Liebes Forum, ich lese hier immer mal gern rum und bin immer wieder überrascht, wie anregend manche Beiträge sind: manches bleibt hängen und man denkt immer wieder drüber nach. Jetzt traue ich mich mal und erzähle hier etwas, was ich in letzter Zeit sehr stark bei mir bemerke: das Nostalgisieren, die späte Reue, die viele Vergleicherei, das sich-auf-jemanden-beziehen, wenn es zu spät ist.
Klartext: ich habe mich im Herbst 2013 von einer Frau getrennt, mit der ich davor zwei Jahre lang zusammen war. Die Beziehung war schwierig, ich habe sie oft als erdrückend empfunden. Wir wollten sehr unterschiedliche Dinge vom Leben. Beredet haben wir es immer ganz gut, nur scheiterte es dann doch ganz praktisch immer wieder. Daß es jede Menge sehr schöne Erlebnisse gab und ein sehr gutes Zusammen, ist auch wahr. Die Trennung damals ging von mir nach einem ungeheuren Streit aus, in dem sie mich sehr verletzt hatte. Es fiel mir sehr schwer, zu gehen, aber ich hab es gemacht, es hatte was „Augen-zu-und-durch“.
Sie hat noch sehr lange um uns gekämpft, wir haben noch sehr oft geredet, viel Schmerz, Tränen, Wut. Ich bin aber bei allem Zweifeln doch immer dabei geblieben. Ich habe mich befreit gefühlt, da war ein großer Druck weg, ein großes Unglück.
So nach eineinhalb Jahren – also im letzten Frühling – war ich wieder offen für was Neues, hatte Lust, eine neue Frau kennenzulernen. Meine Ex sah ich nur selten und eher zufällig, es schien alles ruhig. Ich lernte auch gleich eine Frau kennen – alles schien super, alles schien ganz toll und verliebt zu starten – und dann war ich sofort ganz enttäuscht, fast angewidert, ich verglich alles mit meiner Exfreundin, und alles mit der neuen schien mir dagegen abzufallen, langweilig, öde… Ich ertappte mich beim alte-Briefe-lesen, Fotos angucken, ich suchte ihre Nähe und fragte unsere wenigen gemeinsamen Bekannten immer mal vorsichtig, wie es ihr ginge… nach nur 4 Wochen beendete ich die Geschichte mit meiner neuen Freundin, ich war völlig entliebt, empfand gar nichts mehr.
Einige Wochen danach und ständigem-um-meine-Ex-kreisen habe ich mich hingesetzt und einen Brief geschrieben, in dem ich sehr vorsichtig schilderte, wie es mir geht und fragte, ob wir nach allem mal reden könnten. Nach längerem Zögern war meine Ex dazu bereit. Das Gespräch ging schief – ich hatte die Hoffnung, über ne gute Atmo, über Freundlichkeit… irgendwie eben ihr näherzukommen. Sie schien mir sehr „zu“, saß quasi mit verschränkten Armen da und fragte dann: Willst Du, daß wir wieder zusammen sind? – und als ich dann sagte, warte doch mal, da bin ich noch gar nicht… sagte sie, das ginge für sie auch nur, wenn es alles gleich 100%ig sei, ich wirklich bereit sei und deutlich mehr Zeit und Nähe „investiere“ als damals in unserer Beziehung. Ich versuchte zu retten, was zu retten ist, aber sie brach das Gespräch ab, weinte und ging dann.
Dann gabs noch einige mails hin und her, aber wir kamen nicht zusammen. Sie bat mich um Auszeit und keinen Kontakt. Hab ich gemacht.
Und noch mal: im Herbst, ohne zu suchen und ohne richtig darüber nachgedacht zu haben – lerne ich wieder eine Frau kennen. Aber alles ist anders, weil diese neue Frau sehr zögert und unsicher ist und ich immer anbiete und nur wenig „genommen“ wird … sie weiß nicht, was sie will, und in dieser Unsicherheit merke ich, daß wieder meine Ex mächtig in meinem Kopf geistert. Daß ich alles mit ihr vergleiche. Wieder alte Fotos angucke. Neulich ließ es sich nicht vermeiden, daß ich sie kurz sah – das war fast nicht auszuhalten. So ein Stich.
Die Trennung damals war richtig. Glücklicherweise schreibe ich Tagebuch und finde in den Eintragungen zum Zeitpunkt der Trennung und v.a. in den Monaten davor alles, was diese Trennung auch im Nachhinein richtig macht. Und zwei Jahre Beziehung sind auch nicht so lang – wir sind beide Mitte 40 und haben jede/r schon ein Leben davor gehabt. Und meine Freundinnen und Freunde schütteln den Kopf und sagen: laß gut sein, es geht nicht mit ihr, ihr habt es doch probiert. Aber vieles in mir wünscht sich das sehr anders. Und sie gefällt mir auch wieder so gut, das kommt noch dazu.
Und meine neue Freundin – die auch noch sehr an ihrer letzten Beziehung knabbert – zögert immer mehr. Ich versuche alles, mache auch klar, daß ich mehr will als diese offene, unentschiedene Kiste, merke aber manchmal, daß ich innerlich aufgebe.
Nun gibt es das in kleinen Abwandlungen hier sicher oft und ich sage mir selbst, daß ich innerlich offenbar nicht fertig bin mit der alten Geschichte - aber was ist das nur, daß ich im Kopf klar sehe, daß ich es richtig gemacht habe und es nicht fühle? Daß ich mich in diese Wehmut hineinmanövriere und da nur schwer raus komme?
Vielleicht hat eine/r von Euch eine Idee?![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 31
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17.02.2016, 11:18
Ewiges um-früher-kreisen? ...
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17.02.2016, 12:15Inaktiver User
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
Nordnordwest,
deiner neuen Freundin machst du Vorwürfe, dass sie zögerlich ist ? Na, das finde ich denn doch etwas unfair, denn auch du willst doch im Grunde nur deine Ex wieder ! Es ist nicht schön, ständig verglichen zu werden und glaube mir, deine Freundin merkt das, auch wenn du das nicht offen aussprichst !
Die Beziehung zu deiner Ex hat dir nicht gutgetan, das siehst du ganz klar. Ihr könnt offensichtlich nicht zusammen, sowohl von ihrer als auch von deiner Seite aus.
Ich kenne dich nicht persönlich, denke aber, du solltest dir darüber im Klaren werden, was du von Beziehung erwartest.
Hattest du in deinem Leben schonmal eine Beziehung, die länger als zwei Jahre gedauert hat ? Ist sicher der Fall, vielleicht denkst du mal dran, woran diese Beziehung(en) gescheitert sind.....
Gruß Elli
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17.02.2016, 12:20
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
@ Elli: ja, ich hatte eine sehr lange Beziehung mit gemeinsamen Kindern - ging 16 Jahre lang. Die Beziehung zu meiner Exfreundin war die erste wirkliche nach dem Ende dieser langen Beziehung.
Ich werfe die Zögerlichkeit meiner neuen Freundin nicht vor, ich merke nur, daß wir da an einen Punkt kommen, an dem sich ein Auseinanderdriften beschleunigen könnte... sie zögert sehr, hat nie Zeit, ist immer "müde" - ich hänge einer alten Geschichte nach...
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17.02.2016, 13:00
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
Deine Ex-Freundin war aber nicht der Trennungsgrund (oder "letzte Tropfen") für Deine langjährige Beziehung, oder?
Ansonsten wäre es (für mich) verständlich, dass Du nicht so leicht loslassen kannst.
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17.02.2016, 13:05
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
Nein, ich hab meine Exfreundin erst eineinhalb Jahre nach meiner langen Beziehung kennengelernt.
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17.02.2016, 13:06Inaktiver User
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
Dieses an irgendeiner Ex hängen - mit der es ja schließlich nicht funktioniert hat - schützt zuverlässig davor, sich auf jemanden einzulassen. Und wenn mit aktuellen Schluß ist kannst du der dann nachweinen - dann musst du dich nicht mit der nächsten auseinandersetzen.
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17.02.2016, 13:20
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
So ungefähr das ist die Befürchtung, die ich habe. Ein Kreislauf, aus dem ich gern rauskäme...
Wobei ich das so auch noch nicht hatte.
Ist das wie ein Mechanismus, den die "Seele" oder so einbaut, wenn sie sagen will: es geht noch nicht, du brauchst immer noch Zeit, altes Haus...
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17.02.2016, 13:22Inaktiver User
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
Ja, ich denk schon - man macht das ja nicht mit Absicht.
Und dazu passt eben, dass du immer wieder relativ schnell eine neue "Liebe" gefunden hast, das lenkt eben alles von der Auseinandersetzung mit dir selbst ab, was ja oft schmerzhaft sein kann, z.B. wenn man anfängt auf den eigenen Anteil zu schauen, den man an den Trennungen hatte.
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17.02.2016, 13:22Inaktiver User
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
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17.02.2016, 14:12
AW: Ewiges um-früher-kreisen? ...
Ich denke Du bist einfach noch nicht reif fuer eine neue Beziehung.
Wenn Dir die Richtige über den Weg läuft, fallen alle deine Bedenken weg.


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