Hallo in die Runde,
als bisher nur stille Mitleserin habe ich mich nun hier registriert, um euch mein Anliegen zu schildern. Vielleicht habt ihr Anregungen, um meinen Knoten im Hirn ein wenig zu entdröseln
Es geht um Folgendes:
Mein Mann und ich planen momentan einen Hausbau mittels eines Bauträgers. Die wichtigsten Verhandlungen sind über die Bühne, so dass in den nächsten Wochen der Notartermin sowie die Grundrissplanungen mit dem Architekten anstehen. Einzug wäre etwa in 12 Monaten. Das neue Haus entspricht absolut unseren Wunschvorstellungen, wir könnten unsere Wohn- und Arbeitsbedürfnisse (wir arbeiten beide als Selbstständige zum Großteil von Hause aus) optimal berücksichtigen. Sowohl Lage, Infrastruktur in unmittelbarer Nähe als auch Ausstattung des Hauses sind aus unserer Sicht nicht oder nur extrem schwer zu übertreffen. Wie haben lange nach einem Haus wie diesem, was alle unsere Kriterien erfüllt, gesucht – alles in allem also ein Glückstreffer!
Zu Beginn war ich euphorisch und absolut angetan, hatte das Gefühl, dass wir den absolut richtigen Schritt tun, doch je länger der Gedanke dieser Veränderung in mir reift, desto negativer eingestellt und panischer werde ich – ich drehe momentan einfach nur noch am Rad und fühle mich komplett überfordert… (Als Randinformation: finanziell passt das neue Haus, da ist alles in trockenen Tüchern und gut geplant, daran liegt die Panik also nicht.)
Mich quälen diffuse Ängste, die ich nicht identifizieren oder einordnen kann, ich habe nonstop Herzrasen, kann mich auf nichts konzentrieren, bin innerlich total unruhig und fühle mich wie getrieben. Allein beim Schreiben gerade habe ich SchnappatmungI
ch habe zahlreiche Umzüge in meinem Leben hinter mir – klar, das macht alles keinen Spaß und ist in dem Moment stressig, aber unterm Strich ist immer alles glatt gelaufen, weshalb ich einfach nicht verstehe, was mich im Moment so fertig macht und zweifeln lässt! Ich habe das Gefühl, das alles (was auch immer das ist, denn mit Bauträger hat man zwar Termine zur Bemusterung, etc., aber den Großteil müssen wir ja gar nicht selbst koordinieren) nicht zu schaffen, würde mich am liebsten tot stellen oder flüchten… Ich kann gerade einfach nicht mehr.
Meinem Empfinden nach liegt hier der Hase im Pfeffer:
In den letzten zwei Jahren hatte ich drei Fehlgeburten und nach langem Überlegen, ob wir das Thema Kind nochmal angehen wollen, haben wir uns dafür entschieden. Gerade die dritte Fehlgeburt hat mich emotional schwer getroffen und umgeworfen, so dass ich mir nicht sicher war, ob ich mir eine erneute Schwangerschaft psychisch überhaupt nochmal zutraue. Ende Januar haben wir Termine zur genetischen Beratung und weiteren Untersuchungen und je nach Ausgang würden wir dann gerne nochmal loslegen. Der Kinderwunsch lässt mich einfach nicht los. Der Gedanke macht mir eine Heidenangst, so groß die Sehnsucht nach einem Kind auch ist, aber leider ist die Möglichkeit einer erneuten Fehlgeburt sehr realistisch und statistisch erhöht. Zudem werde ich dieses Jahr 38, also spielen Alter und die Biologie gegen mich… Puh, ich fühle einfach nur Druck, Druck Druck!
Auf ungute Weise sind die Themen Haus und Kind bei mir miteinander verknüpft, keine Ahnung wieso! Ich habe das Gefühl, dass ich mich für eine Option entscheiden muss, warum auch immer. Das neue Haus angehen und auf ein Kind verzichten: prima! Hier wohnen bleiben und hoffentlich ein Kind bekommen: auch prima! Aber beides, also Neubau UND Kind, die Möglichkeit macht mich einfach nur fertig und bringt um den Schlaf. Ich trau mir das einfach nicht zu, das ist zu viel, der Gedanke lässt mich durchdrehen
Habt ihr Ideen, woher diese verquere Verknüpfung bei mir kommt? Endlos viele Frauen kriegen ein Kind und ziehen um, ich verstehe einfach nicht, warum mich allein der Gedanke daran total erschöpft und aus der Bahn wirft, irgendwas scheine ich da zu projezieren, ich komme einfach nicht klar.
Lieben Dank fürs Lesen und herzliche Grüße,
Saba
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16.01.2016, 15:54
Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
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16.01.2016, 16:05
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Trenne bitte beide Dinge: den Wunsch trotz vieler Fehlgeburten noch ein Kind zu bekommen und den Hausbau.
Für beide Entscheidungen steht Ihr am Anfang. Beim Hausbau ist jede Sorge, was schief gehen könnte, berechtigt. Ich kenne niemanden der ohne Angst und Sorge einen Hausbau hinter sich gebracht hat. Und man Zahlt für etwas, was man erst in einem Jahr nutzen kann. Und Termine und Kalkulation einzuhalten, ist nicht die Stärke der Bauträger. Irgendwann wird man ziemlich ungeduldig.
Und nicht anders sind die Sorgen und Ängste einer erneuten Schwangerschaft. Noch nie war ein Kind pünktlich und immer, wenn was ist, entsteht Panik. Das kennst Du ja.
Da es Euch wirtschaftlich eigentlich gut zu gehen scheint, spricht nichts dagegen beide Projekte jetzt anzugehen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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16.01.2016, 16:50
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16.01.2016, 22:57Inaktiver User
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Guten Abend, saba.
Mir fällt das hier dazu ein.
Von einem mir nahe stehenden Menschen, kenne ich eine solche Situation.
Durch Erfahrungen in der Kindheit, gepaart mit sehr großer Verlustangst, war das Anschaffen von Immobilie mit einem sehr großen Stress/Trigger verbunden.
Obwohl das Anschaffen einer Immobilie viel Gewinn-bringender war, niedrige Zinsen.. es war diesem Menschen unmöglich, entspannt damit umzugehen.
In der Familie gibt es ganz wenige mit eigener Immobilie.
Und der Mensch entschied sich dann final doch dagegen, obwohl top Konditionen, weniger "Miete"(und gleichzeitig Eigentum erwerbend).
Was ich selber kenne.
Ich stamme aus einer Architektenfamilie, bei uns ist es völlig normal, Geld in Immobilie zu investieren, was ich auch schon früh tat, mit gutem Job, mein Mann studierte noch.
Die Sätze wie "warte doch, bis Dein Mann einen richtigen Job hat", haben mich schwer irritiert.
Äh, ich hatte einen guten Job. ... (und wir haben gekauft
!).
Den Vorschlag von opelius, die Dinge zu trennen, Hausbau und Kind, den finde ich sehr gut
, aber versuche mal zu erfühlen, was diese beiden Dinge bindet.
Das, reine Spekulation, könnte zusammen hängen, insofern, Zuhause und Kinder bekommen, das eine ist schön, als Voraussetzung für warme Räume, für eigene Räume, das andere ist etwas sehr bewegendes und das Leben komplett (auch im Schönen
) ändern wird.
...
Was ich damit sagen will.
Wir hatten "plötzlich" zwei Kleinkinder, hatten eine ganz andere Verantwortung, das lastete, wie das eben ist, wird man Eltern und ganz schnell zwei Male. Wir hatten auch mal knappe Zeiten.
Aber, irgendwie bekommen wir es gewuppt, obwohl wir kein Liebespaar mehr sind.
Durch meine familiären Kontakte habe ich mich entschlossen, alle Gewerke, Haus und Co. zu koordinieren. Mit zwei Kleinkindern U3 und gleichzeitig "ein Haus einzupacken". Never ever würde ich das nochmals so machen.
So eine Veränderung, Trauen/Besitz erwerben/Schulden machen kann nachhaltig verunsichern.
Versuche, dahin zu sehen, woher das "unruhige, was-auch-immer" kommt.
Solche Verträge haben auch viel damit zu tun, sich auf einen Menschen mehr einzulassen. ...
Wenn Dein Bauchgefühl komisch ist, warum auch immer, überprüfe es
.
Ein paar Gedanken, vielleicht kann Dir der eine oder andere etwas geben, das würde mich freuen. Und, wenn gar nix passt, auch okay.
Wünsche Euch alles Gute, Dein Text hat mich berührt,
narrare.
P.S. Alles Liebe für Deine Wünsche.
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17.01.2016, 08:18Inaktiver User
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Hallo saba,
für mich macht das alles schon Sinn.
Zum einen frage ich mich, inwieweit Du überhaupt zu diesem Schritt- innerlich- bereit bist.
Hast Du Dir je die Zeit für Trauerarbeit genommen? Hast Du verarbeitet, was geschehen ist und die Kinder betrauert?
In unserer Gesellschaft wird das sehr unterschätzt und viele Frauen verdrängen diesen Prozess dann auch, weil es im Außen kein entsprechendes Verständnis gibt.
Schon da denke ich- muss man sich nicht wundern, wenn man vermutlich innerlich noch ganz woanders steht und ein Projekt nun umgesetzt werden soll, was sich doch ein wenig wie ein Kind anhört "Wunschvorstellung","Glückstreffer"- Deine Beschreibung könnte man auch für ein Kind nehmen
Daneben- was für Überzeugungen, Gedanken- sind möglicherweise in Dir, die nun viel Kraft entwickeln?
Glaubst Du, dass mit diesem Traumhaus alle Deine "guten Karten im Leben" aufgebraucht sind?
Das bei soviel Glück- Dir nicht mehr zusteht?
Was bedeutet für Dich alles "Haus"- was ist daran gekoppelt? Träume, Wünsche, Ideale......was nun durch Deine Geschichte schon belastet ist?
Für mich ist der Trauerprozess ein ganz wichtiger Bestandteil, der - nicht vollzogen- einen Menschen immer bindet und den Weg nach vorne, erschwert.
lg kenzia
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17.01.2016, 10:52Inaktiver User
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Ich sehe da folgenden gedanklichen Zusammenhang:
Was will man mit einem großen Nest (denn ihr legt es ja so aus, dass Kinder willkommen sind), wenn es am Ende vielleicht doch leer bleiben könnte.
Solche Sinn-Grübeleien brauchen Kraft und Emotion, die einem dann beim Vorantreiben des Projekts fehlen.
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17.01.2016, 14:32
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Herzlichen Dank für eure Antworten!

So wichtig es wäre, die beiden Themen Hausbau und Kind zu entkoppeln, so schwer fällt es mir doch. Beides steht zeitlich parallel an und beides ist mit vielen Unwägbarkeiten verbunden, so wie Opelius richtig festgestellt hat. Ich glaube, gerade diese Doppelung an Ungewissheit ist mein Problem. Für ein Thema hätte ich wohl die Kraft und könnte auch mit Rückschlägen umgehen, aber zwei Projekte mit ungewissem Ausgang? Puuuhhh… Da kommt sofort ein Gefühl des Kontrollverlustes in mir auf.
Das hier hat mich beim Lesen total angesprungen. Kenzia, danke dafür!
Dieser Gedanke beschreibt sehr gut, was ich im Moment fühle und befürchte! Dieses „Du bekommst dieses Glück nicht, die anderen aber schon“ ist bei mir seit den Fehlgeburten stark verankert, wie ich beim Lesen und Schreiben hier gerade bemerke.
Und wenn ich nun Hausbau UND Kind anginge, käme mir das geradezu unverschämt vor, so als ob ich den Hals nicht voll bekäme. BEIDES zu wollen, soviel Glück kann doch kein Mensch haben…
Verrückt, bei anderen wären mir solche Gedanken total fremd, da würde ich mich einfach freuen, wenn beides klappte und von Herzen alles Gute wünschen. Bei mir selbst kommt es mir vor, als fordere ich das Schicksal heraus und provoziere dadurch quasi das Scheitern mindestens eines Wunsches.
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17.01.2016, 14:50
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Das springt mir ins Auge.
Ich weiß ja nicht, wie ihr euch Verantwortung teilt, aber es ist sicher sinnvoll, diese zu teilen. Und wenn du dich nun zusätzlich psychisch mit dem Hausbau unter Druck setzt (mit dem Kinderwunsch zumindest bereits unterbewusst), dann solltest du mit deinem Mann gerade darüber intensiv beraten. Sicher kann er dir einen Großteil dieser Ängste bzw. dieser Last abnehmen.
Ich dachte früher auch, was soll ich mit einem Haus, wenn mein Kind groß ist? Ja, es war schwer, denn mein Kinderwunsch war sehr zeitig sehr präsent und setzte sich durch. Also ohne Haus und Garten, was ich nicht schön fand. Wir konnten erst kaufen, als meine Tochter schon 16 Jahre alt war. Und sie war in einem Alter, wo sie das auch noch ablehnte und meinte, das Haus hassen zu müssen (Pubertät). Heute kommt sie gerne nach Hause und sagt: "Ihr habt mich verwöhnt mit dieser Lebensqualität hier."
Bauträger sind nicht immer berechenbar. Architekten auch nicht. Man kann hoffen, dass alles glatt läuft, aber man sollte auch mit Umwegen rechnen. Das würde ich an deiner Stelle mit deinem Mann mal genauer beleuchten. Er hat sicher Ideen dazu.Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
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20.01.2016, 10:42
AW: Hauskauf, Kinderwunsch - ich komme nicht klar
Hallo saba,
mir ging es vor zweieinhalb Jahren ziemlich ähnlich. Wir haben allerdings nicht gebaut, sondern gekauft. Aber ich saß so oft heulend auf dem Sofa und wusste nicht, ob wir das alles hinkriegen. Der Makler war sehr stressig und wollte die Unterschrift, bevor die Finanzierung stand. Es ist ein Erbpacht-Grundstück, da muss der Träger der Finanzierung zustimmen. Die Bank muss zustimmen, dass der Träger an erster Stelle im Grundbuch steht. Lauter so Mist.
Meine FG war ein halbes Jahr vorher. Mein Vater kurz zuvor verstorben - die Person, die mich gerade bei Geldangelegenheiten immer beraten hatte und vor allem bei Ängsten beruhigen konnte.
Mir wurde das auch oft alles zuviel: "Jetzt wollen wir ein Haus kaufen und Kinder wollen wir auch noch. Und in Urlaub fahren wir eigentlich auch gern. Das wird doch alles nix."
Was mir einfach geholfen hat war reden, reden, reden. Mit allen, die in meiner Nähe waren. Ob sie wollten oder nicht ;-)
Und - Bachblüten. Wenn das Herzflattern oder die Gedankenspirale kam, ein paar Tropfen und es wurde besser.
Wir wohnen seit fast zwei Jahren in unserem liebevoll renovierten Haus. Die Finanzierung läuft. Das Kinderwunsch-Projekt auch. Es gibt zwar keinen 2-wöchigen Mexiko-Urlaub mehr, aber Hamburg ist ja auch toll. Und unser Garten auch.
Ich drück dir die Daumen, dass du in zwei Jahren auch über deine Ängste schmunzeln kannst!
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21.01.2016, 19:36



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