Hallo,
lese hier seit einiger Zeit mit und bin immer immer wieder positiv überrascht von den vielen konstruktiven und freundlichen Tipps zu allen möglichen Fragestellungen...
Nun zu mir: Mitte 40, vor 7 Monaten mit Teenitochter ausgezogen, der ältere Sohn wohnt beim Vater - alles in einer Stadt, unkomplizierte Entfernung, Sohn ist regelmäßig hier, Tochter auch beim Vater, Umgangston insgesamt in Ordnung - vieles hat sich wirklich zum Positiven geändert (die Trennung war eine jahrelange Prozedur, konnte mich ganz lang nicht aufraffen Konsequenzen zu ziehen, hatte panische Angst vor allem - Familie kaputt zu machen (wo sie ja vorher schon kaputt war) keine Wohnung zu finden etc.
Dann hab ich in den letzten Monaten ganz viel geschafft und es ist ganz vieles wirklich besser geworden, zum Beispiel die Grundstimmung zuhause (also bei mir und meiner Tochter), das Verhältnis zwischen den Geschwistern (sie reden mittlerweile ganz normal miteinander wo sie sich vorher nur angemacht haben), wir lachen viel, das Verhältnis Mann/Sohn ist besser geworden (sie haben sich zusammengerauft wo sie vorher viel gestritten haben). Es scheint als habe sich durch unsere Neu-Positionierung ganz viel beruhigt/verbessert - das haben mir auch Freunde und Familie bestätigt...
Ich bin Vollzeit berufstätig und demzufolge ziemlich gestresst, jetzt wird es langsam etwas besser weil ich mit der Einrichtung der Wohnung fertig bin und eben auch ein paar freie Tage habe... Ich habe viele gute Freundinnen, habe jetzt (nachdem das jahrelang nicht möglich war) auch regelmäßig Besuch, gehe oft ins Kino oder raus etc.
In letzter Zeit merke ich aber immer öfter dass sich so eine diffuse Angst einschleicht - was die Zukunft bringen wird. Ich habe panische Angst vor Nebenkostennachzahlungen (meine Finanzen sind sehr eng gezurrt), unliebsamen Veränderungen im Job (die zeichnen sich ab, sind aber nicht dramatisch), der Frage ob meine Wohnung nicht zu teuer ist und ich nicht doch hätte länger suchen sollen (das ist so eine fixe Idee von mir - der Markt ist leer und selbst schlechtere oder gleichwertige Wohnungen kosten hier so viel wie meine oder mehr), wie sich die Kinder entwickeln, dass ich krank werde, dass ich verrückt werde (hatte schon mal eine Depression).
Dann gibt es wieder Tage da läuft alles rund, ich hab viel zu tun oder mache etwas nettes oder ich hab gar keine Zeit nachzudenken.
Meine Mutter ist eine ewige Schwarzmalerin - die meisten Dinge die ich im Leben erreicht habe, habe ich ihr zum Trotz geschafft - und jetzt erwische ich mich selbst in tiefer Unsicherheit. Irgendwie fehlt mir so ein bisschen die Perspektive - so mittel und langfristig. Viele Frauen halten in der Situation Ausschau nach einem neuen Mann - das wäre jetzt so gar nichts für mich - ich wüsste überhaupt nicht, wie ich den ich einen Alltag einbinden sollte und wollte.
Phasenweise fange ich bestimmte Projekte an (Wohnung dekorieren, abnehmen, Bücher lesen) - dann verpufft die Energie und ich fühl mich wieder verloren. Am besten ist es, wenn ich schwer beschäftigt bin - dann jammere ich zwar rum und brech fast zusammen, aber dann "weiß ich was ich hab". Mein Mann hat mir früher oft vorgeworfen, ich könne nie zufrieden sein mit dem was ich habe - und manchmal nagt es auch an mir, weil ich denke, er könnte recht haben. Dabei mache ich schon viel, um mir und anderen positive Erlebnisse zu verschaffen, und dann kommt es mir so vor, als würde ich nur Kosmetik von außen betreiben.
Meine Eltern sind auch so - sie konnten nie genießen, was sie für sich erreicht haben, es gab nie dieses zufriedene Innehalten, sondern immer ein weiteres Getriebensein.
Kennt das jemand? Vielleicht ist es auch nur wetterbedingt - dieses trübe Grau macht mich echt krank.
Und vielleicht ist es auch normal, nach ner Trennung, dass man sich immer mal wieder so fühlt - dafür, dass ich so riesige Angst vorm Alleinsein, gehts mir ja eigentlich ganz gut. Ich würde nur so gerne mit dem Gefühl aufwachen - alles ist gut. Bei mir ist gerade vieles - gut - aber das kann sich ja ganz schnell wieder ändern...
Würde mich freuen wenn ihr mich an euren Erfahrungen teilhaben lasst - seelisches Gleichgewicht wieder zu finden![]()
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Ergebnis 1 bis 2 von 2
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28.03.2016, 15:41
Diffuse Angst/Unwohlsein - was ist das???
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28.03.2016, 15:55
AW: Diffuse Angst/Unwohlsein - was ist das???
Das kenne ich sehr gut, mir ging es nach Krankheit und Trennung ganz ähnlich. Ich denke, es hat sich einfach sehr Grundlegendes in deinem Leben geändert, auch wenn es vordergründig erstmal positiv war, bzw. ist.
Viel, was früher selbstverständlich war, ist nun anders oder weg gefallen. Bei mir hat das auch einige Zeit gedauert, in der ich leider auch finanziell sehr eng dran war.
Was mir sehr geholfen hat, war das Gespräch mit Freunden und Meditation bzw. Autogenes Training. Für mich war es wichtig, zu wissen, dass es etwas gibt, was mich irgendwie wieder herunter bringt und erdet.
Ich habe einiges ausprobiert, am besten und am einfachsten durchführbar war tatsächlich das Autogene Training, das ich jeden Tag praktiziere.
Was mir beruflich sehr geholfen hat, war, mich "zu sortieren", vieles für die nächste Woche schon vor zu richten, immer wieder kurz zwischendrin durch zu atmen, ´z. B. gehe ich, wenn es sehr stressig wird, kurz aufs Klo oder in einen ruhigen Nebenraum und stelle mir vor, meine Füße wurzeln ganz tief im Boden. Das dauert nur wenige Minuten und ich bin danach wieder ruhiger und leistungsfähiger.
Ansonsten, ganz profan: Mache, wenn dir alles über den Kopf zu wachsen scheint, Listen. Erledige das wirklich Wichtige, das andere kann erstmal liegen bleiben, es steht aber auf der Liste, so dass es nicht vergessen wird. Dann hake ab, das ist immer toll, wenn man etwas abhaken kann. Manchmal mache ich mir auch Notizen, bis wann etwas erledigt sein muss.
Nimm dir am Wochenende Zeit, Briefe und Bankgeschäfte zu erledigen, vieles geht ja heute schon per Mail oder Online-Banking. Das A und O ist eine gute, vorausschauende Organisation.
Und noch etwas: Mach dir nicht so viele Gedanken über später oder eventl. Partnerschaft usw. Es wird alles kommen und sich geben, oft blockiert man sich mit den Gedanken selbst.
Wünsche dir einen guten Neuanfang

Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)


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