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    Verwirrende Gefühle

    Liebe Bri-Com,

    zunächst wollte ich meinen Beitrag bei Familiensache einstellen, aber im Grunde geht es eher um mich und meine Gefühle zu einem familiären Thema, die mich zurzeit beschäftigen bzw. irritieren (wenn nicht, bitte verschieben).

    Eigentlich geht es um die Familie meines Mannes. Zu seinen Eltern und seiner Schwester besteht seit je her ein distanziertes und wechselhaftes Verhältnis mit vielen Höhen und Tiefen. Ich habe von Anfang an versucht mich da raus zu halten und alle Entscheidungen die mein Mann in diese Richtung getroffen hat mitgetragen. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen und hoffe man kann mir dennoch folgen: Aufgrund der Beziehung zu seinen Eltern haben wir die letzten 10 Jahre viel zurückstecken müssen. Wir konnten zB fast nie in Sommerurlaub fahren und wenn Urlaub dann nur ein paar Tage. Ohne die Unterstützung meines Mannes würden seine Eltern heute auch nicht da stehen, wo sie jetzt sind. Wir haben zwar davon auch profitiert, aber eben mit vielen Einschränkungen und mein Mann würde mit dem heutigen Wissen das so auch nicht mehr auf sich nehmen.

    Jetzt ist es so, dass seine Eltern (ich sage mal grob) Vermögen aufteilen. Seine Schwester erhält dafür, dass sie ihre Eltern nie unterstützt sondern immer nur genommen hat, einen für mein Empfinden sehr hohen Anteil daraus. Eigentlich habe ich immer vehement die Meinung vertreten, dass Eltern es grundsätzlich völlig frei steht, mit ihrem Geld anzufangen was sie wollen und dass kein Kind das Recht hat, diese Entscheidung anzugreifen.

    Eigentlich bin ich der Meinung immer noch, aber seit ich weiß, was seine Schwester erhält kämpfe ich mit einer Mischung aus Gefühlen von Verletztheit, Enttäuschung, Ärger ja fast Wut, weil mir gerade bewusst wird, wie viel wir die letzten Jahre geopfert haben und wie wenig das im Verhältnis gewürdigt wird. Das kommt gerade alles hoch, als hätte ich es immer verdrängt, weil es eben so war und man nicht darüber nachgedacht hat und plötzlich blicke ich zurück und merke wie viele Jahre vergangen sind. Nur, ich will diese Gefühle nicht haben, sie sind mir fremd und verwirren mich. Ich fühle mich schlecht dabei aber sie sind da und lassen sich nicht weg reden.

    Versteht jemand was ich meine? Ich habe die letzten Jahre nie konkret in Frage gestellt und jetzt tue ich es doch. Ich denke darüber nach, was alles anders wäre, wenn wir zB woanders hingezogen wären. Ich habe einige falsche Entscheidungen in meinem Leben getroffen, aber immer gesagt, ein "hätte-wäre-wenn" Denken ändert eh nichts, ich muss im Hier und Jetzt denken. Aber in diesem Fall geht es nicht. Ich vermute, dass das daran liegt, dass alle anderen Entscheidungen nur mich selbst betroffen haben und ich diese auch selbst getroffen habe. Alles was seine Familie betrifft läuft irgendwie fremdbestimmt, vielleicht ärgert es mich darum?
    Wie werde ich diese Gedanken wieder los?

    Danke für Lesen und vll ein paar Denkanstöße
    Kathleena

  2. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    Hakuna Matata.....

    ...du wirst es tatsächlich nicht ändern.

    Bist du mit deinem Mann darüber im Gespräch? Es war ja auch schließlich seine Entscheidungen die du jetzt anzweifelst.

    Und vielleicht kannst du dir bewusst machen, dass wenn man Dinge für andere tut, hilft, sich einbringt, man nie eine Gegenleistung erwarten darf bzw. es nicht aus diesen Gründen tun sollte.

    Wenn ihr soviel geopfert habt, war das eure Entscheidung.

    Und ich glaube ein bisschen, dass deine Wut in die falsche Richtung, an die falsche Person geht.

  3. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    Nein, ich habe bisher nicht mit ihm darüber gesprochen, weil ich denke, dass es nichts bringt über gelegte Eier zu reden. Darum versuche ich mir erst mal hier darüber Gedanken kein zu machen.

    Und ja, letztlich war es nicht nur seine sondern auch meine Entscheidung. Ich wusste, dass sein Leben so sein wird und habe mich dafür entschieden. Ich hatte bisher ja eben nie den Gedanken, eine Gegenleistung zu erwarten, für mich war es auch immer selbstverständlich meinen Mann zu unterstützen. Gerade deshalb verwirren mich diese plötzlich aufkommenden Gefühle ja so.

    Was meinst du damit, dass die Wut in die falsche Richtung geht? Ich bin mir selbst gar nicht sicher, in welche Richtung sie geht... Ich glaube ich bin komischerweise auf seine Schwester sauer, obwohl sie die Entscheidung eigentlich nicht beeinflusst hat. Und ich bin auf mich sauer, weil ich nicht einfach drüber weg gehen kann.

  4. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    Zitat Zitat von Kathleena Beitrag anzeigen
    Was meinst du damit, dass die Wut in die falsche Richtung geht? Ich bin mir selbst gar nicht sicher, in welche Richtung sie geht... Ich glaube ich bin komischerweise auf seine Schwester sauer, obwohl sie die Entscheidung eigentlich nicht beeinflusst hat. Und ich bin auf mich sauer, weil ich nicht einfach drüber weg gehen kann.
    In Richtung deines Mannes?
    So wie ich das verstehe, war es ja auch zum Großteil seine Entscheidung die Dinge zu tun.

    Nur so eine Idee. Deshalb auch die Frage nach einem Gespräch.
    Wieso solltest du mit ihm nicht reden, es bewegt dich doch und es geht ja nur um einen Austausch.

  5. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    ja, immer schwierig, wenn Gefühle im Spiel sind, noch mehr wenn es um gefühlte (Un-)Gerechtigkeit geht. Wieviele Familien haben sich schon übers Erbe zerstritten? Ist es das wert? Alle, einschließlich Notar und RA (von vorneherein von den Eltern beteiligt), waren der Ansicht, dass ich eigentlich benachteiligt wurde. Ich hab das Erbe als unverdientes Geschenk angesehen, ich habe nichts dafür getan, es war die Arbeits- und Lebensleistung meiner Eltern bzw.ihrer Vorfahren. Auch andere Eltern arbeiten, haben aber nichts zu vererben; ich war also sowieso schon privilegiert - soll ich da aufrechnen?

    Involviert hat man nur die eigene Perspektive, die Eltern werden ihre Gründe haben, so irrational die (scheinbar oder wirklich) auch sein mögen. Es mag ungerecht sein, was ich für meine Eltern mache, mache ich, weil es meine Eltern sind, ich würde es auch tun, wenn sie keinen Cent zu vererben hätten.

    Trotzdem verstehe ich, dass (vermeintliche?) Ungerechtigkeit schwer zu ertragen ist. In meinem Fall hat sie sich langfristig übrigens fast ins Gegenteil verkehrt, aber das war über sehr viele Jahre nicht abzusehen.
    Wie auch immer, ich wiederhole: es ist ein Geschenk (fürs Finanzamt gsd nicht oder nur teilweise)

  6. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    Ich glaube nicht, dass sich meine Gefühle gegen ihn richten. Es war alles irgendwie vorgegeben und keine wirkliche Entscheidung, das so zu tun. Das hat sich auch alles eher entwickelt bzw. rauskristallisiert. Sicher hätte man für Entlastung unsererseits sorgen können, aber dafür fehlte uns das Geld und seine Eltern haben es anderweitig ausgegeben.

    Eigentlich wäre auch alles so weiter gelaufen, dann hätte es am Ende ein Erbe gegeben und fertig. Nur jetzt greifen sie dem plötzlich vor (aber nur mit einem Teil), weil die Eltern ins Ausland gehen. Das Gute ist, damit sind wir aus allen Verpflichtungen raus, der Nachteil ist, dass es für meinen Mann eine Entscheidung ist, die seine Existenz betrifft und mit einigen Risiken behaftet ist. Dafür sind wir aber endlich "frei"... Eigentlich müsste sich meine Wut gegen seine Eltern richten.

    Ich möchte derzeit nicht mit ihm darüber reden, da er von seinen Eltern im Grunde enttäuscht ist. Wenn ich jetzt noch mit einem "hätten wir es doch anders gemacht" Gerede komme, könnte er vielleicht noch das Gefühl bekommen, dass ich ihm was vorwerfe und das ist so nicht. Auch wenn ich dringend das Bedürfnis habe, darüber zu reden.

    Ich vergleiche meine Gefühle mit Gedanken wie "es ist so ungerecht, dass mein Leben nichts Besseres für mich vorgesehen hat (Familie, Bildung, Aussehen etc)". Es ist völlig sinnfrei darüber nachzudenken und dennoch sind die Gedanken da. Ich will das nicht.

  7. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    @ilazumgeier:
    Nein, es ist es nicht wert sich darüber zu zerstreiten. Das möchte ich auch nicht, vll möchte ich daher auch nicht mit meinem Mann reden. Ich möchte auch nicht aufrechnen.

    Aber dennoch ist es schwer zu ertragen und ich muss das irgendwie hinter mich bringen.

  8. Inaktiver User

    AW: Verwirrende Gefühle

    Zitat Zitat von Kathleena Beitrag anzeigen
    Ich denke darüber nach, was alles anders wäre, wenn wir zB woanders hingezogen wären. Ich habe einige falsche Entscheidungen in meinem Leben getroffen, aber immer gesagt, ein "hätte-wäre-wenn" Denken ändert eh nichts, ich muss im Hier und Jetzt denken. Aber in diesem Fall geht es nicht.
    Doch es geht. Man sollte immer zu seinen Entscheidungen stehen und das Beste daraus machen. Das ganze Herumhirnen bringt außer Frust garnichts.

  9. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    Zitat Zitat von Kathleena Beitrag anzeigen

    Aber dennoch ist es schwer zu ertragen und ich muss das irgendwie hinter mich bringen.
    ja, das ist nicht nur verständlich, sondern vermutlich sehr normal.


    Nur: Auch Gerechtigkeitsempfinden ist sehr subjektiv. Aus Elternsicht kann ihre Ungerechtigkeit gerecht erscheinen, warum auch immer.

    Meine Cousine und ihr Bruder erbten zu gleichen Teilen. Ihr Bruder war (und ist) zutiefst überzeugt, dass er aus diesem und diesem und diesem und jenem Grund mehr kriegen müsste (andere Ausbildung, er verdient weniger, er hat öfter den Rasen gemäht......
    stimmt, aber er sieht nicht, dass die Shwester schneller eigenes Geld verdient hat, die Steuer erledigt....)

    Kleinscheiß, aber das gibts auch ein paar Nummern größer.

    Gönnen können. Die Schwester ist vielleicht lebensuntüchtig, unglücklich.... Dann sorgt nicht das Leben, aber das Schicksal für gerechten Ausgleich. und wenn nicht: was solls

  10. gesperrt

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    AW: Verwirrende Gefühle

    Gönnen können...
    Das habe ich auch schon so oft zu anderen gesagt. Und jetzt bin ich selbst betroffen und alle guten Vorsätze sind dahin... Ich bin über mich selbst enttäuscht.

    Wenn ich hier so schreibe und darüber nachdenke, merke ich, dass es vielleicht auch um etwas anderes geht.
    Seine Schwester bekommt etwas dazu, ohne dass sich etwas ändert. Sie macht weiter ihren Job, bleibt dort wo sie ist und hat einfach ein Plus. Mein Mann konnte sich weder bzgl Wohnort noch bzgl Beruf bisher entfalten. Jetzt könnte er es aber er muss neu anfangen, wenn er jetzt das machen will, was er schon immer wollte. Da schwirrt eben auch Existenzangst bei mir mit, auch wenn es so besser ist als vorher. Wir haben jetzt zwar ein finanzielles Polster aber nicht als Plus sondern als "anstatt".

    Zudem wäre es einfach schön, wenn mal jemand danke sagen würde. Wenn jemand sehen würde, auf was wir bisher verzichtet haben und dass es eine schwere Zeit war. Ich will nur, dass das jemand anerkennt und mal ausspricht. Dann würde es mir bestimmt besser gehen. So tut jeder so, als ob das doch alles kein Problem war und wir jetzt alle profitieren. Nein. WIR haben dafür viel aufgegeben. Niemand sieht das anscheinend.

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