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  1. Inaktiver User

    Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wendet?

    Liebe Forumsmitglieder,

    ich bin 41 Jahre alt und je älter ich werde, desto mehr verzeifle ich an mir und meinem Leben.
    Seit Jahren leide ich unter Depressionen, die ich versuche, mit Antidepressiva zu bekämpfen.
    Leider nur mit mäßigem Erfolg. Ich denke auch oft, wie soll sich meine psychische Verfassung verbessern, wenn egal was ich anpacke, alles zum Scheitern verurteilt ist.
    Meine Eltern und meine wenigen Bekannten schieben mein Scheitern auf meine Ängste und das mangelnde Selbstvertrauen.
    Doch ich hatte ganz oft bei mir den Eindruck, dass ich will, aber nicht so richtig kann.

    Die Misserfolge ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
    Bereits in der Kindheit zeigte sich, dass ich mehr Schwierigkeiten hatte als die meisten anderen Kinder.
    Meine motorische Entwicklung war sehr verzögert. Ich lernte spät laufen, Radfahren und schwimmen. Aufgrund von Gleichgewichtsstörungen fiel ich oft hin oder stürzte mit dem Rad. Daher fuhr ich noch mit 8 Jahren mit meinem Kettcar durch die Gegend.

    Kontaktschwierigkeiten waren seit der frühen Kindheit gegeben.
    In fremder Umgebung fiel ich durch Wutanfälle auf, und oft wechselte mein Verhalten von völliger Schüchternheit zu völliger Albernheit.
    Ich war immer Außenseiterin. Gleichaltrige konnten mit mir aufgrund meiner Schüchternheit und emotionaler Entwicklungsverzögerung nichts anfangen.
    Als 16-jährige war ich emotional auf dem Stand einer 12-jährigen und fand auch eine Freundin in diesem Alter, die ich total bewunderte.

    Meine Leistungen waren in der Grundschule noch mittelmäßig, teilweise gut, doch die Lehrerin riet meinen Eltern zur Hauptschule. Doch die schickten mich aufs Gymnasium, wo ich sehr schnell übefordert war.
    Ich hatte eine Rechenschwäche, logisches Denken fiel mir schwer, ich konnte keine komplexen Zusammenhänge erfassen, keine Texte interpretieren.
    Sport war wegen meiner motorischen Defizite eine Katastrophe.
    Gute Leistungen zeigte ich nur in Latein, wo man nur Vokabeln und die grammatischen Regeln auswendig lernen musste.
    Ich machte die mittlere Reife mit einem Notendurchschnitt von 3,6.

    Das Berufsleben wurde zur Katastrophe, weil ich ein zu langsames Arbeitstempo und eine zu langsame Auffassungsgabe habe, mich immer nur auf eine Sache konzentrieren kann, schnell abgelenkt bin, Probleme habe, Anweisungen umzusetzen.
    Ich machte eine Ausbildung zur Arzthelferin, doch ich war dem Stress nicht gewachsen. Brach auch oft in Tränen aus, wenn einer der Ärzte unfreundlich war oder die Geduld mit mir verlor.
    Danach machte ich eine Umschulung zur Bürokauffrau. In dem Betrieb, wo ich die Praxis absolvieren musste, wurde ich gemobbt und sexuell belästigt. Ich fand anschließend Jobs im Büro, doch einmal wurde ich noch in der Probezeit rausgeworfen und ein anderes Mal nach zwei Jahren, als der nette und väterliche Chef in den Ruhestand ging. Seine Nachfolgerin hatte vorher keine Gelegenheit ausgelassen, mich zu schikanieren.
    Danach hatte ich noch Nebenjobs an einer Tankstelle und einem Billigladen und arbeitete ein Jahr vom Jobcenter aus bei einem Wohlfahrtsverband.
    Ich hatte auch noch mal einen Job im Büro, wo der cholerische Chef mich fast jeden Tag anbrüllte, weil ich ihm zu vergesslich war. Dabei habe ich mir wirklich große Mühe dort gegeben.
    Bisher wurde mir überall vermittelt, dass ich für den ersten Arbeitsmarkt nicht geschaffen bin.

    Privat sieht es genauso schlecht aus.
    Kontakte scheitern regelmäßig nach kurzer Zeit, weil andere sich abgestoßen fühlen von meinem mangelnden Selbstbewusstsein, meiner Unreife, Weltfremdheit und meiner langsamen Art.

    Für die ganze Problematik habe ich oft meinen Eltern die Schuld zugeschoben (in meinen Gedanken, gesagt habe ich es ihnen nie), weil sie mich immer abgewertet und sich kaum um mich gekümmert haben.

    Doch irgendwann glaubte ich nicht mehr an mangelnde emotionale Zuwendung als einzige Ursache.
    Vor ein paar Jahren stieß ich im Internet auf Autismus, genauer gesagt auf das Asperger-Syndrom. Ich erkannte mich in vielen Dingen wieder, nachdem ich mir eine Liste mit meinen Problemen und Defiziten erstellt hatte. Daher ließ ich meinen Verdacht in einer Autismusambulanz einer Uniklinik abklären.
    Das Asperger-Syndrom wurde bei mir ausgeschlossen, auch wenn ich viele Symptome zeige. Im Rahmen der Diagnostik wurde auch ein IQ Test gemacht mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass ich einen IQ von 86 habe!

    Zur Zeit bewerbe ich mich mal hier und mal dort, d.h. auf Inbound-Stellen im Call-Center oder einfache Bürojobs.
    Doch mein Lebenslauf weist inzwischen so viele Lücken auf, dass ich kaum noch Hoffnung habe, irgendwo wirklich anzukommen.

    Könnt ihr mir einen Rat geben, wie es bei mir weitergehen kann?

    Gruß,
    Liandrah

  2. User Info Menu

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Liebe Liandrah,
    ich habe deinen Text gelesen. Er ist klar strukturiert, logisch aufgebaut, reflektiert, selbstkritisch und nicht zu ausschweifend. Kurz gesagt: Zumindest schriftlich kannst du dich sehr gut ausdrücken. Lass dich von so einer IQ-Zahl nicht runterziehen.

    Zur Lösung deiner persönlichen und beruflichen Probleme empfehle ich dir,.professionelle Hilfe zu suchen, in Form von Berufsberatung bzw. Psychotherapie. Machst du denn wegen Deiner Depressionen eine Psychotherapie? Bist du bei einem guten Facharzt in Behandlung?

    Du hast deine Kindheit und Jugend geschildert, damit wir ein Gesamtbild erhalten. Ich würde trotzdem damit abschließen, welche Fehler du als Jugendliche hattest. Sieh deine Vergangenheit nicht nur als Aneinanderreihung von Versagen, lass sie einfach hinter dir.

    Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

  3. Inaktiver User

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Zunächst einmal, gib nicht auf.
    Ich schliesse mich Zwiebelliese an, schon die Art wie du schreibst und dich ausdrückst ist klar, selbstreflektiert und deutet in keiner Weise an das du irgendwelche Einschränkungen hast.

    Ich glaube gern das der IQ-Test ein Schock für dich war, aber bedenke eines ... der IQ ist einen Maßeinheit, die bestimmte Fähigkeiten misst und mit dem allgemeinen Durchschnitt vergleicht, mehr nicht.
    Selbst Menschen mit einem sehr hohen IQ sind keine Alleskönner und auch sie haben z.T. Probleme im sozialen, zwischenmenschlichen Bereich.
    Es sagt überhaupt nichts über dich als Menschen aus.
    Ich denke (vor allem aufgrund deiner Biographie) ist das Hauptproblem dein Selbstwertgefühl.
    Wenn man von frühster Kindheit an abgewertet wird und später auch diverse Fehlschläge einstecken musste, ist das auch kein Wunder.
    Ich denke du solltest dich auf zwei Punkte konzentrieren, dein Selbstwertgefühl und deine Stärken.

    Mathematik, Logik, Auffassunggabe, alles nicht dein Ding?
    Willkommen im Club, es gibt jede Menge Menschen, die damit Probleme haben, deswegen sind sie aber nicht schlechter als andere.
    Vergiss mal die Schwächen. Besinne dich auf Stärken.
    Jeder kann irgendetwas gut. Was ist das? Macht es dir Spaß? Erfüllt es dich?
    Das ist ein wichtiger Punkt, weil er deine Motivation steigert und dir Selbstvertrauen gibt.

    Um auf deine Frage zu antworten ... ja, es gibt immer Hoffnung.
    Oder um es mal bildlich auszudrücken ....

    Alles Gute

  4. User Info Menu

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Dein Beitrag ist sehr strukturiert und klar formuliert. Schreiben und klar formulieren gehört wohl zu deinen Stärken.

    Ohne auf die Einzelheiten einzugehen ist mir an deinem Titel aufgefallen:

    Dein Leben wird sich nicht einfach so zum Guten wenden. Du musst dein Leben zum Guten wenden. Du musst was tun!!! Es passiert nicht einfach so. Setz dabei an deinen Stärken an!

    Ich drück dir die Daumen!
    Nichts bleibt so wie es ist, alles unterliegt der Veränderung.

  5. Inaktiver User

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Liebe Liandrah,

    zu deiner Frage im Titel: Ja, du darfst Hoffnung haben!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Seit Jahren leide ich unter Depressionen, die ich versuche, mit Antidepressiva zu bekämpfen.
    Leider nur mit mäßigem Erfolg. Ich denke auch oft, wie soll sich meine psychische Verfassung verbessern, wenn egal was ich anpacke, alles zum Scheitern verurteilt ist.
    Das ist ein klassischer Teufelskreis bei einer Depression, damit bist du nicht allein. Da du ja offensichtlich in Therapie bist, möchte ich dir unbedingt raten, mit deinem Arzt/deiner Ärztin darüber zu reden, dass die Antidepressiva nur mäßig wirken. Ich möchte dir zudem raten, dir eine Verhaltenstherapie verschreiben bzw. dich in eine Tagesklinik oder Klinik überweisen zu lassen. Ich glaube, aus dem tiefen Loch, in dem du steckst, kommst du alleine bzw. nur mit Antidepressiva nicht raus.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Misserfolge ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
    Du legst so viel Schwerpunkt über Misserfolg und Scheitern. Gibt es Erfolge in deinem Leben? Gibt es Dinge, die du gern und mit voller Freude tust? Hast du Hobbys? Dinge, mit denen du dich stundenlang völlig selbstvergessen beschäftigen kannst?

    Einen kleinen Erfolg hast du ja versteckt:

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Gute Leistungen zeigte ich nur in Latein, wo man nur Vokabeln und die grammatischen Regeln auswendig lernen musste.
    Du kannst also offensichtlich gut auswendig lernen. Das ist doch schon mal eine Fähigkeit (die mir selbst z.B. komplett fehlt).

    Gibt es noch mehr? Hast du vielleicht einen grünen Daumen? Kannst du gut mit Tieren? Bist du irgendwie handwerklich begabt? Oder künstlerisch? Bist du musikalisch? (Oder hast du solche Dinge noch nie probiert? Auch dafür wäre eine Therapie nicht schlecht, viele Kliniken bieten z.B. Mal- oder Musiktherapien an, darüber könntest du dich diesen Bereichen mal annähern …)

    Und ich möchte mich meinen Vorschreibern anschließen: Deine Gedanken kannst du jedenfalls sehr gut und strukturiert schriftlich darlegen!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Könnt ihr mir einen Rat geben, wie es bei mir weitergehen kann?
    Konzentriere dich auf deine Fähigkeiten, nicht auf deine Mängel. Ich bin überzeugt: Es gibt für jeden Menschen den genau richtigen Platz, den genau richtigen Beruf, die richtige Aufgabe im Leben. Man muss sie nur finden – und das ist oft gar nicht so leicht. Mit deinen Misserfolgen in den gängigen Berufen und der klassischen Schullaufbahn hast du natürlich ein schweres Päcklein zu tragen, aber ich bin mir sicher, dass du ganz viele wunderbare Fähigkeiten hast, die du nur noch nicht entdeckt hast, weil du im Mainstream-Berufsleben nach deinem Wert suchst. Schau auch mal abseits dieser eingefahrenen Bahnen!

    Viel Glück!

  6. Inaktiver User

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Danke für eure lieben Antworten!

    Von Bekannten höre ich auch oft, dass ich mich auf meine Stärken besinnen soll und die ganzen Rückschläge der Vergangenheit hinter mir lassen müsse.
    Leider ist das leichter gesagt als getan, denn es ist schwer, wenn man mit Anfang 40 immer noch nicht seinen Platz im Berufsleben gefunden hat. Ich definiere mich auch bestimmt nicht über Erfolge oder bin sehr materiell eingestellt, aber für mich wäre es schon der Himmel auf Erden, nur einen einfachen Job halten zu können und meine Lebenshaltungskosten selbst bestreiten zu können.
    Es ist echt entwürdigend, ständig als Bittsteller beim Jobcenter anzutreten und mich ab und an von meinen Eltern unterstützen zu lassen, wenn das Geld mal wieder nicht reicht. Dabei lebe ich durch meine soziale Zurückgezogenheit schon sehr sparsam.

    Mich wundert immer wieder, dass sowohl meine Bekannten als auch mein Sachbearbeiter vom Jobcenter sagen, dass es nur an meinem mangelnden Selbstvertrauen scheitert.
    Ich dagegen glaube, dass ich nicht mit sehr vielen Fähigkeiten gesegnet worden bin.
    Leider hat der IQ-Test mit dem negativen Ergebnis auch meine Selbstzweifel bestätigt...
    Ich denke dann, man hat mir in der Schule ja schon gesagt, dass ich blöd bin und mich erst gar nicht bewerben brauche.
    Ich werde nie vergessen, wie ich ein einziges Mal in Mathe eine Eins geschrieben habe. Nicht, weil ich plötzlich die Erleuchtung hatte, sondern weil die Klassenarbeit so einfach gewesen war. Es gab nur Einsen und Zweien. Jedenfalls war es damals so, dass jeder Schüler nach Rückgabe einer Klassenarbeit die Note laut nennen musste und der Lehrer trug sie dann in sein Notizbuch ein. Als ich meine Note nannte, schrie die ganze Klasse vor Lachen! Keiner der 30 Mitschüler sagte:"Hast du toll gemacht."

    @ LustUndLiebe

    Deine Antwort fand ich besonders interessant.

    Ich glaube auch nicht, dass ich allein und nur mit Antidepressiva aus den Depressionen rauskommen werde.
    Nur scheue ich einen stationären Aufenthalt in einer Psychiatrie! Nicht, weil ich mich dort als verrückt empfinden würde, sondern weil es für mich ein Albtraum ist, wochenlang in einem fremden Bett zu schlafen und täglich mit fremden Menschen an einem Tisch zu essen.
    Ich habe das erlebt, als ich vor Jahren wegen meines Asthmas zur Reha war und die drei Wochen habe ich nicht in guter Erinnerung. Ich war jeden Tag todmüde und fand auch keinen Anschluss.
    Tagesklinik wäre eine Option solange ich keinen neuen Job habe.

    Ich finde eigentlich, dass es gar keine besondere Fähigkeit ist, gut auswendig lernen zu können.
    In meiner Schulzeit hat man mir auch so vermittelt, dass so etwas nicht viel Wert hat, da man dabei nicht selbst nachdenken muss.

    Was kann ich sonst?
    Es stimmt, ich kann ganz gut schreiben und Texte formulieren, aber ich hätte nicht gewusst, was ich daraus beruflich hätte machen können.
    Kurz vor dem Schulabschluss habe ich mal den Wunsch geäußert, Journalistin zu werden. Doch ich wurde sofort ausgelacht, weil man mir das natürlich nicht zugetraut hat wegen mangelnder Intelligenz und wahrscheinlich wegen meines introvertierten Wesens.

    In allen Bereichen, die du aufgeführt hast, habe ich keinerlei Talent. Also ich bin weder künstlerisch noch musikalisch begabt, bin handwerklich ungeschickt, habe kein technisches Verständnis, habe keinen grünen Daumen.
    Allerdings liebe ich Tiere! Doch das ist ja keine Fähigkeit. Ich weiß nicht, ob Tierpflegerin der richtige Beruf für mich wäre oder ob ich da eventuell zu ängstlich wäre.

    Dabei möchte ich so gerne arbeiten.
    Nicht nur, um meinen Eltern und Bekannten etwas zu beweisen, sondern weil es auch für mich mehr Selbstwertgefühl bedeuten würde. Zumindest für den Fall, dass ich in dem Job zurechtkäme.
    Auch ist eine geregelte Alltagsstruktur so wichtig.

    Hoffentlich werde ich das noch mal erreichen.

  7. Inaktiver User

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich wundert immer wieder, dass sowohl meine Bekannten als auch mein Sachbearbeiter vom Jobcenter sagen, dass es nur an meinem mangelnden Selbstvertrauen scheitert.
    Ich dagegen glaube, dass ich nicht mit sehr vielen Fähigkeiten gesegnet worden bin.
    Nein, das Selbstbewusstsein allein ist sicher nicht alles, aber es ist ein sehr wichtiger Punkt.
    Aber Selbstzweifel blockieren einen Menschen enorm.

    Ich glaube auch nicht, dass ich allein und nur mit Antidepressiva aus den Depressionen rauskommen werde.
    Nur scheue ich einen stationären Aufenthalt in einer Psychiatrie! Nicht, weil ich mich dort als verrückt empfinden würde, sondern weil es für mich ein Albtraum ist, wochenlang in einem fremden Bett zu schlafen und täglich mit fremden Menschen an einem Tisch zu essen.
    Ich habe das erlebt, als ich vor Jahren wegen meines Asthmas zur Reha war und die drei Wochen habe ich nicht in guter Erinnerung. Ich war jeden Tag todmüde und fand auch keinen Anschluss.
    Tagesklinik wäre eine Option solange ich keinen neuen Job habe.
    Wie wäre es mit ambulanter Behandlung und Umstellung der Medikation?
    Depressionen sind sicher ein weiterer wichtiger Punkt.
    Und was ganz wichitg ist ... sie sind heilbar.

    Ich finde eigentlich, dass es gar keine besondere Fähigkeit ist, gut auswendig lernen zu können.
    In meiner Schulzeit hat man mir auch so vermittelt, dass so etwas nicht viel Wert hat, da man dabei nicht selbst nachdenken muss.

    Was kann ich sonst?
    Es stimmt, ich kann ganz gut schreiben und Texte formulieren, aber ich hätte nicht gewusst, was ich daraus beruflich hätte machen können.
    Kurz vor dem Schulabschluss habe ich mal den Wunsch geäußert, Journalistin zu werden. Doch ich wurde sofort ausgelacht, weil man mir das natürlich nicht zugetraut hat wegen mangelnder Intelligenz und wahrscheinlich wegen meines introvertierten Wesens.
    Mach dich nicht kleiner als du bist.
    Und vor allem .... LASS DIR DAS AUCH VON NIEMANDEM EINREDEN !!!

    In allen Bereichen, die du aufgeführt hast, habe ich keinerlei Talent. Also ich bin weder künstlerisch noch musikalisch begabt, bin handwerklich ungeschickt, habe kein technisches Verständnis, habe keinen grünen Daumen.
    Allerdings liebe ich Tiere! Doch das ist ja keine Fähigkeit. Ich weiß nicht, ob Tierpflegerin der richtige Beruf für mich wäre oder ob ich da eventuell zu ängstlich wäre.
    Glaub mir, die meisten Menschen sind in diversen Bereichen völlig talentfrei.
    Ich finde die Arbeit mit Tieren wäre doch vielleicht einen Versuch wert, oder?

  8. Inaktiver User

    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was kann ich sonst?
    Es stimmt, ich kann ganz gut schreiben und Texte formulieren, aber ich hätte nicht gewusst, was ich daraus beruflich hätte machen können.
    Kurz vor dem Schulabschluss habe ich mal den Wunsch geäußert, Journalistin zu werden. Doch ich wurde sofort ausgelacht, weil man mir das natürlich nicht zugetraut hat wegen mangelnder Intelligenz und wahrscheinlich wegen meines introvertierten Wesens.
    journalismus ist eine harte branche, aber es gibt darum herum verwandte felder, wo man solche talente einsetzen kann... lektorat zum beispiel... oder man kann texte für unternehmen schreiben... so gut und differenziert, wie du hier deine probleme darlegst, kann ich mir auch vorstellen, dass du gebrauchsanweisungen oder lehrbuchtexte schreibst...?

    allerdings ist das leben als texterin bzw. autorin kein einfaches.

    auf jeden fall möchte ich dir auch sagen, dass deine beiträge hier im vergleich zu vielen anderen sehr gut geschrieben sind. ob das jetzt der arbeitsmarkt anerkennt oder nicht.

  9. Moderation

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    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Hallo Liandrah,

    IQ-Tests messen, wie gut du IQ-Tests lösen kannst. Ich bin abends um neun zwanzig Punkte intelligenter als morgens um neun, soviel zur Aussagekraft dieser Tests. Und 86 ist unteres Mittelfeld. Bestimmte Arten von Aufgaben (die in IQ-Tests...) kann man nicht gut oder nicht schnell lösen, aber es ist kein "durchgefallen".

    Dein schriftliches Ausdrucksvermögen ist wunderbar, aber mit deinen Erfahrungen und deiner Depression -- kann es sein, daß du im zwischenmenschlichen Umgang gehemmt und übervorsichtig bist und niemandem trauen kannst? Dann gibt es diese Vergeßlichkeit und diese übergewissenhafte besorgte Langsamkeit. Und wenn du nicht gut mit abstrakten Symbolen und Mustererkennung bist (der Schwerpunkt vieler IQ-Tests), dann kannst du auch nicht gut so tun, als hättest du die Lage voll im Griff, da das auf Musterkernnung und richtigem Raten (und natürlich Selbstsicherheit) beruht.

    Ich würde dir empfehlen, zuallererst mal zu sehen, daß du die Depressionen besser behandelt bekommst. Depressionen blockeren alles, was man ist oder sein könnte und man ist völlig damit ausgelastet, sich stur von einem Tag zum anderen zu schleppen. Bei dem Ballast deiner Vergangenheit ist eine rein medikamentöse Behandlung wahrscheinlich nicht genug. Eine Therapie könnte dir helfen, aus der erlernten Unfähigkeit herauszufinden und die Vergangenheit loszulassen. Vielleicht wäre eine Tagesklinik eine Idee? Da gehst du morgens hin und abends weg, du kriegst eine Struktur in den Tag und hast eine Auszeit in einem geschützten Raum, ohne dich gleich als "Insasse" zu fühlen.

    Es ist meine Erfahrung, daß man fast jede Schwäche mit genügend Arbeit und Eifer ausgleichen kann. Aber eben nur "jede", nicht "alle", denn eine Schwäche auszugleichen ist so viel Arbeit, daß man sich gut überlegen muß, wo man ansetzen will: was man am meisten braucht und am meisten will. Auch da könnte eine Therapie helfen, sich zu orientieren.

    Gib nicht auf! Es kann alles besser werden. Aber es wird es nicht von selber. Man muß etwas anders machen, als man es sonst immer getan hat, und das erfordert Mut -- und der ist schwer zu haben, wenn man gewoht ist, daß einem das Leben ständig auf den Deckel gibt. Deswegen schafft man es meistens nicht alleine.

    Gut schreiben heißt, sich gut ausdrücken, heißt, klar und sauber zu denken, Analyse und Präzision. Aber auch: Sein eigenes Tempo setzen.
    Die Fähigkeiten, die zum guten Schreiben notwendig sind, helfen einem, Dinge und Situationen zu verstehen, wenn man nur die Zeit hat, die man braucht, sie genau anzusehen. Vom Schreiben zu leben ist schwer, aber vielleicht läßt sich auf den Talenten und Fähigkeiten, die dahinter stehen, etwas aufbauen.

    Noch ein ganz anderer Gedanke: Wurde mal durchgetestet, ob du körperlich gesund bist?
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. Moderation

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    AW: Darf ich noch Hoffnung haben, dass sich in meinem Leben noch etwas zum Guten wend

    Ich finde die Idee einer psychiatrischen Tagesklinik auch gut - während kurzfristige Klinikaufenthalte durchaus etwas anstoßen können, sind es nach meiner Erfahrung regelmäßige Erfahrungen über längere Zeit, in den Alltag integriert, die eine tiefergreifende und dauerhafte Veränderung bewirken können.

    Bei deiner Schilderung, @Liandrah, habe ich an eine Gruppenbehandlung, idealerweise kombiniert mit einer Einzeltherapie, gedacht. Gruppen können sehr viel bewirken, weil da Raum ist für direkte eigene Arbeit, aber auch Lernen durch die Arbeit der anderen, und weil Gruppen spiegeln und direktes Feedback geben können, so dass Annahmen über sich selbst, wie man wirkt und aufgefasst wird, überprüft und verändert werden können.

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