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    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe mich ausgesöhnt mit meinen Eltern, kann verstehen und fühlen, warum sie damals so agierten. Nur ich selbst kann mit meiner eigenen Erfahrung noch nicht umgehen. Obwohl ich ja "weiß", dass ich alleine sehr gut klar komme und ich es überleben würde, würde mir wieder der Boden weggerissen werden. Nur fühlen kann ich dieses rationale Wissen nicht, anscheinend.
    Ich kann nur mit Hausfrauenpsychologie dienen, aber oftmals "reinszinieren" traumatisierte Menschen unbewusst ihr Trauma, in der Hoffnung, beim nächsten Mal nicht mehr in der Opfersituation von früher zu stehen. Hierfür benötigen sie "Mitspieler", die entweder freiwillig oder unfreiwillig in die Rolle des "Täters" gedrängt werden bzw. hierfür instrumentalisiert werden. Z.B. ein Mann, bei welchem du nach der Wahrheit "suchen" musst.

    Das heißt, ich registriere eine Kluft zwischen Wort und Tat und das ist der Moment, in dem ich anfange, in meinem Hamsterrad loszurennen. Jeder gesunde Verstand würde sich wahrscheinlich zurückziehen und sich schützen - und ich bin mit detektivischem Ehrgeiz dran, ihn der Lüge zu überführen.
    Wenn du keine guten Erfahrungen mit deinem Bauchgefühl/Intuition gemacht hast und hiermit etwas Negatives verbindest, dürfte es nicht verwundern, wenn du hier keine Schutzmechanismen hast, denen du vertraust.

    Ich würde mich so gern einfach umdrehen und (emotional) weggehen können, wenn ich merke, jemand meint es nicht ehrlich mit mir oder herumeiert.
    Du bist kein Kind mehr, und kannst dich umdrehen und gehen.

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    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Ich würde mich so gern einfach umdrehen und (emotional) weggehen können, wenn ich merke, jemand meint es nicht ehrlich mit mir oder herumeiert. Stattdessen werde ich immer wütender und enttäuschter, immer verbissener und die-Wahrheit-fordernder - und wische mir damit doch nur selbst eins aus.

    Macht das Sinn? Ich hoffe, ihr versteht zumindest das, was ich ausdrücken möchte - auch wenn Euch der Sinn meines Verhaltens nicht schlüssig ist, glaubt mir, ich verstehe mich in diesen Phasen auch nicht mehr. Vielleicht habt ihr ja einen Gedankenstupser, der mir einen neuen Impuls gibt und mir ein Wegweiser aus diesen Situationen sein kann. Ich danke Euch
    Zitat Gugerschecken

    Hallo Gugerschecken,

    ich finde es großartig, wenn man Worte und Taten vergleichen kann, und dadurch in der Lage ist, einen Menschen einzuschätzen. Gratulation! Wenn du in das Beziehungsforum schaust, wirst du eine Menge Frauen lesen, denen diese Fähigkeit leider fehlt und die munter dem falschen hinterherrennen.

    Das passiert dir schon mal nicht!

    Dennoch ist das kein Grund, sich derart impertinent aufzuführen. Du kannst dir wahrheitsliebende Freunde aussuchen, wenn dir das so wichtig ist, aber du hast kein Recht, aus jedem die Wahrheit herauszupressen. Sooo nahe steht dir ein angehender Flirt nun auch nicht. Das ist ein Abtasten, wie der andere so tickt. Und wenn es eben nicht passt, dann geh freundlich einen Schritt zurück, und zwar ohne eine schonungslose Charakteranalyse zu liefern. Niemand hat dich darum gebeten und niemand hat dich zur Richterin gesetzt.

    Hast du schon mal überlegt, das andere Leute andere Werte haben? Manchen ist ihre Privatsphäre derart heilig, dass sie relativ neue Bekanntschaften auf Abstand halten. Manche wollen nach aussen glänzen und lügen deshalb usw. Das musst du alles nicht toll finden, aber auch andere haben ein Recht auf ihre persönlichen Werte.

    Kleine Lügen unter Bekannten sind zudem sozial anerkannt. Man nennt das 'den anderen sein Gesicht wahren lassen'.

    Ich vergleiche auch Worte und Taten, kann dich daher gut verstehen. Allerdings gehe ich anders damit um. Entweder ziehe ich mich zurück oder ich beobachte weiter, solche Widersprüche können auch unterhaltend sein.

    Last not least:

    Ich hatte mal eine Bekannte, die ähnlich tickte wie du. Diese ständige Bohrerei nach der 'Wahrheit' hat mich derart genervt, dass ich ihr allein aus diesem Grund nichts mehr erzählt habe. Es ging nicht um große Geheimnisse, aber ich hatte keine Lust, mich einem Verhör zu stellen.

    Vielleicht geht es deinen Traummännern genauso? Du könntest mit deiner Art viel kaputtmachen. Manche vermeintliche Lüge ist nämlich doch keine oder stellt sich als harmlos heraus.

    liebe Grüße

    Türkis

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    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Liebe Gugerschecken, liebe Genna!

    Ich freue mich sehr über Eure Rückmeldungen!

    Uns allen wünsche ich, dass wir es schaffen, ehrlich mit uns selbst zu sein. Das ist nicht immer leicht Aber befreiend.

  4. Inaktiver User

    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    [QUOTE=wildwusel;26633097]Und ich denke, da Menschen und Situation immer viele Aspekte haben, kann man sie immer so lange drehen, bis sie einem ihre schlechtest Seite zeigen, aber diese ist nicht wahrer als irgendeine andere, und am Ende macht es niemanden glücklich zu hören, daß alles Sch***e ist. Es nimmt nicht die Ängste, es bestätigt nur, daß man Recht hatte, Angst zu haben.

    und nimmt sich damit die Chance auf ein "fluffiges" Miteinander, wenn man nur auf das Übelste wartet. Yo.

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Naja, wenn jemand sich ständig über seinen empfindlichen Magen beklagt, kriegt er eben Reis, und die anderen kriegen Chili con Carne und Apfelkuchen. Entweder er hat einen empfindlichen Magen, dann ist ihm mit Reis geholfen, oder er will sich nur wichtig machen, dann kann er nachdenken, was ihm das wert ist. Oder wenn einer immer der große Zampano ist, der alles weiß und alles kann, finde ich bestimmt Arbeit für ihn. Ich muß aber aufpassen, nicht ins passiv-aggressive zu rutschen, sondern wirklich das zu tun, was rücksichtsvoll und respektvoll ist, wenn die Leute sich korrekt darstellen. Manchmal ein schmaler Grat.
    Ok, danke für die Erklärung!

  5. Inaktiver User

    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von Divino Beitrag anzeigen
    Auch hier wiederhole ich mich kurz: Eine Änderung des Blickwinkels hilft. Stell dich einfach in eine andere Ecke des Gedankenraumes oder geh mal auf die Veranda und guck dir die Situation nochmal von dort aus an.
    Nicht leicht. Aber bestimmt wert, es zu trainieren, auch in anderen Situationen...

  6. Inaktiver User

    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von Sojourner Beitrag anzeigen
    Du bist kein Kind mehr, und kannst dich umdrehen und gehen.
    Theoretisch ja. Ich frage mich aber halt eben, warum ich es nicht kann. Nicht loslassen kann, was mir offensichtlich nichts bringt außer Verdruß, Bauchschmerzen und letztlich Schuldgefühle... das ist ja das, was mich selbst zum Verzweifeln bringt.

  7. Inaktiver User

    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    Dennoch ist das kein Grund, sich derart impertinent aufzuführen. Du kannst dir wahrheitsliebende Freunde aussuchen, wenn dir das so wichtig ist, aber du hast kein Recht, aus jedem die Wahrheit herauszupressen. Sooo nahe steht dir ein angehender Flirt nun auch nicht. Das ist ein Abtasten, wie der andere so tickt. Und wenn es eben nicht passt, dann geh freundlich einen Schritt zurück, und zwar ohne eine schonungslose Charakteranalyse zu liefern. Niemand hat dich darum gebeten und niemand hat dich zur Richterin gesetzt.

    Hast du schon mal überlegt, das andere Leute andere Werte haben? Manchen ist ihre Privatsphäre derart heilig, dass sie relativ neue Bekanntschaften auf Abstand halten. Manche wollen nach aussen glänzen und lügen deshalb usw. Das musst du alles nicht toll finden, aber auch andere haben ein Recht auf ihre persönlichen Werte.

    Kleine Lügen unter Bekannten sind zudem sozial anerkannt. Man nennt das 'den anderen sein Gesicht wahren lassen'.

    Ich vergleiche auch Worte und Taten, kann dich daher gut verstehen. Allerdings gehe ich anders damit um. Entweder ziehe ich mich zurück oder ich beobachte weiter, solche Widersprüche können auch unterhaltend sein.

    Last not least:

    Ich hatte mal eine Bekannte, die ähnlich tickte wie du. Diese ständige Bohrerei nach der 'Wahrheit' hat mich derart genervt, dass ich ihr allein aus diesem Grund nichts mehr erzählt habe. Es ging nicht um große Geheimnisse, aber ich hatte keine Lust, mich einem Verhör zu stellen.

    Vielleicht geht es deinen Traummännern genauso? Du könntest mit deiner Art viel kaputtmachen. Manche vermeintliche Lüge ist nämlich doch keine oder stellt sich als harmlos heraus.

    liebe Grüße

    Türkis
    Ich musste erst einmal das Wort "impertinent" googlen, das kannte ich nicht. Und war doch etwas erstaunt, dass ich dort als Definition "auf herausfordernde Art unverschämt" las. Dann kam mein Eingangspost vielleicht falsch rüber, oder ich habe es falsch ausgedrückt. Ich habe eben nochmals nachgelesen: ich renne ihm nicht physisch hinterher und beiße mich auch nicht an ihm fest, sondern das passiert emotional bei mir. Entschuldigung, das ist falsch ausgedrückt gewesen.

    Aber Du hast sicherlich nicht Unrecht - dass der andere einen gewissen latenten Druck spüren dürfte, bzw. ich Fragen stelle und er sich in einer Rechtfertigungsposition wiederfindet, ist bestimmt nicht unwahrscheinlich. Leider. Und das Problem habe ich zum Glück "nur" bei Männern - wie gesagt, bei Freundschaften, Familie und im Kollegenkreis vertraue ich den Menschen komischerweise, dass sie mir wohlgesonnen sind. Und gestehe noch kurioserweiserer zu, dass eben die ein oder andere Flunkerei dabei ist, die sogar offensichtlich ist - aber wahrscheinlich weiß ich bei diesem Personenkreis, dass deshalb nicht die Freundschaft/Zuneigung/Sympathie vorbei ist, nur weil sie mal flunkern.

    Nur bei Männern, die sich - in meinen Augen - ambivalent zeigen, dreh ich mich im Kreis. Oder ich dreh mich in den Kreisel rein und die vorher klaren Männer "werden" ambivalent bzw. entziehen sich dem "Verhör". Auch möglich... seufz. Vielleicht ist da der Grund dann doch tatsächlich, dass ich mir eine Beziehung wünsche, ein Ankommen und ein Wiederfinden meines Zuhauses, dass ich im Vorfeld zu akribisch gucke, ob das stabil hält - bevor es wieder kracht.

    Aber das genau ist nicht möglich, das weiß ich. Kontrolle behalten wollen - jederzeit die Sicherheit haben, dass ich getragen werde, das ist wohl mein Wunsch und vielleicht die Motivation meines Verhaltens. Aber nicht umsetzbar, in diesem lebendigen, dynamischen und natürlicherweise wechsel-reichem Leben.

    Ich werde Eure Gedanken dazu auf jeden Fall sacken lassen. Das ist eine ganze Menge Input und ich werde wohl da mal genau hinschauen, wo es am meisten ziept beim Lesen und schauen, ob ich mir eine Strategie basteln kann... in jedem Fall weiter an dem ich-baue-mir-selbst-eine-Heimat-Gefühl-arbeiten und an der Sicherheit, dass ich immer wieder auf die Füße falle, wenn etwas in die Hose geht. Danke Euch allen nochmal.

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    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nicht leicht. Aber bestimmt wert, es zu trainieren, auch in anderen Situationen...
    Oh ja... Klappt leider nicht immer, aber wenn es klappt, ist es ein himmlisches Gefühl! Befreiend, untermalt mit Stolz auf sich selbst, sogar ein bisschen Euphorie schwingt mit, selbst wenn die Erkenntnis traurig ist... Merkwürdiges Gefühl auf jeden Fall, wenn man es tatsächlich schafft. Hört sich immer leichter an, als es ist, während man in einer emotional wirklich stark aufgeladenen Situation steckt. Viele sagen "ja, klar... mache ich immer so" etc... Nur wenn sie in einer Situation stecken, die sie wirklich ernsthaft mitnimmt, ist es plötzlich nicht mehr ganz so einfach.

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    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich musste erst einmal das Wort "impertinent" googlen, das kannte ich nicht. . .... ich renne ihm nicht physisch hinterher und beiße mich auch nicht an ihm fest, sondern das passiert emotional bei mir.

    Aber Du hast sicherlich nicht Unrecht - dass der andere einen gewissen latenten Druck spüren dürfte, bzw. ich Fragen stelle und er sich in einer Rechtfertigungsposition wiederfindet, wie gesagt, bei Freundschaften, Familie und im Kollegenkreis vertraue ich den Menschen komischerweise, dass sie mir wohlgesonnen sind. aber wahrscheinlich weiß ich bei diesem Personenkreis, dass deshalb nicht die Freundschaft/Zuneigung/Sympathie vorbei ist, nur weil sie mal flunkern.

    Nur bei Männern, die sich - in meinen Augen - ambivalent zeigen, dreh ich mich im Kreis. die vorher klaren Männer "werden" ambivalent bzw. entziehen sich dem "Verhör". Auch möglich... seufz. Vielleicht ist da der Grund dann doch tatsächlich, dass ich mir eine Beziehung wünsche, ein Ankommen und ein Wiederfinden meines Zuhauses, dass ich im Vorfeld zu akribisch gucke, ob das stabil hält

    Da siehste mal, die Bricom bildet Ich hatte das tatsächlich so verstanden, als würdest du den Männern physisch hinterherrennen und sie 'Beschatten', ausfragen was auch immer. Wenn ein großer Teil in deinem Kopf abgeht, ist das schon mal besser.

    Dennoch wird dein Misstrauen spürbar bleiben und einer festen Beziehung im Weg stehen. Wie soll denn eine vertrauensvolle Basis geschaffen werden, wenn du so anfängst? Das widerspricht sich doch.

    Ich drücke dir die Dauemn, dass du dein Heimatgefühl in dir selbst findest und großzügiger zu deiner Umwelt sein kannst.

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    AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hallo Genna - irgendwie tröstend, dass ich nicht allein mit diesem Problem bin, auch wenn ich es weder Dir noch mir noch sonstwem wünsche...
    Hallo Ihr Lieben,

    nein, ihr seit nicht allein. Mir geht es auch ähnlich, allerdings ist meine Durst nach Wahrheit in allen Bereichen vorhanden. Hat das vielleicht damit zu tun, dass ich gleich starke emotionale Bindungen eingehe? Bei mir liegen die Wurzeln auch in der Kindheit, ich wußte Sachen, die ich lieber nicht gewußt hätte und die Erwachsenen haben mir eine verlogene Welt vorgelebt. Das prägt und nicht zu knapp....

    Nun will man natürlich nicht ein Leben lang darunter leiden und dieses Thema mit sich rumschlepen, also habe ich mich gefragt, wie man damit umgehen könnte. Für mich ist wichtig, dass ich mir selbst gestatte, die Wahrheit wissen zu wollen. Vorbehaltlos. Schonungslos. ABER auch den anderen gestatte natürlich zu flunkern oder sogar sich selbst zu belügen. Es hat nichts mit mir zu tun, wenn jemand den Weg des geringeren Widerstandes geht und lieber eine Lüge gebraucht als sich der Wahrheit zu stellen. Das sagt nur über diese Person was aus und nicht über mich oder über unsere Beziehung.

    Ich bohre auch nicht nach, durchlöchere keinen mit Fragen, sondern habe "lediglich" ein Problem damit, wenn mein Gegenüber mir nicht glaubwürdig erscheint. Meine Denksweise ist nicht vereinfachhernd, ich bin durchaus in der Lage und auch gewillt, die komplexen Seiten der Perönlichkeit eines anderen wahrzunehmen und zu schätzen.

    Die Durst nach der Wahrheit scheint mir ein persönliches Merkmal meiner Charakterstruktur und ich habe mich damit arrangiert. Jedoch umso wichtiger erscheint mir die Toleranz, dass nicht alle so geprägt sind wie ich und jeder das recht hat, so zu leben und sich so zu verhalten, wie er es für richtig hält.
    Geändert von Ella969 (13.08.2015 um 11:28 Uhr)

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