Hallo ihr Lieben,
es gibt ein Thema, mit dem ich alleine nicht weiter komme und bei dem auch meine Freunde langsam an ihre Grenzen stoßen. Ich würde mich sehr über euren Rat freuen!
Ich wollte unbedingt einen bestimmten Studiengang studieren, den es nur in einer Stadt im Süden gibt. Ich war so glücklich, als ich eine Zusage erhalten habe und bin 500km quer durch Deutschland gezogen.
Da die Mieten in der Stadt unbezahlbar waren, mussten mein Freund (der beruflich nicht an einen Ort gebunden ist) und ich in eine Wohnung außerhalb ziehen.
Die ersten Monate waren ziemlich schlimm. Ich habe mich in dem Ort, in dem wir leben, extrem beobachtet gefühlt (selbst in unserer Wohnung). Der Studiengang war nicht so toll wie erhofft und die Arbeitsbelastung extrem. Die Freundschaften, die ich schloss, sind zwar nett, aber mir fehlt es einfach an Tiefe.
Das Pendeln zwischen Wohnort und Hochschule war nur zusätzlicher Stress, genau wie die Umstellung plötzlich für jeden Weg ein Auto statt ÖPNV benutzen zu müssen. Abends ausgehen ist nur mit großem logistischem Aufwand möglich.
Hinzu kam, dass ich die Menschen in meiner Umgebung als sehr unfreundlich und verschlossen erlebt habe.
Ich habe mir immer gesagt: "Halte durch, das wird mit der Zeit besser".
Aber inzwischen sind 14 Monate vergangen und es ist überhaupt nicht besser geworden. Wenn ich Freunde in einer anderen Region besuche, würde ich am liebsten dort bleiben und tue alles, um die Rückkehr in unsere Wohnung/den Alltag hier zu verhindern.
Ich sitze meine Zeit hier buchstäblich ab. Seit ein paar Wochen habe ich angefangen die Monate zu zählen, bis ich das Studium endlich hinter mir habe und wir hier weg ziehen können.
Im ersten halben Jahr habe ich noch viel versucht, das zu ändern. Ich habe viel unternommen, um neue Leute kennen zu lernen und mich mit der Umgebung vertraut zu machen. Aber es half alles nichts. Im zweiten halben Jahr hatten wir absichtlich jedes Wochenende Besuch von alten Freunden, um die Einsamkeit zu mildern.
Inzwischen bin ich aber in eine Art Lethargie verfallen. Meistens arrangiere ich mich mit der Einsamkeit und diesen unwohlen Gefühl immer, wenn ich vor die Tür gehe. Aber manchmal kommen regelrecht Heulkrämpfe und dann bin ich so verzweifelt, dass mich selbst die Aussicht auf baldige Besserung (durch den Wegzug in einem Jahr) nicht mehr tröstet.
Das war nicht mein erster Umzug in eine fremde Region. Ich fand umziehen nie toll, aber sowas hatte ich vorher noch nie. Ich habe auch keine Depressionen, denn sobald wir außerhalb der Region sind, gehts mir schlagartig besser und mit jedem Tag, den ich nicht hier bin, fühle ich mich gelöster. Das Zurückkommen ist dann umso schlimmer.
Meinem Freund geht es sehr ähnlich, er beschreibt das Gefühl hier als "bedrückend und konservativ und unfreundlich". Unsere Beziehung leidet auch unter dieser Situation, die uns beide sehr belastet. Er hat ebenfalls nur oberflächliche Freundschaften aufgebaut und die ganze "Last" des Zuhörens, Unterhaltens, Aufregens muss jetzt eben der Partner alleine tragen.
Ich bin ratlos. Jetzt habe ich schon so viel für diesen Studiengang "geblutet", jetzt will ich das letzte Jahr auch noch schaffen. Aber ich muss irgendwas ändern. Ich weiß nur nicht mehr was. Ich habe so vieles unternommen, um Leute kennen zu lernen, ich hab die Stadt bis in den letzten Winkel erkundet, nach zentraleren Wohnung gesucht (nichts bezahlbares gefunden!), versucht aus den oberflächlichen Freundschaften was tiefgründiges zu machen ... es bringt alles nichts.
Ich vermisse die Art der Leute im "Norden", ich vermisse es, meine Familie innerhalb von 200km erreichbar zu haben, ich vermisse meine alten Freunde, das Lebensgefühl in einer großen Stadt.
Hat hier irgendjemand Erfahrungen, wie man sich eingewöhnt, wenn die üblichen Methoden fehlgeschlagen sind? Oder wie man sich damit arrangiert, dass man sich nicht wohl fühlt?
Vielen Dank fürs Lesen!!!
Aurelienne
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04.09.2015, 20:34Inaktiver User
Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
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04.09.2015, 20:55
AW: Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
Da wirst du dich nicht eingewöhnen. Der Versuch alleine wird dir zusätzliche Energie rauben. Nehme die Situation jetzt als gegeben hin. Zieh dein Studium schnellst möglich durch und dann ab zurück in die Heimat.
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04.09.2015, 21:06
AW: Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
Das kenn ich nur zu gut. Wenn sich das Gefühl erstmal so eingebrannt hat, wird man es scheinbar nicht mehr los.
Mein Freund und ich wohnen auch berufsbedingt seit 2 Jahren in einem Ort, in dem wir uns total unwohl fühlen. Bei ihm entwickelt sich auch schon so etwas wie eine gewisse Lethargie und Unzufriedenheit, manchmal denke ich sogar, dass ihn das leicht depressiv macht. "Die Zeit absitzen" trifft es ganz gut, wir fühlen uns hier auch gefangen und irgendwie eingesperrt. Unserer Beziehung tut es auch gerade nicht gut, weswegen wir beschlossen haben schnellstmöglich was an der Situation zu ändern.
Wie lange dauert dein Studium denn noch? Ist es absehbar? Versucht einfach die Zeit, die ihr dort verbringt, so nett wie nur möglich zu füllen. Wir halten uns gerade mit gelegentlichen Kochkursen und Kinobesuchen über Wasser. Und machen Plänen für "die Zeit danach". Aus Spaß planen wir gerade mit einem PC-Programm unser Traumhaus, sparen für eine neue Einrichtung (für die neue Wohnung oder Haus, je nach dem) und versuchen, viele besondere Aktivitäten mitzumachen (z.B. kulinarische Stadtführung).
Wenn dein Freund jobmäßig nicht ortsgebunden ist, könntet ihr ja auch deine kompletten Semesterferien in der Heimat verbringen.
Ich fühle echt mit dir!
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04.09.2015, 21:07
AW: Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
Das sehe ich auch so. Du bist wohl in der süddeutschen Pampa auf so einem Dorf gelandet, wo man Jahrzehnte braucht, um mit den Neuen nur mal ein paar Worte zu wechseln?
Zieh es durch und hau ab. Irgendwohin, wo man aufgeschlossener ist. Erspare dir die Anstrengungen und halte lieber Kontakt zu alten Freunden per Skype, WhatsApp, Chat o.ä..
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04.09.2015, 22:43
AW: Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
Was sind die "üblichen Methoden", die Du bisher angewendet hast, um Leute kennen zu lernen?
Leider beschreibst du das nicht näher, so dass meine Ideen vielleicht nicht unbedingt neu für Dich sind.
Ich würde versuchen, mich irgendwo zu engagieren, wo echt jeder gebraucht wird. Das kann in einer Sportgruppe, in einerm Chor, bei einer sozialen Initiative sein.
Ich habe in einer fremden Stadt die besten Kontakte in einer Kirchengemeinde geknüpft, bei der ich eigentlich nur ein bisschen schnuppern wollte. Ursprünglich hatte ich nicht vor, dort regelmäßig hin zu gehen. Habe aber da echt nette und aufgeschlossene Leute getroffen, mit denen ich viel anfangen konnte.
Schade, das die Leute in der Umgebung nicht freundlich zu Dir sind...
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04.09.2015, 22:52
AW: Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
Nur noch 1 Jahr dauert dein Studium?! Dann hast du es doch geschafft!
Beiß die Pobacken zusammen und durch da! Und danach zieh sofort wieder weg.
Ich würde gar nichts mehr versuchen, zwecks Eingewöhnung. 12 Monate sind nun wirklich überschaubar, da müsst ihr jetzt nunmal durch. Manchmal hat man solche Phasen im Leben. Da heißt es einfach nur: Augen zu und durch!
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04.09.2015, 22:59
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04.09.2015, 23:06
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04.09.2015, 23:06
AW: Ich gewöhne mich einfach nicht ein! (Umzug ist ein Jahr her)
Frage:
Antwort:
P.S.: War wohl synchron getippt!
Wie andere schon angemerkt haben: Stumpf aussitzen, da gibt's wohl keine gangbare Alternative. Immerhin seid ihr zu zweit und du hockst nicht allein in der Pampa. Die Zeit kriegt ihr auch noch rum. Manche Mentalitäten funktionieren einfach nicht zusammen. Dumm, aber da kann man nichts machen.Wer Unsinn hören und glauben will, der wird auch Unsinn zu hören bekommen.
Cave: Meine Beiträge könnten Spuren von Ironie enthalten!
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04.09.2015, 23:08


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