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    MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Ich weiß nicht wohin mit mir. Ich habe viele Baustellen in meinem Leben, wusste schon früher nicht wo ich anfangen soll und jetzt bin ich an einen Punkt kommen, wo ich absolut nicht weiterkomme.

    Ich fühle mich blockiert, als ob mir eine unsichtbare Macht Hände und Füße gebunden hätte, ich kann nicht mehr aus mir ausbrechen.

    Auslöser ist meine berufliche Situation und das Anrücken meines 39. Geburtstages. Ich habe mich vor über einem Jahr selbständig gemacht, für viele Außenstehende habe ich einen Traumjob. Ich habe jahrelange Erfahrung in diesem Job, musste mich aber vor ein paar Jahren nach einem Umzug selbständig machen, da ich hier sonst keine andere Möglichkeit habe in diesem Bereich zu arbeiten.

    Anfangs war ich voller Enthusiasmus und Motivation, habe für den Durchstart viel vorbereitet und konnte es kaum abwarten endlich loszulegen. Hatte zwar in dieser Phase auch viele Aufs und Abs, aber die vielen Erfolgserlebnisse hatten mir dann doch genügend positive Impulse gegeben weiterzumachen.

    Doch vieles kam nicht wie erwartet, der anfängliche Elan lässt jetzt nach, die Prozesse laufen langsamer als geplant und ich fühle mich jetzt nur noch ausgelaugt und müde. Auch habe ich finanziell noch nichts erreicht, ganz im Gegenteil, hatte ich zu viele Ausgaben und stehe jetzt schon vor einem kleinen Schuldenberg.

    Eigentlich bin ich gerade in der Phase, wo ich richtig funktionieren muss, ich muss präsent sein, sowohl auf kommunikativer Ebene als auch auf organisatorischer.
    Die Krönung war eine Auseinandersetzung mit einem Geschäftspartner, was mir dann endgültig die Kraft geraubt hat. Mir ist bewusst, dass ich manche Dinge vernachlässigt habe, aber in vielen Punkten fühlte ich mich zu unrecht angegriffen. Ich hatte jedoch keine Kraft mehr mich zu verteidigen.

    Ich möchte nicht mehr weitermachen, ich melde mich zu wichtigen Gesprächen nicht mehr zurück, antworte nicht mehr auf Mails und lasse die Arbeit einfach liegen. Das führt zu einer extremen Existenzangst, was mich zum Totalausfall führt.

    Hinzu kommt, dass ich zusehen darf, wie immer mehr Leute aus meinem Umfeld beruflich wie privat weiterkommen und ich mit meinen 39 Jahren weder die große berufliche Karriere hingelegt habe, noch eine Familie gründen konnte, geschweige denn im imstande bin eine vernünftige Beziehung aufzubauen.

    Ich sehe eine Wand vor mir und es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass ich mit voller Wucht dagegen fahre.

    Ich weiß nicht was ich hier erwarte, ich wollte nur mein Leid teilen, möchte die Hoffnung nicht ganz aufgeben und vielleicht bekomme ich hier den ein oder anderen guten Rat, den ich befolgen kann.

    LG
    Darja

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    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Das, was Du schreibst, erleben fast alle Selbständigen. Nach einem Jahr Selbständigkeit kannst Du beim besten Willen nicht erwarten, dass Du gesichert und situiert bist auf dem freien Markt. Am Anfang fangen alle mit großem Elan an (sonst würde man ja auch nicht selbständig), das lässt nach, denn Deine momentanen Downs gibt Dir Dein Körper. Du wirst Deinen Rhythmus finden müssen.

    Und guck nicht auf die anderen, wie sie Karriere machen. Das meiste davon ist nichts als Show.

    Und wenn Du bisher keine vernünftige Beziehung aufbauen konntest, so wird das mit knapp 40 nicht besser. Und Beziehungsanbahnungen, insbesondere übers Internet, rauben Dir noch mehr Kraft. Lies die 1.000 Stränge hier in der Bricom. Und als Beginner in der Selbständigkeit hast Du keine Kraft mehr ein Kind zu erziehen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Darja, deine Situation erinnert mich an die Lage, in der sich eine gute Freundin von mir befindet. Sie ist mit 40 auch ohne Beziehung, ohne Kinder und nach einer betriebsbedingten Kündigung jetzt auch ohne Job. Das ist schon verdammt hart, während alle anderen um sie rum - anscheinend - auf privater und / oder beruflicher Ebene weiterkommen. Einen Ratschlag habe ich leider nicht für dich - ich habe noch nicht mal einen für meine Freundin (die aber eh nicht gerne Ratschläge annehmen will) und weiß oft nicht, was ich ihr sagen soll. Was ich dich fragen wollte - wieso der Umzug vor ein paar Jahren, der dich zur Selbstständigkeit gezwungen hat? Hast du Freunde / ein soziales Netzwerk in deinem Umfeld oder bist du hauptsächlich auf dich allein gestellt?

  4. Inaktiver User

    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Einer der Gründe wieso die meisten nach einem Jahr aufgeben...

    Du brauchst einen Coach, Terminplanung, Aufgabenverteilung.... und kontrollierte Arbeitszeiten....Pausenzeiten..


    Wir haben das 15 Jahre gemacht - hat Spaß gemacht aber auf Dauer und mit zunehmendem Alter hatten wir keine Lust mehr auf Urlaube Wochenenden etc. zu verzichten.....

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    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Das, was Du schreibst, erleben fast alle Selbständigen. Nach einem Jahr Selbständigkeit kannst Du beim besten Willen nicht erwarten, dass Du gesichert und situiert bist auf dem freien Markt. Am Anfang fangen alle mit großem Elan an (sonst würde man ja auch nicht selbständig), das lässt nach, denn Deine momentanen Downs gibt Dir Dein Körper. Du wirst Deinen Rhythmus finden müssen.

    Und guck nicht auf die anderen, wie sie Karriere machen. Das meiste davon ist nichts als Show.

    Und wenn Du bisher keine vernünftige Beziehung aufbauen konntest, so wird das mit knapp 40 nicht besser. Und Beziehungsanbahnungen, insbesondere übers Internet, rauben Dir noch mehr Kraft. Lies die 1.000 Stränge hier in der Bricom. Und als Beginner in der Selbständigkeit hast Du keine Kraft mehr ein Kind zu erziehen.
    Hallo Opelius,

    mag sein, dass mir mein Körper sagt, ich solle herunterschalten. Ich mache mir auch keine Illusion darüber, dass ich bereits nach einem Jahr in der Lage sein müsste meine Existenz sicherzustellen. Ich bin aber genau in der Phase, wo ich erst recht aktiv sein muss, sonst kann ich alles an den Nagel hängen. Wer will denn dann noch mit mir arbeiten, wenn ich mir sozusagen meinen großen Auftritt vermassele?
    Ich bin in einem Dilemma, ich kann weder ganz aufhören noch kann ich eine Pause einlegen. Dieser Druck macht mich wahnsinnig!
    Habe zwar nicht geschrieben, dass ich Internetbekanntschaften pflege, aber ja, auch ich flirte meistens online, denn offline habe ich so gut wie keine Möglichkeiten neue Leute kennenzulernen. Und an eine richtige Beziehung glaube ich auch nicht mehr wirklich. Ein Kind hätte bei mir trotzdem höhere Priorität als mein Job..ob ich genauso denken würde, wenn ich erfolgreicher wäre? Darüber muss ich mal nachdenken.


    Zitat Zitat von filterkaffee Beitrag anzeigen
    Darja, deine Situation erinnert mich an die Lage, in der sich eine gute Freundin von mir befindet. Sie ist mit 40 auch ohne Beziehung, ohne Kinder und nach einer betriebsbedingten Kündigung jetzt auch ohne Job. Das ist schon verdammt hart, während alle anderen um sie rum - anscheinend - auf privater und / oder beruflicher Ebene weiterkommen. Einen Ratschlag habe ich leider nicht für dich - ich habe noch nicht mal einen für meine Freundin (die aber eh nicht gerne Ratschläge annehmen will) und weiß oft nicht, was ich ihr sagen soll. Was ich dich fragen wollte - wieso der Umzug vor ein paar Jahren, der dich zur Selbstständigkeit gezwungen hat? Hast du Freunde / ein soziales Netzwerk in deinem Umfeld oder bist du hauptsächlich auf dich allein gestellt?
    Hallo Filterkaffee,

    ich bin mit Anfang 20 in eine Großstadt gezogen, aus der ich vor ein paar Jahren wieder zurück in meine Heimatstadt gezogen bin. Der Grund dafür war eine gescheiterte Beziehung und ein ähnlicher Burnout wie jetzt gerade. Hier habe ich meine Familie und ein paar wenige Freunde, allerdings nicht so viele wie in der Großstadt. Und die meisten haben alle brav früh geheiratet und haben bereits Kinder.
    Ich arbeite im Homeoffice und komme nicht so oft raus. Kann mir aus finanziellen Gründen aber kein externes Büro leisten.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Einer der Gründe wieso die meisten nach einem Jahr aufgeben...

    Du brauchst einen Coach, Terminplanung, Aufgabenverteilung.... und kontrollierte Arbeitszeiten....Pausenzeiten..


    Wir haben das 15 Jahre gemacht - hat Spaß gemacht aber auf Dauer und mit zunehmendem Alter hatten wir keine Lust mehr auf Urlaube Wochenenden etc. zu verzichten.....
    Hallo Dharma,

    ja, du hast recht, das ist mir auch alles bewusst, mir fehlt es ohnehin sehr an Struktur.
    Vor ein paar Monaten wurde bei mir durch mehrere Tests ADHS festgestellt, ich wusste immer, dass etwas nicht stimmt mit mir, jetzt habe ich endlich die Diagnose. Ich war zwar anfangs erleichtert zu erfahren, was bei mir seit der Kindheit nicht gestimmt hat. Glücklicher macht es mich trotzdem nicht, denn ich weiß nicht wie ich mir helfen kann.

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    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Selbstständigkeit, home Office und ADHS ist eine unglückliche Kombination. Wirst Du denn behandelt? Das könnte Dir auch helfen strukturierter vorzugehen.

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    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Hallo Taggecko,

    ich wurde jahrelang medikamentös auf eine Depression behandelt, seit der ADS Diagnose bekomme ich auch die allseits bekannten Medikamente, welche ich aber schon wieder abgesetzt habe, da es bei mir so gut wie gar nicht gewirkt hat.
    Die Therapeutin, die die Diagnose bei mir gestellt hat, hat wohl auch ADS, da sie es seit Monaten nicht geschafft hat, entsprechende Formulare bei der Krankenkasse einzureichen (sie müsste ein Gutachten schreiben, da ich davor bei einem anderen Therapeuten war, wo ich die Therapie abbrach).
    Habe jetzt einen anderen Therapeuten gefunden, der erste Termin ist in ein paar Wochen.

  8. Inaktiver User

    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    @darja: Ich würde dir raten, nicht auf alle Baustellen gleichzeitig loszugehen - mach erst mal das Greifbare.

    Bzgl. des Themas "Selbständigkeit": Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gibt es eine Förderung für die "Förderung des unternehmerischen Know-Hows", also zu deutsch: Gründercoaching. Schau mal hier:

    BAFA: Förderung unternehmerischen Know-hows (Unternehmensberatungen ab 2016)

    Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist deine regionale Wirtschaftsförderung. Viele bieten offene Sprechstunden, wo man hingehen und sich zu verschiedensten Themen beraten lassen kann. Ich würde Dir empfehlen, Dir einen einfachen Plan zu machen - welche Art von Hilfe/Beratung brauchst Du, wo findest Du die, Termin machen und dann für Dich selbst eine Zeitspanne definieren, in der Du versuchst, die Ergebnisse aus der Beratung umzusetzen. Wenn's nicht klappt, kannst Du dann am Tag X die Reissleine ziehen und wieder versuchen, in ein Angestelltenverhältnis zu kommen.

    Das ADHS und Selbständigkeit (speziell Einzelunternehmen) nicht gerade eine einfache Kombination sind, wurde ja schon angesprochen. Andererseits haben viele kreative Genies mit Sicherheit ADHS und sind trotzdem wahnsinnig erfolgreich, d.h. mit dem richtigen Support muss das eine das andere nicht ausschließen. Eine Möglichkeit wäre, noch einen Partner in Dein Geschäft mit aufzunehmen, der sich ums Strukturieren kümmert - das setzt allerdings voraus, dass man von dem verfügbaren Markt grundsätzlich zu zweit "satt" werden kann. Es gibt Partnerbörsen für Geschäftspartner im Internet, da könntest Du mal schauen. Oder alternativ ein Match-Making-Event besuchen (gibt's immer wieder mal in größeren Städten).

    Was die Baustelle "Partnerschaft und Familie" angeht - es wird vermutlich handfeste Gründe geben, warum das bislang nicht geklappt hat. Ich würde Dir raten, Dich zu fragen, ob diese Gründe nun verschwunden sind. Lautet die Antwort "nein", macht eine Suche zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn, Du würdest ja doch nur immer in die alten Muster hineinlaufen.

    Was den Vergleich mit anderen angeht: wenn Dein Bekanntenkreis nur groß genug ist, wirst Du immer wieder jemanden finden, der besser ist als Du. Ich war z.B. mit einem mittlerweile sehr bekannten Profisportler in der Schule, der Millionen verdient - wenn ich mich aber jedes Mal, wenn ich ihn im Fernsehen sehe, gräme, dass ich es nicht so weit geschafft habe, wäre ich dauer-deprimiert - das hilft aber ja auch keinem . Also streiche die Vergleich aus Deinem Kopf. Das kann bedeuten, dass Du ein paar Leute eine Zeitlang meiden musst - sie werden's überleben.

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    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Hallo Kara,

    vielen Dank für Deinen Beitrag und den Anregungen.
    Das mit den Förderungen und generell den Weg in die Selbständigkeit habe ich alles schon mitgemacht und bin sogar staatlich gefördert worden. Zum Zeitpunkt der Einreichung meiner Förderunterlagen war ich finanziell sogar noch ziemlich gut dran und konnte den Nachweis von Eigenmitteln bringen. Die habe ich aber mittlerweile durch ungeplante Ausgaben ausgeschöpft. Ich glaube das ist die Ursache allen Übels. Auch wenn es eigentlich immer noch Möglichkeiten gibt weiterzumachen, raubt es mir doch viel an Energie und Perspektive.

    Einen Geschäftspartner zu finden, mit dem ich mich zusammentun kann ist eine Idee, mit der ich anfangs auch gespielt habe. Doch leider ist der Bereich in dem ich arbeite dann doch zu speziell, um jemanden dafür zu begeistern.

    Solche verpassten Chancen, wie du mit dem Profisportler habe ich auch viele erlebt, da mache ich mir aber keine Vorwürfe mehr Es gab bestimmt einen wichtigen Grund damals, dass ich mich anders entschied.
    Momentan stelle ich meine beruflichen Bedürfnisse über meine privaten Bedürfnisse. Das setzt mich noch mehr unter Druck. Ich denke ich messe meiner beruflichen Tätigkeit viel mehr an Bedeutung bei, da ich mich zu sehr über meinem Beruf definiere. Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen irgendetwas anderes zu machen..
    Irgendwie denke ich, dass wenn ich hier nicht die Wurzel allen Übels packe, ich es in allen Bereich nicht packen werde.

  10. Inaktiver User

    AW: MidLife Crisis, Existenzkrise oder was ist los mit mir?

    Zitat Zitat von Darja1 Beitrag anzeigen
    .
    Momentan stelle ich meine beruflichen Bedürfnisse über meine privaten Bedürfnisse. Das setzt mich noch mehr unter Druck. Ich denke ich messe meiner beruflichen Tätigkeit viel mehr an Bedeutung bei, da ich mich zu sehr über meinem Beruf definiere. Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen irgendetwas anderes zu machen..
    Irge.
    Hm, aber ist das nicht der Normalzustand bei Selbständigen? Zumindest in den ersten Jahren? Ich habe das bei den Selbständigen, die mir begegnet sind, selten anders erlebt . Wenn man nicht mit Herzblut dabei ist, wird das ja meist auch nichts mit der Selbständigkeit.

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