Liebe Persönlichkeits-Forscherinnen,
Mich begleitet schon lange die Frage in welchem Zusammenhang "Denken", "Fühlen" und "Handeln" stehen. Und vor allem, was ein guter Umgang damit ist, wenn "denken" und "fühlen" in unterschiedliche Richtungen ziehen.
Mein persönlicher innerer Kant hat da gar keine Zweifel: "Du bist ein vernunftbegabtes Wesen. Natürlich hat in diesem Fall das Denken mehr Bedeutung. Denn das ist es, was dich zum Menschen macht und vom Tier unterscheidet. Das Denken ist die höhere Instanz, die entscheidet ob ein Gefühl zu einer Handlung werden soll. Wenn du jeden Anflug von Verliebtheit, jeden Funken Eifersucht und jeden Ärger nach außen tragen würdest... das führt doch zu nix. Gefühle sind zu wankelmütig um Entscheidungen darauf aufzubauen. Gefühle kennen keine Moral. Gefühle sind veränderbar. Du kannst lernen deine Angst abzubauen. Du kannst lernen mit deiner Eifersucht/Wut/Verliebtheit umzugehen. Dann ist etwas gewonnen. Aber es wäre nichts gewonnen, wenn du lernst deine Überzeugungen zu verbiegen."
Eine andere Stimme in mir sagt:"Du bist ein fühlendes Wesen. Natürlich hat das Fühlen mehr Bedeutung. Denn das ist es was dich zum Menschen macht und vom Roboter unterscheidet. Deine Gefühle geben dir einen Zugang zu einem Teil von dir, der sich rational nicht erfassen lässt. Deine Gefühle machen dich lebendig und haben eine wichtige Botschaft. Wenn sich etwas falsch/richtig anfühlt, dann nimm das ernst. Vielleicht verstehst du den Grund noch nicht, aber es gibt ihn. Und wirklich glücklich wirst du nur, wenn du nach deinen Gefühlen handelst.
Da steh ich nun mit meinen zwei Stimmen. Lausche beiden und komme nicht weiter. Klar am schönsten ist es, wenn beide einer Meinung sind. Aber was ist in den Situationen in denen das eben nicht so ist?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 25
Thema: Denken, fühlen und handeln
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10.11.2015, 17:19
Denken, fühlen und handeln
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10.11.2015, 17:27
AW: Denken, fühlen und handeln
Gefühle und Gedanken sehe ich nicht als 2 gegensätzliche Schuhe. Vielmehr gehen den Gefühlen immer Gedanken oder auch zu Überzeugungen gewordene Gedanken voraus.
Kommt es zum Widerstreit zwischen Gefühltem und Gedachtem, so streiten in Wirklichkeit alte Überzeugungen mit neuen Gedanken, die gegensätzlich sind. Dann gilt es hinzugucken, was "es in uns denkt", wie Jens Corssen so schön sagt und inwieweit das noch zu unseren neueren gedanklichen Errungenschaften und unserem "neuen Leben" passt.Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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10.11.2015, 17:42
AW: Denken, fühlen und handeln
Ich lese gerade ein spannendes Buch zu diesem Thema, "The Master and his Emissary " - Master ist hier übrigens die rechte Hirnhälfte und der Abgesandte die linke. ..
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10.11.2015, 17:47
AW: Denken, fühlen und handeln
Das hört sich spannend an, auch wenn ich nicht sicher bin ob ich dich richtig verstanden habe. Wenn ich es so umformuliere, wie ich es verstanden habe...bleibt dann noch übrig was du sagen wolltest?Kommt es zum Widerstreit zwischen Gefühltem und Gedachtem, so streiten in Wirklichkeit alte Überzeugungen mit neuen Gedanken, die gegensätzlich sind. Dann gilt es hinzugucken, was "es in uns denkt", wie Jens Corssen so schön sagt und inwieweit das noch zu unseren neueren gedanklichen Errungenschaften und unserem "neuen Leben" passt.
Eigentlich kann man Gefühle und Gedanken nicht scharf voneinander abgrenzen. Denn Gefühle entstehen aus inneren Überzeugungen, die wiederum ihren Ursprung in den bisher gedachten Gedanken haben. Wenn nun Gefühle und Gedanken miteinander streiten, dann sind es eigentlich "alte" Gedanken (im Gefühl manifestiert), die mit den "neuen" Gedanken ringen.
Hört sich sehr interessant an. Bringt mich aber zu einer weiteren Frage: Wenn nun die "neuen" Gedanken auf einer theoretischen Ebene weiter interessant bleiben. Also auf der theoretischen Ebene irgendwie besser zum neuen Leben passen... Meinst du dann, die neuen Gedanken müssen einfach lang genug gelebt werden und dann kommen die Gefühle schon hinterher?
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10.11.2015, 18:04
AW: Denken, fühlen und handeln
Ich denke eher , die neuen Gedanken müssen so überzeugend und stark sein, dass die Gefühle sich automatisch dazu einstellen und die folgende Handlung dann sowieso.
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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10.11.2015, 20:06
AW: Denken, fühlen und handeln
Ja so meinte ich das
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Die neuen Gedanken müssen jedoch nicht nur lange genug gelebt werden. Die alten Überzeugungen, die quasi im Untergrund brodeln, sollten angeschaut werden. Damit man weiß, wer denn da als Widersacher im Untergrund arbeitet. Anzuerkennen, dass die alten Überzeugungen mal Sinn machten und zu sehen, dass die neuen jetzt besser passen, das ist der Weg.Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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12.11.2015, 21:57
AW: Denken, fühlen und handeln
In einer anderen Anwendung, wenn man die alten Gedanken nicht bearbeitet und durchleuchtet und bewertet - Was für Gedanken gilt, gilt doch eigentlich für Gefühle auch?
Also, es passiert dann das Gleiche letztendlich mit Gefühlen weil Gefühle in ähnlicher Weise mit den Gedanken verbunden sind. Das hiesse dann, z. B. wenn man Gedanken im Zusammenhang mit einem Gefühl unterdrückt, löst das Gefühl den Gedanken aus, und eventuelle Unterdrückungsstrategien z. B. durch Ablenkung -rufen den Gedanken und das Gefühl hervor.Und man kann die neuen Gedanken und Gefühle nicht so annehmen wie man es gerne möchte. Verstehe ich das richtig?Geändert von Akzent (12.11.2015 um 22:05 Uhr)
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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13.11.2015, 10:27Inaktiver User
AW: Denken, fühlen und handeln
Jetzt einmal Kant und andere außer Acht gelassen. Es gibt den Spruch, während die Klugen noch überlegen, haben die Dummen schon längst die Festung gestürmt. Aber dazu muss man eben auch wissen, welche Festung man will, also ein klares Ziel haben. Ich denke auch anhand anderer Threads hier von Dir, dass Du gern und lange überlegst, aber eben nicht handelst, wobei Du Dich gegebenenfalls gewohnheitsmäßig ein wenig schlecht fühlst aber auch nicht so dermaßen schlecht, dass es nicht mehr geht. Da liegt wie eine Blockade vor, die dich aber auch gleichzeitig davon abhält zu leben, für Dein Leben einzustehen, aber welche Ziele hast Du? Und aufgrund dessen wirst Du gelebt, wie von Deinem Partner.
Ich denke wichtig wäre, dass Du Deine eigenen Ziele rausfindest mit denen Du Dich gut fühlen kannst und dann schalte Deinen Verstand ein, um sie umzusetzen, ja notfalls auch ohne den fremdgehenden Laber Rhabarber, dem es grad egal ist, wie es Dir geht aber der Dir sein Leben als gut und richtig und klug verkauft. Im Übrigen ich halte Dich für sehr klug, aber auch irgendwie in Dir gefangen. Da heißt es sich in sich selbst einfühlen und dann für diese Ziele aber mal ganz klug lernen zu kämpfen. Ich halte nicht für unwahrscheinlich, dass Du das schaffst.
Ich denke mir manchmal sogar, dass Du zu sehr emotional für Deinen Partner da bist und er mutet Dir so viel zu. Ein Ziel wäre für mich auch mal Stopp zu sagen, einfach mal zu schauen, was passiert eigentlich, wenn ich kämpfe und klar den Krieg erkläre, wenn mir was nicht passt. Hast Du in Deinem Umfeld keine taffen frechen Frauen, die sogar sehr gute Partner haben? Da kann man wirklich manchmal staunen.Geändert von Inaktiver User (13.11.2015 um 10:34 Uhr)
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13.11.2015, 12:14
AW: Denken, fühlen und handeln
Ich habe für mich erkannt, dass mein Verstand eher konservativ ist und mich schützen will, daher kaum Neues zulässt und sich oft an den Bedenken klammert. Würde ich nur nach ihm leben, wäre das Leben meiner Meinung nach nicht echt und ziemlich langweilig.
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13.11.2015, 12:22
AW: Denken, fühlen und handeln
Interessant, so habe ich Corssen nie verstanden... Aber es ist auch kein Wunder, denn Gehörtes wird erstmal von dem Verstand zensiert ;-). Ich habe seine Aussagen so aufgefasst, dass es Gedanken gibt, die schon zum Automatismus geworden sind und einen eher negativen Effekt auf uns haben. Sie stimmt nicht (mehr) und haben als Folge, dass wir uns schlecht dabei fühlen. Sie ziehen und so zu sagen runter. Diese zu entdecken und zu eliminieren würde seiner Meinung nach zu einem positiveren Empfinden beitragen.Kommt es zum Widerstreit zwischen Gefühltem und Gedachtem, so streiten in Wirklichkeit alte Überzeugungen mit neuen Gedanken, die gegensätzlich sind. Dann gilt es hinzugucken, was "es in uns denkt", wie Jens Corssen so schön sagt und inwieweit das noch zu unseren neueren gedanklichen Errungenschaften und unserem "neuen Leben" passt.


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