Außerdem ist es heute auch nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass man sein Leben lang am gleichen Ort bleiben kann (ob man das überhaupt will, steht noch mal auf einem anderen Blatt). Oft genug ist es so, dass man dorthin zieht, wo die Jobs sind.
Finde ich auch. Was nützt es denn, wenn man sich sein Leben lang abgespart und abgerackert hat, um dann in die Kiste zu springen, wenn das Haus gerade abbezahlt ist oder eben das Pensionsalter erreicht ist und man endlich mal Zeit für all das hätte, was man immer nur aufgeschoben hat.Zitat von Millowitsch
Ich habe die Theorie auch schon ein paarmal gehört, dass es früher nicht so viele Scheidungen gegeben hätte, weil Paare angeblich eher ein gemeinsames Ziel hatten als heute (in schweren Zeiten die Familie ernähren, einen Hof bewirtschaften, ein Haus bauen/abzahlen), aber ich halte das für ziemlichen Quatsch. Die Belastungen rund um einen Hausbau haben sicher auch schon so manche Beziehungen an oder über den Rand des Abgrunds getrieben, und nur weil man keine riesengroßen gemeinsamen Projekte verwirklicht, heißt das ja nicht, dass man nicht an einem Strang zieht. Viel wesentlicher für das Gelingen des Zusammenlebens ist in meinen Augen, dass man grundlegende Werte teilt und eine ähnliche Auffassung von einer gelungenen Beziehung hat.Zitat von rotgruen
Es braucht nicht zwingend ein oder mehrere große Ziele im Leben. Ich bin kein Mensch, der sein Leben in Projekte einteilt und sich explizite Ziele steckt, und lebe trotzdem nicht einfach nur dämlich in den Tag hinein.
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28.01.2016, 13:15
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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28.01.2016, 13:15
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ich fühle mich hin und hergerissen. Ich gehöre zu dieser "jungen Generation" (Mitte 20) und finde, dass beides seinen Reiz hat.
Auf der einen Seite schätze ich die vielen Möglichkeiten und Freiheiten die man hat. Auf der anderen Seite beklage ich die Unsicherheiten. Ich sehne mich durchaus nach etwas Beständigem. Sich (besonders mit dem Partner etwas aufzubauen) hat so etwas Beständiges.
Und ob es einem insgesamt vllt einen Lebensinhalt schafft?
Jemand behauptete mal, dass die Menschen heutzutage ein sinnentleertes Leben führen, weil sie nicht mehr viel arbeiten müssen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Deshalb würden sich auch so viele ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren, weil die Menschen dann endlich wieder ein "sinnvolles Projekt" hätten.
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28.01.2016, 13:19Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
mein Sohn ist Anfang 20 und hat durchaus Ziele (beruflich) und künstlerisch, die er verwirklicht sehen möchte. Bausparvertrag gehört nicht dazu, aber er legt monatlich etwas zurück. Kleine Summe. Außerdem lebt er in meiner ETW (alleine).
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28.01.2016, 13:19
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ich würd' nicht so viel drauf geben, was andere Leute "behaupten". Wenn Du helfen willst, hilf. Es kann Dir im Prinzip egal sein, als wie sinnerfüllt andere ihr Leben empfinden. Sein eigenes Leben nach bestem Wissen und Gewissen zu leben, ist erstmal Aufgabe genug, dann kann man weitersehen.
Be like a duck. Remain calm on the surface but paddle like hell underneath.
Michael Caine
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28.01.2016, 13:23Inaktiver User
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28.01.2016, 13:26
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28.01.2016, 13:28Inaktiver User
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28.01.2016, 13:38Inaktiver User
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Jemand kann ja viel behaupten
Ich kann auch behaupten, dass am Ende des Regenbogens ein Topf Gold auf mich wartet, deshalb ist es noch lange nicht wahr.
Ich kann mit diesem Kulturpessimismus ja nicht viel anfangen. Eine Tendenz dazu, es sich lieber heute schön zu machen, als für morgen zu sparen sehe ich allerdings auch. Aber das ist ja auch kein Wunder. Die heute 20- bis 30-jährigen haben schon mehrere Finanzkrisen erlebt, die Zeit nach der Wende und wie die Renten auf einmal doch nicht mehr sicher waren.... dass sie da lieber das Geld auf den Kopf hauen als es später womöglich zu verlieren, ist doch klar.
Das ist aber doch nicht gleichbedeutend mit "ein sinnentleertes Leben führen" - im Gegenteil. Wenn jemand (der schon wieder
) seinen Lebenssinn im Reisen, ausgehen, shoppen und genießen sieht, ist das doch toll, denn das macht Spaß. Seinen Lebenssinn nur in der Arbeit zu sehen, führt dagegen zum Burnout. Und was ist, wenn der Job auf einmal weg ist?
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28.01.2016, 16:33
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Ich denke, es ist heute leichter, von jetzt nach gleich zu leben, und schwerer, ein Projekt durchzuziehen, das auf langfristige örtliche und finanzielle Stabilität angewiesen ist, und der Grund sind Veränderungen im Arbeitsmarkt.
Manche Töchter von Freundinnen jobben sich von hier nach da und leben in halbmöblierten Wohnungen, arbeiten sechs Monate hier oder da und arbeiten an ihren Zielen: Beim Ironman mitzumachen, mit einer Jazzcombo groß rauszukommen, die Welt zu sehen, benachteiligten Kindern in der Nachbarschaft zu helfen, oder genug zu schlafen und viel mit netten Leuten rumzuhängen. Man kann sich beklagen, daß sie daran mehr Spaß haben, als es macht, 30 Jahre lang jeden Tag von 8 bis 5 Schrauben einzudrehen, aber man kann ihnen nicht wirklich vorhalten, daß sie nicht 30 Jahre lang von 8 bis 5 Schrauben eindrehen, da es diesen Schraubeneindrehjob nicht mehr gibt.
Selbst die Leute mit Plänen planen eher flexibel und aus einem Bewußtsein heraus, daß Chancen und Gelegenheiten kommen und gehen. Hoffe ich. Mit Mitte/Ende 40 sehe ich, was aus denen geworden ist, die nur eine Sache (diesen Job, diese Karriere, dieses Haus, diese Frau) wollten und sonst nix. Die haben entweder nichts, oder eine Sache, an denen ihnen gar nicht mehr so viel liegt...
Und da jeder selber paddeln muß, paddelt man nur zusammen, solange man in die gleiche Richtung will. Es länger zu tun ist ein Risiko, das schwer zu rechtfertigen ist.Geändert von wildwusel (28.01.2016 um 17:04 Uhr)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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28.01.2016, 16:39
AW: Ziele verfolgen versus Konsum
Als Langzeitprojekt empfehle ich Kunst aller Art. Das weiß man jetzt schon, daß die Kunst länger ist als das Leben.

Ein Haus ist ja auch nur etwas, das man sich kauft, weil man es haben will. Konsum. Nur eben einer, den man sich eigentlich nicht leisten kann.
Wenn der Blitz zweimal einschlägt, steht man sowieso beim Amt. Fast keiner hat für so etwas genug Resourcen. Wenn der Blitz dreimal einschlägt, steht man auf der Straße. Ich denke, dieser Gedanke ist heute sehr präsent und geht genauso in die Entscheidungen ein wie in den 80ern die gefühlte Gewißheit des nuklearen Holocaust in die "No future"-Haltung.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **



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