes auszuprobieren wäre vielleicht eine gute Sache für Dich, damit das Gefühl der öden Routine verschwindet. Mal ein Wochenende in einem netten Hotel zu verbringen kostet z.B. nicht die Welt, oder man lässt es sich halt mal schenken.
Noch 'ne Frage: Du schreibst, dass Du ein enges Verhältnis zu Deiner Familie hast und sehr behütet aufgewachsen bist. Kommt womöglich aus dieser "Ecke" etwas, das Dich zu erdrücken beginnt? Erwartungen, Glaubenssätze, Wünsche, die eigentlich gar nicht Deine eigenen sind? Ich hatte eine liebevolle und schöne Kindheit trotz der einen oder anderen Widrigkeit, habe aber erst ganz spät (so ungefähr in Deinem Alter) so richtig begriffen, wie eng und klein diese heile Welt war und wie viele einschränkende "Das machen WIR aber so (nicht)"-Zwänge es da gab, teils eher unterschwellig als explizit, aber eben stets vorhanden. Oder Sätze wie "das passt aber nicht zu dir" oder "so kennen wir dich gar nicht", wenn ich mal was sagte oder tat, das nicht ins Schema passte.May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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08.06.2016, 13:58
AW: Etwas läuft falsch

Das war auch meine eigene Erfahrung - und das war der erste Gedanke, den ich hatte, als ich hier den Eröffnungspost gelesen habe.
Oder, wenn die TE es nicht in der Familie sieht, allgemeiner: die mögliche Diskrepanz zwischen den eigenen Wünschen und den Vorstellungen und Normen, die einem nahegelegt wurden/werden. Das zweite geht meist mit dem eigenen Selbstbild einher (dann sind diese Werte angenommen und verinnerlicht), und viele Menschen verstehen das auch als ihre "vernünftige" Seite.
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08.06.2016, 13:59
AW: Etwas läuft falsch
Geändert von Schiffsjunge (08.06.2016 um 14:02 Uhr) Grund: doppelt
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08.06.2016, 14:38Inaktiver User
AW: Etwas läuft falsch
Ok...
Auf die Gefahr hin, als Astro-Tussi zu gelten, ist mir gleich zu Beginn dein Alter aufgefallen, und da jetzt auch MM Parallelen zu ihrem Leben sieht:
Nach 28/29 Jahren kehrt Saturn an exakt die Position zurück, die er zu deiner Geburt innehatte. Das ist der Zeitpunkt, in der der Mensch nach astrologischen Grundsätzen psychisch erwachsen wird, sich endgültig von übernommenen Familienschemata zu lösen beginnt und sich selbst als Individuum definiert (Bei C.G. Jungs 7-Jahres-Zyklen gibt es glaube ich Entsprechungen). Das Hinterfragen und sich Abgrenzen von erlernten Glaubenssätzen ist oft mit Schmerzen und Einsamkeitsgefühlen verbunden, da alte Strukturen nicht mehr greifen und neue erst aufgebaut werden müssen. Die Frage danach, wer man eigentlich ist (abzüglich Familie, Beruf, Partner), will jetzt unbedingt beantwortet werden.
Bei mir war es ähnlich. Alles in meinem Leben zu jener Zeit war gut, und doch (noch) nicht stimmig. Ich erinnere mich an Enge und das beklemmende Gefühl, jetzt könnte es im Grunde auch zu Ende sein, weil ich viele Ziele erreicht hatte, aber davon seltsam unberührt blieb. Es war nötig, in diesem Gebilde ein Fenster aufzureißen, eine Wand zu durchbrechen, die vermeintliche Stabilität zu "gefährden", um mich dem Leben zu stellen - das danach viel chaotischer, weniger geordnet, aber ungleich schöner und mitreißender wurde.
Welche Fenster und Mauern das sind, kannst nur du wissen. Wenn's dich interessiert, google mal nach "Saturns Rückkehr". Da gibt's sicher einiges im Netz.
Liebe Grüße
Eso-Wilhelma
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08.06.2016, 15:10
AW: Etwas läuft falsch
Uah, das ist ja jetzt schon beinahe gruselig, wie gut das passt (nur dass es bei mir mit 28/29 losging und der große, hm, Knall erst mit 31 passiert ist). Genau das Gefühl "und was soll jetzt noch kommen" hatte ich nämlich auch und fand es richtig ätzend.
May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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08.06.2016, 15:33
AW: Etwas läuft falsch
Erstmal möchte ich euch tausend Mal danken, dass ihr so eifrig schreibt und mir Tipps und Ratschläge gebt... Das hilft mir wirklich ungemein und ich stelle mir plötzlich Fragen, die ich mir vorher nicht gestellt habe...
Danke euch allen!!!


Bae, deinen ganzen Beitrag zu zitieren, wäre ein wenig viel, aber ich danke dir für deine hilfreichen Worte
Mein Problem beim Treffen von Entscheidungen ist, dass ich mir wohl zu viele Gedanken mache und alle Möglichkeiten irgendwie etwas Gutes innehaben. Und am Ende bin ich genauso schlau wie vorher und entscheide mich dann einfach für etwas, ohne aber mit dem ganzen Herzen dahinter zu stehen....
Die Idee mit der Meditation ist mir tatsächlich auch schon gekommen und ich denke, dass das kommende Wochenende eine hervorragende Möglichkeit bietet
Da hast du Recht. Ich muss nur noch herausfinden, was ich in die Kiste gepackt habe, was dort nicht hineingehört.
Ich schäme mich überwiegend vor mir selbst. Dass ich damals diese "Entscheidung" getroffen habe. Ich sagte ja auch schon, dass es mich, wenn ich damals stärker gewesen wäre gar nicht so umgehauen hätte und ich vermutlich dieses Gefühl der Scham gar nicht hätte. Aber das war ich leider nicht.
Ja, da hast du durchaus Recht. Mein Leben lang haben Leute mir Ratschläge gegeben. Ich habe gelernt, diese Ratschläge durchaus in meinen Entscheidungsprozess einzubeziehen und manchmal habe ich vielleicht auch mehr Wert auf diese Ratschläge gegeben als auf mein eigenes Gefühl.
Wenn ich einmal einen Rat abgelehnt habe, hieß es oft: "Naja, das musst du ja schließlich für dich entscheiden." Klang für mich immer so nach: "Also, ich würde das nie so machen, aber du musst sehen, was du tust und mit den Konsequenzen leben." Das klang immer so unglaublich negativ, so als ob meine eigene Entscheidung niemals richtig wäre.
Naja, so richtig begeistern tut mich eigentlich nicht viel. Ich muss da jetzt echt lange überlegen. Es gibt viele Dinge, die mich interessieren und die ich schön finde, aber so richtig begeistert von einer Sache? Ich glaube nicht.
s.o. zum Thema Entscheidungen. Ich weiß es nicht genau. Vielleicht muss ich da einfach nochmal ein wenig meine Familie von außen betrachten, ob es bei uns soetwas gegeben hat. Ich habe viele Werte von meinen Eltern mitgegeben bekommen. Aber bzgl. meines Werdegangs haben meine Eltern uns eigentlich immer Freiraum gelassen, aber eben immer mit dem "Musst du ja selbst wissen"-Ton.
Das klingt abgefahren, wie passend das zu sein scheint. Ich habe mir bisher aus Astrologie nie viel gemacht. Klar, mein Horoskop lese ich schonmal in der Zeitung, aber so richtig daran glauben, tu ich nicht. Dennoch finde ich es spannend, dass es tatsächlich auf meine jetzige Situation passt. Dieses Überdenken der eigenen Position, des Lebens etc. Den fettmarkierten Satz fand ich übrigens absolut treffend. Genauso fühle ich ich auch!
Aber mein Problem jetzt ist, dass ich das Fenster nicht finde! Also ich habe eine Idee, was es sein könnte, aber Angst davor, dass es doch das falsche ist.
Ähnlich wie damals bei "Geh auf's Ganze". Kennt das noch jemand? Man hat das Gefühl hinter Tor 3 könnte das Auto stecken, dann bekommt man immer mehr Geld geboten, doch die Kiste zu nehmen. Am Ende entscheidet man sich dann für Tor 3 und drin steckt der Zonk. So ähnlich fühle ich mich jetzt. Ich will aber nicht den Zonk haben, ich will das Auto!



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