Liebe Alle,
Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Während rund um mich die Leute langsam ihr Leben in den Griff kriegen, entgleitet mir meines immer mehr. Ich habe keinen Bezug zu mir selber, ich fühle mich von mir abgeschnitten.
Ich fühle mich in vieler Hinsicht komplett unzulänglich und minderwertig, voller Makel. Ich sehe nur Fehler, und Makel, mehr, als ich aushalten kann. Ich mag meine Figur nicht, ich habe Narben an Armen und Oberschenkeln, ich sehe nur marmorierte Haut, Cellulite und Besenreiser, überall. Ich mag weder meine Haare noch mein Gesicht. Der Blick in den Spiegel macht mich unglücklich, vor allem weil ich um mich herum nur Leute sehe die vermeintlich weniger mangelhaft sind, perfekter oder schöner sind. Gleichzeitig fühle ich mich elend dass ich meine Zeit und mein Leben mit so viel Selbstablehnung verplempre anstatt zu schätzen was ich habe, und froh zu sein, keine schlimmen Probleme zu haben.
Das geht jetzt schon sehr lange so und ich merke, wie es mich zunehmend beeinträchtigt. Ich gehe meinen Freunden mit meinen Komplexen auf die Nerven und halte mich selbst schon nicht mehr aus vor lauter unzureichend und negativ. Ich bin Single, sehne mich nach jemandem der mich liebt - insgeheim halte ich mich aber für so minderwertig dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass das je passieren wird. Und solange ich mich selbst so ablehne wird mir das auch in der Beziehung zu anderen passieren.
Wie kann ich lernen, gut und barmherzig mir gegenüber zu sein, mich anzunehmen und bedingungslos zu lieben?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 24
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05.06.2016, 21:57
Wie lernt man sich selber lieben?
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05.06.2016, 22:15
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
Fang doch einfach mal damit an, dass du dich freust keine schlimmen Probleme zu haben, das ist die halbe Miete!
Und dann mach dir klar, dass du derjenige bist, der dir am nächsten steht, du bist dein besster Freund!
Und dann geh mit ihm um, wie man das mitm besten Freund macht,
und was dein Äußeres betrifft, da kannst du jonglieren, Sport, gesunde Ernährung, du selbst hast es in der Hand, selbstdiszipliniertes Verhalten, das macht einen stolz...
ich kann das auch nicht immer, aber immer öfter
Geändert von JulianeS (05.06.2016 um 22:23 Uhr)
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06.06.2016, 01:13
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
Hallo Lieberanonym, kannst du ein bisschen mehr von dir erzählen? Wie alt du bist, ;wie du lebst, was du so machst? -wenn du magst.
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06.06.2016, 02:05Inaktiver User
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
puh, das ist ein hohes ziel.
wäre ein erster schritt nicht, dich erst einmal weniger schrecklich zu finden? mir persönlich gelingt es, wenn ich mal keine gelegenheit habe, mich mit anderen zu vergleichen.
auch du hast garantiert gutes an dir. wie wäre es, dir aufzuschreiben, was du gutes an dir findest?
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06.06.2016, 02:14
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
Fuehlst Du Dich auch manchmal besser oder ist Dein Selbstbild immer so negativ? Wie alt bist Du und hattest Du schon einmal eine Beziehung oder noch nie? Wenn Du eine hattest, ist die sehr schlecht ausgegangen?
Sich selbst zu lieben ist nicht einfach, wird aber mit dem Alter einfacher. Die schnellste Art fuer mich ist etwas Gutes zu tun. Jemand zu helfen.
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06.06.2016, 09:56
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
Ich bin Mitte/Ende 20, habe letztes Jahr mein Studium abgeschlossen und arbeite momentan (habe einen befristeten Vertrag bis Herbst). Wie es danach weitergeht weiß ich noch nicht, entweder ich mache eine kleine Reise oder suche mir was Neues, irgendwo im Ausland. Meine Woche ist meistens ziemlich voll gepackt mit Sport, Yoga, Theater oder Freunde treffen, aber im Grunde mache ich das nur weil ich Angst habe, (zu) lange mit mir alleine zu sein und wieder in meinem negativen Strudel zu versinken.
Mir geht es natürlich nicht konstant schlecht, ich fühl mich auch mal gut - aber sobald mir einer meiner Makel bewusst wird oder ich jemanden sehe der quasi "besser" ist als ich fühle ich mich wieder schlecht. Oder es kommt von vornherein die Stimme "Du hast doch gar kein Recht dazu dich gut zu fühlen, schau dich mal an, du bist wertlos und ein Schandfleck". Ich habe extrem hohe Erwartungen an mich, in allen Aspekten meines Lebens, und bin nie zufrieden. Und ich leide darunter.
Ich hatte bis jetzt zwei laengere Beziehungen (je 1.5 Jahre) und bin ganz frisch getrennt von meinem Exfreund. Beide Male habe ich mir Männer ausgesucht, die nicht dieselbe Vorstellung von Beziehung hatten wie ich und sich nicht richtig einlassen konnten oder wollten (distanziert, mal Ja mal Nein, unverbindlich, Familie nicht kennengelernt). Beide Male haben sie die Beziehung beendet. Dass ich dazu neige, mich schnell an jemanden bzw. die Fantasie von der Person zu hängen und mich emotional abhängig mache, bedürftig bin und viel Bestätigung und das Gefühl von Sicherheit brauche, hat natürlich nicht viel dazu beigetragen, dass es besser läuft. ;)
Wenn ich das jetzt noch einmal durchlese, dann fühle ich mich furchtbar. Das Traurige ist, dass ich schon einmal eine Therapie gemacht habe und seit ein paar Wochen auch wieder in Therapie bin. Und trotzdem habe ich das Gefühl, so ein Scherbenhaufen zu sein, trotz all der Mühe und all dem Aufarbeiten. Habe die Hoffnung schon fast aufgegeben.Geändert von Lieberanonym (06.06.2016 um 10:39 Uhr)
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06.06.2016, 20:52Inaktiver User
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
wenn ich das so durchlese, frage ich mich, wieso DU die therapien machst, und nicht diese männer, an die du da geraten bist.
die scheinen jedenfalls auch nicht optimal sortiert zu sein...
auf die ferne ist es schwierig mit ratschlägen, aber solche männer können wirklich vernichtend wirken und sehr verunsichern. niemand setzt sich so einem hin und her bzw. solcher halbherzigkeit aus und bleibt cool dabei. ich glaube, man kann in seinem selbstwertgefühl richtig beschädigt werden durch eine solche behandlung.
ich kann dir ein buch empfehlen, und zwar "ich lieb dich nicht wenn du mich liebst - nähe und distanz in liebesbeziehungen".
es geht darin um beziehungen, in denen einer mehr nähe und der andere mehr distanz möchte. was mir an dem buch besonders gut gefallen hat, ist, dass es sich nicht groß mit den defiziten der beteiligten partnern aufhält, sondern sie mal so stehen lässt, wie sie sind, und statt dessen auf die dynamik abstellt, die sich dann entwickelt: wie der nähesuchende partner durch die abwehrbemühungen des distanzsuchenden partners quasi zum wurm wird, was den distanzierteren partner noch mehr verschreckt...
also, es zeigt ganz gut, was solche ungleichgewichtigen beziehungen mit den partnern macht, und vor allem zeigt es, dass BEIDE daran beteiligt sind und keineswegs alles nur die schuld des klammernden parts ist.
- und ich will darauf hinaus, dass nicht per se du "so" bist, wie du dich vielleicht nicht magst, sondern eine situation dich in diese verhaltensweisen treiben kann, die du nicht an dir magst.
und ich denke, deshalb lehnst du dann auch dein äußeres so stark ab... da stecken ja meist innere konflikte hinter.Geändert von Inaktiver User (06.06.2016 um 21:31 Uhr)
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06.06.2016, 23:38
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
Wie wäre es denn, wenn du statt Urlaub an eine längerfristige intensive Therapie denken würdest? Wäre das nicht nützlicher?
Selbstbewusstsein aufzubauen, geht nicht von heute auf morgen. Aber Schritt für Schritt.
Dass du nach dem Studium einen Job gefunden hast, finde ich großartig!
Wenn du alles doof und mies findest, klingt das für mich depressiv. Ob da die Therapie alleine genügt, oder besser auch eine medikamentöse Unterstützung dabei sein sollte, entscheidet der Facharzt ja. Hast du einen guten, zu dem du volles Vertrauen hast?
Was sagt er zu deinen Gedanken?
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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07.06.2016, 16:19
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
In Vielem was du schriebst erkenne ich mich wieder- so war ich vor 35-30 Jahren drauf,
als Jugendliche vor allem.Das fühlt sich furchtbar an.
Bei mir gab es auch einige Narben, schwerer Unfall mit 11-aber ansonsten waren alle
"Makel" vor allem innerlich vorhanden.Auch wenn man so rational ist zu begreifen das
wir heute in einer von Medien, SN,Werbung etc. permanent zugeballert werden mit
vermeintlicher (!) Perfektion, fällt es gerade jungen Leuten schwer sich so anzunehmen
wie sie sind- zunehmend bei beiden Geschlechtern:Patentrezept für mehr SELBSTWERT-
SCHÄTZUNG kann ich dir leider nicht nennen.Diese These man müsse sich bedingungs-
los lieben (und andere natürlich auch), ist für mich nicht akzeptabel, esoterisches
Geschwurbel.
Wichtig ist sich als Individuum wahrzunehmen- mit allen Facetten- und da gibt es
auf der "Habenseite" bestimmt ein kräftiges "Guthaben";aber man sollte lernen das
"zu lesen"- das geht nur wenn man es auch lernt ! Unter der OBERFLÄCHE liegen oft
Schätze die sich lohnen geborgen zu werden, Das wird der richtige Mensch, der einem
irgendwann über den Weg läuft auch fühlen.
Was einen wirklich stört, kann man versuchen zu verändern, einiges sollte man als
charakteristisch für einen selbst akzeptieren. Ich habe seit jeher etwas zu große,
dh. leicht vorstehende Augen, sehr hell dazu, mein Spitzname war "Husky", ich hab'
sie gehaßt wie die PEST! Komplimente habe ich auch nicht gemocht, alles LÜGE....
Besonders in Bezug auf meine Sch...augen.Mittlerweile habe ich mich nicht nur an
die gewöhnt, sondern finde sie zumindest "auffallend anders"- hat halt nicht jede/r.
Heute, mit inzwischen 50 sehe ich mich viel positiver und attraktiver als mit 20, obwohl
ich rein objektiv 30 JAHRE älter bin und die Zeit nie völlig spurlos an einem vorbei rauscht.
Älterwerden kann einem viel geben, insgesamt hat man vieles bewältigen müssen
und vor allem lässt man sich in Puncto PERFEKTION nicht mehr so leicht ein X für ein
U vormachen......vertraue also auch auf die Zeit !
Was Männer angeht, ist es doch normal (HEUTE mehr denn je) mit Ende 20 noch nicht
Mr. RIGHT gefunden zu haben, besser früh genug merken das es auf Dauer nicht gut
gehen kann; JE SPÄTER MAN ES MERKT DESTO SCHWIERIGER WIRD ES.
MEINE TOCHTER HAT IMMENSE PROBLEME MIT MÄNNERN SEIT IHRER FRÜHEN JUGEND;
SIE IST HÜBSCH UND NETT ABER SEHR WENIG MAINSTREM-KOMPATIBEL IN FAST ALLEM;
ES MAG DARAN LIEGEN:MIT ANFANG "ZWANZIG WURDE SIE SCHON MUTTER UND ZIEHT NUN
IHR KIND MEHR ODER WENIGER ALLEINE GROSS; WAS ICH AN IHR SO BEWUNDERE IST
DAS SIE IN ALLEM EIN ABSOLUT POSITVES DENKEN HAT; AUCH WAS IHRE ZUKUNFT ANGEHT:
DER MANN DER ES MAL SEIN SOLL WIRD BIS SPÄTESTENS MITTE DEISSIG AUFKREUZEN;
DA IST SIE SICH GANZ UND GAR SICHER:SIE HAT EINFACH; WIE IHR VERSTORBENER VATER
ES HATTE; EIN GLÜCKLICHES NATURELL:FÜR UNS DAHINGEHEND WENIGER GESEGNETE HILFT
NUR GEDULD HABEN UND AN DEM WAS BELASTET ARBEITEN; DU BIST DOCH AUF DEM WEG;
ICH WÜNSCHE DIR DAFÜR STABILE SCHUHE UND AB UND AN EINEN FUNKTIONIERENDEN KOMPASS:::
PS: SORRY FÜR DAS DÄMLICHE GROSS-GESCHREIBSEL; MEIN NEUES TABLET MACHT MICH
WAHNSINNIG::::
Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
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27.06.2016, 16:45
AW: Wie lernt man sich selber lieben?
Liebe Alle,
danke fuer eure vielen hilfreichen Antworten. Ich habe in den letzten Wochen jetzt alles ein bisschen sich setzen lassen.
Ich habe mir schon ueberlegt, eine laengere Therapie zu machen, denke, dass das aber nicht effizient sein wird. Ich sehe dies als eine Art Ausstieg aus dem Leben, als Pause - aber meine Probleme kann ich nur bewaeltigen, in dem ich im Leben bleibe, jeden Tag daran arbeite, und viele kleine Schritte mache.
Ich habe das Gefuehl es gibt so zwei, drei grundlegende Probleme, die sich auf saemtliche andere Aspekte in meinem Leben auswirken. Meine Verlassensaengste beispielsweise, oder die tief verwurzelte Ueberzeugung, so, wie ich bin, nicht gut und liebenswert (genug) zu sein. Durch diese Erwartungshaltung sehe ich naturgemaess ueberall Bestaetigungen meiner Einstellung, sei es im Beruf, in Beziehungen, order im Alltag. Ich bin sehr selbstreflektiert - und vielleicht auch deswegen so ueberkritisch meinen ganzen Makeln gegenueber... manchmal habe ich den Eindruck, dass sich mein uebertriebener Drang zur Selbstoptimierung nicht nur auf den Koerper beschraenkt, sondern auch auf meine Persoenlichkeit. Und andere Leute koennen einfach loslassen und unbeschwert und leichtlebig leben - das waere schoen. :)
Auf jeden Fall merke ich, dass ich mir vieler Probleme im Kopf her schon bewusst bin. Rational vieles weiss - Nein, du bist nicht haesslich, Nein, dass du verlassen wurdest sagt nichts ueber deinen Wert als Person aus, Nein, dass du verlassen wurdest heisst nicht, dass du nicht gut genug bist. Aber richtig umsetzen kann ich es gefuehlsmaessig noch nicht. Sobald ein, zwei Gedanken in eine bestimmte Richtung aufkommen zieht mich - schwupp - das Gedankenkarussell in seinen Bann und auf dem drehe ich dann Runde um Runde um Runde, sitze plantschend in meinem Teich aus Selbstmitleid, in dem ich das Opfer aller Umstaende bin. Dadurch behalte ich aber vielleicht auch einen Teil der Macht und Kontrolle - bevor jemand quasi herausfinden kann wie schrecklich ich wirklich bin, erspare ich mir diese Enttaeuschung und mache mich selbst nieder. Und eigentlich kann mich niemand so ablehnen, wie ich mich selbst schon ablehne.
Ich denke ich muss einfach ganz bewusst schauen, wo, wie und wann diese ganzen Muster aus negativen Gedanken aufkommen und dann daran arbeiten. Ich hoffe sehr, dass das der Faden ist, der dieses Knaeul aus gefuehlt viel zu vielen unabhaengig voneinander bestehendend Problem aufloest.


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