Der Punkt ist vielleicht, dass ich sehr gern viel allein bin - aber eben nicht ohne Freunde.
Ich erlebe das bei meinem Partner als ideal. Der hat damals, als wir zusammenzogen, das Bundesland und somit auch seinen besten Kumpel und weitere Kumpels hinter sich gelassen. Was ich da so schön finde, ist zum einen, dass für die ganz normal ist, monatelang nichts voneinander zu hören. Es sind auch schon mal mehr als 1 Jahr daraus geworden. Trotzdem war da kein Vorwurf in der Luft, weil die Jungs halt davon ausgehen, dass das Verhältnis grundsätzlich in bester Ordnung ist. Zum anderen müssen die auch nichts Tiefschürfendes miteinander bequatschen, sondern können auch nach Monaten des Nicht-Kontakts einfach mit was Niedrigschwelligem loslegen und je nach Vibrations in der Luft auch dabei bleiben. Ich finde, dass Männer das in der Regel besser raushaben.
Wenn es mir richtig mies geht, habe ich häufig eine Reihe unorthodoxer, manchmal auch radikaler Gedanken, die ich nicht unbedingt brühwarm irgendwem erzählen will. Die können auch bei mir bleiben. Ich habe das Gefühl, dass Frauen häufig ein Problem damit haben, wenn man einander nicht alles erzählt.
Wie kommt es, dass du da 'dosieren' kannst?
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Ergebnis 11 bis 20 von 29
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12.07.2015, 18:41
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
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12.07.2015, 18:49
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Ja, das meine ich ja. Das ist es eigentlich und auch uneigentlich nicht wert.
Warum es mir schwerfällt, das abzuhaken? Da ist zum einen die Intensität der Freundschaft. Ich bin ja eigentlich kein Fan davon, aber ihr hatte ich wirklich sehr viel anvertraut. Zum anderen war der 'tödliche' Satz wohl, dass sie mich schon seit Jahren eigentlich nicht mehr gut fand. Da fing es bei mir an zu rattern: Das und das und das hatten wir in den letzten 5, 4, 3 ... Jahren zusammen gemacht, und da hatte sie also die ganze Zeit schon gedacht: Eigentlich mag ich "Lollo_Rosso" nicht mehr? Ich hätte besser gefunden, sie hätte dann auch gleich die Konsequenzen gezogen, denn ich hatte nichts so Schwerwiegendes bemerkt. Da fielen so Sätze wie: "Weißt du noch, wie ich vor einem Jahr nicht mit dir ins Kino wollte? DA dachte ich schon: Nein, will ich nicht."
Klar ist: Sie wollte damals alles in Schutt und Asche legen, was ja auch gelang. Sie wollte verletzten, was ebenfalls gelang. Man hatte mich Jahre zuvor vor ihr gewarnt, aber ich fand sie super.
Und dieses Verkennen ihres Wesens und ihrer Gedankengänge hat mir ziemliche Angst eingejagt. Ich habe mich gefragt, bei wie vielen Leuten vielleicht noch so ein destruktiver doppelter Boden in der Beziehung mitschwingt.
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12.07.2015, 18:54
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Zunächst, Fehlerteufel - ich hab es erst jetzt im Zitat gesehen - ich wollte natürlich sagen
Nö. Das ist kein rein männliches Phänomen.Die weitaus meisten anderen Menschen...
Wie kann man ein Problem damit bekommen, wenn man irgendwas nicht erzählt bekommt? Das weiß man dann doch gar nicht, dass man das nicht weiß?? Die Gedanken sind frei... *flöt`*
Wieso ich das besser dosieren kann...keine Ahnung. Ist einfach so. Ich achte bewußt darauf, was ich will und dann mache ich einfach, was meinen Bedürfnissen entspricht. Im Laufe der Jahre sind dann die Freundinnen verblieben, die zu dem Konzept passen. Andere, die nicht so gut gepaßt haben, gab es eben nur eine gewisse Zeit lang.
Ich habe nie bewußt Freundinnen gesucht, sondern es hat sich immer irgendwie ergeben, wenn es zwischenmenschlich interessant und passend war.
Du brauchst halt auch eher Freundinnen, die selbst gern mal allein sind (alternativ durch Mann und Kinder vielleicht mehr eingebunden ins Eigenleben) und eher keine Partyhühner.
Vielleicht musst du dein Beuteschema mal gründlicher angucken?Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
Oscar Wilde
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12.07.2015, 19:04Inaktiver User
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
So kenne ich Schützenfeste eigentlich nicht. Nur aufs Trinken ist man da nicht gepolt.
Der gesellschaftliche Zusammenhalt und die traditionalen Werte werden da sehr hoch gehalten. Gerade andersartige Mitglieder aus der dörflichen Gemeinschaft werden da sehr wohl integriert.
Das heißt, sie hatte ein familiäres stabiles Umfeld.Sie mochte dieses Umfeld, diese Feste, diese Werte gerne. Es war Teil ihres Daseins. Die ganze Familie war jedes Jahr total aus dem Häuschen, wenn (...)
Das finde ich sehr merkwürdig, denn wenn sie aus einem Familienverband stammt, dann sollte sie Verständnis dafür haben.Ich wollte niemanden damit endlos zunölen, denn ich merkte, dass sie dafür keinen Erfahrungshorizont hatten. Sie wussten einfach nicht, wovon ich sprach. Es war eine ziemlich einsame Zeit für mich.
Da fängt es an, schwierig zu werden.
Die Vorstellung, Freunde immer dann zu brauchen, wenn man gerade mit sich selbst (oder seinem Partner) nichts anfangen kann, ist keine gute Vorstellung.
Es ist eine anspruchsvolle Vorstellung. Und vielleicht sogar ein etwas egoistische.
Ihr seid also eines dieser Paare, die sich selbst genug sind. Davon kenne ich auch welche.Ich erlebe das bei meinem Partner als ideal. Der hat damals, als wir zusammenzogen, das Bundesland und somit auch seinen besten Kumpel und weitere Kumpels hinter sich gelassen.
Das ist alles prima, solange man nicht plötzlich Freunde braucht.
Wenn es dann nicht klappt mit den Freundschaften, sind natürlich die Freunde schuld. Oh je.
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12.07.2015, 19:17
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Ich würde nicht sagen, dass du deine Freundin maßlos enttäuscht hast. Sie dich aber schon. Denn sie hat dir nicht die Wahrheit gesagt, sondern lange abgewartet, wie sie selber sagte. Das ist unfair gewesen von ihr. Es ist generell unfair, so lange zu warten, bis man die Kritik nicht mehr angemessen äußern kann und beleidigend werden "muss". Kein Benehmen!
Ich finde es merkwürdig, dass dich das 10 Jahre hinterher noch so mitnimmt. Ich habe auch schon langjährige Freundinnen verloren, konnte mir das überhaupt nicht erklären und musste lange innerlich kämpfen, um loslassen zu können. Aber irgendwann ist es ja auch geschafft und das Leben geht weiter.
Denkst du, dass etwas dran ist an ihrer Aussage, dass du kein positiver Mensch bist?Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
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12.07.2015, 19:44
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
@ Phaden
Ich glaube, du interpretierst zu viel rein. Du kannst schlecht aus meinen Erzählungen schließen, dass die Person ein stabiles Umfeld hatte und Verständnis haben sollte. Das sind ein paar Sprünge zu viel oder kennst du sie?
Und wie kommst du darauf, dass mein Partner und ich uns selbst genug sind? Wenn es so wäre, würde ich ja nichts vermissen. (?)
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12.07.2015, 19:55
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Nein, ich bin kein positiver Mensch. Das stimmt. Ihr Vorwurf ging in die Richtung, dass ich früher viel positiver gewesen sei. Das stimmt aber nicht. Ich habe mich nur ziemlich lange ziemlich zusammengerissen. Es ist so eine dumme Sache von vielen, die ich damals gemacht habe. Wie auch die, dass ich mit dem Rauchen angefangen habe. Einfach, um irgendwie dazu zu gehören. Würde ich heute nicht mehr machen, war aber mit 17 so.
Den Rest mag ich ja nicht berichten, aber der hat natürlich was damit zu tun, dass es nicht weichen will.
Im Grunde habe ich noch einen ziemlichen Groll auf sie, weil sie damals praktisch in kürzester Zeit alle Giftpfeile auf einmal aus dem Köcher holte und dies vorher nie getan hatte.
Es liegt aber wohl in ihrer Persönlichkeit begründet. Als mit ihrem damaligen Freund Schluss war, erzählte sie, dass sie sich nie gestritten hatten. Nach dem Aus erzählte sie allerdings viele intime Details und viele Situationen, in denen sie eine riesige Wut gehabt und dabei gelächelt hatte.
Im Grunde war es so, dass sie mir vorwarf, nicht mehr so lächelnd durch die Gegend zu laufen, sondern mein So-sein nach außen zu tragen, während sie ihre arschigen Seiten offenbar nur auslebte, wenn sie definitiv mit jemandem brechen wollte.
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12.07.2015, 20:05
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Also fest steht ja wohl: Sie hat mindestens genauso viele Fehler wie du. Sie hätte dich nicht aburteilen dürfen, das stand ihr nicht zu.
Eine Freundschaft macht ja auch etwas ganz anderes aus. Sie sollte bereichern und inspirieren in erster Linie. Und wenn man Probleme hat, sollte man sich gut aufgehoben fühlen.
Ich habe jetzt nicht so die dicken Freundschaften (eher mit ein, zwei Männern neuerdings, dachte vorher immer, das geht gar nicht mit einem Mann). Aber wenn ich in Not bin, haben meine relativ neuen Freundinnen ein Ohr für mich. Dafür mag ich sie sehr und ich hoffe, dass ich sie noch viele Jahre behalten darf, denn irgendwann werden sie ja noch zu diesen berühmt berüchtigten "guten Freundinnen"
Es ist nicht schwerer Freundinnen zu finden, wenn man älter ist. Es kostet halt Überwindung, aber das war doch auch früher schon so.
Du solltest vllt. an einer positiven Lebenseinstellung arbeiten. Es gibt Bücher, aber auch eine Therapie kann sehr hilfreich sein.Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
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12.07.2015, 20:31
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Also, auf jeden Fall ist das noch ein Thema.
Das Positive ist, dass es mich immer mehr stört. Ich möchte kein Griesgram werden.
Was ich halt nicht überblicken kann, weil ich früher zu viel nach außen gelebt und danach nicht den richtigen Dreh bekommen habe, ist die Frage, wie viel man von sich zeigen sollte und wie man vernünftig kommuniziert. Dieselben Fragen wären wahrscheinlich da, wenn ich schon seit Äonen solo wäre. Da liest man doch häufig fast dieselben Unsicherheiten heraus.
Ich fand früher tatsächlich leichter, Leute kennen zu lernen. Im Studium beispielsweise. Da hat man in jedem Semester jemanden kennen gelernt. Heute ist das schwieriger, neben der Arbeit und so.
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12.07.2015, 20:52
AW: Angst vor und zugleich Bedürfnis nach Freundschaften
Vielleicht kannst du besser damit abschließen, wenn du dies als Lehrstück für dich betrachtest, wie du selbst auf keinen Fall zu anderen Menschen sein willst?
Man entwickelt sich immerhin sein Leben lang weiter, ob man will oder nicht. Solche Episoden gehören zu den Lehren des Lebens dazu.Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
Oscar Wilde




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