Guten Abend Ihr alle,
erst einmal vielen lieben Dank für Eure Gedanken, ich schätze Eure Antworten wirklich sehr und besonders zwei Beiträge haben mich im ersten Moment ein wenig erschüttert, im zweiten Moment nachdenklich gemacht.
Und zwar einmal das hier:
Da fühlte ich mich wohl ein wenig ertappt. Denn so würde ich ganz tief unten am Grund meine Motivation vielleicht erklären.
Vielleicht dazu etwas biographisches, wobei ich natürlich weiß, dass man nicht alles auf die Kindheit schieben kann: ich habe wohl (ich habe kaum noch Erinnerung an diese Zeit, nur die markanten Punkte sind sehr präsent) viele Jahre meines Kind-Seins in - im Nachhinein für mich essentieller - Ambivalenz verbracht. Ich fühlte einen nahenden/drohenden Verlust, das Gefühl wurde mir aber immer wieder durch Worte entkräftet. Bis sich das Gefühl schließlich bestätigt hat - und damit die Worte vorher für mich wohl als "Lüge" bei mir ankamen - kann das etwas damit zu tun haben? Zumindest ist das bisher meine Theorie, weshalb ich so auf die unbedingte Wahrheit dränge. Selbst jetzt, wo ich das schreibe, kommen mir Tränen. Ich möchte das von damals wohl nie wieder erleben müssen, vermeiden. Besonders aufpassen, damit mir das nicht nochmal passiert. Mir - als Kind - der Boden unter den Füßen weggezogen wird, weil ich "glaube".
Ich habe mich ausgesöhnt mit meinen Eltern, kann verstehen und fühlen, warum sie damals so agierten. Nur ich selbst kann mit meiner eigenen Erfahrung noch nicht umgehen. Obwohl ich ja "weiß", dass ich alleine sehr gut klar komme und ich es überleben würde, würde mir wieder der Boden weggerissen werden. Nur fühlen kann ich dieses rationale Wissen nicht, anscheinend.
Diese Haltung finde ich wirklich sehr bewundernswert, fast schon beneidenswert. Und ja, das alles klingt plausibel. Vor allem der letzte Satz. Der ist klasse.
Der letzte Satz bringt mich zum Lächeln :-)
Wie meinst Du das - hast Du da ein Beispiel? Also was die Leute dann nervt, weil Du sie durchschaut hast... dem kann ich irgendwie nicht so ganz folgen![]()
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 53
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11.08.2015, 20:33Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Geändert von Inaktiver User (11.08.2015 um 20:58 Uhr)
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11.08.2015, 20:45Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Das war der zweite Beitrag, der mich zutiefst berührt hat. Die Kommissarin, die der Kontrolle nachjagt - ja. Das ist gut dargestellt und leider wohl auch gut möglich. Ich möchte gerne die Kontrolle über mein Seelenheil bewahren und mich nicht ausliefern. Was ich vielleicht zu schnell tue. Oder mich zu schnell öffne und schon den verlockenden "Heimathafen" wittere, wo doch noch alles am Anfang steht. Wobei ich diese Wahrheitssucht auch bei Menschen bzw. Männern habe, die ich eigentlich gar nicht will. Vom Verstand her. Das Einzige, was mich dann bei den Männern/Bekanntschaften "hält" ist diese Dynamik, die ich entwickele im Laufe des Fortgangs. Ich wünschte, zumindest die könnte ich einfach links liegen lassen.
Ich weiß nicht, was dann der Sinn dahinter ist...? Arbeite ich meine kindliche Erfahrung von damals noch ab oder möchte ich gern dominieren in der Mann-Frau-Verwicklung, egal welcher Art sie gestrickt ist? Das hört sich so berechnend an, aber das bin doch nicht ich... dachte ich immer.
Aber ja, Massahi, dass mich das so berührt ist vielleicht ein Zeichen, dass es in diese Richtung geht.
Danke...
Ich habe eigentlich jahrelange Gesprächstherapie-Erfahrung und sehne mir eine weitere (Gesprächs-)Therapie nicht wirklich herbei... hat jemand denn Erfahrungen mit anderen Therapieformen, mit denen ich solche Impulse frühzeitig erkennen und mit meinem Erwachsenenverstand aus der Hand des Kindes nehmen und im besten Fall zu positiver Energie ableiten kann?
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11.08.2015, 20:54Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Siehst Du, ich persönlich bin lieber ehrlich, auch wenn ich mir im ersten Moment einen verduzten Gesichtsausdruck vom Gegenüber einfange. Aber meine Freundinnen wissen zum Beispiel auch, dass sie ehrlich zu mir sein können und ich es ihnen nicht übelnehme. Im Gegenteil - im besten Fall lerne ich etwas dazu. Aber vielleicht kann da nicht jeder mit umgehen? Deshalb habe ich lieber, man(n) sagt mir, dass er eigentlich keine Lust mehr hat, mich nochmals zu treffen, als - wie so oft gehört und hier gelesen - herumzueiern und sich durch die Hintertür davonzuschleichen.
Ich muss vielleicht noch dazu sagen: ich erlebe es nicht ständig und ich bin auch keine Furie, die dann gleich ein Faß aufmacht und denjenigen dann "stalked" und die Wahrheit einfordert, koste es was es wolle. Vielleicht kommt es so rüber
aber ich finde es persönlich für mich schon irgendwie traurig, dass ich dann eben in dieses Karussell gerate und alles andere Schöne im Leben so gar keine Bedeutung mehr hat in diesen Momenten.
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11.08.2015, 20:57Inaktiver User
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11.08.2015, 21:07Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Ja, das habe ich tatsächlich schon. Das war wohl mein größtes Fiasko in dieser Hinsicht. Ich hatte schon so lange ein ganz schlimmes Bauchgefühl und irgendwann fügte sich das "Lügenbild" dieses Mannes wie ein Puzzle so schön - und einfach nur durch blöde Zufälle und Dummheit seinerseits - zusammen, so dass ich ihn natürlich konfrontieren musste. Ich konnte einfach nichts anderes machen, als ich die Lügen und Machenschaften dieses Mannes wörtlich schwarz auf weiß hatte - und er log mich weiter an. Das würde ich mir einbilden, das sei alles nicht wahr, wer hätte mir die Informationen gegeben... und ich bin innerlich zusammengesackt und - bin in dieser "Beziehung" geblieben. Bis ER es beendete. Gut, da war ich 24 Jahre alt und ob ich das in dem ganzen Ausmaß heute (immerhin über 10 Jahre später) nochmals mit mir machen ließe, bezweifele ich...
...aber zurückgeblieben ist die Angst vor dem Konfrontieren, oder vielmehr vor dem Wegwischen meiner Wahrnehmung. Ich weiß, dass ich damals nämlich in Stücke gefallen bin und mir - danach und schon während dieser 1,5jährigen Beziehung - nicht mehr getraut habe. Was mich fast zu einer dummen Tat verleitet hat, weil ich so hin- und hergerissen war zwischen der Wut, der Enttäuschung, dem Schmerz und paradoxerweise den Schuldgefühlen, ihm Unrecht getan zu haben.
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11.08.2015, 21:08Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Danke Euch klugen Frauen.

Und mein aktueller "Kummer" ist durch das Schreiben hier schon sehr viel kleiner geworden. Das finde ich schön.Geändert von Inaktiver User (11.08.2015 um 21:18 Uhr)
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11.08.2015, 21:57
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Ich habe mich mal nach einer Krise, als ich 15 war, entschlossen, so zu leben. Das steckt natürlich auch eine Menge Vertrauen in meine eigene Fähigkeit, wieder aufzustehen, nachdem ich auf die Schnauze gefallen bin, dahinter, aber ich hab's nach der Krise damals geschafft, das hat mir eine Menge Vertrauen gegeben.
Und ich denke, da Menschen und Situation immer viele Aspekte haben, kann man sie immer so lange drehen, bis sie einem ihre schlechtest Seite zeigen, aber diese ist nicht wahrer als irgendeine andere, und am Ende macht es niemanden glücklich zu hören, daß alles Sch***e ist. Es nimmt nicht die Ängste, es bestätigt nur, daß man Recht hatte, Angst zu haben.
Naja, wenn jemand sich ständig über seinen empfindlichen Magen beklagt, kriegt er eben Reis, und die anderen kriegen Chili con Carne und Apfelkuchen. Entweder er hat einen empfindlichen Magen, dann ist ihm mit Reis geholfen, oder er will sich nur wichtig machen, dann kann er nachdenken, was ihm das wert ist. Oder wenn einer immer der große Zampano ist, der alles weiß und alles kann, finde ich bestimmt Arbeit für ihn. Ich muß aber aufpassen, nicht ins passiv-aggressive zu rutschen, sondern wirklich das zu tun, was rücksichtsvoll und respektvoll ist, wenn die Leute sich korrekt darstellen. Manchmal ein schmaler Grat.Wie meinst Du das - hast Du da ein Beispiel? Also was die Leute dann nervt, weil Du sie durchschaut hast... dem kann ich irgendwie nicht so ganz folgen
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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11.08.2015, 22:02
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Auch hier wiederhole ich mich kurz: Eine Änderung des Blickwinkels hilft. Stell dich einfach in eine andere Ecke des Gedankenraumes oder geh mal auf die Veranda und guck dir die Situation nochmal von dort aus an.
Von einer anderen Ecke aus kannst du u. U. folgendes entdecken:
- Niemand hat die Kontrolle über sein Seelenheil.
- An jemanden mehr Interesse zu haben als dieser an einem hat, muss keine Auslieferung sein.
- Einen verlockenden Heimathafen zu wittern, wenn alles noch ganz am Anfang steht, degradiert den betreffenden Mann, dem diese zweifelhafte Form von Zuneigung zuteil wird, zum Erfüllungsgehilfen für das persönliche Glück. Sowas mag niemand gern, wenn er es wittert.
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11.08.2015, 22:47Inaktiver User
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Das ist mit Sicherheit ursächlich. Es ist schlimm, weil Du so nicht wirklich Vertrauen in Deine eigene Wahrnehmung aufbauen konntest und auch nicht das Vertrauen in Deine Bezugspersonen.Vielleicht dazu etwas biographisches, wobei ich natürlich weiß, dass man nicht alles auf die Kindheit schieben kann: ich habe wohl (ich habe kaum noch Erinnerung an diese Zeit, nur die markanten Punkte sind sehr präsent) viele Jahre meines Kind-Seins in - im Nachhinein für mich essentieller - Ambivalenz verbracht. Ich fühlte einen nahenden/drohenden Verlust, das Gefühl wurde mir aber immer wieder durch Worte entkräftet. Bis sich das Gefühl schließlich bestätigt hat - und damit die Worte vorher für mich wohl als "Lüge" bei mir ankamen - kann das etwas damit zu tun haben?
Indem Du Dich selbst "bemutterst" d.h. Mitgefühl (Liebe) für das völlig verunsicherte, verängstigte Kind in Dir entwickelst. Und die Gefühle (Angst, Schmerz, Ohnmacht, Wut ectr.) die in solchen Situationen auftauchen zulässt und annimmst.
Stell Dir vor wie Du die "Kleine" auf Deinen Schoß nimmst, umarmst, wärmst und tröstest. Alleine das wird schon sehr viel bewirken. Dann bist Du selbst der "sichere Hafen" den Du jetzt noch im Außen suchst.Geändert von Inaktiver User (11.08.2015 um 23:05 Uhr) Grund: Ergänzt
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12.08.2015, 10:00
AW: Die "Sucht" nach der Wahrheit
Cognitive Verhaltenstherapie?
Ich habe das nie gemacht, nur eine Do-It-Yourself-Form davon, ehe ich überhaupt wußte, was das ist: Die Muster negativer Gedankenketten frühzeitig erkennen ("mir läuft gerade eine Laus über die Leber"), innehalten ("oh, eine Laus"), ans Licht zerren ("wo kommst du denn her?"), sich noch mal sagen, warum man sie sich abgewöhnen will, und dann etwas besseres tun oder denken. Schlechte Gewohnheiten durch gute erstezen, bis es automatisch wird.
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Es kann ja auch immer sein, daß jemand einen wirklich anlügt. Oder doof ist, respektlos, unmanierlich, anstrengend, egozentrisch, oder einfach schlecht für einen... Damit muß man sich nicht abgeben. Es muß kein Vergehen nachgewiesen werden, ehe man sich sagt, "der Kerl ist die Mühe, die er macht, nicht wert."
Du bist nicht verpflichtet, jemandem mehr als grundlegende Höflichkeit und gesetzestreues Verhalten zu geben. Wer eine Beziehung, sei sie freundschaftlich, geschäftlich, oder eine Paarbeziehung, möchte, der soll sich so verhalten, daß andere mit ihm diese Beziehung eingehen wollen. Sonst können die Leute (in dem Fall, du) es einfach lassen.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **



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