Hallo liebe Bri-Com,
erstmal hoffe ich, dass das Thema hier reinpasst, sonst bitte verschieben![]()
Ich, Anfang 30, bin ein eigentlich positiv denkender Mensch, fröhlich. Seit knapp 6 Monaten befinde ich mich auf einer Talfahrt und ich komme nicht mehr in den Aufwärtstrend, meine Energiereserven gehen zu Ende.
Bis zum Sommer diesen Jahres habe ich im Ausland gearbeitet (toller Job, leider befristet, also wieder in Deutschland für Jobs beworben) und einen lieben Mann (40) kennengelernt. Er ist saisonal angestellt und mir/uns zuliebe nach Deutschland gekommen. Er spricht fast kein deutsch, aber englisch.
Wir beide also seit Anfang Sommer 2015 in Deutschland, ich weiterhin auf Jobsuche, er nicht, da er nicht mehr in seinem Bereich arbeiten möchte (Bachelor-IT, Midlife-Crisis hat ihn damals ins besagtes Ausland gebracht, um dort saisonal zu arbeiten.) Ein anderer Job? Nein, will er nicht. Sein Einkommen? Er verdient mit Online-Wetten sein Geld (seufz, ich tue mir da etwas schwer. Suchtpotential, 7 Tage die Woche 24/7 am Rechner, monetär betrachtet kein großer Gewinn, etc.)
Wohnsituation? Entweder wir beide bei seinem Bruder, der mit einer Deutschen verheiratet ist oder wir beide bei meiner Mutter. Ich schäme mich dafür.
Ich suche nach einem Job (Ingenieur von der Uni mit Berufserfahrung) händeringend und ich finde einfach nichts. Nicht mal als Assistentin, nicht mal Halbtags. Arbeitsamt ist involviert, Hartz 4 wird schwierig. Bewerbungen angepasst, verbessert und optimiert.
Mein Partner und ich wollen gerne zusammen wieder in das Ausland zurück. Dafür habe ich ein Visa-Antrag vor zwei Wochen eingereicht - wird jedoch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.
So. Und da bin ich nun.
Viele Baustellen. Ich finde einfach keinen Job mit Anfang 30. Dadurch kein eigenes Einkommen. Ergo, keine eigene Wohnung. Mein Partner will bei seinen Wetten bleiben. Mein Erspartes ist so gut wie weg. Sollte das mit dem Visa für´s Ausland klappen, brauche ich trotzdem Geld als Startkapital. Ich schäme mich, dass ich mit meinem Partner bei meiner Mama wohne, auch wenn sie sagt: generell ist das nicht so schlimm.
Ich habe sehr stark abgenommen, fühle mich unmotiviert meinen alten Hobbies nachzugehen, die Beziehung leidet und raubt mir viel Energie (da ich die treibende Kraft bin/war), ich lache nicht mehr, bin ständig müde und ach, wenn ich das hier so schreibe, tue ich mir selber so leid, dass ich von mir genervt bin. Geweint habe ich viel, da kommen keine Tränen mehr raus.
Was soll ich tun? Wann geht es wieder bergauf? Wie kann ich Energieräuber vermeiden? Beziehung beenden? Erstmal selber durchwurschdeln? Ausland gute Idee? Nehme ich nicht Beziehungsprobleme mit? Wo setze ich an zwischen Frust und Hoffnung (Job), Erkenntnis und nicht wahr haben wollen (Beziehung)?
Ich freue mich sehr auf eure Antworten. Es fühlt sich alles so hoffnungslos mies an und wahrscheinlich geht es vielen so![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 37
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28.12.2015, 19:03
Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
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28.12.2015, 19:29
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Hallo Amilu!

"Kein großer Gewinn" - heißt das, dass er letztlich nichts dabei verdient oder dass der Gewinn einem niedrigen Einkommen (z.B. vergleichbar mit Niedriglohnsektor) entspricht?
Würdest Du im Ausland schnell einen Job bekommen, der Dir einen vernünftigen Lebensunterhalt sichert? Falls nein, warum die Überlegung? Zu Hause kannst Du zumindest bei Deiner Mutter wohnen - etwas adäquates wirst Du im Ausland vermutlich nicht nutzen können, oder?
Hast Du Dich auch nach Quereinsteiger-Jobs umgesehen?
Du schreibst, dass er ein lieber Mann ist und dass Du Dich mit seinem "Job" schwer tust - wie massiv die Beziehungsprobleme sind, kann ich nicht entnehmen.
Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass jeder erst einmal für die Sicherung seines eigenen Lebensunterhaltes verantwortlich ist. (Kann sich bei gemeinsamen Kindern je nach Lebensmodell ggf. verschieben.)Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
Christian Fürchtegott Gellert (1715-69)
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28.12.2015, 19:31Inaktiver User
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Hast Du ein wenig Zeit?
Das sozusagen kurz dazu.
Sucht
Und ja Du hast ein Recht auf miese Stimmung. Das ist eine Situation mit welcher Du so einfach nicht gerechnet hättest und die Dir ein wenig den Mut nimmt. Es kommt grad dick für Dich von allen Seiten und Du kannst es nur Schritt für Schritt lösen, wenn es denn mal vorwärts geht. Allerdings nimmt diese schlechte Stimmung eben auch ein wenig die Kreativität, also sorge gut für Dich, tu Dir etwas Gutes und sei es tagsüber eine Spaziergang. Der kostet nichts. Alles Gute!
Ach und bzgl. Deines körperlichen Zustandes, kannst Du zum Arzt gehen. Das klingt nach einer Depression. Das ist eine Krankheit, da hast Du keine Kraft Du brauchst jetzt erst mal Hilfe für Dich, dass Du erst mal wieder gesund wirst.Geändert von Inaktiver User (28.12.2015 um 20:04 Uhr)
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28.12.2015, 19:35Inaktiver User
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Als erstes: einzelne Baustellen voneinander trennen. Ja, manchmal sieht es wie ein großer Berg aus, aber tatsächlich sind es vielleicht nur ein paar kleine Hügel.
Du suchst seit einem halben Jahr einen Job. Das ist nicht ungewöhnlich. Es kann aber ein Anlass sein, zu prüfen, was nicht stimmt. Fehlt eine hier nötige Qualifikation? Bewirbst du dich am richtigen Ort für die richtigen Stellen? Oder musst du dir was komplett Neues suchen?
Zweite Baustelle ist offenbar die Beziehung. Ich hätte auch gewaltige Probleme mit einem Mann, der "Online-Wetten" als Berufsziel hat. Warum genau hast du dir ihn ans Bein gebunden? Wie lange seid ihr denn zusammen?
Drittens das Ausland. Ihr seid ja wohl nach D gekommen, weil du im Ausland keinen Job mehr hattest? Inwiefern wird sich das ändern, wenn ihr wieder zurück geht?
Du bist jung, du bist offenbar arbeitsfähig, du hast eine Familie, die dich unterstützt. Eigentlich beste Voraussetzungen, um aus dem Durchhänger wieder raus zu kommen.
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28.12.2015, 19:36Inaktiver User
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
der mann ist krank.
seine wettsucht zu tolerieren, hilft im nicht, sondern im gegenteil, macht es nur schlimmer.
du solltest dich räumlich trennen und erstmal auf deine ökonomische situation konzentrieren. wenn du boden unter den füßen hast, schaust du, wie es mit ihm weitergeht.
so ähnlich wie im flugzeug, da soll man die sauerstoffmaske auch erst sich selbst überziehen, bevor man dem anderen hilft.
sonst gehen beide unter.
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28.12.2015, 19:47
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Du hast scheinbar zwei Baustellen.
Erste Baustelle: Keinen Job bzw. kein adäquater. Das kenne ich nur zu gut. Trotz sehr hoher Qualifikation keinen Job zu finden bzw. einen, der passt, ist äußerst frustrierend und kann einen in eine Depression werfen. Kenne ich. Es geht ans Selbstwertgefühl. Du weißt aber sicher, dass ein halbes Jahr Sucharbeitslosigkeit normal ist und es kann auch ein Jahr dauern. Stell dich drauf ein. Ich weiß nicht, in welcher Region in Deutschland du suchst, aber könntest du dir vorstellen auch innerhalb D. umzuziehen? Denn hier gibt es gerade auch in deinem Bereich große Unterschiede, was das Angebot anbetrifft.
Zweite Baustelle: Dein Freund. Ich würde mich trennen. Ein Mann der Online-Wetter als seine berufliche Bestimmung betrachtet und nicht gewillt ist, aus seinem Leben was zu machen (auch mit Bachelor IT findet sich was), wäre nichts für mich und würde mich zusätzlich in meiner Job-Suche bremsen, denn mein Partner sollte mich im besten Fall auch immer inspirieren könne. Deiner zeiht dich ganz offensichtlich zusätzlich runter.
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28.12.2015, 20:09
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Das sehe ich ähnlich.
Wie wäre es, wenn er erstmal zu seinem Bruder zieht und Du bei Deiner Mutter bleibst? Du schreibst, dass Du Dich schämst, weil Ihr bei Deiner Mutter wohnen müsst. So hätte sie nur "einen" bei sich wohnen.
Und er hätte die Chance, ohne Dich beruflich Fuß zu fassen.
Das wäre zumindest einmal eine räumliche Trennung, durch die Du wieder klarer denken könntest und vor allem nachspüren könntest, ob er für Dich ein Energieräuber ist. Geht es Dir besser ohne ihn, fühlst Du Dich erleichtert (auch wenn es natürlich Phasen der Sehnsucht gibt) unterm Strich, dann kannst Du Dein Leben vorerst ohne ihn leichter in den Griff bekommen.
Liebe Grüße
Zio
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28.12.2015, 20:13
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Ihr Lieben, danke für die schnellen Antworten

Ich versuche, eure Rückfragen zu beantworten:
Mit den Wetten hat er erst in Deutschland angefangen, da er Geld verdienen möchte (verständlich), aber eben nicht in seinem gelernten Berufsfeld, bzw. als Angestellter (kann ich akzeptieren, wenn auch nicht jubelnd). Ich gehe mit dem Thema Sucht vorsichtig um, da ich familiären Hintergrund dazu habe und halte mich für aufgeklärt und geprägt, es weder mit übertriebener Furcht oder Ignoranz zu begegnen, sondern mit der nötigen Portion Intelligenz und Selbstschutz.
Er kann mir nicht genau sagen, wie viel er verdient. Ich habe ihm vorgeschlagen, eine Excel-Tabelle anzulegen, um einen Überblick zu bekommen, nur hält er davon nichts. Er ist sehr sparsam und wettet laut seiner Aussage nicht im "gefährlichen Bereich", sprich, dass er Geld verliert. Fragt mich nicht genau, wie das funktioniert, aber man kann auf zwei Pferde gleichzeitig wetten, und wenn dann beim Cricket jemand ein Tor schießt, gibt´s für ihn ein Gewinn auf einer Fussballwettseite
(*schlechter Sarkasmus Ende*) Er wollte es mir erklären und das Angebot werde ich gerne diese Woche annehmen.
Mein eigentliches Problem: dadurch, dass er ständig vor dem Rechner sitzt, bevorzugt am Esstisch oder auf dem Sofa und da er sehr sparsam ist, fährt er nicht für ein Wochenende oder für längere Zeit weg. Das ist mir zu viel auf-einander-sitzen. Dreimal habe ich mich entschlossen, eine Woche wegzufahren, um uns etwas Luft zu geben.
Und ja, das zieht mich runter. Ich Buckel mir einen ab, einen Job zu finden und der Herr bleibt daheim. Habe nichts gegen Selbstverwirklichung, ABER... mit ein bisschen mehr Plan? Weitsicht? Mehr aktiv, statt passiv-bequem? Mehr "Du findest keinen Job, Freundin? Ok, ich bewerbe mich als was-auch-immer. Ist ja nur für ein Jahr" Ah, ich kann das Gefühl noch nicht in Worte fassen, aber wisst ihr was ich meine?
Was meine Jobsituation angeht. Tja. Puh. Was soll ich sagen? Ich habe ganze ehrlich und das sage ich kleinlaut, nicht gedacht, dass ich so lange auf Jobsuche sein werde. Deutschlandweit? Natürlich. Ausland? Auf jeden Fall! Wenn es denn EU-Land ist oder unser besagtes Ausreiseland, weil er ja sonst kein Visum hat, da er nicht arbeiten gehen möchte.
Mein vorheriger Job im Ausland, war leider an eine Arbeitserlaubnis gebunden und ohne die, konnte ich ebenso keine neue Arbeitsstelle bekommen und musste das Land verlassen. Das wusste ich davor und habe das Risiko in Kauf genommen. Zumal ich damals aus ebenfalls befristeter Projektarbeit rauskam.
Aber wisst ihr was? Es ist interessant zu lesen, was ihr schreibt. In all euren Antworten finde ich meine Gedanken: Ja, erstmal mir selbst die Sauerstoffmaske überziehen. Mache ich gerade. Versuche ich. Verdammt, ich muss ruhig atmen. Erstmal tief Luft holen.
Mit jeder weiteren Jobabsage, tritt mein Traum vom Semi-Auswandern weiter nach hinten. Das Visum ist beantragt. SOLLTE es funktionieren, dann haben wir 1 Jahr Zeit, in das Land einzureisen. also genug Zeit, einen Job im Ausland an Land zu holen. hier in Deutschland wieder alles zu packen (nochmal Sauerstoffmaske überziehen) und wieder neu anzufangen."Du kannst nicht verlieren, wenn du nicht aufgibst!"
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28.12.2015, 20:19
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
zio und weiterweg, danke für eure Denkanstöße. Wir haben vereinbart, dass er SEIN Geld investiert, damit wir wieder etwas Abstand voneinander haben und uns auch mal vermissen können.
Ich weiß, dass er, egal wo er in Deutschland ist, sich zwar um einen Job bemühen würde, aber eigentlich nicht will. Warum auch, so ist´s doch bequemer.
Das Blöde, meinetwegen kam er nach Deutschland und auch wenn er mir das nicht zum Vorwurf macht, kommt da eine miese Stimmung auf, wenn er woanders "ausharrt".
Zwei Arbeitslose, eine gewillt, aber findet nichts. Einer könnte, wenn er wöllte. Willige Frau und fauler Kerl. Blöder Titel für mein Lebensabschnitt
"Du kannst nicht verlieren, wenn du nicht aufgibst!"
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28.12.2015, 20:21Inaktiver User
AW: Da bin ich also nun, im tiefen dunklen Tal
Mein erster Gedanke war, dass Dir die Beziehung mehr Kraft raubt, als sie Dir Gutes tut. Wenn der Mann wirklich Suchtverhalten zeigt, würde ich mich lieber gestern als heute trennen. Und nein, Du bist nicht verantwortlich für ihn und seine Lebensbasis. Seine Sucht - seine Verantwortung. Punkt. Alle mir persönlich bekannten Fälle, in denen der Partner versucht hat, den Süchtigen "mitzutragen" (emotional, finanziell, mit praktischer Alltagshilfe, Unterstützung bei Papierkram usw.), endeten darin, dass ein paar Jahre später nicht nur ein Mensch fix und fertig war, sondern zwei. Er allein muss das überwinden wollen und sich um die Maßnahmen kümmern.
Als Nächstes würde ich überlegen, ob Du Deine mittelfristige Zukunft im lieber Ausland verbringen möchtest oder in Deutschland, denn von dieser Entscheidung hängen viele Folgeschritte ab wie Bewerbungen, Wohnungssuche, Versicherung.
Um gut durch den Tag zu kommen, ist es wichtig, dass Du für Dich und Deine Gesundheit sorgst: Regelmäßige Nahrungsaufnahme, genügend Nachtruhe, Bewegung, möglichst viel Zeit draußen im Tageslicht verbringen, Hobby wieder aufnehmen (auch wenn es anfangs keinen Spaß macht - das spielt sich mit der Zeit wieder ein!), Energievampire konsequent aus dem Leben verbannen.
Im Moment schlagen einem die langen, dunklen Nächte zusätzlich aufs Gemüt. Zum Glück geht es mit der Helligkeitsdauer schon wieder bergauf


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