Hallo liebe Community,
ich drehe mich besonders mit einem Thema schon sehr, sehr lange im Kreis und finde darauf einfach keine Lösung. Und zwar geht es vorrangig um Beziehungen zu Männern, aber das Thema ließe sich "bei Bedarf" sicher auch auf zwischenmenschliche Beziehungen im allgemeinen ausweiten, wobei ich z. B. bei Freundinnen, Familie oder im Beruf das Problem meist nicht habe.
Vielleicht hat ja die eine oder andere etwas ähnliches schon erlebt oder kann mir mit ihrem Blick von außen einen Hinweis geben, wo ich ansetzen könnte?
Ich schildere einfach an einem vereinfachten Beispiel, um was es geht: ich lerne einen Mann kennen, an einem beliebigen Punkt signalisiert mir mein Bauchgefühl - wie ich im Nachgang meist feststelle, zurecht - "holla aufgepasst, der Mann sagt Dir nicht die Wahrheit" oder z. B. "wieso sagt er Dir, er möchte Dich so gerne sehen, aber reagiert auf Vorschläge gar nicht oder wenn dann sehr verhalten" oder einfach "er ist nicht authentisch".
Das heißt, ich registriere eine Kluft zwischen Wort und Tat und das ist der Moment, in dem ich anfange, in meinem Hamsterrad loszurennen. Jeder gesunde Verstand würde sich wahrscheinlich zurückziehen und sich schützen - und ich bin mit detektivischem Ehrgeiz dran, ihn der Lüge zu überführen.ich merke, wie sich mein Bauch zusammenkrampft, ich mich nicht mehr konzentrieren kann, sondern mich regelrecht an dem Menschen festbeiße. Ich glaube dann auch, ab einem bestimmten Punkt geht es mir nicht mehr darum, ihn als potentiellen Partner/Lover/sonstwas zu sehen, sondern ich bin dann nur noch mit "ihm" verbunden durch diesem tiefen Wunsch/Bedürfnis, die Wahrheit hören zu wollen.
Was - mit Verstand betrachtet - in jedem Fall eine Sisyphosarbeit ist, denn Menschen sind nunmal nicht immer ehrlich, egal, wie sehr man sie schüttelt. Aber mein Gefühl, meine Wut, mein Ich-will-dass-Du-jetzt-ehrlich-zu-mir-bist-Drang ist so übermächtig, dass ich mich dann wirklich nicht mehr anderen, schönen Dingen im Leben zuwenden kann, sondern grüble. Hinterherrenne. Die Wahrheit quasi fordere...und ich weiß nicht, an welchem Punkt ich drehen müsste, um mir das Leben selbst nicht so schwer zu machen...Dazu kommen dann doch wieder Zweifel - was, wenn er ehrlich ist und ich nur geduldiger sein müsste, mich nur mehr "anbieten" müsste, Zuneigung mehr zeigen, mich nur "besser" machen. Das kommt erschwerend noch dazu. Zu diesem blöden Bauchgefühl.
Ich würde mich so gern einfach umdrehen und (emotional) weggehen können, wenn ich merke, jemand meint es nicht ehrlich mit mir oder herumeiert. Stattdessen werde ich immer wütender und enttäuschter, immer verbissener und die-Wahrheit-fordernder - und wische mir damit doch nur selbst eins aus.
Macht das Sinn? Ich hoffe, ihr versteht zumindest das, was ich ausdrücken möchte - auch wenn Euch der Sinn meines Verhaltens nicht schlüssig ist, glaubt mir, ich verstehe mich in diesen Phasen auch nicht mehr.Vielleicht habt ihr ja einen Gedankenstupser, der mir einen neuen Impuls gibt und mir ein Wegweiser aus diesen Situationen sein kann. Ich danke Euch
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Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 53
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10.08.2015, 20:37Inaktiver User
Die "Sucht" nach der Wahrheit
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10.08.2015, 21:41
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Mein Rat: Ändere deinen Blickwinkel.
Wenn ein Mann es nicht ehrlich mit dir meint und herumeiert, so ist er bereits ehrlich - nur nicht direkt. Nicht jeder beherrscht es gut, in direkte Worte zu verpacken, dass er es sich eben anders überlegt hat und den Kontakt nun doch nicht mehr vertiefen möchte.
Wenn du die nonverbale Wahrheit für dich hast, dreh dich um und geh... Fordere keine direkten Worte ein, wozu? Du hast doch die Antwort bereits.
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10.08.2015, 21:53
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Beispiel: Er mag nicht aussprechen, dass er die Beziehung im Grunde beenden will. Muss er auch nicht, denn das wenige, das er sagt kombiniert mit dem, was er durch Körpersprache zeigt, ist bereits ehrlich und deutlich - auch wenn er wortwörtlich überhaupt nicht gesagt hat, dass er Schluss machen will. Geschweige denn, warum er das will.
Guck mal hier bspw...
Sie versteht es, auch ohne dass er die Wahrheit beim Namen nennen musste - denn seine Botschaft war bereits Aussage genug.
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10.08.2015, 23:59Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Ich glaub, das ist reine Übungssache.
Man muss sich einfach die Sprache des anderen übersetzen und nicht einfordern, dass er sie in deine übersetzt.
Blöd ist das schon, weil das was jemand sagt, schon die Wahrheit sein könnte und man sich im ahnen vertun und dem anderen unrecht tun könnte, aber so ist das eben.
Beispielsätze:
- "Mein Kind hat plötzlich Fieber bekommen..." (= mein Kind hat Fieber oder ich habe im Moment doch keine Lust mehr zu kommen)
- "Das war doch keine Absicht!" (=es war Gedankenlosigkeit oder ja, es war Absicht, aber jetzt tut's mir leid)
- "Ich hatte so Stress bei der Arbeit..." (=Stress bei der Arbeit oder wollte mich von dir erholen, aber jetzt geht's wieder, aber bitte bohr nicht so rum,sonst vergehts mir gleich wieder)
Nun, es ist manchmal nicht leicht, einzuordnen, was wirklich hinter solchen Aussagen steckt. Ein Bauchgefühl kann uns schon auch in die Irre führen, wenn wir früher schlechte Erfahrungen gemacht haben, obwohl es im konkreten Fall keinen Anlass gibt.
Das Leben wäre erheblich leichter, wenn alle miteinander ehrlich wären, denk ich mir manchmal.
Aber... will man alles wirklich so genau wissen?
So sehen das zumindest die Leute, die "sozialkonform flunkern".
Da hat die Freundin halt mal keine Lust zu kommen, mag dich aber trotzdem gern, bringt es aber nicht über's Herz, zu sagen: es ist mir gerade sch*egal, was mir ausgemacht haben, mir ist heut einfach alles zuviel. Das sagt man nicht, das macht nur ein Fass auf, dann muss ich mich auch noch rechtfertigen, also lieber eine kleine Ausrede.
Deswegen kann alles trotzdem seinen gewohnten Gang gehen.
Letztlich kann man hier nur sagen: Choose your battles.
Wenn du z.B. das Gefühl hast, dein Mann hat eine Affäre, das wäre wirklich einen battle wert, um die Wahrheit herauszufinden.
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11.08.2015, 00:35
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Hallo Gugerschecke,
Menschen sind nicht nur nicht ehrlich sondern vor allem auch nicht konsistent. Was man heute abend so sieht, sieht man morgen frueh ganz anders, und wer nur zwei Seelen, ach, in seiner Brust hat, der kann noch viel untervermieten.
Ich habe bei den Leuten, die immer die Wahrheit wissen wollen, die "sage mir, wer du bist, allein, du selbst und namenlos" immer ein Verlangen nach der schlimmstmoeglichen Antwort wahrgenommen, die alle ihre Aengste bestaetigt: Sie glauben keine Wahrheit, solange die nicht schrecklich ist, die nicht bedeutet, dass alles vergebens ist, Liebe eine Illusion, das Leben ohne Sinn, und jede Handlung schon vor der Ausfuehrung gescheitert. Erst dann fuehlen sie sich sicher, und sie werden so lange graben und wuehlen und bohren und forschen und denken, bis sie die Antwort haben, die ihren Aengsten ein Ende macht.
Ich wuerde da eher ein bewusstes Risikomanagement empfehlen. Um mit den Wise Guys zu sprechen, "Hier und jetzt hab ich dich, und es ist alles im gruenen Bereich". Nichts dauert fuer immer, um so wichtiger, dass es gut ist, solange es dauert, und wer nur gibt, was ihm Freude macht und was er sich leisten kann, zu geben, braucht nicht aufzurechenen, wie viel zurueckkommt, und die emotionale Schufa zu spielen.
Praktisch gesehen kann man den Leuten glauben, bis man ihnen nicht mehr glauben kann oder will. Ich nehme alles, was die Leute mir sagen, als einen wahren Aspekt ihrer Sicht der Welt an. Wenn sie mich anluegen, muessen sie damit leben, dass ich ihnen glaube -- die meisten nervt das sehr schnell
. "Glaube" ich ihnen dann wirklich? Nicht relevant. Ich benehme mich so, denn ich moechte, dass Leute sich mir gegenueber so benehmen. Und ich gebe nichts weg, was keine reichlich nachwachsende Ressource ist.
Geändert von wildwusel (11.08.2015 um 17:33 Uhr) Grund: Grammatik.
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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11.08.2015, 12:01
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Hi!
Ich habe den Eindruck, es geht Dir nicht so sehr um "die Wahrheit". Das ist nur vordergründig so.
Du versuchst, in der Rolle der "Kommissarin", die Kontrolle wiederzuerlangen, die Du dadurch verloren hast, dass Du Dich der Gunst/Ungunst einer anderen Person ausgeliefert hast.
Zweitens dient diese Kontrolle auch dazu, den Schmerz der Ablehnung zu überwinden. Als Kommissarin stellst Du Dich über den Lügner, den Du der Lüge überführen musst. Wenn derjenige seine Missetat zugibt, dann empfindest Du womöglich sogar Triumph statt Schmerz.
Insgesamt also keine unkluge Sache. Daher fällt es Dir auch schwer, da loszulassen.
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11.08.2015, 12:23Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
DU bist ehrlich und damit auch dein sich meldendes Bauchgefühl.
Du hast denjenigen ja schon überführt, wenn es sich meldet.
Aber ich verstehe es so, dass du möchtest, dass er es zugibt, vielleicht sogar zerknirscht ist oder gar eine Strafe bekommt. ME lässt DAS dich rennen. Der Wunsch, dass es Konsequenzen gibt.
Hast du es mal bei einem direkt angespochen? Ihm direkt gesagt: du bist nicht ehrlich? Du lügst mich an?
Nicht, dass es was bringt - wahrscheinlich eiert derjenige dann noch mehr herum, aber es wäre ja interessant zu sehen, ob du dann besser loslassen könntest.
Ich empfehle dir außerdem, dich mit dem Thema "Kongruenz" bei Menschen zu beschäftigen. Jemand, der mit sich im Reinen ist und somit "ehrlich", ist in Wort und Tat kongruent = übereinstimmend und das spürt das Gegenüber meist auch.
Danach scheinst du ein (völlig normales) Bedürfnis zu haben - nach Eindeutigkeit.
Beschäftige dich von daher mehr mit deinen Bedürfnissen und wie du sie erfüllen kannst. Das ist wichtig, sonst verlierst du bei all dem Gerenne nur dich selbst und bist mit "dem anderen" zugange.
Kurz gesagt: nimm dich wichtig(er).
Gespräche und / oder Therapie könnte auch helfen, falls das was für dich ist.
Denn es könnte in deinem Fall auch in Richtung "Zwangsgedanken" gehen. KÖNNTE. ich vermag es aus der Ferne nicht zu beurteilen, würde es aber an deiner Stelle mit ins Auge fassen.
Alles Liebe,
ChelmyGeändert von Inaktiver User (11.08.2015 um 12:24 Uhr) Grund: sinnverfälschenden Fehler korrigiert
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11.08.2015, 13:49
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11.08.2015, 13:57Inaktiver User
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11.08.2015, 14:53Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
@Wildwusel
Ein wunderbarer Beitrag. Ich war auch oftmals versucht, gewissen Menschen eine einfache Lüge zu erzählen, weil sie mir die komplexe Wahrheit nicht glauben wollten.
Allein, wie man es dreht und wendet, beide Seiten haben zu dem Zeitpunkt schon verloren.


ich merke, wie sich mein Bauch zusammenkrampft, ich mich nicht mehr konzentrieren kann, sondern mich regelrecht an dem Menschen festbeiße. Ich glaube dann auch, ab einem bestimmten Punkt geht es mir nicht mehr darum, ihn als potentiellen Partner/Lover/sonstwas zu sehen, sondern ich bin dann nur noch mit "ihm" verbunden durch diesem tiefen Wunsch/Bedürfnis, die Wahrheit hören zu wollen.
Dazu kommen dann doch wieder Zweifel - was, wenn er ehrlich ist und ich nur geduldiger sein müsste, mich nur mehr "anbieten" müsste, Zuneigung mehr zeigen, mich nur "besser" machen. Das kommt erschwerend noch dazu. Zu diesem blöden Bauchgefühl.
Vielleicht habt ihr ja einen Gedankenstupser, der mir einen neuen Impuls gibt und mir ein Wegweiser aus diesen Situationen sein kann. Ich danke Euch
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