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Thema: Mensch ohne Gefühle
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13.05.2015, 14:09
AW: Mensch ohne Gefühle
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13.05.2015, 14:10Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
Ella, hinter genau diesem Satz verbirgt sich für mich die Ursache dafür, dass du dir einen Mann mit diesem Muster gesucht hast. Du glaubst, für die Gefühlskälte dieses Mannes verantwortlich zu sein, "weil du nicht einfach bist". Dahinter stecken drei sehr ungesunde Vorstellungen:
1., dass du für das (psychische) Wohlergehen eines anderen Menschen die volle Verantwortung trägst
2., dass Liebe eine Gegenleistung für Wohlverhalten ist. "Je mehr ich mich anstrenge, je besser ich funktioniere, desto mehr liebt man(n) mich. Und
3. das Selbstverständnis, dass du nicht um deiner Selbstwillen eine Daseinsberechtigung und das Recht hast, geliebt zu werden, sondern dass beides ausschließlich von deinem (Wohl-) Verhalten aus der Perspektive anderer abhängt.
Daraus kann keine "normale" Beziehung auf Augenhöhe entstehen, weil du in deinem Selbstwertgefühl und deiner Eigenwahrnehmung schlimmstenfalls total abhängig von der Rückmeldung deines Partners bist.
Von genau solchen Strukturen profitieren Menschen, die ein starkes emotionales Defizit haben und sich selbst nur in anderen fühlen können. Er brauchte dich, du brauchtest ihn, und schon wird ein Schuh draus.
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13.05.2015, 14:16
AW: Mensch ohne Gefühle
@Opelius Ja, es geht hier um einen Mann, allerdings betrachte ich es aus einer Freundschaftsperspektive. Und dementsprechend sind unsere Gespräche auch offener und ehrlicher, ich denke nicht, dass er mir noch was vormachen will. Aus der beendeten Beziehung haben wir so viel Vertrauen mitgenommen, sonst hätte er sich nie auf diesem Gespräch eingelassen. Als wir zusammen waren war er immer in dieser Hinsicht unannahbar.
Diesmal geht es auch nicht darum, dass ich etwas von ihm erwarte, erhoffe oder gerne hätte. ich habe mich lediglich über seine Reaktionen in einer bestimmten Situation gewundert und das völlig ohne es persönlich zu nehmen. Das einzige, was etwas persönlich ist, ist meine Verwunderung, dass ich es nicht früher gewusst habe....
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13.05.2015, 14:26
AW: Mensch ohne Gefühle
Hallo Rezeptfrei, danke für deine Gedanken, auch wenn sie nicht ganz zutreffen. Aber aus meiner knappen Schilderung unserer Beziehung hätte man es auch nicht erkennen können. Ich bin nicht groß darauf eingegangen, weil ich der meinung war, dass es hiermit nichts zu tun hat. Da du dir aber die Mühe gemacht hast, darauf einzugehen, will ich natürlich deine Nachricht nicht unbeantwortet lassen....
Meine "Kompliziertheit" ist weniger in einer "devoten" Hinsicht, sondern eher in der entgegensetzter Richung. Ich bin gewoht alles alleine hinzukriegen, habe mir mein Leben gut aufgebaut so, wie ich es wollte und bin nicht unbedingt bereit, aus Liebe Komepromisse zu machen. Genaue gesagt ich denke nicht, dass sowas gut geht. Also war ich sehr zurückhaltend was Nähe betraf und er auch. Da mir diese Verhalten nicht fremd war, habe absolut keine Alarmglocken geläutet.
Nein, ich bin für niemanden zuständig, wäre ich das, würde ich eher die Fluch ergreifen. Mir ist sehr wichtig (vielleicht sogar etwas ungesund wichtig) dass der andere vollkommen ist auch ohne mich, dass er glücklich und zufrieden ist und mich nur als Sahnehäubchen betrachtet... Mit meiner Aussage wollte ich eine fehlende Motivation meinerseits andeuten, ich habe auch nicht aus voller Kraft gezogen und ich dachte, deswegen konnte es nichts mit uns werden.
Ich denke, ich ist es etwas klarer. Wie gesagt, die Beziehung ist beendet, heute weiß ich auch, warum wir absolut keine Chance hatten und warum ich mich oft fühlte, als würde ich gegen einer mauer rennen. Und meine Sehnsucht nah Nähe nie gestillt war und ich ihn irgednwie vermisste auch in den Momenten, wo er bei mir war. Ich dachte, ich sei verrückt....
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13.05.2015, 14:26Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
Da hast du recht.
Man kann unangenehme/schmerzliche Gefühle unterdrücken, bzw. sich abtrainieren.
Und ja, junge Männer werden auch oft (bis zu einem gewissen Grad) darauf getrimmt sich gefühlsmässig abzuhärten oder zumindest sich nach aussen zu kontrolieren. Wobei ich denke das die wenigsten durch ihr Elternhaus konditioniert werden.
Es ist meist eher eine Art Eigendynamik, die sich in Umgang junger Männer untereinander entwickelt.
Das Problem ist nur, dass man sich nicht nur die schlechten, weichen Gefühle abtrainiert, sondern auch alle anderen. Im schlimmsten Fall stumpft man emotional komplett ab.
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13.05.2015, 14:27
AW: Mensch ohne Gefühle
Um die Reihen folge ging es mir auch gar nicht, sondern darum, dass das Gefühl auch an eine Situationswahrnehmung gekoppelt ist.
Worauf ich hinaus will: wenn jemand schon früh Erfahrungen von Verlust gemacht hat, dann rechnen manche Menschen vielleicht unbewusst damit, dass etwas Schönes zu Ende geht und dann ist auch das Gefühl des Verlustes weniger intensiv, wenn die Situation eintritt, denn es ist ja das Erwartete. Ich kenne ja den Mann nicht, aber für mich klingt das eher demonstrativ gelassen als gefühllos.Geändert von schlumpsi (13.05.2015 um 14:45 Uhr)
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13.05.2015, 16:13
AW: Mensch ohne Gefühle
Ich habe es ihm ehrlich gesagt abgekauft, dass er generell keinen Verlust fühlt, dass er nicht versteht, was wir so alle haben mit "Gefühlen". Er hat keine, hatte nie welche, oder zumindest nicht seit er sich erinnern kann und es geht ihm gut damit. das war sehr glaubwürdig und wie gesagt, er hat nichts mehr bei mir zu verlieren. Als wir noch zusammen waren hätte er das nie zugegeben, weil er schon Interesse daran hatte, dass es so bleibt.
Nun will ich mich nicht ewig mit ihm befassen, ich war nur etwas verwundert, dass es sowas geben kann... Durch das Schreiben hier wurde mir bewusst, dass es doch wohl sowas geben kann. Aus welchem Grund auch immer, es gibt Menschen die beschlossen haben, nicht zu fühlen und irgendwann fühlen sie auch nicht mehr.
Würdet ihr mit so jemandem zu tun haben wollen? Würdet ihr eine Partnerschaft oder eine freundschaft mit so jemandem eingehen? Was hat man da zu erwarten?
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13.05.2015, 16:25Inaktiver User
AW: Mensch ohne Gefühle
Das ist ein wichtiger Gedanke, den unterschreibe ich. Das Ende dieser Entwicklung ist dann, so meine Beobachtung, die Depression, die ja nicht ein Versinken im Leid, sondern eine tiefe Teilnahmslosigkeit ist.
Gefühle sind ganz wichtige Verhaltensantriebe, und wo die fehlen ...
Wobei ich noch unterscheiden würde zwischen echtem Nicht-Fühlen, also Psychopathie, und einer durch Abwehrmechanismen herbei geführten Trennung von seinen Gefühlen. Die werden dann nur nicht wahrgenommen, Betroffene bekommen irgendwann, auch wenn sie wollen würden, keinen Zugang mehr. Keinen Zugang zu sich selbst.
Gruselig.
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13.05.2015, 16:28
AW: Mensch ohne Gefühle
Bei einer Partnerschaft hätte ich vermutlich ein Problem, weil eine gewisse Verständnisbasis fehlt, aber bei einer Freundschaft? Warum nicht? Er wäre vielleicht nicht unbedingt die Person, bei der ich mich -plakativ gesprochen- bei Liebeskummer ausheulen gehe, aber grundsätzlich würde ich doch eher schauen, ob es sonst passt (ähnliche Interessen, Einstellungen etc.). Ich muss doch nicht mit jedem irgendwelche Gefühle ausbreiten. Zudem meinte er doch, er freue sich, wenn er etwas Schönes erlebt. Also gemeinsam freuen scheint doch zu funktionieren.
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13.05.2015, 16:29
AW: Mensch ohne Gefühle
Hallo Ella,
mir fällt zu Deiner Frage spontan das ein:
Schizoide Persönlichkeitsstörung
Muss auch nicht gleich eine Persönlichkeitsstörung sein, schizoide Persönlichkeiten gibt es auch noch. Es gab auch hier in der Bri schon mal einen Thread zum Thema. Vielleicht findest Du ihn noch. Gibt auch noch mehr Fundstellen bei Google.
Ich weiss ja nicht, ob Du den Betreffenden dabei wiederfindest - ich kenne einen Mann mit schizoider Persönlichkeit und glaube, dass gerade diese Männer oft unterkannt "unter dem Radar" fliegen, weil man vieles davon eben als "typisch Mann" abtut. Ist es aber nicht immer. Für schizoide Persönlichkeiten ist es schwer, aber nicht unmöglich, Beziehungen zu führen. Schwerer ist es tatäschlich für den neurotypischen Partner. Die Gefühl-/ Empathielosen haben ja keinen Leidensdruck - denen fehlt nichts, ihnen sind andere Menschen und vor allem Nähe eher oft zuviel.Die Menge macht das Gift.
T. B. v. Hohenheim



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