Liebes Forum,
mein Freund und ich haben uns vor wenige Tagen getrennt. Ich habe nun einiges im Trennungsforum quer gelesen und bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass mein Problem eher in mir und meiner Persönlichkeit liegt und ich selber mal Rat von außen benötige, um klarer zu sehen.
Wir waren ca. anderthalb Jahre zusammen. Ich bin 34, vor drei Jahren beruflich in eine neue Stadt gezogen (600km entfernt von meinem alten Wohnort), konnte mich dort recht schnell sozialisieren, habe eine sichere Stelle - und doch merke ich, es gibt da irgendwas, was nicht stimmt.
Zum einen bin ich nicht so wirklich zufrieden im Job. Zwischendurch gab es den Gedanken, den Arbeitgeber zu wechseln und einige Vorstellungsgespräche haben stattgefunden. Ich habe dort aber selber abgesagt, da mir dabei klar wurde, dass ich es gar nicht so schlecht habe und das Gras auf der anderen Seite immer grüner aussieht. Jetzt, ein paar Monate später, kommen die gleichen Gedanken wieder - aber sobald sich etwas potentiell ergeben könnte, bekomme ich kalte Füße.
Außerdem fehlen mir meine alten Freunde. Es ist durch den Umzug sicherlich ein wenig kulturelle Umgewöhnung notwendig gewesen, da die Leute hier sehr anders sind. Und natürlich ergeben sich Freundschaften nicht so schnell, wenn man 10 Stunden täglich in der Arbeit hängt und mit meinen Kollegen möchte ich auch nicht so ein extrem enges Verhältnis pflegen. In der letzten Zeit überkommt mich immer wieder ein Anflug von Heimweh und tatsächlich ist meiner strukturschwachen Herkunftsregion eine Stelle ausgeschrieben, die sehr gut auf mich zugeschnitten ist und es nicht viele gibt, die dieses Thema bearbeiten. Ich habe gezögert, mich zu bewerben, auch weil die örtliche Presse zwischendurch negativ über das Unternehmen berichtete.
In dieser insgesamten Frustsituation ist mir dann meine Beziehung einfach über den Kopf gewachsen. Es fühlte sich so an, als müsste ich die Baustellen in meinem Leben reduzieren, weil er Aufmerksamkeit von mir forderte, die ich ihm nicht (mehr) geben könnte. Ich habe ihn damit sehr verletzt und dementsprechend mies fühle auch ich mich damit. Er war immer für mich da, hat mich unterstützt und mich hat es irgendwie total gestresst.
Tja, jetzt bin ich bei Freunden untergekrochen und nach einigen schlechten Nächten bringt mich dies zu der Frage, was genau nun eigentlich mein Problem ist. Wie kann ich diese allgemeine Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation, die innere Unruhe und Lustlosigkeit angehen?
Ich überlege, mich mal mit einem Coach zusammensetzen, aber zunächst erhoffe ich mir von der Bri ein paar Anregungen, Vorschläge, Berichte von Gleichgesinnten... Ich möchte sehr gerne an mir arbeiten, weiß aber nicht so recht, wie.
Kennt das jemand oder hat einen Tipp für mich? Entschuldigt bitte, wenn das doch ein wenig wirr ist. Ich habe versucht, es so gut wie möglich zu strukturieren - wobei mir ja selber derzeit etwas Struktur fehlt![]()
Antworten
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18.05.2016, 16:36
Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
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18.05.2016, 21:41
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Für mich liegt hier auf den ersten Blick die Ursache deines Problems. Was genau macht dich unzufrieden im Job und warum hast du dich woanders beworben? Wenn du schon solche Schritte gegangen bist und V-Gespräche hattest, muss es dir ernst sein. Diese Baustelle solltest du angehen.
Ich würde mich definitiv auf die Stelle in der Heimat bewerben. Offenbar fühlst du dich an dem neuen Wohnort auch nicht so recht wohl. Du sprichst von Heimweh.
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19.05.2016, 05:40Inaktiver User
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Für mich bist Du "noch nicht angekommen"- und ich würde es auf viele Lebensbereiche beziehen.
Du musst viel klarer werden- um was genau es Dir geht!?
Mach Dir doch einen Zettel mit Deinem Namn in der Mitte und drumrum schreibst Du, was Dir im Leben wichtig ist- sammle alles um Dich rum, was Du als wertvoll erachtest.
Dasselbe mach mit einem zweiten Zettel, wobei Du dann um Deinen Namen in der Mitte aufschreibst, wo Deine Energie im Leben hingeht (also zB Job, Sport, Beziehung o.a.).
Lass Dir Zeit damit und mach es ausführlich.
Dann vergleiche beide Zettel.........im Idealfall würden sie deckungsgleich zueinander passen- würdest Du Deine Energie dorthin geben, wo Deine Werte liegen- wo das liegt, was Dir wichtig ist.
Damit kannst Du Dir selbst gut klar werden, wie sehr Du an Dir vorbei läufst- oder auch nicht.
Möglicherweise gibt es mehr Positives als Du gerade erkennen kannst?
Dein Herz scheint ganz woanders zu sein......so wirken Deine Zeilen auf mich.
OB es aber nur an der Heimat liegt- keine Ahnung........letztlich hast Du nur das eine Leben...
lg kenzia
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19.05.2016, 08:39
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Ich bin mir da sehr unsicher. Die Bewerbungen erfolgten zu einem Zeitpunkt, wo einige Vorfälle mich extrem getriggert haben und das ganze auch ein wenig "aus Trotz" geschah. Dabei habe ich mich gefragt, ob es nicht eher auch meine Art ist, mit gewissen unangenehmen (zwischenmenschlichen) Herausforderungen bei der Arbeit umzugehen und die Ursache meines Problems ganz woanders liegt. Wir sind ziemlich eng in unseren Entscheidungen, sowohl im Rahmen als auch in Bezug auf Fristen. Das, was wir mit unserer Arbeit bewirken, ist so gut wie nichts. Das macht noch unzufriedener. Aber würde sich das ändern, nur weil ich die Stadt wechsle?
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19.05.2016, 08:52
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Das mit den "nicht angekommen" - ja, so fühlt es sich an. Und dass da jetzt dieser Trennungsschmerz dazu kommt, macht es nicht besser. Oder gerade doch, weil es vieles nochmal aufwühlt, was ich unterdrückt habe?
Ich werde das mit der Liste ausprobieren, stelle es mir aber schwierig vor, das vernünftig auseinanderzuklamüsern. Wenn mir Freunde, Sport etc. sehr wichtig sind, dann muss ich ja trotzdem in der Lage sein, meine Brötchen zu verdienen? Das lässt sich doch gar nicht so voneinander trennen. Will ich womöglich einfach alles auf einmal und davon noch zuviel und das geht gar nicht.
Aber du hast Recht: das Leben ist zu kurz, um langfristig unglücklich in der Gegend herumzusitzen! Es wird bestimmt ein wenig dauern, aber ich gehe es jetzt an. Das Verfassen dieses Eintrags war so gesehen mein erster Schritt...
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19.05.2016, 09:13Inaktiver User
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Wenn einem etwas wichtig ist- heißt das nicht, dass ich das nun ununterbrochen machen muss.
Es geht vor allem darum, dass ich allem RAUM gebe, was mir wichtig ist und was ich brauche- und das ist für jeden Menschen ganz individuell!
Werde Dir erst einmal klar WAS das ist.......sehe das Aufschreiben zuerst einmal als Bestandsaufnahme.
Lass Dir Zeit........lege es hin- gehe jeden Tag mal dran....denk drüber nach......es werden ganz viele Sachen aufkommen je mehr Zeit Du Dir lässt.
Nur diese zwei Zettel zu erstellen- dauert richtig viel Zeit, weil Du Dich mit DIR einmal ganz tief befasst!
WER bist Du? Was macht Dich aus? Ist nachher ein Abendessen mit frischen Pilzen das Schönste, was Du erleben könntest??
Wir erleben das Leben immerzu wellenartig........und so genießen wir nie einen ganzen Tag sondern wenn einzelne Momente........und ist uns ein Tag nicht sehr wertvoll, wenn wir nur einen tiefen Moment erlebt haben?- ein Moment, in dem wir uns gespürt haben? und wie oft.......wabern die Tage aber an uns vorbei??
Womit die Frage bleibt- was sind die "Zückerchen" in meinem Leben?
Lösungen ausarbeiten- kannst Du viel viel später.......wenn Du Dich klarer mit Dir befasst, werden diese sich sowieso von alleine zeigen.
Aber das ist jetzt NICHT das Ziel sondern nur, dass Du DICH anschaust und kennen lernst.
lg kenzia
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19.05.2016, 09:20
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Ich finde deine Idee hier und vielleicht auch mit einem Coach mal zu brainstormen eine gute Idee.
Ich kenne das auch, dass ich Lebensphasen habe, in denen ich mich in meinem eigenen Leben nicht richtig wohlfühle und eine Weile brauche, bis ich weiß, was eigentlich los ist.
Ich hätte bei dir Sorge, dass ein Rückzug in die alte Heimat für dich bedeuten könnte, ich gehe wieder zurück, ich habe es nicht geschafft und entwickle mich auch zurück - ich glaube eher nicht, dass es dir helfen würde.
Ich halte hingegen viel davon aufzuschreiben und zu gucken, was das Geschriebene in dir auslöst.
Und zwar Listen oder gerne auch Mindmaps zum Thema
- wo stehe ich jetzt
- wo will ich in fünf Jahren stehen
- wo will ich in zehn Jahren stehen
- was will ich gerne diese Jahr noch machen/erleben
- was fehlt in meinem Leben
- was ist toll in meinem Leben, wofür bin ich dankbar in meinem Leben
Und das können auch ganz kleine und banale Dinge sein, die man aber einfach aus dem Auge verloren hat.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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20.05.2016, 18:02
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Vielen Dank für eure Anregungen

Ich werde die nächsten Tage dazu nutzen, mich selber mal wieder genauer anzuschauen. Die letzten Jahre fühlen sich im Nachhinein sehr fremdbestimmt an, alles ist so an mir vorbeigehuscht und das bewusste Leben blieb neben dem "funktionieren müssen" auf der Strecke.
Ich befürchte auch, dass ein Rückzug in die Heimat eher ein Davonlaufen vor meinen eigentlichen Baustellen ist und ich dann irgendwann dort unglücklich sitze und sich nichts geändert hat.
@Promethea: wie hast du dann in den Lebensphasen für dich rausgefunden, was dir wichtig ist? Oder ging das einfach vorbei?
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27.05.2016, 10:04
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
so ganz spontan dachte ich nach dem Lesen deines Posts: ich würde erstmal per Brainstorming bzw Plus/Minus-Liste mir die Ortsfrage vornehmen.
Ich hab ja auch vor ca 1,5 Jahren die Region gewechselt und klar gibts trotzdem noch div. Baustellen in meinem Leben. Aber für mich steht die Frage, WO will ich die Baustellen angehen, an erster Stelle, da ich es schon wichtig finde, mal zumindest einen Ruhepunkt zu haben, um dann die weiteren Fragen zu klären.
Und die Entscheidung für einen Ort sollte getroffen werden, wenn mehrere Punkte dafür sprechen. Je nachdem, was einem wichtig ist: die beruflichen Chancen, die Kontaktmöglichkeiten (damit verbunden kann die Mentalität, d.h. die Offenheit der Leute sein, da gibts große regionale Unterschiede), das Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen Lohn, Miete, NK usw, die Freizeitmöglichkeiten, die Infrastruktur, usw.
Je nachdem, was unterm Strich rauskommt, kann ich nämlich schonmal eine Verbesserung meiner Jobsituation (und das Thema steht bei dir ja recht weit vorn) besser fokusieren, weil dann die Ortfrage schon mal abgearbeitet ist. Denn es gibt an jeder Arbeitsstelle Risiken und Pluspunkte. aber wenn ich sage, ich gehe das an dem neuen Ort an, weil ich hier, falls es schief geht, bessere Wechselmöglichkeiten habe, ohne gleich wieder umziehen zu müssen, oder wenn ich sage, ich geh zurück in meinen Heimatort, weil ich da die besseren Möglichkeiten habe, z.B. durch die alten Kontakte usw, dann kann ich mich darauf konzentrieren und bin innerlich weniger zerflettert und unsicher. Was sich wiederum ja auch auf die nächsten konkreten Schritte positiv auswirkt.
Wenn du es dir leisten kannst, kann ich aber auch nur ein Coaching empfehlen, wobei da aber schon die Chemie stimmen sollte. Es gibt schon auch etliche "blutleere" Coaches, die halt ihr Konzept runterkurbeln. Finde ich persönlich eher gruselig.
Grundsätzlich hilft mir bei Entscheidungen auch immer sozusagen als "Gegenprobe",mich mit dem worst case auseinander zu setzen, also die Frage, wenns schief geht, wie werde ich voraussichtlich dann umgehen bzw die Situation bewerten. Hilft mir, Ängste zu benennen, evtl abzuschwächen, und evtl erkenne ich auch blinde Flecke, oder wo ich mir selbst was vormache, was mir wiederum ja auch wieder wertvolle Erkenntnisse über meine Prioritäten, Bedürfnisse, Wünsche und Möglichkeiten vermittelt.Geändert von Amelie63 (27.05.2016 um 10:14 Uhr)
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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27.05.2016, 10:15Inaktiver User
AW: Ratlosigkeit - was will ich eigentlich?
Wie geht es denn mit deiner Wohnsituation weiter? Du schreibst, du bist bei Freunden untergekommen. Hast du dort ein eigenes Zimmer? Damit meine ich die Möglichkeit, dich auch einmal zurückzuziehen und mit dir zu sein? Denn das erscheint mir als ein momentanes Grundbedürfnis von dir - alleine zu sein, dich zu reflektieren, nach innen zu schauen und herauszufinden, was dich wirklich so traurig macht.
Denn ich persönlich fühle vor allem Traurigkeit, wenn ich dich lese. Womit diese zusammenhängt, das herauszufinden, könnte ein sogenannter Coach oder aber auch ein/e Therapeut/in, deren Aufgabe letztendlich die selbe ist.
Vielleicht wäre es auch gut, dir ein paar Tage Auszeit zu gönnen und wegzufahren. Durch räumliche Distanz verändern sich Perspektiven auch und die Emotionen können sich ordnen.
Was hält dich wirklich ab, dich bei der Firma in deiner Heimat zu bewerben? Es käme deiner Sehnsucht nach dort ja entgegen. Aber du zögerst. Fiele es unter die Kategorie 'Versagen', würdest du wieder zurückgehen? Und falls ja, vor wem. Wer würde so denken?
Viele Grüße, Julifrau


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