Ich frage mich, ob gerade Frauen das "Grenzensetzen" nicht eher irgendwann verlernen... vielleicht aus dem unterbewussten Wunsch heraus, anderen gegenüber "lieb" zu sein, sie nicht verletzen zu wollen etc.
Ich beobachte das immer wieder an Mädchen ab der Pubertät, die entwickeln so etwas wie eine "Beißhemmung", trauen sich offenbar nicht, sich durchzusetzen. Wenn ich an die Rangeleien meiner Kinder zurückdenke, dann waren die Mädels schon sehr früh "rücksichtsvoller", haben nicht so wild gerauft, wollten einander oder ihrem Bruder nicht weh tun. Und dann tritt ihnen jemand gegenüber, der auf die sanften Worte nicht hört und sie haben keine weiteren Mittel zur Hand. Deutlich aufgefallen ist mir dass, als meine Tochter 16 war und immer wieder von teilweise älteren Männern "angbaggert" wurde, was ihr total unangenehm war und die sie kaum abschütteln konnte. Wir hatten uns dann auch darüber unterhalten, wie sie in solchen Situationen reagieren könnte und sie hatte mich gefragt, ob ich das auch erlebt hätte. Im ersten Augenblick war ich etwas überrascht, denn ich hatte es tatsächlich nie erlebt, dass jemand meine Grenzen zu übertreten versucht. Mein Partner meinte darauf nur, das wäre auch kein Wunder, ich würde ja so etwas ausstrahlen, dass ich jedem, der auf die Idee käme, mir zu nahe zu kommen, ohne mit der Wimper zu zucken "die Eier abreißen" würde. Ich musste mich als Jugendliche durchsetzen (und vor allem Männern gegenüber behaupten - das Risiko war sehr groß, in eine Opferrolle zu rutschen, was ich auf keinen Fall wollte, meine Grenzen habe ich damals heftigst verteidigt und hätte nicht die geringsten Hemmungen gehabt, das auch körperlich zu tun, wenn mir jemand zu nahe gekommen wäre) und denke, dass die Erfahrung der eigenen Selbstbestimmung und der eigenen "Kraft", sowohl psychisch als auch physisch einem das Selbstvertrauen gibt, dass man auch ausstrahlt. Ich laufe heutzutage nicht wie eine kleine Bulldogge durch die Gegend - ich weiß nur, dass ich notfalls die Kraft einer solchen mobilisieren könnte. Das mag jetzt etwas extrem klingen und in den meisten Fällen reicht glücklicherweise auch weniger aus. Aber ich denke schon, dass viele Frauen zu "lieb" sind und es ihnen daher oft schwer fällt, ihre Grenzen unmissverständlich zu setzen.
Antworten
Ergebnis 41 bis 50 von 113
-
12.05.2016, 20:50Inaktiver User
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
-
12.05.2016, 21:58
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
Ich habe das auch durch. Lernen, lernen und nochmal lernen ist hier das Codewort. Du kannst es schaffen, stell dir einfach vor, dass die dir gegenüber unhöflichen Menschen ja auch keine Rücksicht auf dich und deine Gefühle nehmen. Wer ist dir wichtiger? Du oder die? Was hast du davon, die anderen wichtiger als dich selbst zu nehmen? Nichts. Also setze hier an: du bist wichtig und du fühlst dich in einer Situation unwohl. Situationsbedingt reagieren. Ich hatte vor lauter Angst Bauchschmerzen, als ich es das erste Mal wagte mich gegen übergriffige Verwandte zur Wehr zu setzen. Aber, es hat funktioniert. Wenn auch mit mehrmaligem Anlauf. Dort wo es weh tut, da ist der Lerninhalt zu finden. Ist erstmal schwierig, aber es lohnt sich so sehr.
-
13.05.2016, 06:39Inaktiver User
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
Hallo Bae,
klingt überzeugend was du schreibst.
Vielleicht wird Frau durch das Ausüben von Kampfsport eben einfach nur mutiger.
Und Mut bedarf es manchmal nicht zu höflich zu sein.
Letztens hatte ich so eine Situation: meine Nachbarin brachte mir einen kleinen Teller gefüllter Weinblätter. Ich fand das ungeniessbar. Sagte aber nur: ist nicht mein Geschmack. Sie war beleidigt.
Dieses Beleidigtsein muss man dann aushalten. Mein anderer Nachbar brachte mir einen exotischen Drink.
Vom Naturell her bin ich so der Typ: danke war sehr nett zu sagen.
Wäre ich allerdings zum Essen eingeladen würde ich mich nicht so verhalten.
Das empfände ich als Herummäkeln.
Und noch was ganz Anderes: Menschen die sich immer durchsetzen können oder Grenzen setzen ohne Probleme zu haben sind vielleicht weniger sensibel.
Ich würde mich nicht als verhuschte Person bezeichnen, mir ist es fast schon peinlich was ich für Glück mit Handwerkern habe. Letztes Jahr wurde der ganze Block saniert.
Als mir dann bei Arbeiten im Kellerbereich Handwerker sehr auf mich eingingen, ich brauchte nix auszuräumen, erwähnte ich mal dass ich das sehr freundlich finde.
Sie sind ja auch eine sehr freundlich Frau war die Antwort.
Vielleicht ist es wie mit der Medaille die zwei Seiten hat.
-
13.05.2016, 06:48
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
Das ist auf alle Fälle ein wichtiger Aspekt.
Sensibilität ist die Fähigkeit, viele Dinge sehr genau wahrzunehmen - eine Fähigkeit, die man durchaus auch dazu einsetzen kann, sehr genau wahrzunehmen, ob da jetzt grad eine Grenze überschritten wurde oder nicht - und entsprechend differenziert und situationsgerecht Grenzen zu setzen.
Und noch was ganz Anderes: Menschen die sich immer durchsetzen können oder Grenzen setzen ohne Probleme zu haben sind vielleicht weniger sensibel.
gruss, barbara
-
13.05.2016, 07:53Inaktiver User
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
-
13.05.2016, 08:27Inaktiver User
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
Es wurde hier schon so viel Richtiges gesagt, ich würde gern noch einen anderen Blickwinkel einbringen: wenn ich mir selbst und meiner Grenzen sicher bin, und auch dass ich dafür sorgen kann dass die gewahrt bleiben - dann muss ich auch nicht dauernd in Verteidigungsbereitschaft sein. Auf mich wirkt das oft krampfig und auch unangemessen aggressiv.
Ich glaube nicht, dass das ein entspanntes Miteinander mit seinem Umfeld fördert, eher wird das permanent weitere Konflikte auslösen.
-
13.05.2016, 09:22
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
kommt immer darauf an,WIE man sowas sagt.
ich hatte das fast gleich grade vorgestern mit einer Bekannten, sie war (ist?) total überzeugt, dass xxxx gut für mich wäre. ich ließ sie ein bisschen schwärmen und hab ihr dann gesagt, dass das mein Ding allerdings nicht so unbedingt sei, dass es eine Menge Dinge gebe, die ich gerne und weit lieber machen würde, wenn die Woche zehn Tage hätte und der Tag 40 Stunden.
Sie hat dann doch geklingelt und mir einen Prospekt gebracht. ich hab mich bedankt und das isses. IHR war es offenbar ein Bedürfnis, mein Mülleimer hat es noch verkraftet.
Was tun im Bus? gab es noch andere Plätze? wenn nicht, ist die Sache kein Thema, wenn doch und er wäre stur geblieben, hätte er vermutlich nicht viel Freude gehabt. Meine Tasche zwischen uns gezwängt, beim Lesen die Ellenbogen ausgefahren, nur so als Spontaneinfall. Mir wäre sicher noch mehr und Besseres eingefallen
-
13.05.2016, 10:57Inaktiver User
AW: Wie lernt man Grenzen zu setzen?
Sehr weise.
Es kann nämlich auch nach hinten los gehen.
Ich hab lange gebraucht ehe ich merkte, weniger ist mehr.
Das Thema Krankheiten zum Beispiel nervt mich und ist mir zu persönlich.
Gebe ich Ratschläge werden die natürlich nicht befolgt und ich komm aus der Nummer überhaupt nicht mehr raus.
-
14.05.2016, 06:25Inaktiver User
-
14.05.2016, 06:27Inaktiver User


Zitieren



