Ich glaube nicht, dass man beschließen kann, nicht zu fühlen. Man kann aber wohl beschließen, den Gefühlen keinen großen Stellenwert einzuräumen. Dann werden die Gefühlsausschläge wahrscheinlich auch recht klein sein.
Wenn ich richtig informiert bin, dann ist ein Leben jenseits der Gefühle im buddhistischen Sinne ein angestrebtes Ziel. Selbst die Meditation hat Elemente in sich, sich (also das Denken, Fühlen etc.) für eine kurze Zeit zu entledigen.
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Thema: Mensch ohne Gefühle
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13.05.2015, 16:43Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
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13.05.2015, 17:07
AW: Mensch ohne Gefühle
Das stimmt, im Buddhismus wird das Nicht-anhaften als hohes Ziel angesehen und die Erreichung einer Beständigkeit im Sein. Diese Thesen kenne ich auch und finde sie total interessant.
Ich lebe so gut es geht bewusst, habe einiges für mich erkannt und lebe es auch. Jedoch waren gerade diese Ansichten letzlich das Netz, in das ich mich verfangen habe und die Realität nicht mehr sah.
Ich bin der Meinung, das wahre Liebe nichts mit Bedürftigkeit zu tun hat. Wenn sich zwei Menschen begegnen, dann geht es nicht darum, was man bekommen könnte, sondern um das, was man in sich in Überfluss trägt. Und ich hatte so viel Liebe in mir, dass es mich beglückte, sie weiter zu geben.
Dazu sehe ich meine negative Empfindungen als meine Zuständigkeit. Wenn mir etwas weh tut, was ein anderer gesagt oder getan hat, kümmere ich mich selbst darum, denn ich weiß, dass es mein Schmerz ist und der andere ihn nur angetriggert hat. Ich übernehme Verantwortung um meine Gefühle. Als wir noch zusammen waren und ich desöfteren mich fühlte, als würde ich gegen die Wand laufen, habe ich angenommen, dass eins meiner Muster angetriggert wurde. Dass mein Gegenüber diesmal "schuld" war, das kam einfach in meiner Denkweise nicht vor.
Man kann sich ganz schön einen Strick bauen.....
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13.05.2015, 17:12Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
Als Lebenspartner sicher nicht.
Ich kenne jemand, der sich selbst als Psychopathen bezeichnet und auch von seiner Ex so klassifiziert wurde; deren Püschologe meinte das festgestellt zu haben, nach nur einem Gespräch (zu dem sie ihn unter dem Vorwand, es gehe um ihre eigene Behandlung, mal mitgeschleppt hatte).
Er ist natürlich kein Stalin oder Hannibal Lecter, aber ich bekomme "es" schon immer mal mit, etwa in Form seiner mitunter doch ... ähem... unpassenden Reaktionen auf - zuvor deutlich ausgedrückte - Gefühle anderer Menschen in unserem Umfeld. Am klarsten offenbarte "es" sich, als er mir vor ca. 2 Jahren vom Tod seiner Mutter erzählte: Keine Regung; ebenso trocken hätte er mir über ein Fußball-Bundesligaergebnis berichten können. Auch als ich ihn dann sanft in den Arm nahm und drückte: Nichts, keine Träne, null. Er sagte mir später dann noch, daß er ein oder zwei Tage "ein bißchen traurig" gewesen sei; danach habe er "weitergemacht wie gehabt".
Natürlich war ihm klar, daß sowas seltsam wirkt und sicher erzählt er das auch nicht jedem. Es fröstelt einen, wenn man sowas dann hört, aber ich sage mir, ebensogut könnte ich einem Menschen ohne Bein vorwerfen, daß er nicht mit zum Joggen kommt... er kann "es" eben nicht.
Ich bin generell mißtrauisch, scheue die Nähe und bewahre daher auch bei anderen Freunden stets im Hinterkopf, daß jeder Mensch ein Abgrund ist und man insofern auf negative Überraschungen stets gefaßt sein sollte. Gleichzeitig bin ich interessiert und abenteuerlustig genug, mich auf Menschen unterschiedlichster Couleur einzulassen, zumindest ein Stück weit - also auch auf ihn, den "Psychopathen".
In seinem Fall war es so, daß er mir gegenüber schon relativ früh sehr ehrlich gesagt hat, was mit seinem Gefühlsleben Sache ist und ich sehe, daß er sich zumindest darum bemüht, seine Umwelt nicht damit zu überfordern.
Vielleicht kam dies anfangs mal dem Tapern durch einen Irrgarten gleich, aber nachdem er jetzt im fortgeschrittenen Alter und vermutlich etliche Reaktionen weiter ist, die er dann entsprechend einzuordnen lernte, kommt er unterm Strich gut genug zurecht, um zwar immer noch als "Original" zu gelten, aber auch integriert zu sein. Er ist allerdings beruflich auch sehr erfoglreich und ein witziger Typ, kann daher diese Schattenseite seines Wesens gut überspielen. Die meisten Menschen schauen nicht genau genug hin, um sie wahrzunehmen und viele Frauen fliegen ihm sogar regelrecht zu.
Er war über die Jahre immer für mich da und so hatte ich bislang keinen Anlaß, unsere Freundschaft in Frage zu stellen, also bin ich es für ihn weiterhin auch. Wobei ich sagen muß, daß wir nicht ständig Hilfe voneinander erwarten bzw. brauchen, es geht hier eher um die Zeit, die man sich füreinander nimmt, um Freizeit gemeinsam zu gestalten oder über bestimmte Dinge zu reden.Geändert von Inaktiver User (13.05.2015 um 17:37 Uhr) Grund: Link mit "Checkliste zur Psychopathie" nachgereicht und diverse stilistische Nachbesserungen vorgenommen.
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13.05.2015, 17:29Inaktiver User
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13.05.2015, 17:32
AW: Mensch ohne Gefühle
Liebe Danube,
vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit mir teilst, ich konnte deiner Schilderung sehr viel entnehmen. Ich sehe es genau so, dass er es einfach nicht kann und dadurch es auch nicht zu erwarten ist. Wichtig finde ich, dass man nicht wie ein Ar... durch die Welt läuft, sondern versucht seine Mitmenschen (wie du so schön sagtest) nicht zu überfordern.
Außerdem finde ich eine gewisse Ehrlichkeit angebracht, die meisten Menschen wissen echt nicht, worauf sie sich einlassen. Wie und wann diese erfolgen kann ist heikel. Ich habe mich auch gefragt, wie es mir so in der Situation ginge und wie ich damit umgehen würde... Schwierig, denn die meiste Rücksicht nimmt man, weil man weiß, wie es sich anfühlt, wenn es einem weh getan werden. Ist dieses Wissen nicht vorhanden, kann der Mensch zwar bemüht sein, anderen eine Freude zu machen, hat aber nicht wirklich Ahnung, was so ein Dasein für fühlenden Menschen anrichtet.
Ich bin immer noch der Auffassung, dass es immer zwei zu einer Erfahrung gehören, mit Sicherheit war wichtig für mich, mit diesem Menschen liiert zu sein und es erst im Nachhinein erfahren. Vor allem auch, da es Anzeichen gab und ich meiner Wahrnehmung nicht getraut habe. Außerdem war die Empathie stärker bei mir als der Verstand. Bereuen tue ich nichts nur muss/will ich mir überlegen, ob wir weiterhin in Kontakt bleiben oder nicht.
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13.05.2015, 17:37
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13.05.2015, 17:42Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
Er sagte mir mal, auf Empathie könne er natürlich nicht bauen, aber er wolle halt nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten und auch integriert in einem angemessenen sozialen Umfeld leben, also habe er zumindest lernen müssen, welche Handlungen positive Reaktionen hervorrufen und welche er besser bleiben läßt, um negative zu vermeiden.
Nüchtern und logisch - etwas anderes blieb ihm wohl kaum übrig.
Unterm Strich gelingt es ihm aber recht gut, muß ich sagen.
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13.05.2015, 21:30
AW: Mensch ohne Gefühle
Ich denke auch, dass solche Menschen nicht ganz isoliert leben können und auch nicht wollen, daher lernen sie Verhaltensweisen, die "angebracht" sind. Die naiven von ihnen versuchen auch Gefühle vorzuspielen, was natürlich nicht gut gehen kann, weil sie übertreiben und unglaubwürdig erscheinen.
Auch mein Ex kommt relativ gut damit klar, er hat geschafft sich zu integrieren und im Alltag hat einige Strategien, um sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Als ich ihn fragte, warum er das seine Mitmenschen nicht warnt, zumindest bevor er eine ernste Beziehung eingeht, dann war seine Antwort, dass dann niemand sich auf ihn einlassen würde...
Ich finde ein solches Schicksal natürlich sehr traurig, aber letzlich erleidet er keine Schmerzen, sondern fügt welche den anderen zu. Im Vergleich zu was er anrichtet - und hier spreche ich natürlich nicht von mir, sondern von seiner langjährige Ehe, die dramatisch für die Frau geendet hat.
Wie dem auch sei, ich bin auch eher vorsichtig, auf wen ich mich einlassse udn glaube nicht alles, was ich höre. Da muss ich auch einen Anteil an meiner "Blauäugigkeit" getragen haben und genau das sich die Themen, die mich weiterführen.
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13.05.2015, 22:31Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
Nur, wenn er ihnen seinen Zustand verschweigt und sie ihn mehr nach Worten beurteilen, statt sich sein Verhalten anzuschauen. Dann werden sie ggfs. enttäuscht.
Mit ein wenig Übung merkt man aber eigentlich recht zügig, daß da "etwas" nicht ganz im Lot ist. Wenn mir als platonischer Freundin das schon gelingt, müßte es einer Intimpartnerin erst recht möglich sein. Könnte mir vorstellen, daß der Sex beispielsweise eher mechanisch verläuft. Aber konkret danach erkundigen werde ich mich bei ihm sicher ebensowenig, wie bei seinen Partnerinnen; ich muß nicht alles wissen, geschweige denn verstehen. Echt nicht.
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13.05.2015, 22:34
AW: Mensch ohne Gefühle
Ob ein Mensch seine Gefühle nicht war nehmen kann, oder tatsächlich keine hat, ist erst mal das selbe für ihn.
Hilfe kann hier nach meiner Erfahrung der Wille zur Veränderung und eine körperorientierte Psychotherapie, wie die Konzentrative Bewegungstherapie in Einzeltherapie durchgeführt sein.
Grüße
Luftpost



Zitieren
. ich hab's korrigert - ich bezog mich tatsächlich nur auf psychopathie. danke!

