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  1. User Info Menu

    Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Hallo zusammen,

    ich frage mich häufiger, wie ich mit widersprüchlichem Verhalten anderer Menschen "umgehen" bzw. wie ich es interpretieren soll.

    Ich meine ganz generell eine Diskrepanz zwischen dem, was ein Mensch sagt, und dem, was er selbst tut.

    Beispiele:

    - Man sagt, Gesundheit ist das wichtigste, tut jedoch selbst nichts dafür
    - Man sagt, Beziehungen sind so wichtig, setzt sich jedoch nicht dafür ein
    - Man sagt, Arbeit ist zweitrangig, lässt sich davon aber täglich runterziehen (= räumt ihr also doch einen hohen Stellenwert ein)

    "Man" soll jetzt stellvertretend gelten, natürlich denken nicht alle Menschen so.

    Ich frage mich, wie man zum Beispiel als Vater/Mutter dann ein Vorbild sein kann für seine Kinder, wenn man selbst gar nicht so lebt, wie man es als "richtig/erstrebenswert" darstellt.

    Ich weiß nicht, ob mein Beitrag verständlich oder nachvollziehbar ist. Ich merke aber, dass ich oft schlecht damit klakomme oder es einfach nicht verstehe, wenn ich so eine Diskrepanz wahrnehme.


    Lila

  2. User Info Menu

    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Hallo Lila

    1. Die von Dir genannten Beispiele verlangen eine aktive Änderung. Die im Alltag umzusetzen und eine gelebte Routine draus werden zu lassen ist für viele eine große Herausforderung und teilweise einfach nicht möglich. (z.B. auf Überstunden verzichten, wenn ALLE anderen Kollegen welche schieben)

    2. Die von Dir genannten Sätze sind für mich "Smalltalk". Sonne ist auch wichtig. Und täglich 1.5 L (oder was auch immer) Wasser trinken. Oftmals (so mein Eindruck) werden diese Sätze im Kontext gebracht, wenn z.B. jemand von einer Erkrankung berichtet und sich nun wieder am Gesund-Sein freut. Da steht für mich in keinem der Sätze ein Vorsatz drin.

    Du nennst die Vorbildfunktion der Eltern. Welches Verhalten meinst Du konkret? Ungesunde Ernährung und gleichzeitig über die Pfunde nölen? (Um jetzt mal das Klischee zu bedienen...) Warum stört Dich das - bist Du Teil dieser Familie?

    LG
    Salsa
    Wo kämen wir denn hin, wenn alle immer nur sagten 'wo kämen wir denn hin' und keiner ginge um zu kucken wohin wir kämen wenn wir gingen! (unbekannt)

  3. Inaktiver User

    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Zitat Zitat von Lila2013 Beitrag anzeigen
    Ich frage mich, wie man zum Beispiel als Vater/Mutter dann ein Vorbild sein kann für seine Kinder, wenn man selbst gar nicht so lebt, wie man es als "richtig/erstrebenswert" darstellt.
    Das kann ich gut nachvollziehen, weil ich unter solchen Umständen aufgewachsen bin. Meine Mutter hat von allem und jedem eine ganz genaue Vorstellung, was man tun bzw. sich verhalten sollte. Und sie hält mit ihrer Meinung überhaupt nicht hinter dem Berg, wenn jemand ihrer Meinung nach etwas "falsch" macht, also anders, als sie es für richtig hält.

    Ich bekam von klein auf zu hören, was richtig und was falsch ist und habe ihre Vorstellungen zunächst übernommen und war ganz erstaunt, als ich gemerkt habe, dass andere Leute die Sachen anders machen. Damit konnte ich zunächst gar nicht umgehen.

    Irgendwann habe ich gemerkt, dass meine Mutter selbst alles völlig anders macht als sie sagt. Als Jugendliche habe ich sie irgendwann damit konfrontiert. Die Antwort meiner Mutter war "Aber das gilt doch nur für die anderen, für mich doch nicht." Aha, klare Worte!

    Ich nehme so eine Diskrepanz auch bei anderen Leuten war, weil ich dafür einfach sensibilisiert bin. Mich ärgert das zwar, aber mittlerweile nehme ich es einfach so hin. Es ändert ja nichts, wenn ich mich darüber aufrege. Das gilt übrigens auch für meine Mutter. Wenn sie sich wieder darüber auslässt, was man tut und was nicht, sage ich bestenfalls "ja, ja" und lasse es ansonsten nicht an mich heran.

  4. Inaktiver User

    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Zitat Zitat von Lila2013 Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen,

    ich frage mich häufiger, wie ich mit widersprüchlichem Verhalten anderer Menschen "umgehen" bzw. wie ich es interpretieren soll.
    1. Du kannst Dich nur selbst ändern
    2. Achte nur auf das was getan wird

    Zu 1.:
    Schau mal bei Dir wo Deine Worte und Taten nicht zueinanderpassen und wenn Du diese Dinge siehst dann fällt Dir auf, daß auch Du Dich in manchen Punkten widersprüchlich verhältst.
    Das hat mit erlernten Mustern zu tun, die Ratio und der Verstand hinken hinterher und eine Umprogrammierung erfordert viel Zeit.
    Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang den Fernseher komplett wegzulassen oder wenigsten bewußt fern zu sehen.

    Zu 2.:
    Ideal wäre es wenn das gesagte Wort und die Tat zusammenpassen, also kongruent sind. Ist dies nicht der Fall dann achte auf das was getan wird. Das ist ziemlich schwer, nochdazu wenn die eigenen Eltern selbst einem das so vorgelebt hatten, da gibt's erstmal einen Kurzschluß im Hirn und den kannst Du nur durch aktives hinschauen auflösen. Viele Menschen machen das auch völlig unbewußt und es liegt in unserer Natur des Egos.
    Schau mal wie bescheuert viele Fitnessstudiogänger sind, die sich beschweren wenn nicht der Parkplatz vor der Tür ist oder die sich monieren wenn der Aufzug nicht funktioniert weil sie dann Treppensteigen müssen.
    Die selben Menschen gehen dann aber in StepAirobic und Bauch Beine Po oder laufen ewig lang auf dem Laufband. Völlig Banane.

    Wie kannst Du damit umgehen?
    Indem Du wenn es Dich selbst direkt betrifft demjenigen Fragen stellst.
    Ähm Du erzählst mir jetzt grad das Du so auf Gesundheit achtest und rauchst jetzt bereits die 2 Zigarette in 10min, wie passt das zusammen?

    Und wenns Dich nicht betrifft dann beobachten, seine eigenen Diskrepanzen erkennen und milde lächelnd den Mantel des Verständnisses umhängen und von dannen ziehen.

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    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Eine Bekannte von mir ist bekenennd gesundheitsbewusst, und sie zieht das mit einer konsequenten Verbissenheit durch, die ich gruselig finde. Sie macht immer alles richtig, ernährt sich absolut gesund und macht überaus regelmäßig Sport. Sie ist ein leuchtendes Vorbild, konsequent und allumfassend. Trotzdem stimmt irgendetwas nicht mit ihr - das ist bei ihr nur nicht so offensichtlich wie in deinen Beispielen. Ich glaube, es ist ihre fehlende Großzügigkeit anderen und sich selbst gegenüber, die mich dabei stört. Glücklich wirkt sie auch nicht. Da ist so gesehen ein nicht sofort ersichtlicher Widerspruch in ihr drin.

    Offene Widersprüchlichkeiten sind da viel einfacher zu durchschauen - und damit paradoxerweise ehrlicher.

    Für beide Fälle gilt - lass die Widersprüche doch einfach bei den anderen. Sie haben doch nichts mit dir persönlich zu tun (oder etwa doch ;-) ?)

  6. Inaktiver User

    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Hora,
    das was Du beschreibst ist ein zwanghaftes Verhalten

  7. Inaktiver User

    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Zitat Zitat von Lila2013 Beitrag anzeigen
    ich frage mich häufiger, wie ich mit widersprüchlichem Verhalten anderer Menschen "umgehen" bzw. wie ich es interpretieren soll.

    Ich merke aber, dass ich oft schlecht damit klakomme oder es einfach nicht verstehe, wenn ich so eine Diskrepanz wahrnehme.
    Was meinst Du damit - "schlecht damit klarkomme"?
    Tust Du, was der andere sagt?
    Ist der Gegenüber für Dich ein Vorbild und Du Du willst Orientierung?
    Wie ernst nimmst Du das, was gesagt wird?

    lg kenzia

  8. Moderation

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    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Warum mußt du damit irgendwie "umgehen"? Daß es immer eine Differenz zwischen Wissen und Können, zwischen Wollen und Tun, zwischen Kompetenz und Performanz, zwischen Ideal und Alltag gibt, ist etwa so überraschend wie Weihnachten oder Schwerkraft.

    Leute sprechen über das was sie gerne hätten, um Gleichgesinnte zu finden, um dem Ziel näherzukommen, um zu verstehen, woran es im Alltag scheitert, um sich groß zu machen, um sich klein zu machen, um die Luft mit Geräuschen zu füllen -- nicht, weil sie dein oder sonst jemands Vorbild sein wollen.

    Und Kinder sehen den Unterschied zwischen Plan und Umsetzung sehr stark. Die gehen nicht nach Worten, sondern nach Taten, und können nicht so ohne weiteres mit hoffnungsvollem Gerede programmiert werden. Die Einsicht in die menschliche Unvollkommenheit muß auch erworben werden, und die Erkenntnis (kommt gewöhnlich erst in den späten 20ern) daß auch das Unvollkommene geliebt werden kann.

    Auch was Hora sagt, und Stechers Kommentar, ist ja ein wichtiger Aspekt: So allgemeine Absichtserklärungen *kann* man nicht erfüllen. Man überschreitet die Grenze zur Zwangsstörung, bevor man dem vermeintlichen Ziel auch nur nahekommt. (Und Kinder und Jugendliche können einem das sehr schmerzhaft vor Augen führen, und wenn man ihnen Zwangshandlungen vorlebt, *erfolgreicher* im Zwangshandeln werden... Auch nicht schön.)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  9. gesperrt

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    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Zitat Zitat von Lila2013 Beitrag anzeigen
    ...
    Ich frage mich, wie man zum Beispiel als Vater/Mutter dann ein Vorbild sein kann für seine Kinder, wenn man selbst gar nicht so lebt, wie man es als "richtig/erstrebenswert" darstellt. ...
    Als leidenschaftlich liebender dreifacher Vater, der in seinem Leben ein Menge Dinge gemacht hat, die falsch waren, schiefgegangen sind oder von vornherein als eher unvernünftig bekannt waren, sage ich mal:

    Man kann ein leuchtendes Vorbild sein.
    Man kann aber auch ein abschreckendes Beispiel geben.
    Man kann eigentlich tun und lassen, was man will und wie man es will.
    Nur lügen sollte man nicht, schon gar nicht die eigenen Kinder anlügen.

    Elternsein ist eine mühselige Bastelei. (Wolfgang Schmidbauer)

    Niemand macht dabei alles richtig, nur wenige machen alles falsch. Hauptsache, man macht es so gut, wie es in der Situation gerade geht.

    Heisst: Kinder vor dem Fernseher parken ist zwar schlecht, aber wenn die Frau zu einer überraschenden Samstagsschicht ausrücken muss (im Sinne von meint, sie müsste das), dann ist es für mich nach einer durchzechten Nacht inklusive schweren Kater völlig ok, wenn die Kinder mal ein paar Stunden Schund glotzen, während ich bei/neben/unter/zwischen ihnen auf dem Sofa schlafe.

    Meine Kinder dürfen ruhig wissen, dass Mama und Papa keine Gottgestalten sind, sondern Menschen, also unperfekt und fehlbar.
    Sie lieben uns, wie auch wir sie in all ihrer Imperfektion und Fehlbarkeit lieben.


    Warum stört Dich die Diskrepanz zwischen guten Vorsätzen bzw. unbestreitbar richtigen Grundsätzen und schlechten bzw. ungünstigem Handeln denn?
    Stört Dich das an Dir oder an anderen oder an allen Menschen?
    Geändert von Kistenkumpel (27.04.2016 um 15:48 Uhr)

  10. User Info Menu

    AW: Widersprüche im Verhalten - Vorbild sein etc.

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Meine Kinder dürfen ruhig wissen, dass Mama und Papa keine Gottgestalten sind, sondern Menschen, also unperfekt und fehlbar.
    Sie lieben uns, wie auch wir sie in all ihrer Imperfektion und Fehlbarkeit lieben.
    Ja, so halte ich es auch! Das hast du perfekt auf den Punkt gebracht.

    Und ich sehe in der Aussage "Gesundheit ist das Wichtigste" nicht automatisch die Pflicht, gesund zu leben. Trotzdem ist Aussage 1 ja nicht falsch.
    Und klar bringe ich meinem Kind bei, dass man Ordnung halten sollte - auch das ist ja richtig. Trotzdem liegt bei mir manchmal was rum, weil ich eben keine Zeit oder Lust hatte, aufzuräumen. das heißt aber doch im Umkehrschluss nicht, dass ich nun behaupten muss, Ordnung wäre unwichtig.

    Ich finde, Dinge als richtig oder falsch oder erstrebenswert zu benennen birgt nicht die Pflicht, sich daran zu halten.
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


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