Liebe Waldbaronin,
in deinem Posting schilderst Du etwas, was ich auch für mich sehr ähnlich empfinde.
Beruflich alles ok, gesunde Kinder, mein Mann (15 Jahre Ehe) liebt mich nicht mehr.
Nie ein Wort der Wertschätzung, keine Umarmung, wenn ich weine.
Darf ich dir später oder morgen eine PN schreiben?
Ganz liebe Grüße
Melancholia
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Thema: Einsam und überflüssig.
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29.09.2015, 17:43Inaktiver User
AW: Einsam und überflüssig.
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29.09.2015, 19:18Inaktiver User
AW: Einsam und überflüssig.
Das habe ich so aber nie erlebt.
Meinem ersten Partner habe ich den ganzen Schriftkram seiner Firma abgenommen und auch viel praktische Arbeit geleistet (ohne Bezahlung oder irgendwelche Vorteile). Ende vom Lied, ich habe stundenlang gerackert, während er mit Kumpels gequatscht hat. Ich habe in Eimern 50 l Wasser an ihm vorbei geschleppt, während er weiter gelabert hat. Dann hat sein Kumpel ihn stehen lassen und mir bei den weiteren 150 l geholfen. Nur ein Beispiel.
Den zweiten (Alkoholkranken) habe ich ständig und überall unterstützt. Rumkutschiert, nachts die tropfend nass geschwitzte Bettwäsche gewechselt, tweilweise dreimal pro Nacht. Immer da, wenn er etwas brauchte.
Freunde, wann immer sie Hilfe benötigten, beim Umzug, bei der Betreuung ihrer Kleinkinder, beim kochen, ich war da.
Als ich in Hartz IV rutschte und gezwungen wurde umzuziehen, war niemand für mich da. Rücken tut weh, oh ich habe Besuch, ups vergessen usw. Als ich in der Klinik war, hat mich niemand besucht. Wir dachten, du wolltest deine Ruhe haben.
Ich habe mich bereits auf vielen Stadtteilfesten ehrenamtlich engagiert. Weil ich niemanden kannte, wurde ich immer mit den unschönen Dingen betraut. Müll wegräumen, Geschirr spülen usw. Da schließt man keine Kontakte.
Ehrlich gesagt bin ich es leid zu helfen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es mir absolut nichts gebracht hat. Das heißt nicht, dass ich mich nicht mehr engagiere, aber jetzt nur noch passiv. Ich betreue einen gut laufenden Sehenswürdigkeiten-Blog, unterstütze das Tierheim und drei weitere Organisationen. Aber eben nur noch passiv. Mein Geld ist eben sympathischer als ich als Person.
Warum sind die dann nicht da? Warum wurde stets von mir abverlangt (Verständnis, Fahrerei, Kompromisse usw.), aber selbst wurde sich mitunter kein Millimeter bewegt? Warum wurden Kontakte abgebrochen, wenn man mich doch angeblich mag?
Nein. Deshalb, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie man so etwas verarbeiten soll. Diese Dinge sind passiert und lassen sich nicht ungeschehen machen. Ich werde immer wieder daran erinnert und kann weder vergessen noch vergeben noch "Rache nehmen". Es sind Dinge dabei, die konnte ich bis heute nicht einmal meiner Mutter erzählen. Es geht nicht. Es reicht, wenn ich darunter leide, ich muss das nicht meiner Mutter antun, wenn sie davon erführe, was ihrem vierjährigen Kind angetan wurde, würde sie sich davon wohl nie wieder erholen. In einer Sache konnte ich vor fünf Jahren mit einem Psychiater sprechen. Das Gespräch dauerte 5 min. und ich bekam Tavor. Ich kam mir da so richtig verarscht vor.
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29.09.2015, 19:24Inaktiver User
AW: Einsam und überflüssig.
Genau. Keine Umarmung. Keine Herzlichkeit, kein Trost. Nichts. Die Welt ist kalt und grau, wenn es keine menschliche Wärme und Zuneigung gibt. Und ich denke nicht, dass ich dies nicht kann. Im Gegenteil, ich hätte viel zu viel zu geben und selbst auch einen enormen Nachholebedarf.
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29.09.2015, 20:10
AW: Einsam und überflüssig.
Ich habe mich hier nochmals selbst zitiert, weil mich die Antwort ehrlich
interessieren würde.
Nun ja, Du lässt Dich ausnutzen und erhoffst Dir im Gegenzug, geliebt zu
werden. Das kann nicht funktionieren. Ganz im Gegenteil - die Menschen
verlieren den Respekt vor Dir, weil Du Dir offenbar selbst so wenig wert bist.
Noch schlimmer - Du fühlst Dich als Opfer.
Und machst damit (ungewollt und unbewusst) die anderen zu "Tätern".
Wenn alle Deine Beziehungen und Freundschaften so gelaufen sind, dann
liegt das wahrscheinlich zu einem guten Teil an diesem Ungleichgewicht.
Und, ganz nebenbei, hast Du Deinem alkoholkranken Freund einen Bärendienst
mit Deiner Unterstützung erwiesen. Einem Alkoholiker hilft man, indem man
ihm nicht hilft. Zumindest nicht so, wie Du es schilderst.
Ich nehme mal an, bei Deinen Erlebnissen sprichst Du von Traumata.Nein. Deshalb, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie man so etwas verarbeiten soll. Diese Dinge sind passiert und lassen sich nicht ungeschehen machen.
Und Du fühlst Dich komplett alleine mit all den schmerzlichen Erinnerungen.
Es wird Dir kaum gelingen, das alleine zu bewältigen.
Traumatherapie - auch wenn Du nicht daran glaubst - scheint mir eine vordringliche
Notwendigkeit zu sein. Nur so wirst Du das Erlebte verarbeiten können und psychische
Stabilität erlangen. Eine derartige Therapie ist übrigens auch viele Jahre nach dem
Geschehen sinnvoll. Es wäre sehr schade, wenn Du Dir selbst diese sinnvolle Hilfe
verweigern würdest.
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29.09.2015, 21:16Inaktiver User
AW: Einsam und überflüssig.
Ich sehe meine Eltern an drei Samstagen im Monat. Sie haben ein Riesengrundstück, auf dem es viel zu tun gibt und ich helfe dort gern mit. Habe meine "eigenen" Fleckchen. Es gibt Mittag und Kaffee. Natürlich mögen mich meine Eltern schon, aber es gab eben nie eine besondere Herzlichkeit. Es ist... sachlich. Vielleicht können sie nicht anders. Vielleicht stört es sie auch nicht. Aber mir hat es immer gefehlt.
Mein Bruder wohnt in Übersee. Ich sehe ihn einmal im Jahr. Er lehnt es z. B. komplett ab sich auch nur mal drücken zu lassen. Mag er nicht, wehrt er ab. Hat keinen besonderen äußeren Grund, wir hatten eine anständige Kindheit, es gab keine Schläge oder drakonische Strafen. Er mag es halt nicht. Mich schmerzt es!
Großeltern habe ich nicht mehr. Zur weiteren Verwandtschaft habe ich keinen Kontakt.
Ich habe eine einzige Freundin übrig. Eine Frau, die vollkommen positiv eingestellt ist. Wir sehen uns nur sporadisch. Arbeitszeiten, Teil-Pflege ihrer Eltern, sie verreist viel, was ich mir nicht leisten kann (derzeit ein Streitpunkt bei uns; sie möchte gern Silvester mit mir wegfahren, ich wiederum kann es mir nicht leisten ein halbes Monatsgehalt für zwei, drei Tage hinzulegen, zumal ich nach jetzigem Stand ab 1. Januar arbeitslos sein werde, sie wiederum versteht meine (finanziellen) Ängste nicht, ich müsse mir auch mal etwas gönnen, was sicherlich richtig ist, hinsichtlich Ersparnisse und Gehalt trennen uns allerdings kleine Welten).
Ich bin der Meinung, wenn jemand um Hilfe fragt und wenn man sich selbst dabei kein Bein rausreißt, dann hilft man doch unter Freunden, oder? Zu der Zeit hatte ich selbst eben nicht wirklich viel Hilfe nötig. Nur als ich Unterstützung dann doch mal gebraucht hatte, da war dann plötzlich keiner da.
Dass ich in den beiden Beziehungen viel falsch gemacht habe, insbesondere die Notbremse nicht schon viel zeitiger gezogen habe, das hängt mir immer noch nach. Die Rechnung dafür zahle ich, gewaltig. Es lässt sich dennoch nicht mehr ändern. Aber auch hier gehe ich nach wie vor davon aus: Auch Partner helfen sich. Es war einseitig, der mit der Firma war auch mein erster Freund. Ich war diesbezüglich unerfahren, kannte es auch nicht anders und wusste mir nicht zu helfen.
Nachher ist man immer schlauer. Als wir uns kennenlernten, wusste ich weder von seinem Problem noch, als ich es dann wusste, wie man damit richtig umgeht. Wenn er bei mir übernachtet hat und dann diese Schweißausbrüche hatte - ich MUSSTE die Bettwäsche wechseln. Es war ja auch für mich unangenehm dann neben ihm zu liegen.
Die frühesten Negativerlebnisse hatte ich mit 4 Jahren, als ich bei einer Kur war. In den vergangenen Jahren habe ich es tatsächlich geschafft zu mehreren Personen Kontakt aufzunehmen, die damals ebenfalls in dieser Kureinrichtung waren. Nicht in meiner Gruppe, aber plus/minus zwei, drei Jahre. ALLE haben noch heute "Nachwehen". Beim Austausch wurden weitere Erinnerungen wach. Eine Frau schrieb mir, sie könne mir nicht weiter schreiben, sie sei in therapeutischer Behandlung mit Suizidgefahr und müsse den Kontak aus Sicherheitsgründen für sich einstellen. Eine weitere Frau wohnte zufällig in meiner Stadt. Nach regem E-Mail-Wechsel wollten wir uns auf einen Kaffee treffen, haben es aber kurzfristig sein gelassen. Wir hätten es beide nicht ertragen.
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29.09.2015, 21:28Inaktiver User
AW: Einsam und überflüssig.
Mich triggert das gerade soooo gewaltig, was Du schreibst....

Momentan ist es zeitlich schwierig bei mir ( hab ich Dir ja gestern schon geschrieben), aber ich melde mich, wenn ich darf, allerspätestens Mitte Oktober, ja ?
Und bis dahin denke ich fest an Dich.
Laß Dich nicht unterkriegen, Du bist lange nicht so alleine, wie es Dir scheinen mag.
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30.09.2015, 07:13
AW: Einsam und überflüssig.
es geht in einem Verarbeitungsprozess auch nicht darum irgend etwas ungeschehen zu machen oder zu "vergessen". Es geht im Grunde um eine neue Sichtweise durch Neubewertung bzw um eine neue Erfahrung in einem geschützten Raum, mal ganz einfach gesagt.
Ich finde das Buch von Joachim Bauer "das Gedächtnis des Körpers" recht gut im Erklären von solchen Prozessen. Vielleicht willst du da mal reingucken. Auch Literatur zum inneren Kind könnten vll ganz interessant sein. Deine ganze Thematik scheint schon hauptsächlich in dem Trauma, oder was immer das war, zu wurzeln, insofern wirst du trotz bzw wegen aller Abwehrmechanismen da wohl kaum mit irgendwelchen Tricks wirklich weiterkommen.
Hilfsbereitschaft um die innere Einsamkeit zu überwinden und Freunde zu gewinnen finde ich auch einen eher schlechten Rat. Es funktioniert einfach nicht, etwas zu "schenken", wenn man denn noch viel dringender eigentlich etwas braucht. Dazu muss man nicht mal an die falschen Leute geraten, da das Verhalten der Menschen immer entsprechend dem eigenen Denkmuster und der eigenen Verstrickungen erlebt und bewertet werden wird.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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30.09.2015, 07:30
AW: Einsam und überflüssig.
Deine Zeilen klingen sehr vergrämt und selbstmitleidisch Waldbaronin.
Das Glück wirst du nicht im Außen finden sondern in dir selbst.
Jeder trägt doch die Verantwortung für sein Handeln und Tun und Fühlen
und nach deinen Zeilen suchst du das bei den anderen,
vielleicht erstmal bei dir selbst beginnen und dann weiter sehn,
Souvenir
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30.09.2015, 08:51
AW: Einsam und überflüssig.
Nicht alle Familien sind "herzlich" in dem Sinne, wie Du es Dir wünschst.
Das hat wiederum mit der Prägung der Eltern zu tun.
Wie Du richtig erkannt hast, "können sie nicht anders".
Das muss aber nicht gleichbedeutend sein mit nicht geliebt und geschätzt werden.
Wenn Du darüber nachdenkst - zeigen Deine Eltern und Dein Bruder ihre
Verbundenheit zu Dir auf anderem Weg?
Umarmen, drücken etc. sind nicht DAS Indiz schlechthin für Liebe.
Das Ausmaß an Nähe bzw. Distanz, mit dem sich Menschen wohlfühlen, ist eine
Frage der Persönlichkeit und des Wesens.
Wir praktizierst DU das mit dem Umarmen usw. selbst?
Wenn es Dir ein inneres Bedürfnis ist, kannst Du ja - rein theoretisch - aus den
bekannten Strukturen ausbrechen und es anders handhaben als "gelernt". Diese
Freiheit hast Du immer.
Hätte sie Dich nicht gern, würde sie nicht mir Dir wegfahren wollen, oder?Ich habe eine einzige Freundin übrig.
...sie möchte gern Silvester mit mir wegfahren ...
Die finanziellen Divergenzen haben mit dem Sympathiefaktor ja nichts zu tun.
Man hilft einander unter Freunden, richtig.Ich bin der Meinung, wenn jemand um Hilfe fragt und wenn man sich selbst dabei kein Bein rausreißt, dann hilft man doch unter Freunden, oder?
Aber Du hast/hattest offenbar das Gefühl, ausgenutzt zu werden/worden zu sein.
Sonst hättest Du die fehlende Gegenleistung nicht explizit erwähnt.
Wie meinst Du das?Dass ich in den beiden Beziehungen viel falsch gemacht habe, insbesondere die Notbremse nicht schon viel zeitiger gezogen habe, das hängt mir immer noch nach. Die Rechnung dafür zahle ich, gewaltig.
Richtig erkannt.Ich war diesbezüglich unerfahren, kannte es auch nicht anders und wusste mir nicht zu helfen.
Nachher ist man immer schlauer
"Nachher schlauer" bedeutet, dass man die gleichen Fehler nicht wiederholen würde.
Du hast also aus Deinem "Fehlverhalten" die passenden Schlüsse gezogen.
Suchst Du den Kontakt zu anderen Betroffenen, weil Du Deine eigene WahrnehmungALLE haben noch heute "Nachwehen". Beim Austausch wurden weitere Erinnerungen wach.
Eine Frau schrieb mir, sie könne mir nicht weiter schreiben, sie sei in therapeutischer Behandlung
immer wieder bestätigt haben willst?
Im Rahmen einer Traumatherapie würde Dir kein Therapeut eben diese Wahrnehmungen
absprechen. Vielleicht solltest Du Dich mal mit der Therapie-Thematik eingehend befassen.
Deine eigenen Vorurteile und Dein Nicht-wissen stehen Dir bei der Aufarbeitung im Weg.
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30.09.2015, 10:00
AW: Einsam und überflüssig.
Auf mich wirkt das, als wenn Du viel zu viel in der Vergangenheit lebst. Wie hier schon geschrieben wurde, kannst Du lernen Deine bisherige Vergangenheit als einen Teil von Dir zu sehen, der Dich eben zu dem Menschen gemacht hat, der Du bist.
Sich mit Verbitterung auf die Vergangenheit zu stürzen, die Du nicht ändern kannst wird Dir nicht weiterhelfen. In der Zeit, in der Du hier Energie vergeudest zieht Deine Gegenwart an Dir vorbei und nimmt Dir die Zukunft.



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