Also gut, ich versuche es etwas genauer zu umschreiben (anhand eines etwas abgewandelten Beispiels) da ich nicht möchte, dass der Eindruck entsteht, dass es mir nur um einen Geldanteil geht.
Die Eltern haben einen landwirtschaftlichen Hof und zum Ende des Studiums meines Mannes ging es dem Hof finanziell schlecht, da der Schwiegervater gesundheitlich angeschlagen war. Es wurde erwartet, dass der Sohn auf den Hof kommt und unterstützt, da ein Verkauf wirtschaftlich unsinnig gewesen wäre. So geschehen, jedoch wurde die Arbeit per monatlichem Lohn bezahlt (angestellt, wo anders hätte er langfristig mehr verdient). Der Hof wurde wieder hoch gewirtschaftet allerdings blieb eben kaum freie Zeit. Jetzt wollen die Eltern aus Altersgründen aussteigen, erwarten jedoch dass sie weiterhin monatlich einen bestimmten Betrag aus der Hofwirtschaft bekommen. Dies würde jedoch bedeuten, dass entweder der Sohn von seinem eigenen Einkommen etwas kürzen müsste oder er hätte keine finanzielle Luft 1-2 Mitarbeiter einzustellen, die die Arbeit der Eltern ersetzen. Die Eltern rücken von ihren Vorstellungen jedoch nicht ab, da sie keine Altersvorsorge gebildet haben sondern das Geld ausgegeben haben. Also haben sie den Hof verkauft und geben den Kindern einen gewissen Anteil ab. Plus für die Schwägerin, für uns aber Wegfall des monatlichen Einkommens und die Notwendigkeit wo anders neu anzufangen, da es hier wie gesagt kaum Arbeitsmöglichkeiten gibt.
@Kistenkumpel
Zu 1) ja, ich bin immer noch der Meinung, dass es damals richtig war die Eltern zu unterstützen
Zu 2) ich überlege ihm meine Gefühle zu schildern, für ihn ist es aber auch nicht so einfach, ich möchte nicht, dass er meine Gedanken als Vorwurf empfindet. Es geht mir weniger um den Betrag an sich, ich will auch nicht mehr "aushandeln", aber irgendeine Geste, dass nicht alles einfach so selbstverständlich ist
Zu 3) es ging nicht darum, irgendwann entlohnt zu werden (den Hof zu erben), sondern darum den Eltern aus der Klemme zu helfen. Geplant war, dass sie den Hof weiter mit Mitarbeitern führen ohne die Kinder, aufgrund Missmanagements war das eben nicht mehr möglich
Zu 4) ich weiß das vom Kopf her. Die Entscheidung der Eltern kam aber sehr unerwartet. Ich war immer jemand, der versucht hat nie einen Groll gegen jemand zu hegen, aber es fällt mir im Moment sehr schwer.
@beklano
Ja, vermutlich muss ich die Gefühle zulassen, vielleicht ist es ja auch legitim so zu fühlen. Das versuche ich gerade rauszufinden.
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 35
Thema: Verwirrende Gefühle
-
22.12.2015, 18:50
AW: Verwirrende Gefühle
-
22.12.2015, 18:58
AW: Verwirrende Gefühle
Das ist heftig!
-
22.12.2015, 19:08
AW: Verwirrende Gefühle
Doch, ich verstehe was du mir sagen willst. Genau mit diesen Gedanken habe ich die letzten Jahre verbracht und mir gesagt, es soll eben so sein, das ist dein Weg, ein anderer wäre vielleicht auch nicht besser. Ich versuche immer mit dem zufrieden zu sein was ich nicht direkt beeinflussen kann oder zumindest das beste daraus zu machen.
Vielleicht ist es jetzt auch gut, neu anzufangen, auch wenn es nicht so einfach wird. Mir geht es nur darum, dass nicht alles umsonst gewesen und nicht alles selbstverständlich gewesen sein soll. Ein Eingeständnis, dass sie Fehler gemacht haben, ein Danke, dass wir da waren... Es würde es einfacher machen, als sich nur darauf zu besinnen, dass man sich nichts vorzuwerfen hat weil man damals geholfen hat und man sich heute vll Vorwürfe machen würde, hätte man es nicht getan.
-
22.12.2015, 19:58
AW: Verwirrende Gefühle
ich fürchte, auf Einsicht kannst du lange warten, auf ein Danke noch länger. Wie wärs trotzdem mit einem Gespräch? Immer noch ohne Vorwürfe, aber was sie euch raten würden?
Vielleicht geht ihnen dann - beim Realitäts-Check ihrer Vorschläge - der Seifensieder auf
-
22.12.2015, 20:05Inaktiver User
-
22.12.2015, 20:39
AW: Verwirrende Gefühle
Ich habe den Gedanken von Kistenkumpel als sehr stimmig und hilfreich empfunden, vielleicht kannst Du ihn weiter ausbauen.
Ich glaube, die meisten Probleme im Leben bekommt man, wenn man die Worte "richtig" und "falsch" verwendet.
Ersetze beide durch das Wort "passend". Dann ergibt sich ein komplett anderes Bild:
Ihr habt die Eltern unterstützt, zurückgesteckt, es war zur damaligen Zeit und für Euch "passend".
Da gibt es keine Wertung, sondern jede Handlung, die man setzt oder auch nicht setzt, ist für den Moment oder aus der Situation heraus genau passend.
Und wenn Ihr Eure Zukunft anseht, so ist es jetzt an der Zeit, eben auch "passend" zu agieren. Passend zu Euch, zu Euren Erfahrungen und zu Euren Wünschen.
Häng Dich nicht an die Probleme, sondern an die Lösungen.
Zeichne ein Zukunftsbild (oder mehrere), wie Du Dir Deine Zukunft vorstellst, was möchtest Du erreichen, was möchtest Du verwirklichen, Dein Mann ebenfalls.
Und dann schaut, wie Ihr das am besten erreichen könnt. Lösungsorientiert denken und nicht problem- oder sogar vergangenheitsorientiert, das ist wie Treibsand, in dem man steckt und nicht weiterkommt.
Und wenn Ihr für Euch eine Lösung gefunden habt, auf die Ihr hinarbeiten könnt, so werden die negativen Gefühle inhaltslos.
Liebe Grüße
Zio
-
23.12.2015, 00:32Inaktiver User
AW: Verwirrende Gefühle
Ich kann verstehen, dass Dir die Wertschätzung für das Geleistete fehlt. Aber - in der Landwirtschaft wird es tatsächlich erwartet, ja sogar als selbstverständlich angesehen und ist nicht "der Rede wert", dass der Sohn einspringt. Das sind die Wertmaßstäbe dieser Generation und dem konnte sich Dein Mann schlecht entziehen. Er ist damit aufgewachsen. Ich erwähne das weil es Dir so gesehen vielleicht leichter fällt das Ganze nicht zu persönlich zu nehmen.
Ansonsten schließe ich mich den Anderen an.Geändert von Inaktiver User (23.12.2015 um 00:39 Uhr)
-
29.12.2015, 19:32
AW: Verwirrende Gefühle
Hallo zusammen, ich melde mich nochmal zurück, da ich über die Feiertage einige Zeit hatte mir nochmal Gedanken zu machen.
Zunächst mal habe ich noch nicht mit den Eltern oder meinem Mann gesprochen. Es ist im Moment einfach alles sehr angespannt, es muss noch viel geklärt werden und für den Verkauf ist noch viel zu tun. Gegenseitige Vorwürfe bringen da nicht viel und es kocht so schon jede Kleinigkeit hoch, da will ich mit meinen Gedanken nicht auch noch dazwischen funken. Zumal eh nichts mehr zu ändern ist und alle nur noch froh sind, wenn es vorbei ist.
Zu mir habe ich mir aber einige Gedanken gemacht und auch eueren Ratschlag befolgt, lieber in die Zukunft zu blicken als zurück. Allerdings hat mir das auch klar gemacht, dass ich eigentlich gar nicht wirklich auf die Schwester wütend bin, noch nicht mal auf die Eltern, die so eigenmächtig gehandelt haben. Ich bin auf mich wütend, weil ich versucht habe, mir meine Zukunft ohne familiäre Verpflichtungen auszumalen und festgestellt habe, dass ich keine Träume mehr habe. Früher, während des Studiums, wollte ich in einen bestimmten Fachbereich, Karriere in einem großen Unternehmen machen, ins Ausland gehen...
Und heute? Keine Ahnung. Durch die Entscheidung den Hof zu unterstützen gab es plötzlich keine Überlegungen mehr, ich konnte noch nicht mal zu 100% in dem Beruf arbeiten, den ich erlernt habe.
Egal wo und wie wir jetzt neu anfangen, es ist nahezu unmöglich in diesem Beruf wieder vernünftig einzusteigen...
Und selbst wenn, will ich das überhaupt noch?
Wenn ich heute frei entscheiden könnte, was ich in Zukunft machen will... ich habe keine Ahnung, keine Leidenschaft, kein Hobby das ich zum Beruf machen kann.
Ich glaube, dass war mir schon die letzten Wochen unterschwellig bewusst, darum wollte ich auf irgend jemand anders wütend sein. Ich wollte mir das nicht bewusst werden lassen. Ja, ich für meinen Teil glaube viel geopfert zu haben, ob das nun noch jemand wertschätzt spielt aber eigentlich keine Rolle. Ich habe das Gefühl, so sehr im Hamsterrad gewesen zu sein, dass ich aufgehört habe zu träumen.
Was habt ihr für Träume, die ihr bei einem Neuanfang gerne verwirklichen würdet?
-
29.12.2015, 19:41
AW: Verwirrende Gefühle
Liebe Zio,
ich habe versucht, diesen Gedanken von dir zu verstehen. Aber ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass wir die Eltern unterstützt haben damals für uns passend war. Im Gegenteil, es hat überhaupt nicht gepasst. Weder in dem Moment noch für unsere Zukunftsplanung. Wir haben es damals gemacht, weil es uns richtig erschienen ist, aber passend war es nicht.
Im Nachhinein kann ich es teils als richtig, teils als falsch betrachten. Grundsätzlich war es die richtige Entscheidung zu helfen, aber es war falsch, nicht nach vielleicht doch besseren Alternativen zu suchen. Egal, ich kann die Zeit ja nicht zurückdrehen.
-
29.12.2015, 19:42
AW: Verwirrende Gefühle
.
Geändert von Kathleena (29.12.2015 um 19:43 Uhr) Grund: doppelt


Zitieren

