Antworten
Seite 1 von 5 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 41
  1. User Info Menu

    Wenn Träume zu Zombies werden

    Hallo zusammen!

    Bin gerade ziemlich mies drauf. Decke über Kopf und heißer Kakao. Ansonsten nix. Nur vielleicht ein wenig Brigitte-Forum.
    Es ist "Jammern auf hohem Niveau", aber es zieht mich gerade runter. Total. Und ich will raus aus der Grube, will damit umgehen, das ad acta legen, durchkneten, bearbeiten ... damit es mich wieder loslässt.

    Kennt das jemand von euch? Dass man an einem bestimmten Punkt in seinem Leben sich selbst einfach hätte mehr vertrauen sollen? Es machen sollen? - Was man aber erst später wirklich weiß, natürlich, weil sonst wäre man ja auch nicht so deprimiert davon ...
    Doch irgendwann war damals der Zeitpunkt vorbei und man dachte sich, okay, jetzt musst du damit leben. Aber das Thema kommt hoch. Wieder und wieder.
    Ein begrabener Traum, der sich zum Zombie gewandelt hat, und ab und zu mal für Panik - und Tragik - sorgt.

    Bei mir war es so, dass ich mich nach dem Abitur für die berufliche "Vernunfts"variante entschieden habe. Ich komme heute gut klar, habe einen schönen Job, der mir meistens Spaß macht, aber auch anstrengend ist.
    Doch zurzeit sieht es so aus, dass ich heute -gefühlt - 1000fach bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätte, wenn ich damals auf das leise, feine Stimmchen in mir gehört hätte.

    Das zu sehen ist gerade echt hart.

    Ich war damals nur leider viiiiiieeeeel zu schüchtern und zu unsicher .... und ich hatte auch leider niemanden, der mich unterstützt hat in diesem Punkt "meinen Weg" zu gehen. Ich hatte Unterstützung, immer. Aber, ich sage mal so, meine Eltern sind Menschen, die ihre Herzenswünsche nie gesehen haben, insofern waren die für meine Herzenswünsche - genau wie ich- einfach blind.
    Es ist fast so ein bisschen wie ein Familienfluch ...
    Das Thema kam dann in meinen Zwanzigern bestimmt noch ein, zweimal zum Tragen. Jedes Mal war ich aber so in vermeintlichen Sachzwängen verstrickt, dass ich das - nach ein paar Tränen - einfach weggedrückt habe. Und weiter gemacht habe.

    Tja, ich bin jetzt Mitte dreißig. Noch mal ganz neu anfangen kommt für mich nicht mehr infrage. Zumal ich das, was ich mache, eigentlich auch sehr schätze.
    Wahrscheinlich spielt auch viel Projektion mit rein und diese Sache, dass die Äpfel in Nachbars Garten ja immer leckerer aussehen als im eigenen.

    Dennoch wurmt mich mein "Zombietraum" ungemein und mir würde es, glaube ich, helfen, wenn ich damit nicht alleine wäre. Oder vielleicht habt ihr ja noch eine Idee, wie man damit umgehen kann?



    Susisa
    Geändert von Susisa (17.04.2016 um 11:59 Uhr)
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

  2. Inaktiver User

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Es ist nie zu spät, im Leben andere, neue Weichen zu stellen. Wenn der unbewusste und nun offenbar zunehmend bewusste Drang, diesen Weg zu gehen, sich so vehement meldet, hat das eine Berechtigung. Und 35 ist nun wirklich kein Alter, in dem man vor einem Neustart zurück schrecken sollte.

    Was also hält Dich?

    Auf die Nase fallen kannst Du natürlich, wenn Du das jetzt sichere Auskommen, das Du offenbar hast, für Deine Träume aufs Spiel setzt.

    Ebenso kannst Du aber auch auf andere Weise in die Bredouille geraten: Indem Du vor Sehnsucht krank wirst, beispielsweise, weil Dein Inneres auf Dauer-Diät lebt und sich nicht in gelebtem Leben ausdrücken darf. Indem Du Dich unbewusst selbst sabotierst, und Deinen Job verlierst, oder andere, scheinbar unerklärliche Dinge eintreten, die Dir die althergebrachten Wege verschliessen. Unser Unbewusstes kann diesbezüglich ein sehr cleverer Regisseur sein.

    Die Frage muss also lauten: Was wiegt für Dich schwerer: Deine innere Stimme, die Dich offenbar immer lauter ermahnt, endlich DEINEN Weg zu gehen, oder Dein Sicherheitsgefühl?

    Diese Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.

    Wenn es Dir jedoch zu heikel ist, neue Wege zu gehen, wäre es an der Zeit, Dich von Deinen Träumen, und damit dem Teil Deines Ich, der dafür steht, zu verabschieden.

  3. Inaktiver User

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Ich wollte studieren. Immer. Aber leider komme ich aus einem sogenanntem bildungsfernen Elternhaus, Studium, Abitur - das war nicht vorgesehen. Die Kaempfe damals reichten bis "Von uns kriegst du keinen Pfennig Unterhalt!". Ich verliess die Schule also mit Mittlerer Reife und machte eine Ausbildung.

    Heute, 30 Jahre nach dem Verlassen der Schule mit der Mittleren Reife, promoviere ich. Ich habe meinen BA mit 39 gemacht, meinen MSc mit 42, meinen PhD werde ich mit 46 Jahren haben. Im naechsten Jahr trete ich meine Postdoc-Stelle an, und zwei Jahre spaeter beginnt dann hoffentlich die Tenure - was in D wohl die Assistenzprofessur waere.

    Es gibt immer einen Weg.

    Ich zitiere da gern Owen Meany: Wenn man das verfluchte Glueck hatte, einen Weg zu finden den man liebt, dann sollte man auch den Mut aufbringen, diesen Weg zu gehen.

    Sonst war es vielleicht eben doch nicht das Lebensglueck, sondern nur ein 'What might have been'. Oder, ganz prosaisch: haette, haette, Fahrradkette.

    Also: Tu es. Oder freu dich an dem, was ist.

  4. Inaktiver User

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    Doch zurzeit sieht es so aus, dass ich heute -gefühlt - 1000fach bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätte, wenn ich damals auf das leise, feine Stimmchen in mir gehört hätte.
    Wenn du dadurch deinen Chancen verbesserst, würde ich versuchen, den Beruf zu wechseln, falls es noch möglich ist.

  5. User Info Menu

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen!

    Bin gerade ziemlich mies drauf. Decke über Kopf und heißer Kakao. Ansonsten nix. Nur vielleicht ein wenig Brigitte-Forum.
    Es ist "Jammern auf hohem Niveau", aber es zieht mich gerade runter. Total. Und ich will raus aus der Grube, will damit umgehen, das ad acta legen, durchkneten, bearbeiten ... damit es mich wieder loslässt.

    Kennt das jemand von euch?


    Dennoch wurmt mich mein "Zombietraum" ungemein und mir würde es, glaube ich, helfen, wenn ich damit nicht alleine wäre. Oder vielleicht habt ihr ja noch eine Idee, wie man damit umgehen kann?

    Susisa
    Ja, ich habe so etwas ähnliches auch kennengelernt. Bin aber mittlerweile frei davon und weiß dies zu umgehen.

    Mir hat geholfen, das Monster anders zu behandeln. Ich hatte damals das Gefühl, es ist vergleichsweise wie mit Tau ziehen. Je stärker ich daran zog, desto stärker zog auch das Monster. Und ich kam damit aus dieser Situation nie heraus. Keine Chance. Und ich war nicht glücklich damit und musste für mich etwas ändern.

    Bis ich eine Möglichkeit fand und anfing das Tau los zu lassen. Das Monster wurde immer kleiner und hat heute überhaupt keinen Einfluss mehr auf mich. Das loslassen zeigte mir gleichzeitig andere Möglichkeiten, aber eben erst nach dem los lassen.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



  6. User Info Menu

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Wenn die Sehnsucht nach dem beruflichen Traum mal wieder hochkommt höre in dich. Welcher Teil von dir möchte den früher erträumten beruflichen Weg heute noch gehen? Das innere Kind, die Erwachsene? Was wäre gut daran (außer finanziell womöglich besser gestellt zu sein)? Stell dir mal vor, du hast den beruflichen Neuanfang schon umgesetzt. Wie fühlst du dich dabei?

    Es ist nie zu spät etwas Neues zu beginnen
    Was bleibt sind nicht die Tage und Jahre und Stunden, was bleibt sind die kleinen Augenblicke

    Du wirst keine neuen Meere entdecken,
    solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.

  7. User Info Menu

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    @Cheerful Wow, Respekt! Das ist wirklich ein sehr starker Wille und ein sehr klares Ziel, das Du zu haben scheinst.
    Geändert von Susisa (17.04.2016 um 18:54 Uhr)
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

  8. Inaktiver User

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Cheerful, bist Du so extrem gut dass Du die jüngeren Kandidaten durch Kompetenz ausstechen kannst oder ist den Briten einfach das Alter egal?

  9. User Info Menu

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Ich zitiere da gern Owen Meany: Wenn man das verfluchte Glueck hatte, einen Weg zu finden den man liebt, dann sollte man auch den Mut aufbringen, diesen Weg zu gehen.

    Sonst war es vielleicht eben doch nicht das Lebensglueck, sondern nur ein 'What might have been'. Oder, ganz prosaisch: haette, haette, Fahrradkette.
    Danke. Weise Worte, von einer, die scheinbar recht genau weiß, was sie tut und was sie will. Ja, ist es das Lebensglück? Das ist eine wichtige Frage.
    Ich habe schon so lange nicht mehr daran gedacht, mir ist das vor ein paar Tagen halt eher durch Zufall wieder begegnet. Und dann habe ich ein wenig recherchiert und festgestellt, dass ich eben auch mehr Möglichkeiten damit hätte. Das war dann irgendwie so der Auslöser dafür, dass ich mich auf einmal total schlecht gefühlt habe. So als ob mir das Leben eine Watschen gibt, so von wegen: Wenn man nicht auf sein Gefühl hört, dann rächt sich das irgendwann.

    Aber ich konnte es damals nicht. Sonst hätte ich es ja getan. Vielleicht war es auch bequem von mir einen "vorgezeigten", sicheren Weg zu gehen ... obwohl dieser Weg nicht leicht war und mich auch viel Kraft und Energie gekostet hat.

    Das, was im Endeffekt "rausgekommen" ist, ist ja nicht schlecht.
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

  10. User Info Menu

    AW: Wenn Träume zu Zombies werden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Die Frage muss also lauten: Was wiegt für Dich schwerer: Deine innere Stimme, die Dich offenbar immer lauter ermahnt, endlich DEINEN Weg zu gehen, oder Dein Sicherheitsgefühl?

    Diese Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.

    Wenn es Dir jedoch zu heikel ist, neue Wege zu gehen, wäre es an der Zeit, Dich von Deinen Träumen, und damit dem Teil Deines Ich, der dafür steht, zu verabschieden.
    Richtig. Auch das sind sehr kluge Worte.
    Ich glaube, ich brauche erst mal ein paar Tage, um das, was da "aufgebrochen" ist, zu verdauen. Ich habe das anscheinend wirklich lange Zeit einfach weggedrängt, mich gar nicht mehr damit beschäftig - weder gedanklich noch aktiv. Also wirklich "den Traum begraben", wie ich oben schrieb.

    Die Zustände, die Du beschreibst, die unerklärlichen Vorfälle usw., die sehe ich ja jetzt schon. Und ich merke auch, dass es mich viel Kraft kostet, mein Leben zu leben, wie es jetzt gerade ist.
    Doch dann sage ich mir immer: ist doch auch gut so, wie es jetzt ist. Oder vielleicht auch "Augen zu und durch". Sei froh mit dem, was Du hast.
    Aber ich fühle mich leider auch abhängig, in Situationen hineinmanövriert, nicht wirklich frei zu entscheiden, was ich will. Die Situation ist allerdings ausgesprochen bequem, aber einengend.

    Ich hätte gerne mehr Möglichkeiten. Mehr Freiheit.
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

Antworten
Seite 1 von 5 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •