Hallo ihr Lieben!
Angeregt durch einen anderen Forenstrag, mache ich mir gerade Gedanken über die "innere Stabilität". Vielleicht mag ja jemand mitdenken.
Ich würde sagen, dass ich grundsätzlich schon ein sehr "stabiler" Mensch bin. Ich mich in den letzten Jahren auch sehr gewandelt/viel an mir gearbeitet. Kommend von, sagen wir mal, leicht destruktiv/recht depressiv hin zu einer schönen, inneren "Festigkeit".
Also: Ich komm klar, die meisten Sachen mach ich mit mir selber aus, ich bin ... zufrieden.
Doch es gibt sie "immer noch", diese Phasen, wo alles drunter und drüber läuft, wo nix so richtig klappt, wo man sich am liebsten nur die Decke über den Kopf ziehen würde und "Mama" um einen Kakao bitten.
Allerdings - je älter ich werde - desto häufiger lerne ich auch Menschen kennen, die so wirken, als wäre das bei ihnen "nie" so. Die so viel mehr schaffen und machen als ich. Die voller Elan und Tatkraft stecken. Immer.
Klar, ein "nie" und ein "immer" gibt es (eigentlich) nicht. (Und tatsächlich kenn ich auch zig mal mehr Leute, die eher "instabiler" wirken/sind als ich ...)
Trotzdem. Es scheint Menschen zu geben, die einfach in sich "noch" gefestiger sind als ich.
Und das will ich auch lernen, da will ich hin!
Ich hatte immer schon einen Hang zu Grübelei und Tagträumen. Vor allem denke ich dabei über die "Wenn´s wäre und hätte" nach. Denke mich in andere Leben ... obwohl ich mit diesem sehr zufrieden bin.
Manchmal, glaube ich, mache ich das (immer noch), um mich selber irgendwie zu bestrafen. Wie gesagt, ich war einst eher so der destruktive/depressive Typ.
Genauso - oder ähnlich - geht es mir, wenn ich irgendwas "falsch" mache.
Oder wenn ich mitkriege, dass mich jemand nicht mag.
Hm. Vielleicht könnt ihr damit was anfangen und mir Tipps geben. Ich würd mich freuen!
Liebe Grüße
Susisa
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02.12.2015, 14:52
Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
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02.12.2015, 15:07Inaktiver User
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Vielleicht ist das Zauberwort "wirken"...

Ich denke, jeder hat Schwächen und Durchhänger. Jeder.
Und eigentlich empfinde ich es als Stärke dazu zu stehen und damit versöhnt sein. Wer immer den starken Maxe mimt braucht allein dafür schon viel Kraft - das sind dann die Leute, die schon gar nicht mehr erkennen was für einen Druck sie sich machen.
Also: niemand hat immer alles im Griff, das ist völlig neben der Realität. Und nur weil manche so tun als ob muss es noch lang nicht so sein.
Die Lösung ist für mich also nicht, danach zu streben als hätte man selbst auch vermeintlich immer alles unter Kontrolle, sondern viel eher sich selbst zu gestatten ein fehlbarer Mensch zu sein.
Halt gewinnen in dem man ein unrealistisches Selbstbild pflegt, an dessen Umsetzung man nur scheitern kann, ist glaub ich nicht so ein guter Plan. Erfolgreicher scheint mir zu sein zu üben und daran zu glauben, dass Tiefs dazugehören und man auch immer wieder rausfindet.
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02.12.2015, 15:08Inaktiver User
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
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02.12.2015, 18:35Inaktiver User
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Ich denke auch: erwachsen sein heißt nicht, dass es einem nicht dann und wann mal die Füße unter den Beinen weghaut. Niemand sagt sich: "ich hab eine Krebsdiagnose, mein Job ist gekündigt und mein Partner zieht aus - ommm, die Welt ist schön..."
Aber erwachsen sein bedeutet, dass man Strategien aus dem Tief kennt, dass man auch in schwierigen Situationen die Verantwortung für sich selbst übernimmt und sich wieder frei strampelt. Wenn auch möglicherweise erst, nachdem man drei Tage unter der Decke geheult und sich von jemand anderem Kakao hat kochen lassen, denn auch das kann eine bewährte Bewältigungsstrategie sein.
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02.12.2015, 19:32
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
So sehe ich das auch.
Stärke und Stabilität bedeutet nicht, alles auszuhalten und wegzustecken, sondern zu wissen, was man wie bewältigen kann.
Decke über den Kopf ziehen und Mama um einen Kakao bitten zu wollen ist doch ganz wunderbar.
Diese Welt beiet doch jedenTag aufs Neue irgendwas, wozu einem manchmal wirklich nur noch das einfallen kann.
Nur dass zumindestens ich mir den Kakao dann immer selbst kochen muss, weil Mama halt nicht mehr da ist.
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02.12.2015, 22:28
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Ich denke, dass hier der Hase im Pfeffer liegt.
"Stabile" Menschen leben in der Realität, im "hier und jetzt" und nicht im "was wäre wenn".
Grübeln bringt nichts, außer negativen Gefühlen. Positive Gefühle kommen nur durch Annehmen dessen, was ist und einem anschließenden Blick nach vorne, am liebstem einem ganz konkreten Blick. Und der darauf folgenden Tat. Die Erfolge, die sich dann meist einstellen, stabilisieren wiederum.Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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02.12.2015, 23:00Inaktiver User
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Hm.
Ich bin auch eine von den (mittlerweile bekennenden) Tagträumerinnen.
Ich arbeite, verdiene die Brötchen und erziehe mein Kind allein, habe einen wunderbaren Freund und kriege mein Leben im Allgemeinen gut auf die Reihe. Und trotzdem habe ich mich immer wieder dafür gegeißelt, nicht so stabil und pragmatisch zu sein wie viele andere, auch mit erwachsenen 47 Jahren nicht. Warum eigentlich?
Es hat keinen Sinn, sich dafür runterzumachen. Nach meiner Erfahrung sind Menschen einfach unterschiedlich. Zum Glück. Ohne Grübler und Tagträumer gäbe es kein einziges Kunstwerk auf diesem Planeten. Niemand würde "zwischen den Zeilen lesen", etwas hinterfragen oder neu erfinden. Denn für all diese Dinge braucht es vor dem Umsetzen in die Tat ein Innehalten, ein Gespür für etwas Mögliches, noch Ungeformtes, was ausgedrückt werden will. Das braucht nunmal Zeit, sehr schön nachzulesen bei Proust.
Man kann versuchen, das vermeintliche Defizit als Qualität zu sehen und es zu nutzen. Künstlerisch, aber auch zwischenmenschlich. Kanäle zu finden, über die man etwas mit den Tagträumen anfangen kann.
Ohne diese nebulösen Zwischenreiche ab und zu aufsuchen zu dürfen wäre ich jedenfalls kreuzunglücklich.
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02.12.2015, 23:34Inaktiver User
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Was du als Elan und Tatkraft bezeichnest, ist in vielen Fällen einfach das Ergebnis eiserner Disziplin und "the buck stops here"- Mentalität. Leute mit solchen Eigenschaften stehen morgens mit einem Plan für den Tag auf und gehen abends mit einem neuen Plan für den nächsten Tag ins Bett. Tagträumereien haben da keinen "slot", und Probleme werden ein Teil-Lösungsschritte heruntergebrochen und abgearbeitet. Ob das in Summe erstrebenswerte Eigenschaften sind oder nicht, musst du für dich selbst entscheiden.
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03.12.2015, 07:14
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
klingt gut :-)
Die hab ich auch. Die sind völlig normal. Ich erledige die bloss im Privaten, andere kriegen die meist eher nicht mit. Mein "öffentliches Gesicht" ist durchaus eins von Elan und Tatkraft. Hoffe ich zumindest.Doch es gibt sie "immer noch", diese Phasen, wo alles drunter und drüber läuft, wo nix so richtig klappt, wo man sich am liebsten nur die Decke über den Kopf ziehen würde und "Mama" um einen Kakao bitten.
Aber das private, introvertierte, verträumte, ruhige, faulpelzige, nichtsnutzige Ich existiert auch und wird von mir hingebungsvoll gepflegt.
Klingt, als wäre Autorin von Romanen eine sinnvolle Tätigkeit für dich?Ich hatte immer schon einen Hang zu Grübelei und Tagträumen. Vor allem denke ich dabei über die "Wenn´s wäre und hätte" nach. Denke mich in andere Leben ... obwohl ich mit diesem sehr zufrieden bin.
introvertiert, ruhig, verträumt, nachdenklich, fantasievoll, Optionen-ausschöpfend etc muss nicht notwendigerweise destruktiv und depressiv sein.Manchmal, glaube ich, mache ich das (immer noch), um mich selber irgendwie zu bestrafen. Wie gesagt, ich war einst eher so der destruktive/depressive Typ.
ich habe introvertierte Zeit für mich fest reserviert. Eine ganze Menge davon.Hm. Vielleicht könnt ihr damit was anfangen und mir Tipps geben.
gruss, barbara
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03.12.2015, 10:00Inaktiver User
AW: Erwachsensein, Halt finden, Stabilität
Guter Tipp, mache ich auch so. Das Wissen, mich in regelmäßigen Abständen in meinen Innenraum zurückziehen zu dürfen, lässt mich das ganze Alltagsgedöns überhaupt erst ertragen...

Depressiv wurde ich immer dann, wenn ich mir diese kleinen Fluchten versagt oder mich dafür niedergemacht hatte. Alltagstauglicher wurde ich dadurch auch nicht, im Gegenteil.
@Susisa
Wär das etwas für dich? Klare, vorher eingeplante Tagtraumzeiten?


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