Hallo an euch alle,
ich erzähle mal meine Geschichte recht kurz: Ich bin jetzt 26 Jahre alt und bin noch nie von zu Hause weg gezogen. Habe in der Stadt studiert, die nur 30 km von meinem Elternhaus entfernt ist und somit war nie wirklich die Notwendigkeit da, auszuziehen. Ich denke aber auch, ich habe da einfach etwas verpasst, ich hatte nie den Mut von zu Hause wegzugehen, ich habe es mir glaube ich nicht zugetraut und habe auch viele Ängste, habe schon immer mit einer sehr ängstlichen Persönlichkeit zu kämpfen.
Ich habe mir schon immer - auch als Kind - sehr viele Sorgen gemacht und dachte immer eher an das, was im Leben schief laufen kann, als an das, was gut sein könnte. Zudem hatte ich immer große Verlustängste, auch bezüglich der Tatsache, dass meine Eltern sterben könnten. Natürlich ist das der Lauf der Dinge, das sage ich mir auch jeden Tag, aber ich denke mir immer: Wenn ich jetzt weit weg ziehe, habe ich kaum noch mit meinen Eltern zu tun und wenn dann ein Elternteil stirbt, wünsche ich mir vielleicht, ich hätte mehr Zeit mit ihm verbracht. Mir fehlt diese unbeschwerte Denkweise eines jungen Menschen so sehr, dass man einfach nicht an später denkt und einfach macht, ich mache mir immer so viele Sorgen und sehe mich immer schon von einem späteren Zeitpunkt, denke ich könnte dann etwas bereuen.
Meinem Papa geht es auch gesundheitlich nicht gut, er ist jetzt 60 geworden und hat mit einigen chronischen Krankheiten zu kämpfen. Er hat seit jeher Übergewicht, hat lange Jahre geraucht und lebt generell nicht gesund. Hinzu kommt seit sechs Jahren Diabetes Typ 2 und er hat so starke Rücken- und Knieprobleme, dass er nur noch schwer laufen kann. Es wird immer schlechter mit seinem Zustand, er ist jedoch auch ein großer Sturkopf und möchte an seiner Lebensweise nichts ändern. Wenn man ihn darauf anspricht, reagiert er wütend oder gereizt. Ich würde ihm gerne helfen - doch meinem Papa kann man in dieser Beziehung nicht helfen. Das Einzige was er möchte ist, dass man ihm seinen verspannten Rücken massiert, damit er nicht mehr so weh tut. Er ist jetzt seit 5 Jahren in Rente und sitzt seitdem fast den ganzen Tag am PC, trifft nur einmal die Woche Freunde, wenn er Bandprobe hat, ansonsten ist sein Sozialleben komplett auf seine Familie beschränkt. Er würde auch am liebsten jeden Abend was mit uns machen, aber ich fühle mich da irgendwie erdrückt, ich möchte auch noch meine Jugend genießen und schöne Sachen erleben und nicht wie eine verbitterte alte Jungfer daheim hocken mit meinen 26 Jahren.
Mein Vater und meine Mutter sind auch sehr unterschiedlich, er will nirgends mehr hinfahren, meine Mama fährt 3-4 Mal im Jahr in den Urlaub. Dann bin ich hier nahezu für alles alleine im Haus verantwortlich, was mich teilweise sehr überfordert. Ich habe noch einen 3 Jahre jüngeren Bruder, der es jedoch schon immer sehr gut raus hatte, sich vor jeglicher Verantwortung zu drücken. Ich fühle mich für alles verantwortlich und er haut im entscheidenden Moment ab zu Freunden - ich muss es mal wieder richten. Ich fühle mich einerseits für meinen Papa verantwortlich, andererseits möchte ich auch gerne am Wochenende was Schönes machen und Freunde treffen.
Heute war wieder der typische Fall: Das einzige, was mein Papa noch macht an Unternehmungen, ist einmal am Tag zum Supermarkt zu fahren, um einzukaufen. Mein Bruder hat sich mal wieder verkrümelt, ich habe heute schon in meinem Nebenjob arbeiten müssen und habe danach noch einige Hausarbeiten erledigt, dann wäre ich gerne Joggen gegangen. Dann fragt mein Papa, ob ich später da bin, um die Einkäufe reinzutragen. Ich fühle mich überfordert - einerseits möchte ich einfach gerne etwas Schönes für mich machen, weil mir auch nur der Samstag-Abend und der Sonntag als Freizeit neben dem Studium bleiben, andererseits ist da dieses Verantwortungsgefühl: Deine Eltern haben so viel für dich getan, du kannst jetzt nicht einfach gehen. Doch ich mache hier so wirklich viel im Haushalt: Ich versorge unsere neuen kleinen Katzen, die im Moment jeden Tag Medizin brauchen, putze sehr viel, wasche Wäsche, räume in der Küche auf. Es sind viele kleine Dinge, die andere gar nicht sehen, aber ich habe manchmal das Gefühl, ich kann nicht mehr. Ich mache mir auch viel Druck selbst, das weiß ich auch. Ich könnte es auch einfach mal gut sein lassen - aber dann höre ich meinen Papa wieder herumhumpeln und husten von seinem Gerauche früher und fühle mich direkt mies und verantwortlich.
Ich fühle mich hier daheim eigentlich ständig so, als würde ich als Tochter versagen und könnte niemals gut genug sein. Wäre es vielleicht besser, wenn ich versuche auszuziehen? Oder aber bin ich einfach nur ein verwöhntes Eltern-Kind das sich vor der Verantwortung drücken will? Ich finde hier einfach kein Mittelmaß und fühle mich deshalb permanent schlecht! :(
Danke für Antworten schonmal...
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21.05.2016, 19:24Inaktiver User
Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
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21.05.2016, 19:41
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Meine Meinung: Du solltest von zu Hause ausziehen und Dein Leben genießen! Das hast Du schon selbst ganz gut erkannt.
Für Deinen Vater ist einzig und allein er selbst verantwortlich - Du auf keinen Fall - vielleicht noch höchstens Deine Mutter. Nabel Dich ab und such Dir ein WG-Zimmer oder eine kleine Wohnung. Je länger Du wartest, desto schwerer wird es. Vielleicht sind dann die Kätzchen schon groß genug und Du kannst eine oder zwei sogar mitnehmen. Nur Mut
!!!
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21.05.2016, 19:44Inaktiver User
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Ganz kurze Antwort nur: es wird höchste Zeit, dass du ausziehst und dein eigenes Leben lebst.
Zieh in ein WG-Zimmer in der Uni-Stadt und fang an, dein Leben zu leben.
Deine Eltern sind erwachsene Menschen. Sie sind selber verantwortlich für ihr Leben, ihren Zustand. Ausserdem ist es doch sehr bequem für sie, wenn die dauerbeflissene, brave Tochter sich sowohl um den Haushalt wie um die Bespassung kümmert. So lange du das alles machst, sind sie gar nicht gezwungen, aus ihrem - selbstgewählten! - Trott auszubrechen.
Müssen sie ja auch nicht. Sie können ihr Leben genau so leben, wie sie wollen. Aber du musst und solltest es nicht mitleben.
Du hast nur dieses eine Leben - lebe es für dich.
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21.05.2016, 19:50Inaktiver User
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Liebe Neutrogena,
besser wie @Horus
kann man es nicht sagen .......
Und weil Du hier so reflektiert schreibst ... im Endeffekt weißt Du die Antwort doch schon selbst. Du musst nur "springen". Es ist nicht schwer. Und Du musst eins nicht: Ein schlechtes Gewissen haben! Viel Spaß in Deinem neuen Leben!
LG ViennaGeändert von Inaktiver User (21.05.2016 um 19:59 Uhr) Grund: Typo
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21.05.2016, 19:59
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Wow. Krass. Und wieder schafft es ein unvernünftig lebender, seine Gebrechlichkeit im vollen Umfang selbstverschuldeter Patriarch, nicht nur eine, sondern gleich zwei Frauen auf Trab zu halten. Und du möchtest immer noch helfen???
Wurde dir so sehr eingetrichtert, dass du lebenslang dienen musst und kein eigenes Leben haben sollst, dass du das verinnerlicht hast?
Ich fass es nicht ....
Der wohnt auch noch da?
Naja, ich würde sagen, das ist der Preis fürs mietfreie Hotel Mama .... dein Bruder nimmt und konsumiert, du gibst eher lieber.
Habt ihr beide einen Job? Oder studiert? Wieso wohnt ihr denn beide noch dort?
Das ist komplett ungesund. Klar haben sie viel getan, aber jedes Kind wird mal flügge und baut sich sein eigenes Leben auf. Pass auf, dass du den Zeitpunkt nicht völlig verpeilst.
"Mein Papa", oh welch Kindersprache ....
Himmel, liebe Schreiberin: mach dir einen Plan, such dir eine kleine Wohnung / WG und nabel dich ab. Hol dir ein eigenständiges Leben, geh mit der Angst um, schaue über den Tellerrand, bevor du Ü30 bist und eine alte Käuzin ohne jegliches Eigenleben .....see you on be friends online!
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21.05.2016, 20:25Inaktiver User
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Du bist 26 und hast das Leben noch gar nicht angefangen......
Ich sage Dir: such Dir einen Therapeuten, Psychologen, Berater- wen auch immer, um Dir mal Dein Leben anzusehen und Dich so aufzurichten, dass du FREI in Dein Leben gehen kannst.
Du sprichst von Ängsten, die Dich begleiten- Ausziehen ist u.a. deshalb nicht möglich- Du fühlst Dich für Vieles verantwortlich- bist damit logischerweise überfordert- kommst aus diesen Schienen nicht heraus.
Ausziehen ist gut- nur vermute ich, wirst Du weder Dein Gefühl für Verantwortlichkeit, Deine Ängste noch Dein schlechtes Gewissen zurück lassen können
Du wirst es mitnehmen, denn das ist IN Dir und Du bist dann zwar weiter weg und das wird Dir auch gut tun......wie sehr die Bindung nach Zuhause dann noch wirkt, wirst Du dann aber ja sehen.
Daher meine Idee- such Dir Unterstützung, werde frei und dann kannst Du auch Dein Leben leben- was mit 26 doch Zeit ist
lg kenzia
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22.05.2016, 09:08Inaktiver User
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
wenn du ausziehst, müssen die männer in deiner familie mal den hintern höher kriegen.
das wird ihnen gut tun!
dein einsatz in deiner familie ist nicht nur für dich von nachteil, so wie du die lage schilderst, sondern ihr lauft alle gemeinsam in richtung sackgasse... dein vater müsste schnellstens etwas für sich tun, und dein bruder sollte erwachsen werden.
deine anwesenheit verzögert diese prozesse eher, scheint mir. deshalb: auf ins leben!
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22.05.2016, 09:20Inaktiver User
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Du schreibst, du könntest später bereuen, nicht genug Zeit mit den Eltern verbracht zu haben. Dazu würde ich zu bedenken geben: meist bereut man, mit Verstorbenen nicht "richtig geredet" zu haben. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke? Du kannst dich aus dem Alltag deiner Eltern ausklinken und trotzdem - vielleicht besser als vorher - Qualitätszeit mit ihnen verbringen, wenn ihr das wollt. Sonntags spazieren gehen oder gemeinsam frühstücken zum Beispiel. Dass er vor dem PC hängt und du die Wäsche machst, wird dir später bestimmt nicht als gemeinsame Zeit fehlen.
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22.05.2016, 22:32
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Deine Eltern sind erwachsene Menschen, du bist die Tochter und nicht für deren Leben verantwortlich. Sie sind weder sehr alt noch Pflegefälle. Wenn dein Vater unvernünftig gelebt hat, dann bekommt er nun die Rechnung dafür. Etwas anderes wäre, wenn er krebskrank wäre oder sonst etwas hätte, was man einfach so bekommt, manchmal ohne Grund.
Aber du bist jung und es wird höchste Zeit, dein eigenes Leben zu leben. Ich habe selbst 2 Kinder in ähnlichem Alter als du, war auch schon sehr krank, hätte aber nie gewollt, dass meine Kinder sich in ihrer Lebensführung durch mich eingeschränkt fühlen. Helfen: ja, sein eigenes Leben aufgeben: nein!
Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
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23.05.2016, 09:47Inaktiver User
AW: Überfordert als Tochter - muss ich hier weg?
Hä - was ist dann "erwachsen"? Mein Herr Vater vielleicht
Du solltest wirklich ausziehen und dein eigenes Leben leben. Das heißt ja nicht, dass du deine Eltern im Stich lässt.
Aber deine Eltern müssen schön langsam wieder Verantwortung für sich selber übernehmen. Wenn dein Papa es gut findet, den ganzen Tag am Sessel zu kleben, gut. Dann tut er das eben, sonst würde er sich schon bewegen.
Vielleicht sprichst du mit deinen Eltern darüber.


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