Hallo,
ich habe vor kurzem im Treue und Lügen in der Liebe Strang geschrieben.
Ich bin fast 40 und eine etwas eigene Begegnung mit einem Arbeitskollegen hat mich in letzter Zeit etwas verwirrt. Nachzulesen im anderen Strang.
Ich stelle mir jetzt einige Fragen: Erstens, wie konnte es so weit kommen? Wie konnte mir ein anderer Mann (bin ja verheiratet) den Kopf "verdrehen" mich zumindest verwirren?
Wieso habe ich so viel, auf sagen wir einmal "harmlose", Signale gegeben?
Ist es, weil ich mich im Leben nicht angekommen sehe?
Weil ich denke, den "Lebensplan", den andere so haben, mit Familie, Haus, Kinder, usw. nicht zu 100% lebe, weils mir nicht immer gefällt (habe 1 Kind), weil ich so vieles kritisch sehe und nicht immer Eitel-Wonne-Sonnenschein?
Obwohl eine Affäre ja nie im Raum stand, auch von meiner Seite nicht, wieso bin ich überhaupt auf das Spiel oder diese Sprüche eingestiegen?
Wieso ist Aufmerksamkeit für mich so wichtig? Wieso interpretiere ich so vieles falsch?
Im Nachhinein ist es mir direkt ungut, dass ich überhaupt auf seine Sprüche eingestiegen bin. Hab mich da sicher ein Stück weit blamiert.
Aber ich dachte eben, dass der mich wirklich mag, weil seine Aufmerksamkeit, Gefälligkeiten, Komplimente, wirklich auch permanent vorhanden waren....
Tja, so kann man sich täuschen - ich weiß nicht, welche Baustelle ich als erstes angehen soll.
Generell bin ich so unsicher, dass ich, auch wenn ich reflektiere, mir dann unsicher bin, ob ich dem Gefühl "trauen" kann.
LG
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14.02.2016, 11:24
Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
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16.02.2016, 06:49Inaktiver User
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Hallo distracted,
ich habe Deinen strang nicht gelesen- ich denke, es reichen Deine Worte hier um zu verstehen worum es Dir geht.
Ich glaube, der Kernpunkt liegt in dem Gefühl, dass man etwas braucht- ein Mangel vorliegt, den man beheben möchte.
Als ob man durstig wäre und nach allem schaut, was wie Wasser aussieht......oder Hunger und alles, was essbar ausschaut, wird in den Mund gesteckt.
Wenn man es sich so extrem vorstellt wird klar, dass das Gesuchte einem großen Mangel unterliegt.
Während Hunger und Durst so bekannt sind und recht leicht empfunden werden können- gibt es doch andere Bedürfnisse in uns, die sich niemals so klar und deutlch zeigen können.
Und wir haben sogar wesentlich mehr Bedürfnisse, die aus dem Stillen leise deuten und nicht so leicht zu erkennen sind.
Das, was zwischen zwei Menschen abläuft, ist immer angefüllt von sehr vielen möglichen Erfüllungen.
Nähe, Verbundenheit, Kontakt, Bestätigung, Aufmerksamkeit, Liebe, Achtung, Anerkennung, Freundschaft, usw.......um nur einige zu nennen.
Kurz- wenn wir etwas unbedingt "wollen" (brauchen, sehnen, nach Erfüllung suchen), dann ist unser Suchsystem darauf ausgerichtet.........- wie "ich sehe was, was du nicht siehst"- und Verwechslung kann sehr schnell geschehen.
Wie man eine runde Tomate als kleinen Apfel erkennen könnte.......
Wenn man dann "zu sich kommt" und erkennt, dass alles anders ist als man dachte, dann kommt das Gefühl von Enttäuschung auf. Man hat sich selbst getäuscht und muss sich fragen, ob man sich selbst überhaupt noch trauen kann?
Was ist geschehen, dass man dort gelandet ist- mit diesen Gedanken und Vorstellungen, die - wenn man sie nun überprüft- nicht mher standhalten
?
Wichtig ist zu erkennen WAS man denn wirklich gesucht hat.
Worum ist es mir gegangen? Was wollte ich so unbedingt spüren oder erleben?
Was hat mir so richtig gut getan bei all dem und warum?
Die Antwort ist das Such-Objekt........und wenn wir das kennen, können wir überlegen, warum das diese Größe und Stärke bekommen konnte- wie wir es anders füttern können- oder was wir in unserem Leben verändern können um diesen "Hunger" zu stillen.
Ich glaube, man liegt nicht "falsch"- sondern man hat nur den Blick verklärt, der so unbedingt etwas sehen möchte, was zutiefst gesucht wird.
Das ist menschlich und auch, wenn es sehr viel Schmerz bringen kann, kein Grund um sich zu verurteilen oder abzuwerten.
Sowas zeigt unsere tiefen Sehnsüchte und alles, was später aufgedeckt wurde, ist doch Wegweiser für uns.
Da uns solche Situationen nicht so oft im Leben begegnen, vermute ich, es gibt einige wenige Sehnsüchte, die unserer Aufmerksamkeit im Besonderen bedürfen und bei denen wir dann in Zukunft aufmerksamer sein müssen- mit uns selbst
lg kenzia
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16.02.2016, 07:00
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
wenn dir auf deine Fragen diese Gedanken kommen, dann nimm dich da ernst, dann wird da wohl was dran sein.
Das, was intiuitiv kommt, trifft es meist schon recht gut. Das dann zu hinterfragen ist dann erst der übernächste Schritt. Die intuitive Suche sollte ohne Deutung, ohne Bewertung und ohne Zensur vor sich gehen dürfen. Verstehen musst du es nicht schon jetzt.
Schreib dir einfach mal alles auf, deine Fragen und deine Gedanken, die dazu kommen. Völlig unbewertet und unzensiert.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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16.02.2016, 08:55Inaktiver User
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Warum sollte der Lebensplan, den andere haben, auch fuer dich gelten? Fuer dich gilt dein Lebensplan. Hattest du einen oder hast du halt das gemacht, was die meisten anderen auch machen? Ich wuerde auch auf jeden Fall hier ansetzen. Ich selbst hatte auch nie einen Plan, und ich bin immer noch daran herauszufinden, WIE genau ich leben will. Diese Suche dauert jetzt fast 10 Jahre an, auch bedingt durch auessere Umstaende. Aber mir geht es immer besser, da ich merke, wie ich mich mir annaehere.
Kritisch siehst du die Dinge halt, weil du im Inneren nicht damit uebereinstimmst. Und - du weisst nicht, wie andere etwas sehen, denn meistens wird nur nach aussen transportiert, was man die anderen sehen lassen will.
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16.02.2016, 17:27Inaktiver User
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Manchmal steckt aber nichts weiter dahinter als der situative Reiz, eine kurze Lust, eine Flause im Kopf. Ohne jegliche Tiefe. Ich weiß nicht, ob immer direkt in der Tiefe der eigenen Persönlichkeit gegraben werden muss, anstatt zu akzeptieren, dass es so gewesen ist. Manche Themen bekommen durch das Reflektieren erst ein Gewicht, dass es ohne gar nicht gehabt hätte. Und wenn man diese Situation auf den Grund gegangen ist, sie für sich geklärt hat, dann kommt eine andere und man fängt wieder von vorne an. Die Evolution hat dem Menschen nicht umsonst das Vergessen geschenkt.
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17.02.2016, 14:35
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Hallo, nun ja, aus verschiedenen Gründen (Ängste, Panikattacken, Depressionen) hatte ich lange Zeit nicht einmal die "Idee" eines Lebenstraumes. Mein Ding war es, zu überleben. Früher waren die Attacken teils so heftig, dass ich nicht mehr arbeiten konnte, ich schaffte die Strecke nicht zur Arbeit, zudem noch Mobbing und Unverständnis usw....ich hab das nicht geschafft. Ich hätte nicht mal im Traum daran denken können, da etwas zu planen. Zumal wollte mein Partner nicht mehr planen. Er hatte schon vieles hinter sich.
Ich habe das Gefühl, ab einem bestimmten Alter ist es richtig, so und so zu leben. Zumindest scheint es so.
Ich habe lange alles für meine Familie getan. Jetzt sind die Kinder meines Mannes groß, mein Kind ist fast groß. Ich hatte lange Patchwork, war nicht immer einfach, ich hab oft 3 Geburtstagsfeiern für meine Tochter gemacht (auch meine Eltern sind geschieden), dann jeden Geburtstag seiner Kinder gefeiert, dann die der Schwiegerkinder mit und nun sind auch schon Enkel da.
Ist es egoistisch, einmal zu sagen, nun, ich mag nicht mehr? Wo bleib ich?
Ich will auch einmal etwas tun...für mich?
Ich weiß persönlich nicht, ob ich mir mit dem Kollegen alles eingebildet hab. Die Komplimente hab ich mir definitiv nicht eingebildet.
Bei alle dem drumherum, bin ich ja trotzdem für gewisses dankbar. Was er mir gemacht, geschenkt hat zum Beispiel und, dass er mir bei unserem Hobby weitergeholfen hat, das nehm ich als positiv mit. Dafür bin ich zuzusagen, auch dankbar.
Distracted
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17.02.2016, 15:03
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Hallo Kenzia, danke, für deine ausführliche Antwort. Ich weiß nur nicht, WAS ich sehen wollte. Ich kenne den besagten Arbeitskollegen nun ja schon einige Zeit und lange, lange hab ich mir immer eingeredet und klar gemacht, ach der mag dich eben so gerne, aber er hat mich vor allem anfangs, regelrecht umgarnt, war ja soooo sehr begeistert, hat dies auch seiner Frau erzählt (hat sie mir sogar mal gesagt) und seinen Arbeitskollegen und außerdem und überhaupt. Ich bin ja da nicht mal so drauf eingestiegen, und hab ihn glaub ich auch oft links liegen lassen, weil ich mit meinen Dingen zu sehr beschäftigt war. Mir ist das gar nicht so aufgefallen. Dann immer mehr, dass er mir geholfen hat, wo es ging, dass er sagte, er denkt bei dieser und jener Sache an mich, das fand ich zunehmend schön. Und dann hat es dieses Jahr angefangen, dass er mir eben die Komplimente dazu machte, er fühle sich so wohl bei mir und so weiter usf.
Vorher hat mich das zwar gewundert aber nicht weiter berührt. Und dann hab ich mich mehr mit MIR beschäftigt und ich hab das wahrgenommen.
Dann haben wir ein paar Mal telefoniert, aber auch da sah ich mehr den freundschaftlichen Aspekt, wir waren aber schon ziemlich vertraut miteinander. Aber auch das kann rein freundschaftlich sein. Und dann immer wieder seine Anspielungen, die, vielleicht auch witziger Natur, aber doch diesen sexuellen Touch hatten.
Was soll ich sagen - als er dann von seiner Frau sprach, dachte ich, ok, puh, du hast es richtig eingeordnet...
Das war aber dann doch wie ein Stein vom Herzen, weil ich im Kontakt mit ihm schon unsicher wurde usw.
Und dann doch wieder anders...und als wir uns das letzte Mal sahen, sprachen wir dann auch von seiner Frau und er erzählte, was sie vor hätten und ich kommentierte, mit wow, gut und hörte ihm zu. Manchmal aber denke ich, auch ich hab "einen auf gut Freund" gemacht und eigentlich, passt das mit dem anderen Verhalten nicht zusammen. Es wirkte so unecht, so, auf die Art, jetzt reden wir so, wie wir müssen und gehen mit diesem letzten Wort auseinander.
Dennoch, ich hab es oft gesagt, eine Affäre wie auch immer, wäre nie nie nie in Frage gekommen.
War er vielleicht ein Symptom für das "mich suchen und finden"?
LG
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17.02.2016, 16:52
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Distracted, ich denke, dieser Kollege ist austauschbar (d. h. hätte Dir auch mit einem anderen Mann passieren können). Geh doch mal gedanklich von ihm weg und richte den Fokus auf Dich selbst. Was sind Deine Bedürfnisse, Deine Wünsche, Deine Gefühle?
Alles zu seiner Zeit.
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17.02.2016, 17:12
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Hallo Lscp, ich glaube auch, dass er austauschbar ist/war. Vielleicht war es zusätzlich noch, dass wir ein gemeinsames Hobby teilen/teilten, dass wir uns noch dazu gut verstanden habe. Aber, dass wir jetzt nicht mehr in Kontakt sind, spricht ja auch Bände (obwohl er sagte, ich könne mich immer melden und auch er würde sich melden, eben wegen unserem Hobby).
Meine Wünsche und Gefühle, ich weiß nicht.
Meine Tochter ist schon groß, schließt bald die Schule ab (hoffe ich), aber sie braucht mich nicht mehr so sehr.
Das heißt, ich werde keine neue Familie mehr gründen, etc - wir haben unsere Patchworkfamilie. Ich wüsste auch nicht, ob ich noch Kraft hätte (wobei ich nicht weiß, ob das normal ist) für MEHR Familie.
Ich habe immer die Befürchtung, ich bin nicht "normal". Meine Tochter ist schon bald aus dem Haus. Die Kinder meines Mannes ebenso. Es ist eigentlich gelaufen.
Ich hatte vor lauter Familie nie die Zeit, mich auf mich zu konzentrieren. Alles musste nebenher laufen.
Ich habe auch immer viel in die Familie meines Mannes investiert, Kräfte vor allem auch.
Vielleicht war ich auch dumm - hab viel zu viel gegeben.
Beruflich liebe ich zwar meinen Job, finanziell gibt er nicht so viel her - jetzt bin ich halt immer am überlegen, ob ich mich weiter qualifizieren soll, und wenn ja, wie.
So und dann vergleiche ich mich mit anderen. Fixe Anstellung, gute Gehälter, Hausbauen, Kinder - ich hätte weder das Geld, noch die Kraft, und wahrscheinlich nicht mal mehr die Lust auf das alles - und dann wieder...ich bin nicht normal, ich bin nicht sportlich, intelligent, vorausschauend etc genug um das alles RICHTIG zu machen ....wie ALLE eben.
Und dann wieder, Ach, mach dir nix vor, viele lassen sich dann wieder scheiden, Häuser gehen drauf, und Fassaden werden mit Mühe aufrecht erhalten...und so, schwanke ich zwischen..schon wieder schwanke ich...ich sehe es richtig, ich sehe es falsch und ich bin ein Loser.
So ähnlich..wie mit dem Engelchen und Teufelchen auf der Schulter.
Distracted
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17.02.2016, 17:23
AW: Reflektieren, Aufmerksamkeit, Ändern
Klingt nach jeder Menge Baustellen... Also schön eines nach dem anderen
.
Das mit Weiterqualifikation klingt doch schon gut, mach doch mal einen Plan: Wo, was, wer bezahlt, was bringt mir das usw.? So was bringt fürs Selbstbewusstsein einen guten Schub (ich spreche da aus Erfahrung).
Oder fang an Tagebuch zu schreiben, bspw. jeden Abend aufschreiben, was war gut am heutigen Tag, was hast Du super gewuppt, wann warst Du glücklich usw.
Und "normal" - bin ich auch nicht
. Du bist wie Du bist.
Alles zu seiner Zeit.


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