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  1. User Info Menu

    Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Hallo,

    wie schafft man es, sich gut gut abzugrenzen und sich nicht ständig irgendwas aufdrücken zu lassen, was man nicht möchte. Bei mir ist es so krass, dass ich meinen Weg einfach nicht gut finden kann. Immer wieder komme ich an dieses Problem und verstecke mich dann am liebsten.

    Aktuellstes Beispiel: An unserer Türe klingelt es heute. Keine Ahnung, wer das ist. Wir machen nicht auf. Ganz einfach. Leider doch nicht sooo einfach. Es landet ein Zettel in unserem Briefkasten vom Stromanbieter. Die Mieter unter uns sind diesen Monat ausgezogen, es geht um ihre Abmeldung, Stromzählerstände etc. Eine Stunde später beäugen wir wieder ein Auto vor dem Haus. Diesmal sind die Ex-Mieter auch da. Es war wohl die Hausverwaltung wegen Wohnungsabnahme o. ä. Haben die wieder anschließend bei uns geklingelt? Glaube ja. Nachdem sie weg waren, gucke ich in den Briefkasten, liegt ein Schlüssel drin. Keine Nachricht. Die kommt vielleicht noch per E-Mail, aber den Schlüssel, haben wir jetzt eben. Da es nur einer ist, nehme ich an, der ist nur für Notfälle?! Allerdings habe ich auch keine Lust auf unentgeltliche Aufgaben wie: "Könnten sie mal unten die Wohnung aufsperren" für Handwerker, Nachmieter etc. Bin ich da jetzt empfindlich und egoistisch? Naja, wenn ich die Tür aufgemacht hätte, ich hätte den Leuten ganz sicher nichts abschlagen können.

    Es gibt ja noch etliche Beispiele mehr. Wie lernt man, sich gut abzugrenzen. Könnte es wirklich dringend brauchen. Wenn ich zurückschaue, wo man überall ausgenutzt worden ist, dann kommen mir die Tränen. Das letzte Mal hat uns so richtig viel Geld gekostet. Und jeder fragt sich: wie kann man so blöd sein?!

    Ich glaube, ich bin irgendwie prädestiniert dazu, dass sich solche Menschen eingeladen fühlen?! Angststörungen, Schlafstörungen wegen dieser Problematik habe ich auch. Ich möchte am liebsten nicht mehr vor die Türe gehen, mit niemandem mehr Kontakt haben. Sogar bei Arbeitskolleginnen denke ich oft, besser man hat nichts mit ihnen zu tun. Gibt da ja auch welche von dem Schlag, die einfach unangemeldet vor einer Tür stehen oder solange fragen, ob sie vorbeikommen können, bis man sie dann da hocken hat, obwohl man das gar nicht möchte.

    Oft nehme ich mir vor, dass ich nichts mache, was ich nicht wirklich will. Doch wenn dann jemand die Möglichkeit hat, mich zu beschwatzen, dann bin ich meist wie das Kaninchen vor der Schlange.

    Ich weiß nicht, was ich tun soll.

    LG

    Kuschelchen

  2. Moderation

    User Info Menu

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Hallo Kuschelchen,

    zu einer Unfähgikeit, sich abzugrenzen, gehören meistens drei Dinge:
    - nicht zu wissen, was man will und was nicht
    - eine panische Angst, nicht gemocht zu werden
    - mangelnde Geistesgegenwart.

    Als erstes muß man mMn über die Angst, nicht von potentiell sieben Milliarden Menschen auf der Welt gemocht zu werden, wegekommen. Du magst auch nicht jeden, sondern ein paar gerne, ein paar nicht, und fast alle sind die egal -- und das beeinträchtigt die Leute nicht im geringsten. Die leben einfach so weiter. Das kannst du auch.

    Dann lernen, was man nicht mag und nicht will und nicht muß. Und lernen, wie sich der Ärger, die Angst, die Frustation, die Panik anfühlen, wenn einem einer zu nahe auf die Pelle rückt. Das sind Anzeichen, daß man was tun muß. Und zwar auf der Stelle.

    Damit kommt man zum Thema Geistesgegenwart. Das ist ein rares Gut, also besorgt man sich was, was man statt dessen verwenden kann. "Nein", "kein Interesse", "das geht leider nicht", sind Sätze, die man immer verwenden kann, wenn man sich in die Enge getrieben fühlt. (Man sollte sich nicht körperlich in die Enge treiben lassen. Es ist leichter, keinen reinzulassen als einen mit dem Besen raustreiben zu müssen. Wenn jemand unbedingt was Weltbewegendes mit einem besprechen muß, kann er das auf einem Spaziergang im Park machen.) Mittelfristig sollte man sich jede Situation, wo man sich überrollt und überrumpelt gefühlt hat, vornehmen und nachdenken, "was hätte ich tun können?" Und dann stellt man sich das so lange in Farbe und Full HD mit THX-Sound vor, bis man es "kann". Für's nächste Mal.

    Aber all das geht *nur* wenn meine keine Panik davor hat, nicht gemocht zu werden. Und die wird man am besten los, wenn man Leute hat, die einen mögen, auch wenn man nicht brav ist. Oder gerade dann. Wenn man die nicht hat, muß man das Mögen eben selber tun. Oder sich einen Hund halten. Oder einen Therapeuthen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  3. Inaktiver User

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    wunderbar!, so funktionierts, Übung macht den Meister !!

  4. Inaktiver User

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Wildwusel hat schon viel Kluges zum Thema gesagt, dem ich mich anschliesse.

    Ich glaube, ich bin irgendwie prädestiniert dazu, dass sich solche Menschen eingeladen fühlen?!
    Nun ja, es kommt stark darauf an, wie du auftrittst. Zum Beispiel hier im Forum: die Tatsache, dass du "Kuschelchen" aus deinen Nicknamen gewählt hast, erweckt in mir ein bestimmtes Bild von dir, nämlich: möchte klein und niedlich und süss aussehen / sein und möglichst harmonisch durchs Leben gehen und von allen geliebt werden.

    Jetzt überleg dir, ob dieses Bild, das ich von dir habe - allein aufgrund deines Nicknamens, noch bevor ich auch nur ein einziges Post von dir gelesen hatte - nicht ev. ziemlich gut dem entspricht, wie du im realen Leben daher kommst.
    Auftreten ist wichtig. Körperhaltung, Blick, Stimmlage, die Art und Weise, wie du jemandem begegnest. Das kann man üben. Zum Beispiel in einem Rhetorikkurs oder in einem Schauspielkurs (hab ich mal gemacht - unglaublich, was man da lernt!). Man kann lernen, das eigenen Auftreten bewusst zu steuern. Dann kommen gewisse Reaktionen von aussen schon viel weniger vor. Und interessanterweise verändert das Auftreten mit der Zeit auch die innere Haltung.

  5. Inaktiver User

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Nein sagen muss man üben. Und lernen, dass ein Nein nicht bedeutet nicht mehr gemocht zu werden, im Gegenteil!

    Die Tür nicht aufzumachen ist jedenfalls keine Lösung denn nun weißt du nicht, was man von dir/euch möchte.

    Du musst für den Anfang nicht wissen was du willst - es reicht zu wissen was du nicht willst! Und dann musste du das auch sagen.

    Die meisten Menschen können mit einer deutlichen Ansage gut umgehen. Ein Nein ich will jetzt keinen Besuch, ruf nächstes Mal vorher an reicht aus. Das verstehe die Menschen.

    Du ärgerst dich hinterher auch nicht mehr so!

  6. Inaktiver User

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Kuschelchen, eine Art "Erste Hilfe" wäre auch, dass Du beispielsweise sagst "Das muss ich mir noch überlegen.". Dann überlegst Du Dir eine "Absage" und sagst später der betreffenden Persön "nein, das geht nicht". So gewinnst Du zumindest Zeit.

  7. User Info Menu

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Den "Rezepten" von Wildwusel kann ich mich nur anschließen und auch Horus' Zeilen bezüglich Deines Nicks.

    Zitat Zitat von Kuschelchen Beitrag anzeigen
    ...
    wie schafft man es, sich gut gut abzugrenzen und sich nicht ständig irgendwas aufdrücken zu lassen, was man nicht möchte. Bei mir ist es so krass, dass ich meinen Weg einfach nicht gut finden kann. Immer wieder komme ich an dieses Problem und verstecke mich dann am liebsten.
    Verstecken ist keine gute Lösung, damit erreichst Du keine Besserung. Ich kann Dich nur ermutigen, nach und nach ein klares Nein zu üben. Man muss das auch nicht an jeder Stelle begründen, aber oft ist es sinnvoll, um sein Gegenüber nicht völlig vor den Kopf zu stoßen.

    Zitat Zitat von Kuschelchen Beitrag anzeigen
    Aktuellstes Beispiel: An unserer Türe klingelt es heute. Keine Ahnung, wer das ist. Wir machen nicht auf. Ganz einfach. Leider doch nicht sooo einfach. Es landet ein Zettel in unserem Briefkasten vom Stromanbieter. Die Mieter unter uns sind diesen Monat ausgezogen, es geht um ihre Abmeldung, Stromzählerstände etc. Eine Stunde später beäugen wir wieder ein Auto vor dem Haus. Diesmal sind die Ex-Mieter auch da. Es war wohl die Hausverwaltung wegen Wohnungsabnahme o. ä. Haben die wieder anschließend bei uns geklingelt? Glaube ja. Nachdem sie weg waren, gucke ich in den Briefkasten, liegt ein Schlüssel drin. Keine Nachricht. Die kommt vielleicht noch per E-Mail, aber den Schlüssel, haben wir jetzt eben. Da es nur einer ist, nehme ich an, der ist nur für Notfälle?! Allerdings habe ich auch keine Lust auf unentgeltliche Aufgaben wie: "Könnten sie mal unten die Wohnung aufsperren" für Handwerker, Nachmieter etc. Bin ich da jetzt empfindlich und egoistisch? Naja, wenn ich die Tür aufgemacht hätte, ich hätte den Leuten ganz sicher nichts abschlagen können.
    Mal zu Deiner konkreten geschilderten Situation:

    O.k. - Tür nicht öffnen ist legitim, bringt aber manchmal auch nur Zusatzarbeit, weil man dann z.B. selbst etwas von irgendwo abholen muss, einen Termin vereinbaren muss, wofür man ggf. dann noch frei nehmen muss etc. Daher öffne ich eigentlich immer die Tür.

    Wenn der Zettel im Briefkasten nicht Eure Stromangelegenheiten betrifft, dann ist nichts weiter passiert, außer dass Du nun einen Zettel mehr hast.
    Du musst keinerlei Serviceleistungen für Deine Nachbarn erbringen. Die Firmen probieren es eben, weil sie auch nicht mehrfach kommen wollen.

    Der Schlüssel ist ohne Absprache in Deinem Briefkasten? Falls ein Schreiben dabei war mit dem Hinweis des ausgezogenen Mieters, dann hebe ihn auf - er kann ihn bei Gelegenheit bei Dir abholen (falls Du zufällig da bist). Wenn Firmen kommen, die auf den Schlüssel hinweisen und in die Wohnung gelassen werden wollen, dann sage ihnen, dass Du nichts mit Deinen Nachbarn vereinbart hast und sie diese selbst kontaktieren möchten. Du bist schließlich so verantwortungsvoll, niemanden einfach so in eine fremde Wohnung zu lassen.
    Lag der Schlüssel sogar ohne Begleitbrief im Briefkasten, dann könntest Du ihn z.B. nach einer Woche im Fundbüro abgeben.
    Falls die Nachbarn danach fragen, kannst Du sagen, dass Du ihn nicht zuordnen konntest und es keine Absprachen gab. Sie können ihn dann vom Fundbüro abholen.
    Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
    Christian Fürchtegott Gellert (1715-69)

  8. User Info Menu

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Zitat Zitat von Kuschelchen Beitrag anzeigen
    Keine Ahnung, wer das ist. Wir machen nicht auf.

    Wenn ich zurückschaue, wo man überall ausgenutzt worden ist, dann kommen mir die Tränen. Das letzte Mal hat uns so richtig viel Geld gekostet.
    Wer auch immer mit Dir lebt/bei Dir wohnt, hat also das
    gleiche Problem bzw. wendet die gleiche Taktik an.

    Ich nehme an, Ihr bestärkt Euch gegenseitig in dieser Sichtweise, ausgenutzt
    zu werden?
    Wenn ich zurückschaue, wo man überall ausgenutzt worden ist ...

    Darf ich fragen, wie alt Du ungefähr bist?



    Sogar bei Arbeitskolleginnen denke ich oft, besser man hat nichts mit ihnen zu tun. Gibt da ja auch welche von dem Schlag, die einfach unangemeldet vor einer Tür stehen oder solange fragen, ob sie vorbeikommen können, bis man sie dann da hocken hat, obwohl man das gar nicht möchte.
    Die von Dir beschriebenen Szenarien sind mir persönlich fremd.

    Passiert das, was Du da beschreibst, auch in Wirklichkeit?

    Oder steigerst Du Dich da so hinein, dass es bereits in der Fantasie
    als bedrohlich erlebt wird?

  9. Inaktiver User

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Im anderen Strang im Mietforum hab ich vorgeschlagen, bezüglich des Schlüssels, die Hausverwaltung anzurufen und denen zu sagen: "Ich hab einen unidentifizierbaren Schlüssel in meinem Briefkasten gefunden, ohne Nachricht dazu. Ich gehe davon aus, dass Sie diesen bis [genaues Datum] bei mir abholen. Sollte es der Schlüssel für die leere Nachbarwohnung sein, dann nehmen Sie zur Kenntnis, dass für das Management dieser Wohnung nicht zur Verfügung stehe." Punkt.

  10. User Info Menu

    AW: Sich gut abgrenzen können - wie lernt man das?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Im anderen Strang im Mietforum hab ich vorgeschlagen, bezüglich des Schlüssels, die Hausverwaltung anzurufen und denen zu sagen: "Ich hab einen unidentifizierbaren Schlüssel in meinem Briefkasten gefunden, ohne Nachricht dazu. Ich gehe davon aus, dass Sie diesen bis [genaues Datum] bei mir abholen. Sollte es der Schlüssel für die leere Nachbarwohnung sein, dann nehmen Sie zur Kenntnis, dass für das Management dieser Wohnung nicht zur Verfügung stehe." Punkt.
    Naja - nur kann sie ihn ja nicht mehr abgeben, weil sie ihn lt. anderem Strang bei der Nachbarin in den Briefkasten geworfen hat.

    Sorry für Crossposting!
    Eigentlich müsste man die Stränge zusammenlegen ...
    Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
    Christian Fürchtegott Gellert (1715-69)

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