Als ich ein Kind war, war "fett werden" etwa so schlimm wie "vom Auto überfahren werden und im Rollstuhl sitzen". Es hieß, daß dein Leben vorbei war.
Heute, wo ich mich mit ü40 langsam mit dem Gedanken auseinandersetzen muß, daß die Garantie abgelaufen ist, wo Leute, die mir nahestehen, mehr und mehr unter chronischen Krankheiten und Einschränkungen leiden, komme ich mehr und mehr zu der Einschätzung, daß es a) völlig unproduktiv ist, mit dem Körper wegen dem zu hadern, was er nun mal ist, und b) daß der Mensch sich an fast alles gewöhnt und sich damit auch wohlfühlen kann.
Ich sehe heute die Figur, die man hat als "hat man halt". Man kann dran rumdoktoren, aber man muß nicht. Vermutlich ist es für das innere Gleichgewicht besser, es nicht zu tun, sondern mit dem zu arbeiten, was man hat.
Eine Freundin von mir hat Lipödeme. Genetisch/hormonell bedingte Störung der Fettzellenbildung. Wenn man sich die Bilder aus dem möglichen Endstadium ansieht, möchte man (also, ich, ich bin leicht zu beeindrucken) vor Entsetzen schreiend davonlaufen. Eine nahe Verwandte hatte Brustkrebs mit Amputation. Im Schimmbad habe ich einen Jungen gesehen, der mit nur einem Arm seine Bahnen zog wie ein Delphin. Die meisten Leute, auch mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten scheinen mir nicht die Fähigkeit verloren zu haben, sich mit dem, was sie haben, genug zu arrangieren, um sich wohlzufühlen. Vielleicht nicht immer, aber wer fühlt sich schon immer wohl?Vielleicht würden sie sich noch wohler fühlen, wenn sie einen Taser mit sich rumtragen dürften und jeden zappen, der über ihren Körper dumme Bemerkungen macht.
Und das gibt mir Hoffnung für die nächsten 40 Jahre.![]()
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Thema: Figur und Wohlbefinden
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01.09.2015, 09:04
AW: Figur und Wohlbefinden
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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01.09.2015, 09:14
AW: Figur und Wohlbefinden
Ja, so würde ich das auch interpretieren. Ich finde auch, dass es Artikel geben sollte, wo man über erfolgreiche dicke Frauen berichtet - denn die gibt es.
Es gibt interessante Studien zum Thema Übergewicht und wie die Gesellschaft über Dicke denkt. Dieser Artikel von Wolfgang Uchatus drückt das gut aus: Lob der Fülle.
Ich bin dick und ich fühle mich wohl. Dusche nackt nach dem Schwimmen in den öffentlichen Duschen des Schwimmbads, esse ungeniert Torte in der Öffentlichkeit, fahre Fahrrad, mache Yoga, gehe walken, tanze, trage Kleider und Shorts... und denke eigentlich nie darüber nach, wie andere das finden könnten. Nur Stränge wie dieser erinnern mich daran.
Allerdings bin ich auch realistisch und weiß, dass weniger Gewicht den Körper weniger belastet. Abnahme gerne, aber nicht aufgrund von "nicht wohlfühlen" sondern eher aus Vernunftgründen. Da ich hormontechnisch diesbezüglich gehandicapt bin, trifft auf mich die Aussage "Dicke können ja abnehmen" nicht zu. Denn bei mir ist das etwas schwerfälliger und braucht medikamentöse Unterstützung.
Mir fällt auf, dass viele Frauen unzufrieden mit ihrer Figur sind und ständig an sich rummäkeln, teilweise sehr streng Diät halten, total schlank sind, sich aber trotzdem in der Öffentlichkeit verhalten als wären sie gesellschaftlich geächtet. Bloß nicht auf die Tanzfläche, wenn diese leer ist, bloß nicht laut lachen, etc. Weshalb diese nicht gerne mit mir weg gehen, weil ich tanze wenn mir die Musik gefällt und nicht wenn die Tanzfläche die richtige Füllung hat, weil ich laut lache, spreche und frech bin - auch zu fremden Menschen
außerdem mit Tieren spreche.
Sie fragen mich, woher ich den Mut dazu nehme - vielen Dank auch - und ich frage mich, warum braucht das Mut? Die Menschen denken doch eh was sie wollen, mache sagen es auch, davon soll ich mir den Spaß verderben lassen? Weil irgendjemand denkt, wie führt die fette Kuh sich auf? Die, die so gestrickt sind, denken das sowieso, ob ich tanze oder nur rumstehe.
Ich kann das jedem nur empfehlen: tut das worauf ihr Lust habt und denkt nicht darüber nach, was die anderen sagen oder denken könnten.
Vielleicht sind die Artikel falsch aufgezogen. Es geht nicht um das Gewicht, es geht um das Wohlbefinden und das ist gewichtsunabhängig.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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01.09.2015, 09:17
AW: Figur und Wohlbefinden
Es erscheint unintuitiv?
Es geht gegen den Zeitgeist der letzten 100+ Jahre?
Es wirkt bemüht?
Es ist schlecht gemacht?
Es ändert nichts daran, daß Frauen auf ihr Aussehen reduziert werden?
Es schließt übergewichtige Frauen mit H-Figur ("Litfaßsäule") aus?
Es glaubt eh keiner?
Ich bin da Zwiegespalten. Erstens finde ich, diskriminierte Gruppen müssen ihre eigene Stimme finden (und das tun sie), und nicht in "das beste vom Tage"-Häppchen von Namenlosen als Kuriosität ("eine zufriedene Dicke!") dargestellt werden. Andererseits, wenn man sich die Haare rauft über "nur Frauen die so-und-so-aussehen können glücklich sein!", scheint es unangemessen, sich über Gegenstimmen, sogar über schlecht gemachte, zu ereifern. Andererseits: Gerade dann. Denn Aufmerksamkeit ist in unserer Ökonomie ein wertvolle Ressource.
In dem Zustand ist nichts gut. Und oft krallt sich dann die Aufmerksamkeit an Problemen mit Äußerlichkeiten fest, die einem vorspiegeln, man könne sie mit bekannten Methoden lösen, damit man sich nicht den Problemen stellen muß, die die Existenz bedrohen.
*Sind* das Ausreden? Ist ein Kummer, den du mit Kuchen bekämpfst, weniger real, als einer, den du mit Gedichteschreiben, mit körperlicher Erschöpfung, damit, im Internet Leute zu hassen, oder mit Psychopharmaka bekämpfst?
(Sorry, das geht jetzt weg von dem Thema, daß du benannt hast, aber ich finde, daß die Erwartung der Öffentlichkeit, daß es für Pummel verwerflich ist, Kuchen zu essen, wenn ihnen danach ist, nicht zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt. Diese Wertung sollte man nicht verinnerlichen, bzw. vor die Tür setzen, wenn sie sich schon verinnerlicht hat.)Geändert von wildwusel (01.09.2015 um 10:12 Uhr)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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01.09.2015, 09:45
AW: Figur und Wohlbefinden
Es haben auch einige geschrieben, dass sie sich mit ihren viele Kilos sehr wohl fühlen.
Hast du ausgewertet wo die Mitte liegt?
Denn darauf gehst du leider gar nicht ein.
Du haderst mit irgendwas, aber der Schauplatz, dicke Frauen in der Presse oder in Modestrecken ist doch ein bisschen bemüht.
Oder geht es tatsächlich um die Brigitte als Zeitschrift und die dort präsentierten Modestrecken?
Denn gerade die Beschäftigung mit "allen Formen" von Frauen, hat doch eine praktisch neue Modeindustrie erschaffen. Vielleicht hast du wirklich einfach "ungünstige" Quellen
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01.09.2015, 10:04
AW: Figur und Wohlbefinden
Den Beitrag von Xanidae kann ich vollständig unterschreiben.
Als ich viel dünner war, hatte ich übrigens viel mehr Komplexe, war schüchterner und hätte weniger Sex. Ich bin leider mit keinem positiven Körpergefühl aufgewachsen, woran leider mein Vater mit einigen Sprüchen, die gegenüber einer Pubertierenden nicht nett sind großen Anteil hatte.
Irgendwann habe ich mich davon emanzipiert.
Und seitdem ich meinen Körper so akzeptiert habe wie er ist, und mich wohl fühle in meinem Körper und mit meinem Körper, geht es mir bedeutend besser und das ist gut so.
Und erst über die Akzeptanz, dass ich gut so bin, wie ich bin, geht es jetzt, dass ich erstmalig ein Abnehmenprojekt begonnen habe und es auch scheint, dass ich das durch halte. Das ganze geht sehr langsam, ist auch als Langzeitprojekt angelegt, was mir mein Körper danken wird.
Und wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter.
Ich habe nicht die Vorstellung, dass alles besser wird, nur weil ich abgenommen habe - rein körperliche Dinge werden leichter, aber sonst - ich lasse mich überraschen.
Ich definiere ich nicht so sehr über meinen Körper, deswegen stelle ich ihn nicht in den Fokus und mir tut das gut.
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01.09.2015, 10:33
AW: Figur und Wohlbefinden
Ich habe nicht geschrieben, dass es einfach ist. Ich habe nur geschrieben, dass es logisch ist. Und wir alle kennen diese Regel. Wenn das essverhalten der Lösung im Wege steht, dann ist das Essverhalten das Problem und nicht das Gewicht an sich. Und dann liegt genau da die Lösung.
Erwartet wirklich jemand, dass so etwas einfach ist? Es ist unbequem, es ist nervig und schwer. Ich weiß das. Es bringt aber doch wirklich nichts sich von aller Welt angegriffen zu fühlen. Man muss bei sich anpacken, nicht bei anderen.
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01.09.2015, 10:33Inaktiver User
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01.09.2015, 10:36
AW: Figur und Wohlbefinden
Dann weiß ich wirklich nicht mehr, was Du hier möchtest. Du hast selbst darum gebeten zu beschreiben wer sich wie wohlfühlt. Jetzt tun wir es und es ist auch nicht recht.Die Diskussion um die Durchführung einer Gewichtsreduktion führt für mich lediglich am Thema vorbei. Und das wollte ich ausschließen. Und ich will keine Erfahrungen sammeln. Mich interessiert lediglich, ob nur ich diese Artikel seltsam finde. Kann es gerade nicht formulieren, was ich meine.
ich bin raus.
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01.09.2015, 10:39Inaktiver User
AW: Figur und Wohlbefinden
Das meinte ich mit Körperbild. Jede/r zeichnet in Gedanken ein Bild von sich. Wenn du diesem Bild ähnelst, stellt sich das Wohlgefühl ein bzw. du denkst nicht groß darüber nach. Erst wenn das Bild in die ein oder andere Richtung wankt, wird es thematisiert und/oder daran gearbeitet.
Von daher sind auch OP's OK, wenn sich diejenige Person anschließend ihrem Körperbild annähert. Warum nicht.
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01.09.2015, 10:46Inaktiver User
AW: Figur und Wohlbefinden
Hier schreibst du doch entscheidendes. Sich von einem externen Körperbild zu entfernen und ein eigenes aufzubauen, ist Emanzipation. Ob dick oder dünn, spielt doch keine Rolle. Wenn dann aber von außen wieder Vorgaben kommen (dick und sexy und dynamisch etc.) und du sie verinnerlichst, ist es im Grunde wieder aus mit der Emanzipation. Da spielt es auch keine Rolle ob dick oder dünn. Um sich wohl zu fühlen, muss man dem eigenen Körperbild entsprechen.



Vielleicht würden sie sich noch wohler fühlen, wenn sie einen Taser mit sich rumtragen dürften und jeden zappen, der über ihren Körper dumme Bemerkungen macht.
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