So ganz jung bin ich ja nicht mehr, aber ein Haus/eine Eigentumswohnung waren nie etwas, das mich besonders interessierte. Und jetzt, wo ich in meinem vorgerückten Alter durchaus immer wieder mal mitkriege, was Wohneigentum alles an Verpflichtungen und Kosten mit sich bringt, je länger je weniger.
Dass es mir gut geht, ist in der Tat sehr wichtig: aber Konsum ist auch nicht an erster Stelle, obwohl ich es schon sehr geniesse, dass ich endlich mal an einem Punkt angekommen bin, wo ich mir auch mittelgrosse Dinge kaufen kann, ohne ständig auf den niedrigsten Preis schielen zu müssen, schlicht weil ich mir mehr gar nicht leisten könnte.
Beständigkeit habe ich durchaus und langfristige Sachen, aber mein Ehrgeiz zielt eher in die Richtung, dass ich in meinen Beruf so gut bin und eine so gute Kundenbasis aufbaue, dass ich das Geld, das ich zum Leben brauche, mit relativ wenig Aufwand verdiene. und daneben dann auch viel Zeit habe für jene Dinge, die ebenfalls interessant sind, aber halt nicht bezahlt werden.
Klar. Wer wollte denn mehr arbeiten als passend und möglichst unbequeme Jobs haben? Doch niemand.Stattdessen wollten die Leute nur so viel arbeiten, wie es gerade in ihr Leben passt und dazu auch möglichst bequeme Jobs haben.
Unannehmlichkeiten, die jeder Job mit sich bringt, nimmt man halt in Kauf... aber es bringt doch nichts, die extra suchen zu gehen!
Das Eine widerspricht doch nicht dem Andern. Wobei für mich "es mir gut gehen lassen" eher bedeutet, an einem schönen Nachmittag am Fluss entlang zu spazieren und die Sonne auf meine Nase scheinen zu lassen, und nicht, das nächste Louis Vuitton-Store zu plündern.Dieses fehlende Ziel und der stetige Fokus auf das "es sich jetzt gutgehen lassen" würde zu Unzufriedenheit führen, weil die Leute kein Projekt hätten, dass sie verfolgen und dass sie zufrieden macht, wenn sie es endlich geschafft haben.
Es kann zusammenschweissen, es kann aber auch zusammenketten. Auf alle Ewigkeiten an eine Person gebunden zu sein, finanziell oder über die Kinder, kann aber auch ein lebenslanger Albtraum sein.Dieses Arbeiten an einem gemeinsamen Traum würde Paare zudem zusammenschweißen. Das stetige Denken an sich selbst ("mir soll es gut gehen") wäre nicht gut für beständige Beziehungen.
Viele junge Leute haben keinen Bock auf das, was David Graeber "Bullshit-Jobs" nennt. Leider gibt's enorm viele von denen. eine Alternative aufzubauen... wird wohl die heutige junge Generation machen oder zumindest anfangen müssen, aber ich beneide sich nicht um diese Aufgabe, das ist nämlich schwierig und langwierig.Was sind eure Meinungen dazu? Gibt es Menschen, die diese Meinung teilen? Entspricht das wirklich unserem Zeitgeist?
gruss, barbara
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 66
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28.01.2016, 16:59
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
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28.01.2016, 17:52
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Für mich gibt es einen Unterschied zwischen einer hedonistischen konsumorientierten Lebensweise und dem Leben im "Hier und Jetzt".
Sich vorwiegend um die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu kümmern, halte ich für auf Dauer nicht ausreichend erfüllend und sinnstiftend. Jedenfalls für viele Menschen. Eine gute Balance ist da oft besser.
Hingegen ist es oft etwas, das Menschen mehr geerdet und zufrieden sein lässt, wenn sie mehr im Augenblick als in Zukunftsplänen leben.
Ich persönlich habe noch nie ein "Projekt" gehabt, schon gar nicht zusammen mit meinem Mann. Ich habe nicht mal ein Hobby. Hingegen habe ich ein Leben und Interessen, die mir jedenfalls viel Vitalität bescheren. Und Austausch mit meinem Mann.
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28.01.2016, 18:19
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Für mich klingen diese Aussagen wie das Lamento eines frustrierten Bausparkassen-Aussendienstlers, der seine Verkaufsquoten nicht mehr schafft.
Richtig im Sinne von statistisch nachweisbar ist, dass materieller Besitz wie Immobilien und Autos gerade für eine Klientel bis 30 Jahre zunehmend uninteressanter geworden sind und werden.
Autos vermutlich deshalb, weil ihr Nutzen ökologisch und ökonomisch ohnehin immer fragwürdiger wird.
Immobilien wohl auch deshalb, weil diese jungen Leute diesbezüglich reichlich erben werden und zudem heute nicnt mehr so leicht wie vor 30 Jahren in Arbeitsverhältnisse kommen, mit denen man ein solches Projekt finanzieren könnte. Auch sind die staatlichen Anreize für den Immobilienerwerb heute geringer und die Preise relativ gesehen höher.
Reisen und verschiedenste, andere Formen der Selbst- und Welt-Erfahrung sind in ihrer Wichtigkeit gestiegen. Wichtig ist denen das, was "einem niemand mehr wegnehmen kann".
Ich finde diese Entwicklung gut und würde es nicht anders machen.
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28.01.2016, 18:59
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ja, diesen Fokus auf das Hier und Jetzt genieße ich doch teilweise auch sehr...
Wie sympatisch, maryquitecontrary!
Ich muss auch sagen, dass ich diese "Freiheiten" sehr genieße und mir momentan auch den Reiz eines Eigenheims noch nicht ganz vorstellen kann, wenn ich sehe, wie viel Arbeit meine Eltern mit ihrem Haus haben und wie festgebunden sie doch an dieses Haus sind, in dem sie seit 20 Jahren wohnen, obwohl mein Vater schon seit fast 10 Jahren ca. 100km entfernt arbeitet. Da frage ich mich schon des öfteren: Warum so kompliziert? In einer Mietwohnung kann man nicht viel überflüssigen Kram anhäufen und kann, wenn sich die Bedürfnisse ändern, "mal eben" schneller den Wohnort wechseln und beispielsweise weiter in die Stadt oder weiter raus ziehen.
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28.01.2016, 19:08Inaktiver User
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28.01.2016, 21:11
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Das Beispiel mit dem Hausbau finde ich nicht ideal.
Das ist für mich im Endeffekt auch Konsum, nur anders umgesetzt.
Ich sehe auch nicht inwieweit ein Hausbau jemanden zu einem besseren Menschen macht.
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29.01.2016, 06:56
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Klingt für mich, als würde da jemand die jungen Generationen mit der Generation meiner Eltern vergleichen. Das ist doch völliger Quatsch, die Welt hat sich seitdem ein paar mal gedreht und das sehr schnell.
Für meine Eltern mag der Hausbau nach einer Kindheit im Krieg eine große Verbesserung gewesen sein. Sie hatten aber auch Planungssicherheit in ihren Jobs. Und das mit dem Verzicht auf Urlaub - naja, damals waren die für ihre Verhältnisse immer noch im Mittel, d.h. wir machten Tagesausflüge in der Region. So viel und vor allem so weit rumgereist wurde damals allgemein noch nicht. Dann fühlt sich das auch nicht wie Verzicht an.
Die jungen haben heute bei weitem nicht mehr diese Planungssicherheit. Als Jobbeginner haben sie sehr oft befristete Verträge und kaum jemand kann noch sagen, dass er - um es mit Wildwustels Worten zu sagen - seine Schrauben immer in der selben Art bis zur (nicht vorhandenen) Rente reindrehen wird können.
Hauskauf sehe ich daher auch nur noch als Konsum und als Wertanlage. Kaum jemand wird heute auch noch für die Kinder bauen. Meine Eltern dachten noch so, aber die Kinder haben selbst gebaut und vererben wiederum diese Häuser oder sie sind nicht so vermögend, dass sie bauen könnten. Ehen rettet Häuserbauen sicher nicht. Genauso wenig wie gemeinsame Kinder. Die Fähigkeit sich selbst ein sinnerfülltes Leben geben zu können aber schon. Es ist also mal wieder das "Wie" und nicht das "Was", das die Qualität ausmacht. Vom eigenen Leben, von einer Ehe und von einer Gesellschaft.
Dieses "Früher war alles besser" geht mir langsam auf den Senkel. Nein, war es nicht. Es war anders, aber es wurde auch mehr untern Teppich gekehrt.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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29.01.2016, 09:13
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29.01.2016, 09:35
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Wahre Worte!

Ich betrachte das alles unter dem Aspekt der Beständigkeit.
Ich sehe es bei meinen Eltern, die sich mit diesem Haus vor 20 Jahren festgelegt haben und hier immer noch wohnen, so unbequem es manchmal auch sein mag. (weite Arbeitswege, Streitereien zwischen meinen Eltern --> Ich bezweifel, dass meine Eltern noch zusammen wären, wenn sie sich mit Haus und Kindern nicht ein gemeinsames Leben aufgebaut hätten)
Aber ich sehe auch, dass sie durch dieses "gebunden sein" auch verwurzelt sind. Hätten sie kein Haus gekauft und nicht 4 Kinder bekommen, hätten sie bestimmt einige Gelegenheiten ergriffen, wären mal hierhin und mal dorthin gezogen und hätten sich in einer ihrer Beziehungskrisen (tippe ich) auch mal getrennt.
Dann hätten sie aber jetzt keinen langjährig aufgebauten Freundeskreis und kein Leben, auf das sie mit dem Partner zurückschauen können.
Das stelle ich mir irgendwie traurig vor.
Mein Gedanke geht dahin: Auf der einen Seite genieße ich diese Freiheit, die mir offensteht, aber ich fürchte mich vor Einsamkeit, wenn ich in das Alter meiner Eltern komme (um die 60).
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29.01.2016, 09:49Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Zur These im Eingangspost: Jmd, der kein Haus baut ist doch nicht zwangsweise auf Konsum ausgerichtet / hedonistisch oder arbeitet nur das nötigste.
Und wie satc schrieb: Hausbau ist auch materialistisch. Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Pferdepflegerin... ;-)
Trotzdem kann man seine Freundschaften auch heute noch pflegen. Wir sind doch so viel mobiler geworden.



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