Liebe Community,
wie so viele andere habe ich hier lange Zeit still mitgelesen und war von den haeufig sehr konstruktiven und gleichzeitig liebevollen Vorschlaegen zur Problembewaeltigung beeindruckt. Da mich meine eigene Situation nun seit einiger Zeit belastet habe ich mich nun selbst angemeldet.
Vorneweg: Entschuldigt bitte die fehlenden Umlaute, ich schreibe von einer englischen Tastatur aus. Entschuldigung auch fuer den nun folgenden sehr detaillierten und extrem langen Textschwall - ich hoffe, jemand hat die Lust oder das Interesse, sich das alles durchzulesen (da ich hier neu bin und es zudem meine gesamte Lebenssituation umfasst, muss ich ja erst mal einiges Allgemeines dazu schildern). Falls es bisweilen etwas konfus ist oder danach Dinge unklar sind, fragt einfach nach.
Die Situation ist folgende: Ich bin Mitte 20 und habe im letzten Herbst mein Studium mit einem Master beendet und kurz darauf meine inhaltlich absolute Wunschpromotion an einer neuen Uni begonnen. Diese liegt etwa 4h Autofahrt sowohl von meiner alten Uni, als auch von meiner urspruenglichen Heimat entfernt. Ich waere gern an der alten Uni geblieben, jedoch gab es dort das spezielle Fachgebiet, das ich machen wollte, nicht, sodass ich mich fuer die Stelle hier an der neuen Uni entschieden habe.
Und da geht das Dilemma los. Kurz: Ich vermisse meinen sozialen Kreis in meiner alten Unistadt schrecklich und fuehle mich hier sehr einsam. Dabei bin ich das doch eigentlich gar nicht. Mein Freund (und ab naechstem Fruehjahr Ehemann; sind seit 5 Jahren zusammen) ist naemlich mitgezogen und eigentlich geht es uns beiden hier objektiv betrachtet wirklich sehr gut. Ich kann mich mit ihm wirklich gluecklich schaetzen - wir haben es so entschieden, dass ich mir eine Doktorandenstelle suche und er - gleiches Fachgebiet, gute Jobaussichten - mitkommt und sich dort einen Job sucht (er wollte von vornerein nicht promovieren). Er ist der fuer mich beste Mann, den ich haben koennte, und wir koennen ueber wirklich alles reden und vieles gemeinsam unternehmen - und trotzdem fuehle ich mich allein.
Mir fehlt es einfach unglaublich, sich mal spontan mit jemandem abends oder am WE treffen zu koennen ohne immer ewig planen zu muessen. Wir waren an unserer alten Uni unglaublich gut sozial eingebunden mit vielen Leuten, die unsere etwas speziellen Interessen (nichts Schweinisches ;) wobei das ja auch nicht das Schlimmste waere... :D ) teilten und mit denen wir uns auch menschlich sehr gut verstanden. Zu diesen Leuten haben wir natuerlich immer noch Kontakt, sowie auch zu einigen anderen Leuten aus unserer urspruenglichen Heimat. Aber zu schreiben und Treffen drei Wochen im Voraus zu planen ist einfach nicht das gleiche wie anzurufen und mal eben vorbeizukommen.
Er kommt damit besser klar als ich, da er generell weniger Probleme mit dem Alleinsein hat. Ich dachte eigentlich immer, dass ich auch jemand waere, der Alleinsein nicht so viel ausmacht - bis mir aber nun bewusst geworden ist, dass ich eigentlich bisher nie wirklich allein war (hatte auch zu Schulzeiten viele Freunde) und dass ich einfach verschiedene Leute brauche, mit denen ich mich vor Ort austauschen und mit denen ich meine Interessen/Hobbies ausleben und darueber fachsimpeln kann (ich habe einige recht kreative und fantasievolle Hobbies, und identifiziere mich auch sehr stark mit meiner Arbeit, und ja, es ist mir wirklich sehr wichtig, dies mit anderen zu teilen).
An meinem neuen Institut hier komme ich mit meinen Kollegen (andere Doktoranden, Post-Docs, Prof) wirklich gut zurecht. Es herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphaere und wir koennen auch ueber mehr oder weniger private Dinge ab und an gut reden. Auch inhaltlich macht mir die Promotion Spass und ich komme gut voran. Ich sollte mich eigentlich nicht beschweren. Zudem bin ich kurz nach meiner Ankunft in Chor und Tanzverein eingetreten (zwei meiner "normalen" kreativen Hobbies ;) ) und mag die Leute dort auch. Aber irgendwie will sich einfach nichts ergeben, was darueber hinaus geht und sich vielleicht auch mal ins Private zieht (und an einer Uni zu promovieren ist wirklich vom sozialen Standpunkt her grundsaetzlich anders als zu studieren). Dazu muss ich sagen, dass ich generell wirklich Probleme damit habe, neuen Leuten aktiv Vorschlaege zur gemeinsamen Freizeitgestaltung zu machen - ich habe dann immer das Gefuehl, mich aufzudraengen und zu nerven, zumal viele - gerade in den beiden Vereinen - natuerlich schon in bestehende soziale Gefuege eingebunden sind.
Dazu sollte ich noch unsere Wohnsituation erwaehnen: Wir haben uns aktiv entschieden, in ein Einfamilienhaus zur Miete in einen kleinen Ort zu ziehen, da wir beide urspruenglich vom Land kommen und nach fuenf Jahren Stadt (schoene Stadt und nicht mal 200.000 Einwohner, aber uns reichte es) wieder mehr Ruhe und Gruen und einfach was fuer uns wollten (ungewoehnlich fuer Akademiker Mitte 20, ich weiss, aber wir wollten und wollen es so). Mit unserer generellen Wohnsituation sind wir auch sehr zufrieden und mit dem Auto brauche ich trotzdem nur 15-20min von Tuer zu Tuer zur Arbeit. Aber das bedeutet natuerlich auch, dass soziale Gefuege hier vor Ort schon sehr eingefahren sind und man sich aktiv "reindraengen" muesste.
Ich habe nun einfach das Gefuehl, die naechsten drei Jahre der Doktorandenzeit etwas zu verschwenden. Wir moechten eigentlich auch nicht allzu lange mit Kindern warten (gern gegen Ende meiner Promotion), und ich will die Zeit der voelligen Freiheit bis dahin einfach noch auskosten (klar kann man auch mit Kindern viel machen, aber gerade anfangs wird man sehr erschoepft und teilweise einfach durch das Kind fremdbestimmt sein, was ja vollkommen normal und in Ordnung ist). Allerdings weiss ich momentan nicht so ganz, wie und mit wem.
Diese seit knapp acht Monaten andauernde Einsamkeit hier vor Ort hat mich auch als Mensch veraendert, war mir nicht gefaellt. Ich merke, dass ich mich momentan selbst nicht mehr wirklich als Menschen mit Emotionen sehe, sondern mehr als arbeitende Maschine - denn viel mehr tue ich hier aktuell nicht. Auch wenn ich mich nun objektiv betrachtet wirklich nicht ueberarbeite (mache halt Mo-Fr 8-9 h pro Tag), so ist es neben dem Sport und Singen eigentlich das einzige, was ich tue. Klar, ich spreche mit meinem Freund, wir unternehmen auch Dinge zusammen oder fahren am WE wohin, ggf. zu unseren alten Freunden, aber insb. unter der Woche haengen wir abends meistens einfach rum und gucken Serien oder so. Natuerlich ist das auch schoen - aber doch nicht nur :( Gerade jetzt bei schoenem Wetter wuerde ich so gern einfach mich spontan mit ein paar Leuten treffen und ne Runde grillen, im Pub ein Bier trinken oder am Freitagabend tanzen gehen z.B. Irgendwann hat man halt zu zweit auch alles durchgequatscht, was es zu bequatschen gibt, und braucht mal etwas neuen Input (anregende Gespraeche, der Austausch von Gedanken und Ideen oder auch einfach nur mal gemeinsam Bloedsinn von sich geben und machen ;) ist mir sehr wichtig).
Das veraendert leider von mir aus betrachtet auch unsere Beziehung - ich habe momentan null Lust auf Sex oder eigentlich jegliche romantisch-erotischen Aktionen, eben da ich mich momentan nicht als lebendig-emotionalen Menschen wahrnehme, sondern mich irgendwie abgestumpft und nur funktionierend fuehle (obwohl ich, wie gesagt, nun wirklich nicht mega viel zu tun und eigentlich recht viel Freizeit habe). Er weiss das auch und ist da unglaublich verstaendnisvoll - aber trotzdem kann es das doch nicht sein... Ich haette gern mal wieder richtig Lust auf Sex (das war frueher bei mir auch ganz anders; war generell immer ein sehr leidenschaftlicher Mensch und habe auch erotische Literatur/Filme u.a. konsumiert und mir auch gern schoene Menschen auf der Strasse angeguckt (was er weiss und voellig in Ordnung findet, um Missverstaendnissen vorzubeugen), habe daran mittlerweile aber auch kein Interesse mehr) - aber dazu muss ich mich glaub ich erst mal wieder wie ich selbst fuehlen und auch ich selbst sein koennen. Und genau das kann ich momentan meist nicht sein.
Natuerlich unternehmen wir auch Anstrengungen um neue Leute kennenzulernen - aber da wir beiden nun nicht soo extrovertiert sind, dauert das einfach. Zudem ein weiteres eklatantes Problem bei mir auch glaube ich ist, dass ich es eigentlich gar nicht will. Ich bin ein recht heimatbezogener Mensch und erfreue mich gern an dem, was ich habe. Meine bisherigen Freunde und Bekanntschaften reichen mir eigentlich voellig aus, da sie mir so viel geben, dass ich kaum mehr braeuchte. Somit weigere ich mich wahrscheinlich in meinem Unterbewusstsein auch fast, Energie in neue Bekannt- und Freundschaften zu stecken... Dort hinein spielt auch, dass wir uns sehr sicher sind, dass wir nach Beendigung meiner Promotion in etwa drei Jahren wieder in unsere Heimat zurueckwollen, da uns die Mentalitaet der Region gefaellt, unsere alten besten Freunde dort wohnen, und damit wir selbst und etwaige Kinder dann auch was von Eltern/Grosseltern haben und man sich gegenseitig unterstuetzen kann (wie gesagt - familien-/heimatbezogen). Insofern fragt sich wahrscheinlich mein Unterbewusstsein die ganze Zeit: Lohnt es sich ueberhaupt, fuer die paar Jahre hier Anstrengungen (und ja, anstrengend ist es, da ich mittlerweile gemerkt habe, dass es "einfach so" nichts wird) zu unternehmen, nur um diese Leute dann eh wieder zu verlassen...?
Ich bewundere jene, die an neuen Orten einfach so Leute aufschnappen und mit denen Sachen unternehmen koennen und dann auch nicht tieftraurig sind, wenn's halt woanders weitergeht :) Ich gehoere leider nicht dazu - zumal ich, wie gesagt, es eigentlich auch gar nicht braeuchte. Aber drei Jahre will ich hier auch echt nicht allein fristen... Ich dachte immer, dass bei mir im Zweifel Job vor Privatem geht, aber mittlerweile bin ich echt auf den Standpunkt, dass mir meine Arbeit, die an sich extrem cool ist und die ich inhaltlich wirklich mag, auch langfristig nur Spass macht, wenn das soziale Umfeld stimmt. Ich bereue schon fast, hier her gezogen zu sein und denke mir, ich haette in der alten Unistadt (in der 90% der Leute auch nach Beendigung des Studiums fuer ein paar Jahre noch sein werden) eine etwas weniger passende/interessante Doktorandenstelle annehmen sollen - wobei ich mich dann, wie ich mich kenne, wahrscheinlich die ganze Zeit auch geaergert hatte, dass ich im sicheren Nest geblieben bin und es nicht wenigstens versucht habe.
Ihr seht, in mir sind momentan sehr ambivalente Gefuehle. Eigentlich bin ich ein sehr reflektierter Mensch und finde es hoch interessant, negative Gefuehle zu analysieren und aus ihnen etwas ueber sich selbst zu lernen. Momentan jedoch komme ich einfach nicht weiter (bzw. denke ich, dass ich mich mittlerweile totanalysiert habe, aber einfach keine Loesung finde ;) ).
Habt ihr Anregungen oder Ideen, wie ich nun weiter vorgehen soll oder was ich tun koennte, um die akute Situation eher zu akzeptieren? Mittlerweile sind meine Gedanken so festgefahren, dass ich mich sehr ueber neue Ansaetze freuen wuerde, meine/unsere Freiheit hier positiv zu nutzen. Aktuell sehe ich leider nur noch das Schlechte (habe auch z.B. ueberhaupt keine Lust darauf, hier allein fuer uns unsere Hochzeit in einem Jahr zu planen...).
Auch einfach ein bisschen darueber mit Unbeteiligten zu reden wuerde mir sicher schon helfen.
Vielen Dank auf jeden Fall schon mal fuers Lesen dieses langen Posts, wenn ihr bis hier hin gekommen seid.Ich freue mich auf eure Meinungen.
Liebe Gruesse,
Winterlinde
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 18
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17.05.2016, 15:09
Zu zweit allein am neuen Wohnort
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17.05.2016, 15:34Inaktiver User
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Okay ...Gerade jetzt bei schoenem Wetter wuerde ich so gern einfach mich spontan mit ein paar Leuten treffen und ne Runde grillen, im Pub ein Bier trinken oder am Freitagabend tanzen gehen
- dann schmeisst selber eine Grillparty (euer gemietetes Haus wird ja wohl einen Garten haben) und ladet alle aus deinem Sing-, Sport- und Arbeitsumfeld, die dir sympathisch sind, dazu ein
- schick du ein eMail an deine Arbeitskollegen "heute Abend xx Uhr im Biergarten sowieso? Hätte Lust auf Feierabendgeplauder" und schau, wer kommt
- klappert zu zweit, also dein Mann und du, gezielt die Pubs in der Umgebung ab und seht, wen ihr da so antrefft
- wenn ihr tanzen gehen wollt, dann geht doch tanzen, zu zweit. Deine Arbeitskollegen werden bestimmt wissen, welche Clubs zu empfehlen sind. Dort trefft ihr dann wieder Leute.
Du musst vielleicht - gerade mit den Spontan-Feierabendbier-Aufforderungen - mehrere Anläufe nehmen, aber nur so klappts. Du musst aktiv werden, anders gehts nicht. (Dein Freund übrigens auch)
Was deinen zurückgelassenen Freundeskreis angeht ... ich verstehe, dass man sich danach zurücksehnt. Aber Folgendes: wenn deine Freunde alle etwa im gleichen Alter und somit in einem ähnlichen Lebensabschnitt sind, dann ist davon auszugehen, dass auch sie sich massiv verändern werden, nicht zuletzt auch räumlich. Ihr werdet ja nicht die einzigen sein, die eine Promotionsstelle / einen Job fern der bisherigen Unistadt angenommen habt. Dein Freundeskreis am Heimatort würde sich auch dann massiv verändern, wenn du dort geblieben wärst. Die Umbruchphase Ende Studium / Anfang Berufsleben ist so ziemlich die grösste sowohl im Leben der Einzelperson als auch für die diversen sozialen Cliquen, in denen man drinsteckt.
Kurz gesagt: auch wenn du in der Heimatstadt geblieben wärst, würde nichts so bleiben, wie es war. Diese Zeit ist vorbei. Definitiv. Egal, ob du vor Ort bleiben würdest oder nicht.
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17.05.2016, 16:31
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Hallo Horus,
danke dir schon mal dass du meinen Monsterpost durchgelesen und mir geantwortet hast!
Zum Thema "einfach weggehen (Pub/Tanzen/was auch immer) und neue Leute treffen": Ja, das ist bei uns so ne Sache. Das sagt sich halt immer so einfach und funktioniert in meiner Vorstellung auch ganz super, nur - finden es Leute nicht seltsam, wenn sie in oeffentlichen Raeumen einfach so grundlos von anderen angesprochen werden? Ich stelle mir das immer so vor a la "Hallo, ich bin die Winterlinde, wollen wir Freunde sein?" *Hand hinhalt*
Bin da - ebenso wie mein Freund - leider recht befangen (wie in meinem Post schon gesagt: habe schnell Angst, Leuten mit unangemessenem, aufdringlichen Verhalten auf die Nerven zu gehen). Ich weiss, dass ich das ablegen sollte bzw. mir nicht immer so viel Gedanken ueber die moegliche Reaktion von anderen machen sollte, jedoch faellt mir das wirklich recht schwer... Ich kaeme nie auf die Idee, im Pub mich einfach zu jemandem zu setzen oder beim Tanzen den neben mir Tanzenden lustig anzuquatschen (oder aehnliches).
Leute einfach so zu uns einzuladen... Sollten wir wahrscheinlich echt mal machen. Wahrscheinlich wuerden die Arbeitskollegen jedoch ohnehin nicht kommen, da diese alle in der Stadt wohnen und soweit ich weiss keiner ein Auto hat... (Oeffis geht, dauert jedoch natuerlich) Aber ich werd den Gedanken mal bei mir behalten.
Dass du das mit der starken Veraenderung in dieser Lebensphase generell sagst, ist interessant. Wahrscheinlich will ich das einfach noch nicht wahrhaben, dass es so oder so passieren wuerde und projiziere das momentan sehr stark auf den Ortswechsel (wobei der Grossteil unseres alten Beziehungsumfeldes das "studentische Leben" sicher noch einige Zeit weiterleben wird :) Wir sind da mit Haus und Kindergedanken in unserem "Milieu" - sowohl meine Arbeit als auch Freundeskreis - seeehr ungewoehnlich)...
Jaa, ich bin wirklich jemand, der mit Veraenderungen zu knapsen hat und am liebsten alles so haette, wie es immer schon war. Das haelt mich dann sehr stark davon ab, Neues zu geniessen.
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17.05.2016, 16:53Inaktiver User
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Ich bin charaktermässig auch jemand, der eher schwer neue Kontakte knüpft. Im Gegensatz zu dir stört mich das allerdings nicht, ich brauch nicht viele Kontakte. Bin da introvertiert und habe genügend Hobbys / Leidenschaften, die ich alleine ausübe und bei denen ich mit mir ganz alleine glücklich bin.
Was mich zu einer Anschlussfrage führt: wie ist das bei dir? Bist du ganz mit dir alleine glücklich / zurfrieden? Hast du Leidenschaften / Hobbys ausserhalb deiner Arbeit, die du auch ganz alleine ausüben kannst?
Zurück zum Kontakteknüpfen: obwohl ich selber da auch zurückhaltend und introvertiert bin, hab ich mit der Zeit und Erfahrung gelernt, wie das geht. Nämlich NICHT so:
Weisst du aber eigentlich selber, dass das nicht so läuft, oder?Ich stelle mir das immer so vor a la "Hallo, ich bin die Winterlinde, wollen wir Freunde sein?" *Hand hinhalt*
Sondern so: man geht mal mit Arbeitskollegen ein Bier trinken (oder Mittagessen), erzählt sich private Dinge, lernt sich besser kennen, stellt vielleicht beim einen oder anderen fest: ach, da ist ja ein gemeinsames Interesse /Hobby vorhanden!, lädt diese Person mal zu sich nach Hause ein ...
Desgleichen in einem Pub. Man kommt belanglos ins Gespräch, vielleicht ist man sich sympathisch, vielleicht trifft man sich wieder. Ist übrigens einfacher, wenn man GANZ alleine hingeht, statt zusammen mit dem Partner. Mit Partner ist man doch wieder nur aufeinander fixiert.
Oder via gemeinsames Hobby, also beim Singen oder beim Sport. Vorschlagen, nachher noch was trinken zu gehen, und ein bisschen mehr zu plaudern als nur über die Chornoten oder den neusten Trainingsplan.
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17.05.2016, 17:00Inaktiver User
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Ich freue mich immer sehr über neue Bekanntschaften und finde es toll, wenn ich auch mal mit Frauen ins Gespräch komme. Oder angesprochen werde. Von Männern werde ich beim Weggehen ohnehin angebraten, das ist zwar recht lustig, aber Freundschaften entstehen daraus nicht
D.h. bei mir würdest du auf positive Resonanz stoßen, wenn es denn passt
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17.05.2016, 17:17Inaktiver User
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Liebe Winterlinde, fühl dich mal virtuell gedrückt.

das liest sich wirklich verzweifelt.
wenn du wirklich mit dem Gedanken spielst, nach deiner Promotion sowieso wieder zurückzukehren, warum willst du dann unbedingt neue Freunde kennenlernen? da reichen doch auch Bekannte aus dem Sportverein, Arbeitskollegen und Nachbarn.
wie du schon selber merkst, hattest du diese Gedanken auch schon ala lohnt sich das überhaupt?
ich würde mal die Nachbarn links und rechts ganz unverbindlich auf ein Freitag-Abend-Bier und Würstchen einladen,
weiterhin den Kontakt mit Kollegen und Vereinsmitgliedern intensivieren.
auf Stadtfeste gehen, zu Sportveranstaltungen, und ganz unverbindlich mit den Leuten ins Gespräch kommen, meinetwegen auch über das Wetter labern, ist immer ein guter Einstieg.
und ganz wichtig, nicht so viel erwarten, deine Freundschaften zuhause haben sich ja auch über viele Jahre entwickelt, oder?
ich weiß, das ist alles nicht so einfach umzusetzen, wie es sich hier schreibt, aber sei offen, dann wird das schon.
und, 8 Monate von den drei Jahren hast du ja schon geschafft,oder?
alles Gute für dich
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17.05.2016, 17:31
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Ja, ich habe auch einige Dinge, die ich sehr gern fuer mich ganz allein ausuebe (auch ohne Partner). Jedoch machen mir diese leider momentan auch nicht mehr wirklich Spass, da ich sie schon das letzte halbe Jahr staendig betrieben habe und mir mal wieder etwas Abwechslung wuenschen wuerde (und das deprimiert mich noch mehr). Der "gesunde Mix" von sozialen und "einsamen" Aktivitaeten fehlt mir momentan.
Die Idee mit dem ganz allein Hingehen ist mir auch schon gekommen - da hast du naemlich voellig Recht, dass man als Paar nur wieder aufeinander fixiert ist (gerade wenn beide eher zurueckhaltend sind). Allerdings - oh Gott, da wuesste ich ja noch weniger, was ich machen sollte.
Aber wie komm ich denn mit einer voellig fremden Person belanglos ins Gespraech ohne creepy und aufdringlich zu wirken? Das habe ich leider noch nie wirklich hinbekommen (ausser natuerlich in Uni etc., wo einen von vornerein was verbindet und man notgedrungen ueber laengere Zeit aufeinander hockt).Man kommt belanglos ins Gespräch,
Selbiges mit "Kollegen/Vereinspartner Dinge danach vorschlagen": Auch da komme ich mir aufdringlich und irgendwie beduerftig vor, weil ja eigentlich alle schon Freunde hier haben und ich als Neuling mich dann dazudraengen will. Aber wahrscheinlich ist das einfach mein persoenliches Problem, an dem ich wirklich mal arbeiten muesste (bisher war es nur nie wirklich notwendig ;) ).
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17.05.2016, 17:37
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Unendlichkeit,
danke fuer die aufmunternden Worte, gut zu wissen, dass es Leute gibt, denen es durchaus gefallen wuerde, einfach "von Frau zu Frau" angesprochen zu werden.
beweme,
auch dir ganz lieben Dank. Ja, du hast Recht, wahrscheinlich erwarte ich wirklich zu viel zu schnell, eben weil ich aus meinen urspruenglichen Wohnorten sehr gute, intensive Beziehungen gewohnt bin.
Aber dann sehe ich z.B. auch eine andere gute Freundin von mir, die aus einem halben Jahr Praktikum woanders mit fuenf neuen guten Bekannten zurueckkam und frage mich: Was mache ich falsch? Warum dauert das bei mir so lange?
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17.05.2016, 17:40Inaktiver User
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Hallo Winterlinde! Schöner Name btw!
Zwei Vorschläge:
1) Auf die Leute zugehen und genau das kommunizieren:
So in etwa: "Hey Leute, ich finde euch nett, will mich aber nicht aufdrängen, aber bin immer noch neu und habe keinen rechten Anschluß." Ich wette, dann kommen nette Vorschläge, Dich an gemeinsamen Unternehmungen zu beteiligen! Du könntest sicherlich auch einen thematisch-fachlichen Aufhänger finden. Wie steht es denn mit Colloquien? Sonstige Doktoranden- oder Uni-Veranstaltungen? Geht ihr anschließend nie was trinken? Werden Diskussionen nie im Flur fortgesetzt und dann im Uni-Café?
2) Wenn das eigentliche Problem ist, daß Du Dich gar nicht wirklich heimisch fühlen willst am neuen Ort: über's Wochenende öfter mal in die Heimatstadt zurückfahren? Wo verbringst Du die Semesterferien/vorlesungsfreie Zeit?
Gruß Sin
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17.05.2016, 17:50Inaktiver User
AW: Zu zweit allein am neuen Wohnort
Winterlinde, bei mir dauert es auch lange, Freundschaften zu knüpfen, du machst nichts falsch.
du bist nicht bedürftig, wenn du Menschen einfach ansprichst, probier es mal
die Kassierin an der Kasse, weil sie eine schöne Uhr trägt,
der Hausmeister an der Uni, weil er ständig vor sich hinpfeift und du nicht auf das Lied kommst.
verstehst du was ich meine? du möchtest ja weder mit der Dame an der Kasse noch mit dem Hausmeister eine innige Beziehung eingehen, sonder einfach nur mal ein paar Worte wechseln.
das meinte ich mit " einfach ansprechen"
auf dem Stadtfest einfach mal fragen, wie lange gibt es dieses Fest schon, was wird hier gefeiert usw.usw.
dadurch können sich sehr gute Gespräche ergeben, die dann zwar nicht unbedingt in Freundschaften münden, aber vielleicht trifft man sich später nochmal zufällig wieder und dann ergibt vielleicht etwas, oder auch nicht.
versuch es mal mit den Vereinskollegen, Mensch, wollen wir nicht mal einen Kaffee zusammen trinken?
wo gibt es den besten Kaffee?
oder einfach, du hast schöne Schuhe, wo hast du sie gekauft, kannst du dieses Schuhgeschäft empfehlen?
oft entwickeln sich daraus wirklich gute Gespräche.
Ganz wichtig: du wirkst nicht bedürftig, sondern offen und freundlich.


Ich freue mich auf eure Meinungen.
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