Hallo,
ich habe letztens in einer Diskussion über Lebenszufriedenheit eine interessante These aufgegriffen, die mich ein wenig beschäftigt.
Jemand sagte, dass die jungen Menschen heutzutage nicht mehr in dem Maße wie früher danach streben, sich etwas aufzubauen (vor allem Haus oder Eigenheim). Für sie sei hauptsächlich das Jetzt wichtig. Sie wollen es sich gut gehen lassen und konsumieren (ausgehen, Urlaube...). Dass jemand (oder ein Paar) sich etwas aufbauen will, dass sie sich beispielsweise zum Ziel setzen, ein Haus zu haben und dafür sparen, und beständig daran arbeiten, sich diesen Traum zu verwirklichen und dafür auch Opfer bringen, wie beispielsweise ein Nebenjob nach Feierabend oder der jahrelange Verzicht auf Urlaub, sei selten geworden.
Stattdessen wollten die Leute nur so viel arbeiten, wie es gerade in ihr Leben passt und dazu auch möglichst bequeme Jobs haben.
Dieses fehlende Ziel und der stetige Fokus auf das "es sich jetzt gutgehen lassen" würde zu Unzufriedenheit führen, weil die Leute kein Projekt hätten, dass sie verfolgen und dass sie zufrieden macht, wenn sie es endlich geschafft haben.
Dieses Arbeiten an einem gemeinsamen Traum würde Paare zudem zusammenschweißen. Das stetige Denken an sich selbst ("mir soll es gut gehen") wäre nicht gut für beständige Beziehungen.
Was sind eure Meinungen dazu? Gibt es Menschen, die diese Meinung teilen? Entspricht das wirklich unserem Zeitgeist?
Antworten
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28.01.2016, 12:05
Ziele verfolgen versus Konsum
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28.01.2016, 12:13Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Oft genug im Bekanntenkreis erlebt - Jahrelang aufs Haus hin gearbeitet, gebaut etc. und als es fertig war - peng...Trennung..
Nein, in der heute so schnell lebigen Zeit ist ein im Hier und Jetzt leben wirklich wichtiger denn je, finde ich.
Ich weiß nicht ob ich in 10 Jahren oder 20 Jahren noch lebe . was nützt mir ein Langzeitprojekt dass ich vielleicht gar nicht mehr erlebe?
Es soll mir gut gehen und natürlich auch meinem Mann.....und das genießen wir im Hier und Jetzt, Heute und nicht erst morgen.
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28.01.2016, 12:27
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Gerade der Traum vom eigenen Haus war aber zu anderen Zeiten auch leichter zu verwirklichen. In der Hauptstadt, die im Bundesdurchschnitt ja sogar als günstig gilt, ist Wohneigentum in den letzten Jahren derartig teuer geworden, dass es für viele Menschen ins Unerreichbare gerückt ist. Warum auf etwas hinsparen, das man nie wird haben können?
Das mit der Bequemlichkeit der Jobs kenne ich so nicht, mir begegnen aber durchaus Menschen, die sich eher in ihrem Standard als in ihrer Freizeit einschränken wollen. Sie wollen Zeit haben für die Kinder, für Hobbies, für Müßiggang. Ich finde das eigentlich eine sehr schöne Einstellung.
Ich finde es in der Tat gut, wenn Paare an gemeinsamen Visionen oder Projekten arbeiten. So ein Projekt kann aber eben auch ein gemeinsames Hobby sein, mit dem es den beiden eben im Jetzt gut geht. Mir wird hier ein bisschen wenig zwischen Hedonismus und Selbstfürsorge unterschieden. Dazwischen besteht doch schon etwas mehr als ein gradueller Unterschied.Be like a duck. Remain calm on the surface but paddle like hell underneath.
Michael Caine
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28.01.2016, 12:29
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ich habe ein Haus, gebaut vor 6 Jahren, das Ding ist wegen vieler Mängel bis heute nicht fertig. Im Zusammenhang mit diesem Projekt haben wir mindestens 7 Prozesse geführt und es nimmt kein Ende.
Nicht nur deswegen kann ich verstehen, wenn junge Leute solche Dinge heutzutage nicht mehr angehen wollen.
Davon abgesehen, weiß man ja wirklich nicht, wie lange man noch lebt.
Okay, dann kommt die Frage auf, ob man auch genug für's Alter vorgesorgt hat. Wenn ja, ist das super. Lässt man sich scheiden, muss man teilen. Blöd gelaufen. Hat man nichts, muss auch nichts geteilt werden.
Wenn nein, bekommt man Grundsicherung. Scheint einigen ja zu reichen.
Was ich im Verwandtenkreis zur Zeit erlebe, ist, dass Erspartes für Pflegeheime drauf geht. Das ist natürlich richtig und ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man zuerst eigenes Geld verwenden sollte, bevor der Staat oder die Kinder einspringen müssen. Dennoch sind viele darüber verzweifelt, weil der Pflegebedürftige im Heim lebt, der Ehegatte aber sein eigenes Leben im Eigenheim, das ja auch kostet, noch bewerkstelligen muss. Wie oft hab ich da den Satz gehört, dass Leute, die nichts haben, das vom Staat/der Krankenkasse finanziert bekommen.
Das sind jetzt nur meine eigenen Erfahrungen.
Grundsätzlich kann die Einstellung aber verstehen, denn heutzutage hat man nicht mehr den einen Job lebenslang vor Ort, sondern muss flexibel sein. Da passt ein Haus nicht immer in die Lebensplanung.
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28.01.2016, 12:30
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ich erlebe die Jugend ganz anders.
Ich finde, nie war sie so zielstrebig wie heute. Alles andere als im "Hier und Jetzt" lebend.
Seltsam, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen.
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28.01.2016, 12:31Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
herzlich willkommen in der bri

wer ist denn jemand?
ich bin auch jemand, und ich sage, dass es sowohl diese menschen gibt, als auch andere menschen. wie immer: gottes garten ist groß.
erst gestern war ein kollege bei mir, der mich fragte, wieviel die firma bei seinem bausparvertrag dazu gibt, er will nämlich so schnell als geht ein haus bauen... und dafür muss er sparen, sparen, sparen.
der junge mann ist 22 jahre..... ist das jung genug, oder schon zu alt?
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28.01.2016, 12:32Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ich lebe so ein Projekt seit einigen Jahren. Der Traum von meinem Freund war Eigentum, inklusive Wegzug von der Großstadt. Ich habe mich auf diesen Traum eingelassen. Ein Teil von mir liebt unser Haus, es gibt natürlich sehr viele Vorteile. Ein anderer Teil sieht die Belastungen, hat die Belastungen kennengelernt. Meine Erfahrung ist, das vieles bei so einem Langzeitprojekt unterschätzt wird (bei uns erlebt, bei Bekannten erlebt).
Ich persönlich bin momentan an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich frage ob es das für mich Wert ist und mir Gedanken mache ob ich das auch weiterhin leben möchte.
Ausserdem ist Konsum relativ. Es geht doch auch um Leichtigkeit, Erfahrungen, Erlebnisse. Solch ein langzeit Projekt bringt Abstriche mit sich - in jedem dieser Bereiche.
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28.01.2016, 12:33Inaktiver User
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28.01.2016, 12:34
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28.01.2016, 12:48Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
der Traum vom eigenen Haus....also ich bin froh, wenn ich mein Haus in fünf Jahren verkaufen kann (so der Plan). Habe jahrelang in einer Mietwohnung sehr zufrieden gewohnt. Das soll jeder für sich entscheiden.


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