Liebe Nowayout,
beim Lesen deines Textes habe ich mich an sehr vielen Stellen wiedererkannt, denn ich war genauso wie du.
Auch wenn ich denke, dass es nicht nötig ist, sich der heutigen Gesellschaft zu 100 % anzupassen und es schön ist, "anders" zu sein, so gibt es doch gewisse Charakterzüge, die andere Menschen dazu bringen, einen abzulehnen.
Ich lese aus deinem Text, dass du sehr viel Ablehnung erfahren hast, von Bekannten, Partnern und auch Menschen, die dir nicht so vertraut waren. Auch, dass du dir deine Freundschaften im Kindergarten quasi "erkaufen" musstest, lässt mich daran denken, dass du selbst nicht denkst, genug wert zu sein, als das man mit dir deines Charakters wegen befreundet sein könnte, sondern du nochmal extra was auf den Tisch legen musst, seien es Süßigkeiten wie damals, übertriebene Fürsorge, oft angebotene Hilfe, damit die Leute dich schätzen. Hier entsteht auch das Phänomen, dass "Freunde" weg sind, sobald man für sie nicht mehr nützlich ist.
Mobbing, Ablehnung etc liegt natürlich auch an deinem Gegenüber, aber ein Großteil liegt auch an dir, was nicht heißt, dass du es verdient hast, gemobbt zu werden, sondern dass dein Auftreten anderen suggeriert, dass sie es mit dir machen können. Ich wurde selbst sehr viel gemobbt und ausgegrenzt, es ist mit das schlimmste Gefühl, das es gibt und es zerstört unheimlich viel in dir.
Doch es ist nicht aussichtslos, weil du da wieder rauskommen wirst. Ich habe den Absprung vor ein paar Jahren geschafft, als ich mich von meinem Expartner, der mich zwei Jahre lang psychisch geschändet und meine Abhängigkeit ausgenutzt hat, getrennt habe. Ich habe nach der Beziehung angefangen, sehr viel zu reflektieren, vielleicht muss man dazu sagen, dass ich auch eine Angst- und Depressionenkarriere hinter mir habe, 8 Jahre zum Therapeuten ging und mir das alles nichts genützt hat. Das einzige, das mir geholfen hat, war die gnadenlose Konfrontation mit meinen Wahrheiten. Wie ist mein Verhältnis zu mir, was tue ich für mich, betrachte ich mich selbst als einen wertvollen Menschen? Die Antworten waren "schlecht, nichts, nein". Und das musste sich ändern, denn du wirst bis zum Ende deines Lebens mit dir selbst zusammen sein, also solltest du in erster Linie an der Beziehung mit dir selbst arbeiten.
Ich habe damals angefangen Sport zu treiben, nicht übermäßig viel, aber im gesunden Maße. Ich habe etwas Geld angespart und bin zum Friseur gegangen, habe meinen Job gewechselt, mich angefangen hübsch zu machen. Mir bewusst Auszeiten für mich genommen, sei es nur abends die halbe Stunde, wenn man duschen geht, sich danach eincremt, sich einfach um sich selbst kümmert. Ich habe angefangen meine Wohnung zu entrümpeln, was meiner Psyche sehr gut geholfen hat, weil ich viele Altlasten, die ich in Form von Gegenständen mit mir rumtrug, losgeworden bin. Ich habe mit meinen (sehr wenigen) Vertrauten gesprochen, sie gefragt, was sie gut und schlecht an mir finden, damit ich mit etwas arbeiten konnte. Um eine Beziehung zu führen, sei es eine Freundschaft oder eine partnerschaftliche Beziehung, musst du erstmal mit dir selbst größtenteils im Reinen sein. Ich sage hier größtenteils, weil es ein riesiges Stück Arbeit ist. Es ist ein langer Weg, der da vor dir liegt, du musst anfangen, dich selbst zu lieben, zu schätzen, hinter deinen Aussagen und Vorstellungen zu stehen und Ungerechtigkeiten deiner Person gegenüber keine Chance mehr zu lassen. Sei gut zu dir selbst, dann sind es auch andere.
Wenn du Redebedarf hast, kannst du mich jederzeit gerne anschreiben.
Alles Gute!
Antworten
Ergebnis 51 bis 57 von 57
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18.07.2015, 13:42
AW: Ich komme mit niemandem zurecht! Bin ich eine gestörte Persönlichkeit?
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23.07.2015, 14:03
AW: Ich komme mit niemandem zurecht! Bin ich eine gestörte Persönlichkeit?
Beziehe Position: sage klar und deutlich, was dir nicht passt. wenn der Nachbar dir mit Handgreiflichkeiten droht, drohe ihm mit der Polizei. Nehme seine Drohungen per Video auf dem Handy auf und drohe, das der Polizei zu übermitteln. Wenn dich eine andere Teilnehmerin mobbt, nehme sie zur Seite und frage sie, was ihr an dir nicht passt. da kommt sicher nur Gestammel. Dann sage ihr: wenn Sie keine Gründe haben, lassen Sie mich bitte in Ruhe. So ein verhalten zeugt übrigens von einem mangelnden Selbstwertgefühl. Sie sollten sich Hilfe suchen. wenn gründe kommen, zähle auf, was dir an ihr nicht passt und sage: Also, Sie sind auch nicht perfekt. Aber ich begebe mich nicht auf das Niveau, sie deshalb zu mobben. Ich weiss,d as ist leichter gesagt als getan. Aber nur mit klaren Aussagen kommt man aus der Opferrolle raus. Zum Thema Cybermobbing: melde das der Polizei und sage, dass du das gemeldet hast. Die Kursleiterin gehört für ihre Bemerkung "blondes hascherl" eigentlich fristlos gefeuert. Alles Gute!
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23.07.2015, 19:15Inaktiver User
AW: Ich komme mit niemandem zurecht! Bin ich eine gestörte Persönlichkeit?
Aber ist das nicht eher Plan B, aus der Opferrolle wieder herauszukommen?
Plan A sollte doch eigentlich sein, gar nicht erst hinein zu rutschen.
Ich finde das Posting von helena-rose sehr beeindruckend, denn sie zeigt auf, wie sie für sich einen Weg gefunden hat, aus dieser Spirale rauszukommen. Dafür Chapeau
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23.07.2015, 20:25Inaktiver User
AW: Ich komme mit niemandem zurecht! Bin ich eine gestörte Persönlichkeit?
Ja, ich bestätige das auch. Es ist wirklich überzeugend, was Helena-Rose geschrieben hat. Das muss man sich merken.
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23.07.2015, 23:45
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24.07.2015, 18:11Inaktiver User
AW: Ich komme mit niemandem zurecht! Bin ich eine gestörte Persönlichkeit?
Hallo,
ich danke euch für die ganzen weiteren Antworten.
Früher habe ich das bösartige Verhalten von Mitmenschen immer darauf geschoben, dass viele halt zu viel Frust haben und deswegen immer wieder Konflikte suchen.
Doch schien mir das irgendwann nicht mehr als einzige Ursache so wahrscheinlich, denn viele machen ja so extreme Erfahrungen in ihrem sozialen Umfeld gar nicht. Man hat immer mal Stress und Ärger mit jemandem, aber so gehäuft wie bei mir kommt es dann doch nicht vor.
Natürlich kann es häufig mit irgendwelchen "Makeln" zusammenhängen, warum jemand Opfer von Mobbing wird.
Ich habe das vor allem in meiner Schulzeit beobachten können. Da wurde ein sehr korpulenter Mitschüler ständig verprügelt, eine Mitschülerin wegen ihres Spachfehlers oft gehänselt, eine andere Klassenkameradin wegen ihrer altbackenen Kleidung verspottet.
Ich beziehe meine Ausgrenzungserfahrungen aus jener Zeit auf meine schüchterne und ängstliche Art.
Daher kann ich Helena-Rose, deren Beitrag ich übrigens auch ganz toll fand, zustimmen.
Es hat viel mit bestimmten Charaktereigenschaften und dem Auftreten zu tun, warum man von anderen abgelehnt wird.
Durch meine zahlreichen negativen Erlebnisse ist aus einem schüchternen Mädchen eine sehr selbstunsichere Erwachsene geworden. Mir war das lange gar nicht bewusst bis man mir gesagt hat, dass ich einen ängstlichen Gesichtsausdruck, eine nach vorn gebeugte Körperhaltung und eine leise Stimme habe.
Dazu kommt wohl, wie ein Dozent in einer Fortbildung es ausdrückte, dass ich auch hilfsbedürftig und verletzt wirke. Gerade verletzt wirken ist allein sicherlich schon ein großes Problem, denn auf so einen Menschen tritt man erst recht gerade noch mal ein.
Ich bin ein sehr gutmütiger Mensch und hinzu kam die Angst, mich unbeliebt zu machen. Daher fiel es mir lange Zeit sehr schwer, mal NEIN zu sagen. Was natürlich oft ausgenutzt wurde.
Als ich jung war, war es für mich selbstverständlich, anderen alle Wünsche zu erfüllen, nur um sie nicht zu verlieren.
Wenn einer meiner Ex-Freunde Sex wollte und mich trotz Schmerzen bedrängte, gab ich nach und biss lieber die Zähne zusammen. Einer forderte Geld von mir und sagte gleich, dass er es nicht geliehen haben wolle, sondern geschenkt. Ich tat es!
Wenn eine Bekannte mich als Babysitter brauchte oder schnell irgenwohin gefahren werden wollte, sprang ich sofort.
Da war es wohl normal, dass sie sich von mir abwandten, wenn ich plötzlich NEIN sagte. Sie sprachen davon, dass ich egoistisch und wertlos sei.
Ich weiß, dass ich mich ändern muss, sonst bleibt alles so, wie es ist.
Meiner Fehler bin ich mir absolut bewusst, nur ist es schwer, die störenden Eigenschaften abzustellen.
Denn wie soll man es abstellen, so verletzt, sensibel und wenig selbstbewusst zu wirken?
Dabei gebe ich mir wirklich Mühe, forscher und selbstbewusster aufzutreten.
Leider mit wenig Erfolg!
Ich nenne mal zwei Beispiele aus den vergangen Wochen.
Da mein Nachbar mich nach wie vor terrorisiert und meinen Kellerraum täglich zumüllt, habe ich mich vorletzte Woche an die Hausverwaltung gewandt. Der Vermieter hatte zwar vor Monaten schon ein Gespräch mit dem besagten Nachbarn geführt, aber es brachte leider nichts.
So kam die Dame von der Hausverwaltung vorbei und machte Fotos von meinem vermüllten Kellerraum, die sie dann dem Vermieter zukommen ließ.
Gebracht hat mir die Aktion allerdings nichts. Ich hätte mir gewünscht, dass der Nachbar abgemahnt würde.
Doch ich erhielt lediglich ein Schreiben von der Hausverwaltung, dass es mir nach Rücksprache mit dem Vermieter gestattet sei, eine Verkleidung im Inneren des Kellerraums anzubringen.
Stattdessen wurde jetzt der Hass des mobbenden Mieters auf mich noch größer. Am Mittwoch traf ich ihn zufällig im Treppenhaus. Er machte eine Geste, als wolle er mich schlagen. Sein Gesicht war wutverzerrt, als er sagte, dass er mich kaputt machen würde. Es bringt zwar alles nichts, aber ich antwortete, dass er reif sei für die Klapsmühle.
Wie soll man sich in solch einer Situation auch wehren?
Ein weiteres Beispiel ist ein Vorstellungsgespräch bei einer Behinderteneinrichtung, wo ich mich als Betreuungskraft beworben hatte.
Im Gespräch waren drei Mitarbeiter anwesend, von denen zwei gleich unsympathisch auf mich wirkten.
Der Personaler sagte, dass ich auch pflegerische Tätigkeiten ausführen müsse. Man würde mir zeigen, wie man z.B. jemanden duscht oder badet. Ich antwortete, dass ich keinen Pflegehelferschein habe und somit nicht befugt sei. Der Personaler meinte, das sei alles kein Problem.
Ich wollte daraufhin wissen, wie es denn rechtlich aussehe. Falls ich solche Tätigkeiten ausführen würde und jemand würde sich z.B. durch einen Sturz verletzen, ich aber war nicht qualifiziert für diese Tätigkeiten.
Keine Antwort...
Ich glaube, ich habe die Mitarbeiter in diesem Gespräch so richtig in Rage gebracht. Als ich nach Verabschiedung den Raum verließ, sagte der Personaler laut, damit ich es noch hören konnte:"Jetzt ist mir so verdammt heiß." Eine der beiden anderen erwiderte:"Ja, aber so richtig heiß!"
Irgenwie habe ich es in dem Moment so empfunden, dass mein bemüht selbstbewusstes Verhalten eher kontraproduktiv gewesen war.
Was das Mobbing der Teilnehmerin aus dem Weiterbildungskurs betrifft, so denke ich, da lag der Fehler zuletzt bei mir.
Ich hätte ihr schon während des Kurses Grenzen aufzeigen und mich da notfalls über sie beschweren sollen. Stattdessen habe ich mich im nachhinein in WhatsApp mit ihr angelegt. Auch wenn ich zu dem, was ich geschrieben habe, voll stehe. Sie hat wirklich kein Niveau.
Unverschämt und unangemessen fand ich dann wohl das Verhalten der Kursleiterin, die sich natürlich bis zum Ende der Weiterbildung mit den anderen gut stehen muss. Sie dachte wohl, es käme mehr als gut an, mich als "blondes Hascherl" zu betiteln.
Ich muss echt raus aus diesem Teufelskreis des ewigen Mobbings. Denn ich habe mich deswegen in den vergangenen Jahren fast völlig isoliert.
Zur Zeit habe ich nur noch eine Bekannte, aber dieser Kontakt ist auch nicht ohne Probleme.
Sie bringt bei unseren Treffen meistens ihren Mann mit, der auch gerne gegen mich schießt. Dabei geht es überwiegend um mein Äußeres. Obwohl ich wirklich nicht hässlich bin und immer gepflegt, findet er immer das Haar in der Suppe. Einmal sieht er eine angebliche Delle in meinem Gesicht, dann fallen ihm Falten in meinem Dekollete auf, ein anderes Mal sieht er plötzlich so viele graue Haare.
Auch die ständige Frage, ob ich denn immer noch keinen neuen Job habe, nervt. Vielleicht möchte er damit erreichen, dass ich mich wieder ganz klein fühle. Dabei bin ich erst ein gutes halbes Jahr arbeitslos.
In diesen Fällen ist es für mich schwer, schlagfertig zu kontern, ohne auch beleidigend zu werden.
Daher halte ich es mittlerweile auch so, wie Helena-Rose auch von sich beschrieben hat.
Ich versuche, mir öfter mal selbst positive Momente zu verschaffen. Gönne mir mal einen Behandlung bei der Kosmetikerin, treibe ein bisschen Sport und kaufe mir schöne Blumen für den Balkon oder mal einen Strauss im Discounter fürs Wohnzimmer.
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24.07.2015, 20:41Inaktiver User
AW: Ich komme mit niemandem zurecht! Bin ich eine gestörte Persönlichkeit?
Nun, ich hätte damals vielleicht auch auf eine schickere Brille setzen können, hatte aber einfach die Nase voll davon, und die Eltern wollten das nicht finanzieren, weil sie das Problem nicht gesehen haben...
Was ich aber eigentlich sagen will, ist folgendes: eine große Brille oder sonstige Auffälligkeiten heißen ja nicht automatisch, dass man Mobbing-Opfer wird. Umgekehrt kann man aber durchaus schauen, was man verändern KANN (wenn man es will), um nach außen weniger Angriffsfläche zu bieten. Das hat Helena-Rose ja auch so beschrieben.
Dass sich manche Dinge nicht ändern lassen können (und damit ja dann auch gar nicht sollen), versteht sich von selbst. Und es geht ja auch nicht darum, so etwas wie "selbst schuld" zu sagen, das liegt mir völlig fern. Ich wollte mit meiner Geschichte nur mitteilen, dass 98% meines persönlichen Mobbing-Problems von damals eben den Äußerlichkeiten geschuldet war. Und es hat mich nicht zu einem weniger selbstbewussten Menschen gemacht, das zu ändern, eher im Gegenteil.
Bei Nowayout sind die Äußerlichkeiten ja nicht das Problem, wie sie berichtet hat, denn sie achtet sehr auf sich, aber das konnte ich aus ihrem ersten Posting nicht herauslesen. Insofern will ich das auch überhaupt nicht auf Nowayout bezogen wissen


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