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  1. Inaktiver User

    AW: Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ambiva - in ganz "down-en" Momenten habe ich auch große Lust, einfach wegzugehen und Bewerbungen durch die Republik zu ballern... aber wenn ich eines gelernt habe, in den letzen Jahren, dann, dass ich schon so oft vor dem Schmerz davongelaufen bin und ich nicht nochmals unfertig irgendwohin fliehen möchte. Auch wenn ich in letzter Zeit diese Fluchtgedanken immer öfter habe, aber noch kann ich mich irgendwie bremsen. Und auch wenn ich mir manchmal nicht sicher bin, ob dieses verstandgelenkte Bremsen so das wahre ist. Dann wann ist man "fertig" und bereit für den geordneten Aufbruch und Neubeginn? Ich habe mich hier in den letzten Jahren aber immerhin einholen lassen von meiner Vergangenheit, von meinen bisherigen emotionalen Problemen, von demher waren die Jahre hier keine verlorenen. War aber auch noch nie so lange an einem Ort, von meiner Kindheit abgesehen
    in deinem eingangsposting schreibst du, dass du von anfang gehadert hast mit berlin, deshalb denke ich, irgendwann ist es genug.

    hast du denn mit den anderen städten auch gehadert?

    - irgendwie denke ich halt auch, dass berlin keine stadt zum ankommen ist. das großartige an berlin ist für mich das genaue gegenteil - nämlich dass hier immer bewegung und veränderung herrscht und man eben nicht ankommt.
    für mich ist das der grund, warum ich hier geblieben bin...
    aber du hörst dich ganz anders an!
    deshalb denke ich, berlin ist vielleicht eine sehr ungeeignete stadt für dich.

    andererseits gibt es hier natürlich auch nette kieze, in denen man die leute kennenlernen kann, wenn man öfter mal bestimmte cafés oder kneipen aufsucht oder sich irgendwo engagiert. vielleicht könnte also auch ein umzug innerhalb der stadt helfen? - groß und anonym und unruhig bleibt die stadt aber trotzdem, auch wenn man eine etwas gemütlichere gegend gefunden hat.

    ps: ich habe in den letzten jahren mehrere leute getroffen, die wieder weggegangen sind, weil es ihnen zu groß und unpersönlich ist in berlin. dass man z.b. nie irgendwo einfach so vorbei geht oder so... soll heißen, du wärst nicht die einzige, die was anderes sucht.

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    AW: Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    (...) Das fühlt sich an, als würde jede weitere positive Begegnung meine Chancen schmälern, meinen Wohlfühlplatz zu finden.
    Das Gegenteil wird der Fall sein: Jede weitere positive Begegnung wird Dir helfen, Dich genau da, wo Du gerade bist - nämlich jetzt Berlin - wohler zu fühlen und deshalb Dich entspannen zu können. Wenn Du entspannt bist, hast Du weniger Angst. Und wenn Du weniger Angst hast, werden Deine Gefühle klarer darüber, was Du wirklich willst. Das ist das Paradoxe an der Situation: Erst wenn Du mit dem Ort, wo Du gerade bist, einverstanden bist und Deine Abneigung fallen lassen kannst, erst DANN wirst Du willentlich - und nicht kopflos panisch oder getrieben - entscheiden können, wo und wie Du tatsächlich leben willst. Dann wirst Du die Freiheit haben, Dich entweder für oder gegen Berlin zu entscheiden. Das ist ein bisschen so, wie in der Liebe - oder um es eine Nummer kleiner zu schreiben: Zuneigung - zu einem Mann: Wenn man die Liebe/Zuneigung akzeptieren und annehmen kann, dann ist man frei, sich entweder dafür oder dagegen zu entscheiden. Zu jemanden oder zu etwas Zuneigung zu spüren (oder entgegengebracht bekommen) heißt nicht, verpflichtet zu sein, sich an ihn oder es binden zu müssen, noch dazu vielleicht auf Lebenszeit, gute Güte! Du musst gar nichts. Dein Wille ist frei.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, mich zu engagieren - ehrenamtlich, oder mich weiterbilden oder mich in einen sozialen Kreis zu integrieren, die es hier zuhauf und in allen möglichen Farben gibt; und gleichzeitig ploppt in mir ein Wichtel im Kopf auf, der schreit "nein, nein, sonst kommst Du hier nie weg!" Offenbar ist das meine Sorge, dass ich womöglich noch Gefallen finden könnte und hier "kleben" bleibe. Irgendwie total behämmert von mir, finde ich grad.
    Ja, das ist wirklich behämmert Du hast Angst davor, an Berlin kleben zu bleiben, weil es Dir dann da so gut gefallen wird, dass Du gar nicht mehr weg willst.

    Aber ich muss mich Rodrigue anschließen, wenn auch aus einem anderen Grund: Der Wichtel ist wichtig. Denn er verkörpert Deine Angst. Also die Frage: Worin liegt Deine Angst? Kannst Du das formulieren? (Die Idee, Dir aus der Sicht des Wichtels einen Brief zu schreiben, finde ich toll! Mach' das mal!)

    Aber Du meinst das sich-einlassen-auf-Begegnungen auch eher als einen Weg zu mir selbst, als zur Stärkung der Bindung an Berlin, oder?
    Ich meinte in erster Linie das Sich_einlassen auf andere Menschen in Berlin, nicht die Stadt selbst (obwohl Du, indem Du Dich auf andere Menschen einlässt, Dich auch irgendwie auf die Stadt einlässt) sowie das Sich_Einlassen auf Deine Ängste (s.o.), was ein Sich_einlassen auf Dich selbst ist.

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    AW: Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    @Amelie - wie hast Du diese neue Stadt für Dich gefunden und wie hast Du gemerkt, dass es die richtige Entscheidung ist, Deine alte Liebe zu verlassen?
    um deine Frage noch zu beantworten: ich bin oberflächlich gesehen dem Job nachgezogen. Dahinter verbergen sich aber natürlich komplexere Prozesse, die immer klarer machten, was ich brauche, um mich (wieder) wohl zu fühlen, und das waren mittlerweile eben andere Dinge als zu früheren Zeiten. Das, was ich brauche oder will, sind bestimmte Anforderungen an die Mentalität der Leute, an die Infrastruktur, ans Klima, an den Freizeitwert und natürlich berufliche Perspektiven. Den Preis, den man dafür bereit ist zu bezahlen ist, sollte man am besten vorher auch schon einschätzen können. Bei mir sind das hohe Lebenshaltungskosten (Ballungsraum) und Fernbeziehung auf erstmal unbekannte Dauer.

    Es ist eine Frage, auf wieviel Säulen das Haus noch steht und die haben sich in der alten Stadt langsam ausgedünnt. Als dann eine tragende Säule, nämlich mein Job, so ungute Bedingungen bekam, dass das für mich auf Dauer nicht akzeptabel war, und es sich vor Ort auch keine Alternativen auftaten, war es klar, dass das heißt zu gehen. Dann war auch viel Zufall und Glück dabei. Der Zufall lenkt sich zumindest bei mir aber schon immer wieder auch durch meine eigene innere Klarheit darüber, was ich eigentlich will und was mir wichtig ist. Das rauszufinden braucht halt manchmal.

    Sich bewusst für einen Ort zu entscheiden und zu wissen, warum man das gemacht hat, hilft doch immens beim beheimaten. Auch das ist wie in der Liebe: in Krisenzeiten nährt man sich am besten mit Erinnerungen an die erste Verliebtheitsphase.

    Innere Heimatlosigkeit ist aber nochmal was anderes, die ist nicht unbedingt vom Ort abhängig.

    In einen Dialog mit deinem inneren Wichtel zu treten (neben Schreiben sind auch andere kreative Kommunikationsmöglichkeiten denkbar wie tanzen oder malen) halte ich auch für einen sehr guten Ansatzpunkt. Der schreit ja grad anscheinend förmlich nach dir.
    Frag ihn doch mal, was er sich eigentlich so unter Heimat vorstellt...
    Geändert von Amelie63 (14.09.2015 um 06:54 Uhr)
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  4. Inaktiver User

    AW: Gefühl der Heimatlosigkeit

    Es heißt : "innen wie außen" und vielleicht passt diese Stadt mit den Gefühlen zu Dir in Deinem Inneren.
    Sozusagen ein Abbild Deines Inneren!

    Natürlich macht die Umgebung etwas mit uns- natürlich wirkt die Umwelt auf uns ein und hat einen Einfluss.
    Es MACHT einen Unterschied ob ich auf grüne Wiesen und Berge schaue, wenn ich das Haus verlasse oder ob ich auf hohe Nachbarhäuser schaue, immer Autoverkehr erlebe oder vielleicht noch auf Fabriken schaue.
    Nur einmal auf den einen Meter bezogen, wenn ich das Haus verlasse in dem ich wohne.

    Und doch ist der Ausgangspunkt immer mein Inneres und wie ich mich darin fühle.

    Die ganzen Entscheidungen Deines Lebens waren wichtig!
    Edison, der das Elektrolicht erfunden hat, bekam einst die Frage, wie es denn sei.....so unendlich viele Fehlversuche zu haben-- und er antwortete: "ich habe 1000 Wege gefunden, wie es NICHT geht".
    Und sind nun diese 1000 Wege nicht genauso wichtig um DEN Weg letztlich zu finden??

    Erst wenn ich an eine Grenze komme weiß ich, dass es dort nicht merh weiter geht. Und es fordert mich auf dann rechts oder links zu gehen.
    Gleich einem abgeschnittenen Ast, der dann in zwei Richtungen weiter treibt, habe ich neue Möglichkeiten......und so ist unser ganzes Leben voll von scheinbaren Labyrinth- Fehlwegen- die uns jedoch nur den tatsächlichen Weg zeigen.

    Was ich damit meine ist:
    Sehe doch einmal das Positive in all dem!
    Nach Jahren des Ausprobierens, des Gehens in verschiedene Richtungen- bist Du endlich an einen Punkt gekommen, der Dir laut und deutlich sagt "nun ist Schluss! JETZT will ich wissen, wo ich überhaupt BIN und wo ich hingehöre".

    Du kennst das Muster der Flucht und es hat Dir sicher im Leben oft geholfen und gute Dienste geleistet- jetzt aber ist scheinbar die Zeit genau das Muster loszulassen und stehen zu bleiben.
    Stehen bleiben und den Blick auf DICH zu richten.
    Wer bist Du?

    Wenn Du das weißt, dann weißt Du auch, wo Du zuhause bist.
    Und primär zuhause- fühlt man sich IN SICH SELBST!

    Stell Dir vor, Du könntest nun dort leben, wo Du Dich zuletzt so wohl gefühlt hast-- in den Bergen?
    Wäre dann das fehlende Heimatgefühl weg?
    Ich glaube, es wäre gedämpft aber diese innere Suche würde weiter gehen und damit würde Dir auch klar werden, dass nicht das Außen uns eine Heimat gibt sondern das Innen.

    Berlin verlassen ist also nicht der erste oder direkte Weg- Du hast eine unendliche Freiheit und auch das solltest Du einmal wahrnehmen! WAS für ein Geschenk Du gerade in den Händen hälst!

    Genau genommen hast Du alles richtig gemacht!
    Jetzt bist Du frei und an einer Grenze- und hast ganz viele Wege offen vor Dir.

    Befasse Dich mit Dir- lerne Dich kennen- evtl mit professioneller Hilfe- werde Dir der spannendste Mensch, den Du kennen lernen möchtest

    Und wer weiß.......vielleicht blickst Du irgendwann beim Abwaschen in der Küche wieder auf die Berge und fühlst Dich außen UND innen- zuhause!!

    lg kenzia

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    AW: Gefühl der Heimatlosigkeit

    Ich habe fast das gleiche erlebt, nur bin ich von Berlin in eine andere süddeutsche Großstadt gezogen, auch des Jobs wegen, es war auch sehr spontan. Ich bin vorher auch 10 Mal umgezogen und habe auch noch in anderen Städten gelebt.

    Das Gefühl der Heimatlosigkeit kenne ich auch gut. Ich würde nach einem äußerlichen und nach einem inneren Heimatgefühl unterscheiden. Für das Äußere Heimatgefühl brauchte ich immer rund 5 Jahre. D.h. wenn ich in die frühere Heimat fuhr, war sie dann fremd, fuhrt der Zug auf dem Bahnhof der neuen Stadt ein, fühlte ich so was wie "Heimat". Dieses Gefühl hatte ich selbst dann, wenn alles andere in der Stadt nicht so lief, wie ich mir gewünscht habe.

    Das Gefühl der inneren Heimat findest Du nur in Dir, wenn Du Deine Träume lebst und nicht die Erwartungen anderer an Dich. Ich würde Dir empfehlen, mal einen längeren Urlaub zu nehmen, damit Du runter kommst und Dich dann entspannt an einen sehr schönen Ort zu begeben, wo Dich ein Glücksgefühl und Lebensfreude überstromt. Und dann fragst Du Dich was Dich in diesem Moment glücklich macht, versuche das was Du fühlst, aufzuschreiben. Dass Du einfach faul im Sand am Meer liegst? Vielleicht, dass Du dort allein liegst? Und dann, welches dieser Gefühle Du möglichst oft brauchst . Sonne, Freude, Eins-Sein mit der Natur oder das Gewimmel von Menschen, viele Urlaube allein, Familie? Frage Dich, wie Dein ideales Leben aussehen würde, wenn eine Zauberfee vorbei käme und Du hättest diesen Wunsch frei. Und wenn Du das hast, überlegst Du, was Du machen musst, damit das passiert. Dann erkennst Du auch, ob Du dafür am richtigen Ort bist oder nicht.

    Viel Glück!

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